Rainer Grell / 16.04.2017 / 14:30 / Foto: Tucker M.Yates / 9 / Seite ausdrucken

Keine Morsezeichen vom Planeten Mohammed

Eine „Tanja“ schrieb hier das folgende Gedicht :

Islam heißt Frieden / In Norden und Süden
In Westen und Osten /
Solln die Waffen verrosten
Islam will nicht Kriege /
Islam will nicht Lüge
Islam will den Frieden / überall und hienieden

Islam will den Frieden / Und Ihr fragt uns, wie denn
Durch Lieben und Beten / Das heilt uns von Nöten
Auf Allah wir hoffen
/ Unsre Herzen sind offen
Den Hass wir besiegen / Und alle, die kriegen

Durch Welten getrennte Denksysteme

Wenn unsereiner hört „Der Islam ist eine Religion des Friedens“ und „Alle Kriege, die im Namen des Islams geführt wurden, waren Verteidigungskriege“, dann schüttelt er zunächst einmal ungläubig den Kopf. Das kann doch nicht wahr sein. Für wie blöd halten uns die Muslime eigentlich? Wer hat denn nach und nach die Staaten Vorderasiens, des Maghreb und die iberische Halbinsel (al-Andalus) überfallen und dem Islam unterworfen? Und das alles innerhalb von 100 Jahren nach dem Tod des Religionsgründers Mohammed?

Beim Tod Mohammeds im Jahr 632 beschränkte sich das Gebiet des Islams auf Arabien (das heutige Saudi-Arabien), wenngleich bereits 629 ein islamisch-ara­bi­sches Heer in Palästina (was immer dieser Begriff exakt umfassen mag) eingefallen, dort aber von oströmischen und christlich-arabischen Verbänden geschlagen worden war. Allerdings folgte Mohammed folgendem göttlichen Auftrag: „Ich wurde angewiesen, die Menschen zu bekämpfen, bis sie bezeugen, dass es keinen Gott außer Gott gibt und Muhammad der Gesandte Gottes ist, bis sie das Gebet verrichten und die gesetzliche Abgabe bezahlen. Kommen sie diesen Forderungen nach, so sind ihr Leben und ihre Habe vor mir sicher. Sie unterstehen dann einzig dem Gesetz des Islams, und Gott wird sie richten.“ Mag der Prophet selbst diesen Auftrag vielleicht nur auf die Menschen Arabiens bezogen haben, seine Nachfolger verstanden ihn auf jeden Fall umfassender.

Im Jahr 732 – also 100 Jahre nach Mohammeds Tod – fand die bekannte Doppelschlacht bei Tours und Potiers statt, in der Karl Martell den arabisch-islamischen Vormarsch in Europa auf die Iberische Halbinsel zurückdrängte, von der die Muslime erst mehr als 700 Jahre später vertrieben wurden (am 2. Januar 1492 übergab der letzte Emir „Boabdil“ [von arabisch Abu Abd Allah = Vater des Diener Gottes] = Muhammad XII. Granada an die Reyes Católicos Fernando II de Aragón und Isabel I de Castilla).

Haus des Islam und Haus des Krieges

So lesen wir es in unseren Geschichtsbüchern, und so ist überwiegend unsere westliche (christliche) Sicht der Geschehnisse. Aus der Perspektive vieler Muslime stellt sich die Sache jedoch völlig anders dar. Die britisch-jüdische Autorin Bat Ye’or (Gisèle Littman) hat das so formuliert: „Der europäische Wissenschaftler und der muslimische Gläubige können dieselben Ereignisse beobachten, ohne jemals eine Einigkeit zu erreichen, denn sie bewegen sich in Denksystemen, die durch ganze Welten getrennt sind.“

Nach islamischem Verständnis ist die Welt zweigeteilt in das Haus des Islams (dar al-Islam) und das Haus des Krieges (dar al-Harb). Dieser Zustand ist aber nur ein vorübergehender; denn da der Islam die einzig wahre Religion ist und bereits vor der Offenbarung des Koran an Mohammed durch den Erzengel Gabriel (Gibril) existierte, ist jeder Muslim verpflichtet, nach seinen Kräften dazu beizutragen, den Islam in der ganzen Welt zu verbreiten. Dies geschieht in den verschiedenen Formen des „Dschihad“. Wenn dazu ein veritabler Krieg erforderlich ist, dann sind die Aggressoren die Nichtmuslime (Ungläubigen), welche sich der Islamisierung ihrer Völker entgegenstellen. „Insofern können Muslime in keinem Fall der Okkupation oder Unterdrückung schuldig werden“, schreibt Bat Ye’or, „weil Allah ihnen bereits die gesamte Welt zugeeignet hat.“ „Dschihad“, so hat Bassam Tibi es ausgedrückt, „entzieht sich jeder Kritik, weil er eine Pflicht zur Erfüllung des Willens Allahs darstellt.“

