Richard Wagner / 19.07.2016 / 09:13 / 6 / Seite ausdrucken

Aus dem Zeitalter der Dummheit

Dass wir im Zeitalter der Dummheit leben, wird uns beinahe täglich vor Augen geführt. So, wenn wir glauben, einen feinen Unterschied zwischen Islam und Islamismus zu erkennen. Oder wenn wir verstehen wollen, warum jemand gezielt Kinder mit einem Lastwagen überfährt.

Was aber ist Dummheit wirklich? Ist es die Unfähigkeit, die eigenen Interessen deutlich zu machen oder geht es einfach nur um die Feigheit, um das Zurückweichen vor dem Gegner? Ist sie, so gesehen, etwa Teil der Toleranz, die den Barbaren bestenfalls zum an sich harmlosen Halb-Analphabeten erklärt?

Nein, die Barbaren stehen nicht vor der Tür. Sie halten auch nichts vom Anklopfen,  fallen sie doch seit eh und je mit der Tür ins Haus. Ihre Unduldsamkeit ist sprichwörtlich. Sie hat mit unserer Ungeduld nur wenig zu tun. Wir aber glauben immer noch an Gründe für die Barbarei, Gründe, die bei uns liegen würden. Unsere Betrachtungsweise bleibt postkolonial, wir sind auch jetzt wieder bemüht, Tür und Tor zu unseren Herzen zu öffnen. Wir haben den Barbaren den Tanz  auf der Zugbrücke präsentiert.

Als wäre der Islamist nichts weiter als ein aus dem Ruder gelaufener Womanizer

Muss ich noch sagen, dass es sich dabei um eine Dummheit handelt? Sind wir tatsächlich so dumm, dass wir nicht mehr unsere Masken erkennen, wenn wir zur allgemeinen Begrüßungszeremonie für die Barbarei in Erscheinung treten, um den Handschlag mit dem Gotteskrieger zu praktizieren. Und schon sind wir wieder einmal bei der Geschlechterfrage, und zwar an der gleichen Stelle wie vor einem Jahrzehnt und wie vor zwei Jahrzehnten auch schon. Auch in dieser Frage sind wir also keinen Millimeter vorangekommen.

Da die Barbaren die Barbarei nicht aufgeben wollen, ist man neuerdings bemüht, den europäischen Mann anzuprangern, mit dem Ziel, ihm eine geschickt versteckte Neigung zur Barbarei zu attestieren. So, als wäre der Islamist nichts weiter als ein aus dem Ruder gelaufener Womanizer.

Ich gebe es zu, dass ich im  Fahrstuhl oder in der Theaterpause, auf dem Wochenmarkt und an der Ampel die Frauen unverhohlen und frech betrachte und mir dabei gelegentlich einen hochphantasiere, und das wollen mir unsere Frauen ja auch parlamentarisch korrekt austreiben.

Ich halte es für eine Dummheit. Was zwischen den Geschlechtern ist, kann nur an Ort und Stelle verhandelt werden, es geht schließlich um den Preis, den beide Seiten zahlen wollen. Die Geschlechterfrage in Europa hat  mit der grundsätzlichen Rechtlosigkeit der Frau im Islam nichts zu tun.

Der Gegner sitzt in unserem Rücken und spielt mit den Regeln

Der LIMES ist längst zur Maginot-Linie verkümmert. Der Gegner sitzt in unserem Rücken und spielt mit den Regeln. Mit den unsrigen und mit den seinen, während wir uns darüber gepflegt unterhalten, ob der Islam-Prediger aus dem Hinterhof, das Recht hat, der patenten Abgeordneten von nebenan den Handschlag zu verweigern.

An dieser Stelle mischt sich der junge Philosoph und Erbe eines Mittelstandsunternehmens in Braunschweig und Peine mit dem Vorschlag ein, dass der grinsende Karthagene statt des Handschlags zu einer ästhetisch aufrüstenden Geste greifen, das heißt, die Hand aufs Herz legen könnte. Auf seines, selbstverständlich.

Damit wäre er auf geradezu humanistisch gebildete Weise integriert. Das Selfie dieser Eingebung zeigt unseren Nachwuchsphilosophen und Universalerben in einer Lage, die wir bereits kennen und deren Folgen wir auch schon erlebt haben.

Über die Macht der Dummheit hat kein geringerer als Andre Glucksmann geschrieben. Der Pariser Philosoph ist in diesem Frühjahr, von der Öffentlichkeit fast unbeachtet, gestorben. An seinem Todestag wurde ein Attentat verübt und so hatten sich die Medien ein weiteres Mal mit den Barbaren in Sondersendungen auseinanderzusetzen. Da blieb kaum Zeit für  einen Philosophen wie Andrè Glucksmann.

Leserpost (6)
Wolfgang Schmid / 19.07.2016

Es ist nicht so sehr Dummheit, es ist die Angst - die Angst, den anderen Grenzen aufzeigen zu müsen. Und die Angst, diese Grenzen (die äußeren wie auch die inneren) dann auch geschlossen zu verteidigen. Die Angst, konsequent sein zu müssen, unbequem und notfalls auch entschlossen und rücksichtslos. Es ist die Angst, anderen Unrecht oder Gewalt antun zu müssen. Es ist die Angst, so zu werden wie unsere Großväter, vor denen man uns immer gewarnt hat. Es ist die Angst, Täter zu werden. Da bleiben wir lieber Opfer. Wir haben Angst erwachsen zu werden - und lassen uns deshalb von frühreifen 21-jährigen Nordafrikanern, Afghanen und Türken auf der Nase herumtanzen und unter den Rock fassen. (Leute , die man zwar mit abgelutschten Teddies bewarf, deren Kinder man nicht in der bilingualen Privatschule sehen möchte, auf die man Lea-Sophie und Sebastian-Johann mit dem Cayenne fährt…)

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