Peter Grimm / 10.04.2018 / 17:28 / Foto: Tiffany Bailey / 3 / Seite ausdrucken

Frontbericht aus Darmstadt

Wie einfach war früher doch die Welt. Gab es einst einen Anschlag auf einen Döner-Laden, dann war klar, dass hier rechtsextreme, fremdenfeindliche Deutsche am Werke waren. So ist das heute nicht mehr. Auch die nicht so gern erwähnte Möglichkeit, eine solche Gewalttat könnte etwas mit den Besonderheiten der Konfliktklärungskultur in der alten Heimat zu tun haben, greift inhaltlich zu kurz. Denn wie wir aus einem Frontbericht von indymedia aus dem türkisch-kurdischen Krieg erfahren, ist auch Darmstadt ein legitimer Kampfplatz dieses Krieges. Mancher am Krieg Beteiligte wird sich vielleicht wundern, dass er bereits ins Visier genommen wurde. Doch um nichts zu verfälschen, sollten wir den Originalton genießen (inklusive der Rechtschreibung):

„Als Sehid Legerin Ciya Rachekommando haben wir eine Aktionsreihe gegen verschiedene Kollaborateure des faschistischen AKP-Regimes in Darmstadt durchgeführt. Wir haben ein Türkisches Reisebüro, einen Dönerladen von Türkischen Faschisten und einen verein der Grauen Wölfe durchgeführt. Dieser Verein ATIB, ist die Lobbyorganisation der Faschistischen Partei MHP und hat ihren einzigen offiziellen Sitz in Darmstadt.“

Wer bislang vielleicht dachte, Döner essen sei gesinnungsethisch unbedenklich, der sieht sich nun herausgefordert, zwischen faschistischen und nichtfaschistischen Anbietern zu unterscheiden. Aber dies ist nur eine Marginalie. Im Statement der Kämpfer gegen jene Art von Faschisten geht es schließlich zunächst darum, den Bewohnern deutscher Lande verständlich zu machen, wie nah die Front im fernen Krieg ist:

„Der Krieg in Afrin ist heute längst über die Stadtgrenzen von Afrin hinaus. Während das faschistische Regime versucht jeden Ort wo ein Funken Widerstand existiert dem Erdboden gleich zu machen, hat der Widerstand gegen die Besatzung von Afrin sich in die ganze Welt verstreut. Genau wie die Kräfte von YPG und YPJ sich zum Guerilla-Krieg umgestellt haben werden auch wir überall zuschlagen wo das faschistische Regime existiert. Der Widerstand in Afrin kann nur siegen wenn die Besatzer nicht nur in afrin, sondern überall angegriffen werden.“

Und wer befindet sich nun im Visier der Krieger? Die Kämpfer begründen nicht nur ihren Kampf, es soll auch keiner sagen, er wäre nicht gewarnt worden:

„Aus diesem Grund werden wir alle Reisebüros die Reisen in die Türkei anbieten und alle Läden die aus der Türkei importieren angreifen. Wer heute aus der Türkei produkte importiert oder reisen in die Türkei organisiert finanziert das AKP-Regime und macht sich mitschuldig an dem Massaker. Es ist die Zeit gekommen sie an diese Verantwortung zu errinern. Gleichzeitig werden wir alle Institutionen wie ATIB oder DITIB die Lobby-Arbeit für den AKP-MHP Faschismus betreiben bestrafen.“

Ist es relevant, dass sich die AKP eigentlich eher als islamische Partei versteht? Oder sind auch die Afrin-Kämpfer an der Darmstadt-Front der Überzeugung, dass es einen islamischen Faschismus gibt?

Der Beitrag erschien auch hier auf sichtplatz.de

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Leserpost

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Mikael Woyzek / 10.04.2018

Lesen bildet! Da wird es aber langsam unübersichtlich für die Kämpfer gegen alles Unrecht. Denn “dieser Verein ATIB” ist nicht nur “die Lobbyorganisation der Faschistischen Partei MHP” wie es das “Sehid Legerin Ciya Rachekommando” sieht, sondern auch Mitgliedsverband im ZMD, und der kämpft doch Seit´an Seit´ mit allen aufrechten Antifaschisten gegen die AfD. Meine Empfehlung: Vor der Ziehung der Frontlinien im “Kampf gegen Rechts” erst einmal die Verfassungsschutzberichte lesen. Sonst kämpft man noch gleichzeitig für und gegen “diesen Verein ATIB”.

Manfred Haferburg / 10.04.2018

Die Antifa hat nicht nur ideologisch nicht alle Datteln in der Pfanne, sondern auch in der Schule Rechtschreibung und Grammatik abgewählt. Dank an Peter Grimm, dass der Text eins zu eins übernommen wurde. Da weiss man doch gleich, wes Geistes Kinder die Indymdianer sind. Das Geschrei möchte ich hören, sollten die Anhänger des “faschistischen Regimes” mal das"Sehid Legerin Ciya Rachekommando” mit einer “Aktionsreihe” bedenken.

Thomas Weidner / 10.04.2018

“Gab es einst einen Anschlag auf einen Döner-Laden, dann war klar, dass hier rechtsextreme, fremdenfeindliche Deutsche am Werke waren”. >>>> Stimmt nicht. Der Anschlag könnte von einem Verfassungsschutz V-Mann vorgeschlagen und initiiert worden sein, um eine sicherlich rechts-extreme Gruppe erfolgreich zu infiltrieren.

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