Gunnar Heinsohn / 10.07.2018 / 16:00 / 5 / Seite ausdrucken

Warum der Krieg in Nigeria nicht aufhören wird

60.000 Opfer werden seit 2001 im Krieg der Fulani Nigerias gegen Berom und andere Bauernstämme gezählt. Das liegt weit über den rund 30.000 Opfern des islamistischen Boko Haram (Bücher sind Sünde) seit 2009. Die Aktionen der Fulani erfolgen als stetig dichter werdende Kette von Pogromen. Hirten treiben ihre Herden auf Felder, deren Eigentümer durch Schlachten der Tiere und auch mit bewaffnetem Widerstand dagegenhalten. Als „gerechte“ Rache für diese Aktionen vollziehen die Fulani dann ihre Massaker.

Da – je nach Region – 70 bis 90 Prozent der Getöteten Christen sind, haben die Auseinandersetzungen die Gestalt eines Religionskrieges. Doch die Glaubensgemeinschaften gibt es viel länger als die Kampfhandlungen. Was also treibt früher aushaltbare Differenzen ins Blutvergießen? 

Herdenwirtschaft benötigt viel mehr Land als Pflanzenproduktion. Beide benötigen ein Vielfaches dessen, was für Industrien und Dienstleistungen erforderlich ist. Bleibt eine Bevölkerung stabil, kann das nur langsame Wachstum der modernen Wirtschaftszweige unproblematisch bleiben. Doch mit Nigerias Sprung von 40 auf 200 Millionen Menschen seit 1950 sind die attraktiven Weide- und Ackerflächen längst knapp geworden.

Merkels 300 Millionen Zusatz-Euro

Es kann nur enger werden, weil bis 2050 sogar 410 Millionen Menschen erwartet werden. Immer noch gibt es mit sechs Kindern pro Frauenleben ein Vierfaches der deutschen Leistung. In lediglich einem Jahrhundert klettert Nigeria von Platz 14 auf Platz 3 der bevölkerungsreichsten Nationen, während Deutschland im selben Zeitraum von 7 auf 24 und die Schweiz von 69 auf 99 absinkt.

Nigerias Verlust eigener Industrien – mit einem Rückgang um über 40 Prozent seit 2012 gegen die überlegene asiatische Konkurrenz – zwingt auch der Landwirtschaft bereits Entkommene zurück in den Streit um Flächen. Können sie nicht auswandern und verpuffen auch Merkels 300 Millionen Zusatz-Euro für afrikanische Erfolge auf den Weltmärkten, werden die Nachrichten und Bilder über Grausamkeiten zunehmen.

Die Religion kommt zum Zuge, weil muslimische Hirten bisher vor allem christliche Bauern angreifen. Sie wissen schon, dass sie unrecht handeln. Doch „Ungläubigen diese Ressourcen mit Gewalt zu entreißen”, verleiht ihren Verbrechen eine höhere Legitimation. Doch wenn Christen – immer noch eine knappe Hälfte der Bevölkerung – sich militärisch besser organisieren, kommt der demografische Druck auch innerhalb der Bekenntnisse zum Zuge. Der Kriegsindex von heute knapp 5 (D: 0.65; A: 0.75; CH: 0.77) und immer noch 4.5 im Jahre 2030 (D: 0.75; A: 0.74; CH: 0.78) trifft alle. Durchgehend müssen 4.500 bis 5.000 Jünglinge von 15 bis 19 Jahren um die Positionen und Ländereien von 1.000 Männern zwischen 55 und 59 Jahren kämpfen. Vorwände für Gewalt finden sich dann allemal auch zwischen Verehrern derselben Gottheit. Frommer Eifer mag ein Feuer heller lodern lassen, seinen Treibstoff liefert er nicht.

Siehe zu diesem Them auch: Internationale Gemeinschaft ignoriert Genozid an Christen in Nigeria

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Martin Wessner / 10.07.2018

@Frau Sigrid Schonard Ist eine kleine ironisch-prolemische Bemerkung zur vorangeschrittener Stunde erlaubt?! Die Antwort auf Ihre Frage, warum Afrika eigentlich (immer noch) arm ist, die hat die Mehrheitsbevölkerung im kunterbunten Regenbogenland von Godfather Nelson Mandela schon gegeben. Und die lautet in Englisch: “Shot, shot, shot the boer!” beziehungsweise in Zulu: “Dubula, dubula, aw dubul’ibhunu!” Das Motto der Partei EFF(Economic Freedom Fighter), die in Südafrika ähnlich stark an Zuwachs gewinnt wie die AfD in Sachsen oder Bayern -nur mit antagonistischer politischer Ausrichtung- ist wortwörtlich: “A revolutionary must become a colt killing maschine motivated by pure hate!” Eine Antwort und eine Motto, das auch so manchem Freund eines kunterbunten Deutschland gewiss sofort einleuchtet. Sanfte, friedliche und harmonische Grüße Martin