"Gönnt uns einen Voltaire"

Halten wir einen Augenblick inne. Christen sind es schon lange nicht mehr gewöhnt, Befehle Gottes wörtlich und so ernst zu nehmen, wie sie vermutlich gemeint sind. Abraham, Moses und andere Gestalten des Alten Testaments haben das noch getan. Auch wenn eine Aussage Gottes an sich völlig unmissverständlich ist, wird sie heute durch historische Interpretation dem Zeitverständnis angepasst. Die Bibel wird nicht als unmittelbare Offenbarung Gottes angesehen, sondern als sein Wort, das durch Menschen übermittelt wurde und deshalb geschichtlichem Wandel unterliegt. Deswegen werden Homosexuelle und Ehebrecher heute nicht mehr hingerichtet, sondern können sogar Außenminister oder Bundespräsident werden.

Der Koran dagegen wird als unmittelbare Offenbarung Allahs verstanden, an der weder Änderungen vorgenommen werden dürfen noch Kritik erlaubt ist: „Wenn Allah und sein Gesandter eine Angelegenheit beschlossen haben, dann steht es einem gläubigen Mann und einer gläubigen Frau nicht zu, in dieser Angelegenheit nach ihrem Verlangen eine Wahl zu haben“ (Sure 33, 36) – und einem Nichtmuslim (= Ungläubigen, Sure 24, 62) erst recht nicht. Natürlich gibt es gläubige Muslime, die das anders sehen. Aber das sind solche, die für sich persönlich die Aufklärung vorgenommen haben, deren der Islam nach der Ansicht etlicher Muslime dringend bedarf: „Lasst uns nicht im Stich – Gönnt uns einen Voltaire“ überschreibt zum Beispiel Ayaan Hirsi Ali ein Kapitel ihres Buches „Ich klage an. Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen“. Und die Muslimin Nahed Selim bekennt:

„Gläubige Menschen sind grundsätzlich nicht kritisch. Tiefgläubige Menschen akzeptieren ohne weiteres alles, was in einem Text steht. Sie analysieren nicht. Sie sind eher bereit, dem Text zu glauben, als ihrer eigenen Kritikfähigkeit zu vertrauen. Ich bin auch gläubig, bemühe mich aber um einen kritischen Glauben. Einen Glauben, der auch einer kritischen Analyse standhält. Vielleicht verlange ich damit zuviel von meinem Glauben. Wie auch immer – der Versuch lohnt sich“ („Nehmt den Männern den Koran! Für eine weibliche Interpretation des Islam“).

Auch die Alevitinen Serap Çileli und Seyran Ateş vertreten einen Islam, der Religion der Privatsphäre zuordnet und die Zwänge ablehnen, für die der Islam überwiegend steht (Geschlechtertrennung, Minderwertigkeit der Frau, Kopftuch, Verachtung und Bekämpfung der Ungläubigen, Verbot von Schweinefleisch und Alkohol, Fastengebot und anderes mehr). Nicht zu vergessen Lale Akgün, die zusammen mit anderen Gleichgesinnten die „Muslimische Gemeinde in Rheinland“ gegründet hat. Aber auch Männer wie Hamed Abdel-Samad gehören in diesen Zusammenhang, und natürlich gibt es noch eine Reihe weiterer.

Orthodoxe Muslime verstehen lernen

Fassen wir also zusammen: Auch bei den Muslimen gibt es „solche“ und „solche“. Wie alle Aussagen, muss man auch die von Muslimen interpretieren. Legt man dabei die eigenen Überzeugungen zugrunde, kommt man zwangsläufig zu anderen Ergebnissen, als wenn man die Auslegung auf der Basis islamischer Vorstellungen vornimmt. Allerdings kann die Aussage eines Muslims – wie die jedes anderen Menschen – auch schlichtweg falsch sein, weil er sich, den Islam oder eine von ihm vertretene Gruppe in ein gutes Licht setzen will.

