Vince Ebert (Archiv) / 11.12.2014 / 03:42 / 6 / Seite ausdrucken

Vergesst die runden Tische!

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn in letzter Zeit eine bedeutende Führungskraft ein Interview gibt, dann hört sich das so an, als hätte er sich auf dem Kirchentag verirrt. Meistens geht’s nicht um so ekelige Sache wie Shareholder-Value, Kostensenkungen oder Expansions-Strategien sondern um eher „weiche” Themen á la „wir müssen in Zukunft mehr an unserer Work-Life-Balance arbeiten” oder auch „Nachhaltigkeit wird in unserer Firmenphilosophie ganz groß geschrieben” und natürlich der Klassiker: „selbstverständlich sind unsere Mitarbeiter unser höchstes Gut”.

Seit 25 Jahren wird in praktisch allen Management-Büchern gebetsmühlenartig wiederholt, wie unerlässlich Empathie, Mitgefühl oder soziale Kompetenzen für moderne Führungskräfte sind. Mit Freundlichkeit und Verständnis soll der zeitgemäße Manager behutsam eine Atmosphäre des gegenseitigen Respekts im Unternehmen aufbauen.

Auffallend selten wird dagegen geschrieben, wie ungeheuer erfolgreich Firmengründer und Top-Manager agieren, die ihre Angestellten in Angst und Schrecken versetzen. Ferdinand Piëch oder Jack Welch waren sich stets bewusst: Nicht Geld regiert die Welt, sondern nackte Angst! Sie bauten Weltkonzerne auf mit einem autokratischen, egozentrischen und unerbittlichen Führungsstil. Vom Schraubenkönig Reinhold Würth sind legendäre Geschichten bekannt, wie er seine unterdurchschnittlichen Vertriebsleute demütigt. Angeblich mit Negativ-Incentives. Der umsatzschwächste Mitarbeiter bekommt eine Woche Aufenthalt in Hannover. Aber nur bei schlechtem Wetter. Bei gutem wird abgesagt.

Eine durchaus wirkungsvolle Methode, der sich schon Al Capone bewusst war als er sagte: „Mit einem freundlichen Wort und einem Gewehr kommt man eben wesentlich weiter als mit einem freundlichen Wort alleine.”

Insgeheim weiß es natürlich jeder von uns: Unter objektiven Gesichtspunkten sind viele erfolgreiche Manager oftmals gefährliche Irre. In den Führungsetagen der Top-Konzerne finden sich dreimal mehr Psychopathen als in der Durchschnittsbevölkerung. Richard Branson ist ein großes, pubertierendes Kind. Steve Jobs war ein cholerischer Charismatiker, der Onkologen für Idioten hielt und seine Krebserkrankung lieber mit esoterischer Naturheilkunde bezwingen wollte. Hinter den Erfolgsgeschichten von großen Unternehmer-Persönlichkeiten stecken häufig psychologische Krankheitsgeschichten.

Andererseits sind möglicherweise genau diese Charakterzüge auch nötig, um Veränderungen in die Wege leiten zu können, auf die alle anderen erst mal negativ reagieren. Eine narzisstische Persönlichkeit hilft, wenn man von allen Seiten wegen einer unpopulären Maßnahme angefeindet wird. Ingvar Kamprad, Winston Churchill oder J.P. Morgen trafen zahllose Entscheidungen, die andere aus Furcht, Zweifel oder dem Gefühl der allgemeinen Ablehnung niemals getroffen hätten.

An runden Tischen können vielleicht Friedensgespräche ausgehandelt werden, bei unternehmerischen Entscheidungen führen sie dagegen oft zu feigem Durchschnitt. Der Glaube, dass bei wichtigen Weichenstellungen jeder im Unternehmen gefragt werden sollte, dass Veränderungen am besten in der Gruppe entschieden werden müssen, führt nicht selten zu belanglosem Bullshit. Der Konsensglaube tötet kühne Ideen. Er ist eine ängstliche, charakterlose Form, eine Entscheidung herbeizuführen. Der mutlose Wunsch, niemanden zu verletzen.

Narzisstische Führungskräfte mögen ab und an Unternehmen in den Abgrund führen. Doch andererseits haben sie auch phänomenale Dinge geschafft, zu denen andere nie fähig gewesen wären.

Christoph Kolumbus war ein selbstgerechter Spinner, der auf seinen Fahrten meist keinen blassen Schimmer hatte, was er tat. Als er am 3. August 1492 in See stach, hat er entgegen den zuhause gebliebenen Gelehrten die Distanz auf dem Meer völlig unterschätzt. Aber im Gegensatz zu den Besserwissern auf dem Festland erinnern wir uns an ihn. Weil er nicht herumgelabert, sondern weil er etwas gemacht hat.

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Leserpost

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Uwe Mildner / 11.12.2014

Einleuchtend. Und doch gibt es auch anders geführte Projekte die erfolgreich sind. Beim Klettern sagen wir Angst macht dumm. Weil Angst nachweislich andere Systeme in Gang setzt. Vielleicht gilt der Text eben allein für CEO. Das allerdings kann ich im Text nachvollziehen.

