Joachim Nikolaus Steinhöfel / 20.10.2015 / 22:00 / 6 / Seite ausdrucken

Steinmeier schüttelt Henker die Hand

Die Republik überschlägt sich wegen eines „Pegida-Galgens“ aus Pappe, den ein wildgewordener Werkzeughändler aus Dresden hoch hielt. Zur gleichen Zeit schüttelt Bundesaussenminister einem mit internationalem Haftbefehl gesuchten Terroristen die Hand. In einem Land, in dem es echte Galgen gibt. In einem Land, das Homosexuelle an Kränen aufhängt.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sieht angesichts der islamfeindlichen Protestbewegung Pegida das Ansehen Deutschlands in der Welt beschädigt. „Bei uns wird unterschätzt, welchen Schaden die fremdenfeindlichen und rassistischen Sprüche und Plakate der Pegida schon jetzt angerichtet haben“, sagte der SPD-Politiker am Anfang des Jahres der „Bild am Sonntag“.

Am 18.10.2015 schüttelt der grösste lebende Dampfplauderer einem mit internationalem Haftbefehl gesuchten Terroristen, Ali Hashemi Rafsanjani*, in Teheran grinsend und anbiedernd die Hände. Und anstatt zu versuchen, dieses Unwohlsein verursachende Anbiedern zu vertuschen oder zu verschleiern, wird das Foto vom AA auch noch bei twitter gepostet. Und Steinmeier taggt seinen Kumpel auch noch. Man kann sich fragen, was widerwärtiger ist: Der Galgen bei Pegida, den irgendein wildgewordener Werkzeughändler hoch hielt oder die Unterwerfungsgeste eines der höchsten Politiker unseres Landes.

Und übrigens, Steinmeier: In Teheran gibt es richtige Galgen und an denen baumeln richtige Menschen. Homosexuelle meist.

Ich sehe das „Ansehen Deutschlands in der Welt beschädigt“, solange eine solche Kariktaur eines Außenminister auf unserem Planeten herumgeistert.

Die Frage, wo dieser Vorfall medial erwähnt wurde, stellt sich nicht mehr.

*Am 9. November 2006 erließ Argentinien einen internationalen Haftbefehl gegen Rafsandjani, da er nach Ermittlungen der Staatsanwälte für das Attentat vom 18. Juli 1994 auf das jüdische Gemeindezentrum Amia in Buenos Aires verantwortlich sein soll. Bei dem Bombenanschlag kamen 85 Menschen ums Leben und mehr als 300 wurden verletzt.

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Thomas Klingelhöfer / 21.10.2015

Die fleischgewordene Inkompetenz Steinmeier ist immer wieder für ein Bonmot gut, angesichts des Todes eines durch afghanische Taliban entführten Bauingenieurs fabulierte er, “nichts deutet darauf hin, dass er ermordet wurde, alles weist darauf hin, dass er den Strapazen erlegen ist, die ihm seine Entführer auferlegt haben” Der bedauernswerte Mann starb an den Folgen mehrerer Einschußlöcher in seiner Brust, nur bei großzügiger Auslegung kann man das unter “Strapaze” verstehen.

Lambert Matthes / 21.10.2015

Steinmeier tut das - es kostet ihn übrigens viel Überwindung, wie man auf dem Foto des AA sieht - nur deswegen, um den Weltfrieden zu retten. Der Wettbewerb um den Friedensnobelpreis zwischen der CDU und der SPD wird immer härter.

Sina Funk / 21.10.2015

Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. In der öffentlichen Wahrnehmung sind die Bewertungsmaßstäbe völlig verrutscht. Kleinkram wird aufgebauscht, Ungeheuerlichkeiten erst gar nicht erkannt. Am bezeichnendsten Ihr Satz: “Die Frage, wo dieser Vorfall medial erwähnt wurde, stellt sich nicht mehr.” Vielen Dank!

Rolf Herbel / 21.10.2015

Solange Sie in einem provokanten Ehr-abschneidendem Jargon schreiben, kann ich Ihre Beiträge emotional nicht akzeptieren! Obwohl sie sachlich recht haben.

Bert Roll / 20.10.2015

Werkzeughändler aus Schwarzenberg. Bitte korrekt schimpfen. Danke.

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