Die Aussagen „Der Islam ist eine Religion des Friedens“ und „Alle Kriege, die im Namen des Islams geführt wurden, waren Verteidigungskriege“ sind aus westlicher Sicht einfach absurd. Nach islamischem Verständnis sind sie das nicht, wenn man orthodoxe Vorstellungen zugrunde legt. Liberale Muslime würden sie vermutlich ähnlich beurteilen wie wir, weil sie eben „westlich“ denken.

Dass wir den Gedankengang von orthodoxen Muslimen jetzt vielleicht besser verstehen, bedeutet natürlich nicht, dass wir ihn gutheißen. Dem Satz von Madame de Staël „Alles verstehen heißt alles verzeihen“ (« Tout comprendre c'est tout pardonner. ») habe ich noch nie zustimmen können. Vielmehr erkennen wir eventuell, dass es falsch ist, Muslime, die solches in tiefer Überzeugung von sich geben, zu kritisieren oder gar zu beschimpfen oder zu verspotten. Irgendjemand (Pufendorf?) hat einmal gesagt: Religion ist keine Frage des Verstandes und kann deshalb auch nicht mit Mitteln des Verstandes verteidigt oder bekämpft werden.

Allerdings erkennen wir auch, dass dem „Dialog der Religionen“ Grenzen gesetzt sind, weil aus orthodoxer muslimischer Sicht Glaubensinhalte nicht verhandelbar sind. Dass Papst Johannes Paul II. eine Koranausgabe nicht nur als Geschenk annahm, sondern das heilige Buch auch küsste, hat Muslime nach dem oben Gesagten nicht verwundert (und viele Christen sicher auch nicht). Umgekehrt wäre das für einen islamischen Geistlichen mit der Bibel völlig undenkbar. Es wäre eine Geste der Unterwerfung. Nur nebenbei: Genützt hat dem Papst dieses Appeasement nichts. Er ist nach muslimischer Auffassung trotzdem „als Gottloser“ gestorben.

Kein unbedachter Ausrutscher

Dass diese Geste des Papstes nicht etwa nur ein unbedachter Ausrutscher war, zeigen das Verhalten von Papst Benedikt XVI. nach seiner Regensburger Rede und das „Apostolische schreiben Evangelii Gaudium des Heiligen Vaters Papst Franziskus an die Bischöfe, an die Priester und Diakone,an die Personen geweihten Lebens  und an die christgläubigen Laien über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute“ vom November 2013. Dort heißt es zum Thema Islam:

„252. In dieser Zeit gewinnt die Beziehung zu den Angehörigen des Islam große Bedeutung, die heute in vielen Ländern christlicher Tradition besonders gegenwärtig sind und dort ihren Kult frei ausüben und in die Gesellschaft integriert leben können. Nie darf vergessen werden, dass sie » sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird. 

Die heiligen Schriften des Islam bewahren Teile der christlichen Lehre; Jesus Christus und Maria sind Gegenstand tiefer Verehrung, und es ist bewundernswert zu sehen, wie junge und alte Menschen, Frauen und Männer des Islams fähig sind, täglich dem Gebet Zeit zu widmen und an ihren religiösen Riten treu teilzunehmen. Zugleich sind viele von ihnen tief davon überzeugt, dass das eigene Leben in seiner Gesamtheit von Gott kommt und für Gott ist. Ebenso sehen sie die Notwendigkeit, ihm mit ethischem Einsatz und mit Barmherzigkeit gegenüber den Ärmsten zu antworten.

253. Um den Dialog mit dem Islam zu führen, ist eine entsprechende Bildung der Gesprächspartner unerlässlich, nicht nur damit sie fest und froh in ihrer eigenen Identität verwurzelt sind, sondern auch um fähig zu sein, die Werte der anderen anzuerkennen, die Sorgen zu verstehen, die ihren Forderungen zugrunde liegen, und die gemeinsamen Überzeugungen ans Licht zu bringen. Wir Christen müssten die islamischen Einwanderer, die in unsere Länder kommen, mit Zuneigung und Achtung aufnehmen, so wie wir hoffen und bitten, in den Ländern islamischer Tradition aufgenommen und geachtet zu werden. Bitte! Ich ersuche diese Länder demütig darum, in Anbetracht der Freiheit, welche die Angehörigen des Islam in den westlichen Ländern genießen, den Christen Freiheit zu gewährleisten, damit sie ihren Gottesdienst feiern und ihren Glauben leben können. Angesichts der Zwischenfälle eines gewalttätigen Fundamentalismus muss die Zuneigung zu den authentischen Anhängern des Islam uns dazu führen, gehässige Verallgemeinerungen zu vermeiden, denn der wahre Islam und eine angemessene Interpretation des Korans stehen jeder Gewalt entgegen.“

"Der Islam braucht Coco Chanel"

Da kann man mit Faust nur stöhnen:Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Denn wie soll man zum Beispiel die folgenden Verse aus Sure 9 angemessen im Sinne des Stellvertreters Gottes auf Erden interpretieren?

