Richard Wagner / 04.04.2012 / 16:32 / 0 / Seite ausdrucken

Dichtender Ostermarschierer Grass entwaffnet Israel

Günter Grass hat ein Gedicht geschrieben. Ein Gelegenheitsgedicht. Gelegenheitsgedichte sind oft literarisch getarnte Manifeste. Der Meister des deutschen Gegenwartsgelegenheitsgedichts ist und bleibt Erich Fried. Er schrieb bekanntlich Verse gegen den Vietnamkrieg und für die Affenliebe der alternden Männer. Fried war kein guter Dichter, und Grass, der seinen Versspuren folgt, ist es auch nicht. Er hat schon vor etlichen Jahren die Herausforderung des linkspopulistischen Fried angenommen und ein Kompendium zum Thema Altersgeilheit vorgelegt. Fehlte nur noch der Krieg.

Den hat Grass jetzt aber auch entdeckt, und die konstatierte Kriegsgefahr ist, der Nobelpreisaugenhöhe entsprechend, groß. Der Einwurf des Gelegenheitspolitisierers beruht auf einer frappierenden Auskunft: Die Existenz der iranischen Bombe sei unbewiesen, steht im Text. So dumm ist nicht einmal mehr die UNO. Aber es handelt sich ja nur um ein Gedicht.

Auch dieses Vorkommnis legt nahe, dass die so genannten Flakhelfer, das letzte Aufgebot des Führerbunker-Reichs, uns nicht weiter belehren sollten. Die meisten von ihnen waren nicht bloß Flakhelfer. Auch Günter Grass. Sie gehörten und gehören in Deutschland zu jenen Kreisen, in denen ein dringendes Bedürfnis, eine Art Inkontinenz herrscht, Israel zu kritisieren. Als wäre die Israelkritik die Nagelprobe für unabhängiges Denken.

Es geht aber nicht, wie man uns glauben lassen will, um die Kriegsgefahr, die von Israel ausgehe. Israels Waffen sind unter der Kontrolle von Regierung und Parlament. Zur Erinnerung: Israel ist eine Demokratie. Der Iran aber ist ein Ort der Barbarei. Israels Bombe schützt das Volk, das von den Machtgruppen des Dritten Reichs vernichtet werden sollte. Zu diesen Kräften und Organisationen gehörte auch die Waffen-SS, in der Günter Grass zuletzt noch Mitglied war. Das ist die Wahrheit, das Gedicht kommt ohne sie aus.

Ja, es ist ein Akt der Wiedergutmachung, wenn ein deutsches U-Boot an Israel geliefert wird. Aber auch die Wiedergutmachung ist nicht das Werk eines Günter Grass, sondern die Tat von Konrad Adenauer.

Die Ursachen der Kriege und der ständigen Kriegsgefahren im Nahen Osten gehen nicht auf die Existenz des Staates Israel zurück, sondern auf das Scheitern der islamischen Welt an der Moderne.

Israel als den Hauptstörfaktor in Sachen arabischer Normalisierung darzustellen, bedeutet letzten Endes, auch in der Grass-Formel von der internationalen Kontrolle der israelischen Bombe, de facto, seine Entwaffnung. Seine Entwaffnung aber wäre die Aberkennung des Rechts auf Selbstverteidigung, und damit die Aberkennung des Existenzrechts Israels. Nein, Günter Grass hat nicht bloß ein Gedicht geschrieben. Er hat ein Manifest vorgelegt. Es ist das Manifest der ewig Gestrigen.

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