Thilo Spahl, Gastautor / 02.04.2021 / 11:00 / 14 / Seite ausdrucken

Klima, aber ohne Herzinfarkt

Weil das Thema Klimawandel in den Medien so sträflich vernachlässigt wird, man hört ja fast nie davon, haben sich einige klimabewegte Menschen zusammengefunden und die Initiative „Klima vor acht“ gegründet. Die fordert in einem Offenen Brief Herrn Buhrow in seiner Funktion als Vorsitzenden der ARD auf, jeden Tag vor der Tagesschau fünf Minuten Klimaschutz zu senden: „Wir fordern Primetime fürs Klima!“

Man habe nachgezählt: Im Jahre 2020 gab es bei der ARD 128 Sendungen, deren Titel oder Beschreibung den Begriff „Klima” beinhalteten, Wiederholungen nicht mitgezählt. Dem Thema Wirtschaft hingegen widmeten sich fast dreimal so viele, nämlich 365 Sendungen. Diese Gewichtung sei nicht angemessen „angesichts einer existenziellen Krise, die sich beschleunigt und intensiviert.“

Da ich nicht fernsehe, kann ich zu keiner der 128 Sendungen, die allein die ARD ausgestrahlt hat (zzgl. Wiederholungen) etwas sagen. Vielleicht waren einige davon gar nicht so schlecht. Aber wahrscheinlich schon, nur halt nicht genug. Wenn nur alle drei Tage eine Sendung kommt, wie soll da der Normalbürger ausreichend die Dramatik empfinden? Die „Macher:innen von Klima° vor acht“ haben das Problem in der sie qualifizierenden Voreingenommenheit klar erkannt: „Durch eine unzureichende Berichterstattung kann jedoch der Eindruck erweckt werden, die Klimakrise sei gar nicht so dramatisch oder bereits ausreichend unter Kontrolle.“ Damit ist das Ziel der Wunschsendung eindeutig formuliert. Hört sich nach optimalen Voraussetzungen für eine objektive Berichterstattung zu einem komplexen Thema („den Zustand unser aller Lebensgrundlagen“) an.

Man sollte es ausprobieren

Ich kann mir ungefähr vorstellen, welche Mischung den Klimavorachter:innen vorschwebt: Ein Drittel Weltuntergang, ein Drittel super innovative Ideen zu Klimaschutz und bewusstem Konsum. Und ein Drittel Stars und Sternchen sagen uns, dass sie das auch ganz doll wichtig finden.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr kann ich mich allerdings für die Idee erwärmen. Eigentlich ist es eine gute Idee. Man sollte es ausprobieren. Es besteht die Chance, dass „Klima vor acht“ dazu beiträgt, dass immer mehr Leute es endgültig nicht mehr hören können. Dass sie sagen: Ah nee, nicht schon wieder irgendwo auf der Welt zu warmes Wetter oder zu viel Schnee oder das 95. Bienensterben. Komm, schalt um, mal sehen, was im ZDF läuft!

Oder Sie machen es so, Herr Buhrow: Sie lassen abwechselnd Apokalyptiker und Klimarealisten zu Wort kommen. Montag, Mittwoch und Freitag präsentiert Luisa Neubauer. Dienstag, Donnerstag und Samstag ist Sebastian Lüning dran. Der ist sicher bereit, mitzumachen. Er produziert und sendet seit Ende letzten Jahres die Klimaschau, ein Format mit nicht-alarmistischen Nachrichten aus der Wissenschaft, kurz erläutert und immer mit Link zu den wissenschaftlichen Original-Arbeiten. Zwar nur einmal die Woche, dafür sehr substanziell. Und natürlich nicht bei der ARD, sondern auf Youtube.

Ich empfehle den Klimavoracht-Vertreter:innen und -Unterstützer:innen und allen über 10.000 Unterschriebenhabenden, die ersten 22 Folgen anzuschauen. Aber natürlich nur, wenn sie sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Mehr Stoff für ein lohnendes neues Fernsehformat könnten sie auch in dem Buch „Schluss mit der Klimakrise. Problemlösung statt Katastrophenbeschwörung“ finden und natürlich im Standardwerk für alle Kimawandelanerkenner-aber-Apokalypsenleugner „Unerwünschte Wahrheiten. Was Sie über den Klimawandel wissen sollten.“ Aber ich fürchte, sie wollen nicht wissen, was sie wissen sollten. Sie wissen ja schon alles. Es würde sie nur verwirren. Sie wollen lieber 365-mal im Jahr die bewährte Botschaft senden: „I want you to panic.“ Stimmt‘s?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Novo-Argumente.