„29. Kämpft gegen diejenigen von denen, welchen die Schrift gegeben wurde, die nicht an Allah und den Jüngsten Tag glauben, und die das nicht für verboten erklären, was Allah und Sein Gesandter für verboten erklärt haben, und die den wahren Glauben nicht als Glauben annehmen, bis sie Dschizja (die Steuer, die von Nichtmuslimen erhoben wird) aus der Hand in voller Unterwerfung entrichten.

30. Die Juden sagten: ‚Esra ist Allahs Sohn.’ Und die Nazarener sagten: ‚Der Messias (Jesus) ist Allahs Sohn.’ Das sind Worte aus ihren Mündern. Sie ahmen die Rede derer nach, die vordem ungläubig waren. Allahs Fluch über sie! [Andere Übersetzung: „Allah bekämpfe sie!“] Wie erdichten sie doch eine Lüge!

31. Sie haben nicht Allah sondern ihre Schriftgelehrten und Mönche und den Messias, den Sohn der Maria zu Herren angenommen. Und doch war ihnen geboten worden, allein Allah, den einzigen Gott anzubeten. Es gibt keinerlei Gott außer Allah. Er ist erhaben über das, was sie Ihm zur Seite stellen.“

Hamed Abdel-Samad hat zur Reformfähigkeit des Islam kürzlich gesagt: „Der Islam braucht keinen Martin Luther, sondern eine Coco Chanel.“ Wenn ich diese Äußerung richtig verstehe, läuft sie auf eine stärkere „Verweltlichung“ des Islam hinaus. Aber dazu werden wir demnächst mehr lesen, in Abdel-Samads im Mai erscheinenden Buch „Ist der Islam noch zu retten?“ 

Foto: Tucker M.Yates Navy via Wikimedia Commons

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Leserpost

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Thomas Bode / 17.04.2017

Der christliche Klerus hat schon noch eine Funkfrequenz zum Islam, allerdings eine recht einseitige. Er glaubt die Botschaft Abrahams zu empfangen, wird aber selbst nicht wirklich gehört vom Moslem. Dieser betrachtet es als Gefahr der Sünde und Zeitverschwendung die christliche Botschaft zu entschlüsseln, weil er doch selbst schon die ultimative Wahrheit zu besitzen glaubt. Die “Progressiven” und mehr oder weniger “Linken” hier, also die Mehrheit der Tonabgebenden, projizieren ihr eigenes Denken und Fühlen aber noch stärker auf das muslimische Gegenüber.  Dessen todernste Verwurzelung in einem archaischen Denken ist jenseits ihrer Vorstellungskraft. Islam ist für sie nur eine Art harmlose Folklore unter der ein MULTIkulti-Freund steckt, und kein zu allem entschlossener MONOtheist. Die fanatische und irrationale Selbstgewissheit ging uns in 500 Jahren Aufklärung verloren. Gott sei dank. Aber leider erkennen wir sie nun nicht einmal mehr wenn sie uns von innen zu zerstören beginnt.

Joachim Müske / 17.04.2017

Kürzlich fand ich irgendwo – ich glaube es war auf der “Achse“ – ein wunderbar treffendes Bild für den Zustand des Christentums in heutiger Zeit: Ein Eisberg, der unaufhaltsam in Richtung Äquator treibt. Die Schimäre “Christliche Religion” ist damit auf einem guten Weg, gut für die weitere freie Entwicklung von Mensch und Gesellschaft - ohne diesen fatalen Bremsklotz am Bein. Lange genug hat’s gedauert. Und trotzdem unternehmen wir jetzt den törichten Versuch, die äußerst widerspenstige Schimäre “Islamische Religion” zu hätscheln und für den Westen annehmbar zu machen. Unseren in den Islam vernarrten Narren ist wahrscheinlich nicht klar, dass das mindestens ein paar Jahrhunderte dauern wird, falls es überhaupt gelingt. Schade um die Vergeudung von Zeit und Geld und Energie für ein Hirngespinst der speziellen Art. Unser gegenwärtiges Europa – bisher noch ein wahres Juwel auf der Welt – könnte dabei vor die Hunde gehen.

