Gastautor / 08.09.2017 / 06:25 / 6 / Seite ausdrucken

Knut lebt, ist fett und pumperlgesund

Von Eugen Sorg.

Wie geht es eigentlich den Eisbären? Noch vor zehn Jahren wurde ihnen ein baldiges Aussterben prophezeit. Die von den gierigen Menschen verursachte globale Klimaerwärmung würde das polare Packeis bis spätestens 2013 oder 2014 zum Schmelzen bringen, so verkündeten es renommierte Wissenschaftler, und damit den weissen Königen der Arktis die Lebensgrundlage entziehen und sie dem Hungertod ausliefern. Heisse Zuneigung schlug den angeblich bedrohten Tieren entgegen.

Der Eisbär wurde 2008 von der Weltnaturschutzunion (IUCN) auf die Rote Liste der gefährdeten Arten gesetzt. Ein kleiner Eisbär namens Knut, der im Zoo von Berlin von seiner Mutter verstossen worden war, wurde zum Weltpublikumsliebling, "Knuddel Knut", "Cute Knut", "Knut ist gut", dessen frühes Ableben zu ähnlichen Trauerexzessen führen sollte wie seinerzeit der Tod von Prinzessin Diana. Und Umwelterlösern wie Greenpeace oder WWF spülten Schauervideos von im Eismatsch jämmerlich absaufenden oder auf kleinen Eisschollen in ozeanischer Verlorenheit treibenden ausgemergelten Polarbären viel Spendengeld in die Kriegskassen.

Umso erstaunlicher war es, als Professor Michael E. Mann, einer der einflussreichsten Warner vor einem Klima-Armageddon, kürzlich beschied, "Eisbären und ähnliche Ikonen wie Pinguine" seien ungeeignete Symbole für Umweltkampagnen. Sie würden das falsche Bild suggerieren, Klimawandel sei ein "exotisches Problem in abgelegenen Weltgegenden". Warum forderte der mit allen Wassern gewaschene Aktivist Mann den Verzicht auf ein derart erfolgreiches Propaganda-Maskottchen wie den verendenden Eisbären? Weil ihm bekannt sein dürfte, dass die Untergangsprognosen falsch waren.

Die Polkappen sind nicht geschmolzen, das Packeis friert jeden Winter wieder zu, Knut ist gut genährt und lebendig. Keine der Eisbärpopulationen ist ausgestorben, weder in der Western Hudson Bay noch sonst wo in der Arktis. Im Gegenteil, die Zahl der Tiere ist stabil, mit geschätzten 22'000 bis 32'000 Exemplaren (IUCN) gar noch grösser als vor einem Jahrzehnt. Aber besser, man spricht nicht davon. Das Klimarettertum ist längst ein quasireligiöses Milliardenbusiness. Gute Nachrichten bedrohen den Fluss der Subventionen, Legate, Forschungsgelder. Und fette Eisbären sind gute Nachrichten.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Basler-Zeitung.

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost (6)
Sebastian Freitag / 08.09.2017

Die Eisbären sterben so schnell nicht aus. Die Erde erwärmt sich aufgrund der Kohlenstoff Emissionen so schnell wie nie zuvor. Beides wahr.

Daniel Oehler / 08.09.2017

Die Überschrift ist offen gesagt etwas peinlich. Der echte Knut bekam medienwirksamen Besuch von einem SPD-Bonzen namens Sigmar Gabriel. Danach ging zuerst der Eisbär ein. Wenige Jahre später war auch Knuts Pfleger tot. Spätestens seit diesem tödlichen Drama ist die SPD für kleine Mädchen unwählbar, und damit natürlich auch für deren gut gezogenen Eltern. In Zeiten der Debatten über Klimawandel sieht es schlecht aus für eine Partei, die zumindest einen toten Eisbären auf dem Konto hat.

Dietmar Schmidt / 08.09.2017

Hallo zusammen, richtig ist jedenfalls, dass alle Untergangsprognosen der letzten 50 Jahre nicht eingetreten sind, d.h. für mich hat die Szene ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem. Richtig ist auch, dass es ca. im Jahr 1720 auf der Erde wärmer war wie heute, also ist auch mit den Prognosen der so genannten Klimaretter, die unverantwortlich viel Geld scheffeln, Vorsicht angesagt und natürlich bin ich froh darüber, dass es den Eisbären gut geht. Gruß Dietmar

Hartmann Ulrich / 08.09.2017

Beschwörende Texte wie dieser können an den Tatsachen nichts ändern: Die Temperaturen sind weltweit gestiegen und werden vermutlich weiter steigen. In meiner süddeutschen Heimat war dieser Sommer der drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Wir empfanden ihn aber als durchwachsen - ein Zeichen, wie wir uns an die Erwärmung schon gewöhnt haben.

Werner Lange / 08.09.2017

Ein kleiner Beitrag aus derzeitiger Lektüre (Joachim Fest, Im Gegenlicht. Eine italienische Reise, S. 270, München 1988): „Ganz fremd dagegen seien ihm [Fests Gesprächspartner in Neapel; wer das Buch kennt, der weiß, dass Fest hier jemandem die eigene Meinung in den Mund legt. W.L.] die Deutschen. Manchmal denke er, sie fürchteten die Krise nicht, sondern liebten sie geradezu. Aber auf eine verrückte, besessene Weise. Seit Jahren erfänden sie immer neue Anlässe, um sich zu ängstigen. Herpes und Aids, das Waldsterben, die Kernkraft und das Ozonloch. Zugleich hielten sie sich ihre Schrecken wie ein moralisches Verdienst zugute und wollten sie aller Welt aufnötigen. […] Er sprach auch von seinem Verdacht, dass diese Angst nur Gehabe sei und eine andere Maskerade der deutschen Arroganz. Einmal falle sie in Uniform, dann im härenen Gewand über die Welt her. Aber Unterjochungsbedürfnis sei es immer.“

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