Karl Krähling / 11.12.2014

Zitat: „Narzisstische Führungskräfte mögen ab und an Unternehmen in den Abgrund führen. Doch andererseits haben sie auch phänomenale Dinge geschafft, zu denen andere nie fähig gewesen wären.“ Was da alles für unanständige Gedanken aufkommen können. ‘Wenn sie denn erfolgreich waren’, der Zusatz hätte wenigstens noch hinzugehört.

Gunter Frank / 11.12.2014

Lieber Herr Ebert, ich schätze Sie sehr, aber jetzt werfen Sie Einiges Durcheinander. Narzissten, die das Glück hatten, die richtige Idee zur richtigen Zeit zu haben, hilft es sicher ohne Rücksicht auf Verluste Ihr Ding durchzuziehen. Wenn es aber darum geht das Alltaggeschäft auf dauerhafte Füße zu stellen, dann machen Sie mehr kaputt. Dann braucht es eben sozial kompetente Führungskräfte um langfristig zu motivieren. Hire und Fire funktioniert eben nicht mehr, allein schon wegen Nachwuchsmangel. Von Würth und auch anderen Patriarchen könnte ich ihnen ein paar Beispiele erzählen…... Herzliche Grüsse Gunter Frank

Hjalmar Kreutzer / 11.12.2014

Erfolgreich in der Firma immer entlang der Grenze zur Psychopathologie? Mag sein, sicher ist, dass nicht der Runde Tisch, sondern der verantwortliche Manager die Ansagen machen muss. Ob dies immer in der Form geschehen muss, dass der Ansager als psychopathisches @..ch daherkommt, bezweifle ich. Jeder, der es sich leisten kann, wird versuchen, einen Job zu finden, in dem er keinen Kontakt mit solchen Typen hat. Woher kommt wohl die Servicewüste Deutschland mit innerer Kündigung zahlloser demotivierter Mitarbeiter? Warum werden in meiner Praxis von manchen Reinigungsmitarbeiterinnen “die Ecken rundgewischt”? Hat nicht nur mit der bescheidenen Bezahlung, sondern auch mit der ebenso bescheidenen Behandlung durch den Firmeninhaber zu tun, je kleiner der Laden, desto ruppiger der Ton. Auch als Freiberufler schaue ich nach 22 Jahren immer mehr danach, ob ich es mir leisten kann, weniger zu arbeiten und es nicht trotzdem reicht. Ich erinnere an Heinrich Bölls Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral: Der Fischer hat früh am Morgen im Mittelmeer einen erfolgreichen Fang gehabt und schon verkauft und döst jetzt ein bißchen in der Vormittagssonne. Der deutsche Tourist rechnet ihm vor, wieviel Profit er noch machen könnte, würde er noch zwei-dreimal rausfahren, dann könne er sich in ein paar Jahren eine ganze Bootsflotille mit Angestelleten leisten und müsste nicht mehr selbst fischen, sondern könnte in der Sonne liegen. Sagt der Fische: “Genau das tue ich doch jetzt!”

Helfried Richter / 11.12.2014

Phantastisch, Herr Ebert! Wäre noch zu erwähnen, dass es in der Politik leider noch viel schlimmer aussieht: Da sitzen in Kommissionen, welche die energiepolitischen Weichen für die gesamte Volkswirtschaft auf Jahrzehnte stellen, nur Pastoren, Soziologen und andere mit null Sachkenntnis versehene Moralisten und “Energieexperten” wie Claudia Kemfert mit BWL-Abschluss. Diese Dame erinnern die Maxwellschen Gleichungen an irgend etwas mit Kaffeepreisen. Was bleibt solchen Chargen anderes übrig als esoterische Stuhlkreise zu bilden? Bei denen dominiert die Angst vor Tsunamis in der Hocheifel, welche die AKWs überfluten, gegenüber dem Mitleid mit jenen, die ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können. Auch nicht gerade ein Beweis für Empathie, obwohl gerade sie andauernd auf der Gefühlswelle (“Atomkraft ist böses Teufelswerk”) reiten. Diese mit Technikkastraten besetzten Kommissionen wurden von der Bundesmutti leider absichtlich so zusammengestellt, damit ihre vorgegebene Linie, Grünenwähler zur CDU abzuziehen, auch durchgewunken werden kann.

Holger Chavez / 11.12.2014

Genau! Und die meisten dieser Psychopathen sind Männer, weil Männlichkeit bedeutet, sich gegen Konkurrenten brachial durchzusetzen. Deshalb wird die Frauenquote, besonders weil sie notwendigerweise irgendwelche Frauen hochhieven muß, die Kampffähigkeit der Unternehmen verkleinern und die sozialistische Komponente (sozialer Ausgleich) vergrößern. Ich habe keinen Zweifel, daß Frauen in Führungspositionen der Unternehmen oft hervorragendes leisten, die einen, weil sie ebenfalls männliche “Tugenden”  aufweisen, die anderen, weil sie sozial integrativer, eben weiblicher, wirken. Doch sie gesetzlich, qua Geschlecht, zu bevorzugen, wird die Fahigkeit von Unternehmen, aggressiv zu agieren, in der Summe erheblich einschränken. Profitieren wird “der Apparat” auf allen Ebenen, die Konkurrenzfähigkeit wird leiden. Den Sozialismus in seinem Lauf, halten Psychopathen nicht auf.

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