Michael Loewe / 17.04.2017

Die These vom “Haus des Islam und Haus des Krieges” ist falsch und darf nicht unwidersprochen wiedergegeben werden. Denn sie legt nahe, dass, nachdem man sich einmal zum Islam bekannt hat oder nachdem ein Land einmal islamisiert wurde, Frieden herrschen würde. Dass das nicht so ist, sieht man an den islamischen Ländern heute und in der Vergangenheit. Kriege zwischen diesen Ländern sind seit eh und je an der Tagesordnung, und innerhalb der Länder bestimmen Gewalt, Ehrenmorde, drakonische Strafen, Frauenunterdrückung, Intoleranz, Bildungsmangel, Analphabetismus und Armut den Alltag. Konflikte drehen sich im Wesentlichen um die Frage, welche Person oder welches Land den wahren Islam vertritt. Ideologien wie der Islam sind jedoch immer Auslegungssache, und so sind diese Konflikte unvermeidlich. Es ist sehr wichtig, dies klarzustellen, denn die These vom “Haus des Islam und Haus des Krieges” kann westlichen Menschen suggerieren, dass ein Übertritt zum Islam die beste Lösung sein könnte, der Gewalt von Islamisten zu entgehen. Ein kleiner Schritt, er tut ja nicht weh, und dann geben die Islamisten wenigstens endlich Ruhe, denkt Otto Normalverbraucher möglicherweise. Deshalb muss unbedingt unmissverständlich klargestellt werden, dass ein Übertritt zum Islam kein Weg zum Frieden ist! Übertritt zum Islam ist ein Weg zu nie endender Gewalt, sinkendem Lebensstandard und dem Ende der Demokratie!

Helmut Groddeck / 17.04.2017

“Religion ist keine Frage des Verstandes ....” Nein, ganz und gar nicht. “.... und kann deshalb auch nicht mit Mitteln des Verstandes verteidigt oder bekämpft werden.” Doch, das ist zwar schwierig, aber nicht unmöglich - und die einzige Chance, die Menschheit vor den grausigen Bedrohungen dieses Rudimentes der menschlichen Evolution zu beschützen.

Hubert Bauer / 16.04.2017

Dreh- und Angelpunkt ist, dass die Moslems davon ausgehen, dass der Koran das unveränderte, allzeit und weltweit gültige Wort Gottes ist. Selbst ich als aufgeklärter Christ muss sagen, wenn Gott gesprochen hat, gibt es daran nichts zu hinterfragen, sondern nur Gehorsam. Aber als aufgeklärter Christ weiß ich, dass die Bibel von verschiedenen Menschen, zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten und aus vielerlei Gründen geschrieben wurde. Deshalb muss ich immer fragen, wer hat diese Passage geschrieben, was war seine Motivation, inwieweit wurde er von Gott geführt und wie setzte ich das im Hier und Jetzt um. Aus wissenschaftlicher Sicht ist auch der Koran nicht das Werk (Wort) Gottes, sondern das Werk von Menschen in der Sprache der (damaligen) Menschen. Das wollen die Moslems aber nicht wahrhaben, obwohl Niemand sagen kann, wer den Koran erstmals niedergeschrieben hat und wann und wo das war. Mohammed war es nicht, den der war unbestritten Analphabet. An und für sich bin ich der Meinung, dass wir an den türkischen Dönerverkäufer, den arabischen Friseur und den pakistanischen Taxifahrer herankommen würden. Das Problem sind vielmehr die Islamverbände, die sehr erfolgreich mit der Politik gegen eine Aufklärung im Islam paktieren. Aber DITIB und der Zentralrat der Muslime in Deutschland vertreten genauso wenig die Interessen der Moslems, wie Marx und Bedford-Strohm die Interessen der Christen vertreten.

Hans-Jürgen Stellbrink / 16.04.2017

Was aus westlicher Sicht Islamismus ist, ist aus Sicht tief gläubiger Muslime oft einfach der Islam. Wie können wir da eine Distanzierung vom Extremen erwarten?