Foto: Tim Maxeiner

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Kurt Müller / 02.04.2021

Wenn man die wissenschaftlichen Fakten zum Klimawandel bündelt, wertneutral betrachtet, sich in einer objektiven Methodenkritik versucht (als MINT-Akademiker hat man da gute Voraussetzungen), und sich aber auch in die wissenschaftliche Argumentationsweise hineindenkt, dann geht es mir auch so, daß ich die Argumente zum Klimawandel überzeugen finde. Es findet ein natürlicher UND ein menschengemachter KW statt. Der Einfluß des Menschen seit Beginn der Industrialisierung ist wissenschaftlich signifikant (Kohlenstoff-Isotope). Zukunftsszenarien bezüglich der konkreten Klimaentwicklung sind spekulativer Natur und werden von den Wissenschaftler nicht abgegeben, wohl vertraut man aber den Klima-Simulationen für eine Prognose über die nächsten Jahrzehnte, denn diese sind anhand von Klimadaten, die sich über Datenzeitreihen über Jahrtausende und -millionen hinziehen, kallibriert und abgesichert. Der Befund des Temperaturanstieges ist wohl evident. Nun ist die Frage, wie man mit dem Befund umgeht und was man daraus macht. Wie die Ökosysteme reagieren ist unbekannt. Es spricht aber einiges für mögliche beschleunigte Veränderungen, z. B. eine Verschiebung von Vegetationszonen. Was das für konkrete Auswirkungen haben würde kann niemand sagen. Es ist aber denkbar, daß es zu einem politischen Problem z. B. durch verstärkte Migrationsströme wird. Also sind die vorgebrachten Standpunkte zum Klimawandel berechtigt und es ist sinnvoll, daß darüber gesprochen wird. Nur müsste wieder mal sachlich darüber gesprochen werden. Nur weil man diesen Befund nicht sehen will und es einem lieber wäre, daß der jetzige Wohlstand bei jetziger Wirtschaftsweise unendlich so weitergeht, heist das nicht, daß sich nicht doch entsprechende Klimaveränderungen vollziehen. Sie vollziehen sich vergleichsweise langsam, z. B. über 50-80 Jahre, also kriegt es der einzelene Mensch in seiner Lebensspanne kaum mit und denkt, es gäbe gar kein Problem.

Hans-Peter Dollhopf / 02.04.2021

Ich habe soeben die empfohlene “Klimaschau” einmal an Folge 14 ausprobiert. Ausgesprochen lehrreich! Danke für den sehr guten Tipp, Herr Spahl.

S.Müller-Marek / 02.04.2021

Das Klima ändert sich seit es die Erde gibt und so lange sie existieren wird. Mit oder ohne Menschen. Das ist Klimawandel. Den gibt es und Punkt. Damit weiß ich alles was ich wissen muss.

Dr. Joachim Lucas / 02.04.2021

Lassen wir erst mal die 365 Wirtschaftssendungen weg. Total unwichtig! Das Geld kommt doch vom Staat. Weiß doch jeder. Dann gibts schon mal 500 x Klima. Und überhaupt: Wir müssen das Fernsehen reduzieren aufs Wesentliche: Sport, Kochen, Klima, Gender und Migration. Reicht. Wir sind schon so nah dran beim Turbohirnwaschgang-TV. Eine letzte Anstrengung noch.

Dr Stefan Lehnhoff / 02.04.2021

Ich fordere, das ARD und ZDF 24 Stunden Klimasendungen machen. Endlich schaut gar keiner mehr zu !

D. Schmidt / 02.04.2021

Wer braucht schon Klima, wenn wir doch Corona haben? Nicht alles auf einmal bitte. Bitte ziehen Sie eine Nummer, um ihr Anliegen vorzubringen. Schwachsinn im Quadrat. Die bringen Corona nicht mal unter Kontrolle, wollen aber irgend ein Klima retten. Idioten!

Udo Kemmerling / 02.04.2021

“...wenn sie sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen wollen.” Wenn sich die Klimakirche ernsthaft mit dem Thema auseinadersetzen wollte, gäbe es das Thema nicht, und die dazugehörige Glaubensgemeinschaft auch nicht.

Joerg Haerter / 02.04.2021

Ich fange ganz klein an, mit Windschutz. Wenn ich das geschafft habe, wage ich mich an den Regen, danach wird das Wetter geschützt, falls ich dazu noch vor meiner Einlieferung komme. Ich dachte eigentlich, wir haben das Zeitalter des Aberglaubens überwunden.

Jo Pabst / 02.04.2021

Wenn in den Nachrichten die Worte Klima, Migration usw auftauchen denk ich gleich an Sudeledes Schwarzen Kanal und beim Wort Corona sofort an die AK.  Nur leider gibts hier im (Tal) Land der Ahnungslosen kein Westfernsehen.

giesemann gerhard / 02.04.2021

Problemlösung: make love, not (too many) babies.

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