Martin Wessner / 10.07.2018

@Herr Prof. Heinsohn Es wäre interessant auch etwas über die demographische Situation in Mexico und den angrenzenden mittelamerikanischen Ländern zu erfahren, damit man als AchGut-Leser einen kleinen oder etwas grösseren Eindruck erhält, welchen Herausforderungen sich Präsident Trump in seiner ersten und vielleicht auch nachfolgenden zweiten Amtszeit stellen muss, wenn er bei dem hochkontroversen innenpolitischen Thema der illegalen Migration an der südlichen Grenze der USA das seit Jahrzehnten virulente Problem nicht nur zur Zufriedenheit der eigenen Wähler, sondern auch zur Befriedung der ganzen Nation mit oder auch ohne einer Art von “Berliner Mauer” lösen will.  Und auch einen Blick auf das südlichste Land in Afrika wäre vielleicht lohnenswert -wie ich finde- da in den Medien beunruhigende Nachrichten und Meldungen zu vernehmen sind, die durchaus die Frage aufwerfen könnte, ob in der sogenannten “Regenbogennation” in naher Zukunft ein möglicherweise blutiger “Clash of civilizations” ante portas ist.

Franz Rieger / 10.07.2018

Seit wann muss man bei einer Ausfuhr Zoll bezshlen ? Soll wohl ein Scherz sein!

Sigrid Schonard / 10.07.2018

Afrika, für viele Deutsche wie mich, bedeutet Afrika das Bild des nackten Kindes mit dem dicken Bauch und der Fliege auf der Nase.  Afrika, dafür haben wir vor 50 Jahren schon gesammelt, Omis haben Decken gestrickt, Kleider gesammelt, Patenschaften gab es noch und nöcher, Ärzte ohne Grenzen, technisches Hilfswerk mit Brunnenbohrung.  Unvergessen Karl-Heinz Böhm als Retter Äthiopiens. Afrika ist arm. Basta.  Aber warum es arm ist und warum es auch aller Voraussicht nach arm bleiben wird…. tja, warum eigentlich? Wir erforschen Vieles, es ist bekannt, wie viel Klopapier jeder Deutsche benutzt, aber warum Afrika arm ist und es auch bleibt, das bleibt ein Rätsel.  Es gibt Berichte von Leuten, die dort lange gelebt haben, die das aus ihrer Sicht erklären, das möchte man aber nicht hören. Afrika hat selber Schuld…. Nein, um Gottes Willen nicht. Womöglich würden die Spendengelder zurückgehen.  Afrika hat seine Bevölkerungsexplosion ja gar nicht alleine geschafft, mit beteiligt war ganz sicher die medizinische Versorgung, viele viele Spendengelder, aus aller Welt finanziert.  Unsere Pflicht aus deutschen Werten heraus wäre, die Realität zu zeigen.  Afrika ist nicht das kleine Ding mit dem dicken Bauch und der obligatorischen Fliege. Nein, die Flüchtlingsboote sind voller recht kräftiger junger Männer, die in ihrem Leben noch nicht viel Hunger gesehen haben.  In 40 Jahren wird sich die Bevölkerung dort verdoppelt haben. Werden wir auch doppelt so viele Hilfsgüter leisten können? Doppelt so viele Ärzte dorthin schicken? Doppelt so viele Brunnen bohren? Kann dieser Kontinent denn doppelt so viel Nahrung erzeugen? Und wenn nein? Wo soll diese Nahrung denn angebaut werden? In Deutschland?, das dank enormer Migration auch eigenes Bevölkerungswachstum bis dahin erwartet.  Der Welt wäre mehr geholfen mit einem Deutschland der harten pragmatischen Analyse, wie mit einem Deutschland voller helfender Omis, die Leute über die Straße helfen, die gar nicht über die Straße wollen.

Frank Stricker / 10.07.2018

Hatte Merkel da vielleicht was verwechselt ?  Muttis Finanzspritze von 300 Millionen Euro für Afrika um “Fluchtursachen” zu bekämpfen ,  waren wahrscheinlich für den Iran vorgesehen. Die wollen jetzt sogar mit dem eigenen Flugzeug kommen , um die 300 Millionen Euro in bar mitzunehmen !  Stell mir gerade den iranischen Präsidenten Rohani am Frankfurter Flughafen, Terminal 1, vor mit 300 Koffern a” 1 Million Euro.  “Haben sie was zu verzollen ? Nööö, wir exportieren nur 300 Kuckucksuhren……………...

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