Isabel Kocsis / 16.04.2017

Es war wohl ein kaum wieder gut zu machender Fehler, den Islam in den Westen einströmen zu lassen, und zwar auf dreifache Art: Masseneinwanderung, Islamisierung und finanzielle Durchdringung (Kauf von Immobilien, Anteile an Konzernen etc.).  Über 1300 Jahre hat Europa dafür gesorgt, dass die islamischen Angriffe aus Europa zurückgedrängt wurden und es war dem Kontinent vollkommen egal, ob die Moslems das als den Verteidigungsfall für Dschihad begreifen. Hauptsache, sie blieben in Afrika oder möglichst auf dem vorderasiatischen Kontinent. Die Anmaßung, ein Gott habe einem die ganze Welt als Herrschaftsprojekt zugedacht, ist übrigens ungeheuerlich. Wer heute noch so denkt, sollte kein ernsthafter Diskussionspartner sein. Und schon gar nicht irgend etwas fordern können. Dass Papst Benedikt zu einem so anbiedernden Text mit den üblichen hoffnungsfrohen Falschaussagen (Friendensliebe des eigentlichen Islams?) der derzeitigen Bischöfe etc.  nach seiner doch ganz anders ausgerichteten Regensburger Rede imstande sein musste, zeigt die ganze Kläglichkeit des gegenwärtigen Christentums. Ich denke eher skeptisch in Hinsicht einer doch eigentlich so notwendigen Korrektur des derzeitigen historischen Verlaufs.

Frank Holdergrün / 16.04.2017

Radikale, umfassende Kirchenkritik ist das Fundament der Aufklärung. Sie war Anschub und Motor für wissenschaftliches Denken, für Technik und Fortschritt. Die wesentlichen Gründe also, warum Muslime heute aus zusammenfallenden Staaten bei uns einwandern und partizipieren (wollen). Jede Religion, die in Europa reüssieren will, muss diesen Weg der Aufklärung gehen oder sich zumindest tolerant verhalten. Beides wird eine Religion niemals schaffen, die auf Beute, Sklaven und Diskriminierung setzt sowie jeglichen Zweifel der Gläubigen per se ausgeschaltet hat. Der Islam hat noch keine einzige Demokratie zustande gebracht und wird dies auch niemals erreichen (wollen). Zum Erfassen dieser einfachen Wahrheit reichen jedem die wenigen Sätze, die Herr Grell am Ende zitiert. Das mit Coco Chanel verstehe ich nicht und das Buch neue Buch von Abdel-Samad ist schon deswegen problematisch, weil Herr Khorchide daran mitwirkt, einer der glaubt, den Islam auf die Mekka Zeit zurückführen zu können. Und einer, der im Ernst davon ausgeht, dass Mohammed die Frauen befreit hätte. Ich befürchte, hier kochen zwei Denker im eigenen Sud, die noch nicht so richtig aufgeben wollen, aber längst schon ihren Kampf gegen Windmühlen erkannt haben. Gerne würde ich mich aber eines Besseren belehren lassen.

Gertraude Wenz / 16.04.2017

“Auch wenn eine Aussage Gottes an sich völlig unmissverständlich ist, wird sie heute durch historische Interpretation dem Zeitverständnis angepasst. Die Bibel wird nicht als unmittelbare Offenbarung Gottes angesehen, sondern als sein Wort, das durch Menschen übermittelt wurde und deshalb geschichtlichem Wandel unterliegt. Deswegen werden Homosexuelle und Ehebrecher heute nicht mehr hingerichtet, sondern können sogar Außenminister oder Bundespräsident werden.” Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. So ein Pech aber auch für Homosexuelle und Ehebrecher, dass sie in einer Zeit gelebt haben, in der man Gottes Wort noch ernst nahm. Und der Allmächtige, der doch hätte sehen müssen, dass seine Schäfchen noch im tiefsten Mittelalter bzw. in der Antike mit entsprechendem vorsintflutlichem Denken steckten, hat dummerweise nichts aber auch gar nichts getan, um diesen Unseligen zu helfen, die doch nur ihrer von Gott gegebenen Natur gehorchten. Was will dieser Gott eigentlich? Kann er sich verdammt nochmal nicht deutlich ausdrücken? Muss man seine Worte immer erst interpretieren? Und auch noch der Zeit entsprechend? Und darf man das, sind doch Gottesworte? Warum sind seine erhabenen Worte ohne jede Humanität? Wer weiß, was man in 200 Jahren draus macht? Wieviel Ströme von Blut sind geflossen, weil man Gottes Wort gefolgt ist! Müsste der Herr und Schöpfer des Universums nicht in der Lage sein, sich dem Entwicklungsstand der Menschen (den er ja auch zu verantworten hat) entsprechend auszudrücken? Die Religion entlarvt sich mal wieder als reines Menschenwerk. Und es gibt nur eine Entschuldigung für diese brutale Göttergestalt: ES GIBT SIE NICHT!

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