Gastautor / 26.07.2021 / 06:25 / Foto: Stefan Klinkigt / 205 / Seite ausdrucken

Die verweiblichte Republik

Cool sein ist out. Viele der aktuell wahrgenommenen Fehlentwicklungen haben ihre Ursache in der Feminisierung aller gesellschaftlichen Bereiche.

Von Manfred von Mannteufel.

Flutwellen, Dürre, Corona, Flüchtlingselend, Finanzdesaster – eine Krise jagt die andere, so scheint es zumindest. Nicht wenige fragen sich in diesen Zeiten, wie Helmut Schmidt, der geborene Krisenmanager, wohl agiert hätte, würde er jetzt anstelle von Angela Merkel im Berliner Kanzleramt sitzen. Schmidt stand geradezu paradigmatisch für „kühle“, männliche Rationalität. Geboren 1918 im letzten Jahr des ersten großen Krieges und sozialisiert als Offizier der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, pflegte „Schmidt Schnauze“ eine direkte, unverblümte, noch vom Kommiss geprägte Sprache und ließ bei seinen politischen Entscheidungen schon einmal „Fünfe gerade sein“, etwa, als er bei der großen Sturmflut an der deutschen Nordseeküste im Jahre 1962 kurzerhand und gegen geltendes Recht die Bundeswehr mobilisierte. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Willy Brandt war Schmidt das, was man einen „Haudegen“ nannte, wobei unter der harten Schale ein (am Klavier ambitioniert dilettierender) Schöngeist und Kunstkenner schlummerte.

Gefühllos war Schmidt keineswegs, was sich in seinem Bekenntnis offenbarte, dass der schlimmste Moment seines Lebens die Trauerfreier für den von RAF-Terroristen ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer gewesen sei, als er neben dessen versteinerter Witwe Platz nehmen musste, die ihn, Schmidt, für seine Weigerung, dem Erpressungsversuch der palästinensischen Flugzeugentführer von Mogadischu nachzugeben, für mitschuldig am Tod ihres Mannes hielt. Doch versuchte Schmidt zeitlebens, Emotionen so weit wie möglich aus den Staatsgeschäften herauszuhalten. An oberster Stelle stand für ihn, den Staatsmann, die Staatsräson, nicht die Befindlichkeit des Individuums.

Heute ist alles anders, heute ist die ungefragte öffentliche Darstellung von Betroffenheit zur wichtigsten, handlungsleitenden Maxime der Politik geworden. Man/frau reagiert „bestürzt“, „empört“, „erschüttert“ oder „fassungslos“ auf allerlei Unbill, die die Natur oder auch nur der politische Gegner bereithalten. Cool sein ist out. Grundthese dieser Erörterung ist, dass viele der aktuell wahrgenommenen Fehlentwicklungen ihre Ursache in der Feminisierung aller gesellschaftlichen Bereiche haben.

Frauen sind per se das bessere Geschlecht

Symptome dafür sind unter anderem die Abwertung von Rationalität, die Überbetonung, wenn nicht gar Anpreisung von Emotionen bis hin zur Hysterie. Gefühle werden zu Fakten stilisiert, Moral an Stelle des Rechts gesetzt. Nur logisch ist in diesem Zusammenhang die kritiklose Anbetung des Weiblichen, von der auch die Bundeskanzlerin profitiert. Sachliche Kritik an Funktionsträgerinnen wird oft reflexhaft als „frauenfeindlich“ zurückgewiesen. Auf die Solidarität ihrer Geschlechtsgenossinnen in Gesellschaft und Medien können sich dabei die Damen verlassen. Frausein ist ein Wert an sich und soll, wenn irgend möglich, per Quote gefördert werden, dazu gesellt sich das krampfhafte Bemühen, die Sprache weiblicher zu machen.

Gleichzeitig werden in diesem Diskurs die Begriffe polarisierend verwendet und bewertet: Emotionale Färbung oder Prägung des Handelns wird grundsätzlich als sympathisch, positiv, warm und emphatisch gelobt und dem zunehmenden Einfluss des Weiblichen in Politik und Gesellschaft zugeschrieben. Der habituelle und psychologische Gegenentwurf, die Rationalität in Denken und Handeln, wird dagegen als kalt und empathielos definiert sowie der zunehmend verachteten Sphäre des Männlichen zugeordnet. Damit einher geht in den meisten westlichen Gesellschaften (im Unterschied zu Osteuropa oder Lateinamerika, um nur einige Gegenbeispiele zu nennen) die Abwertung traditioneller Männlichkeit – bis hin zur offenen Diskriminierung, was sich in den Begriffen der „toxischen Männlichkeit“ (ein Lieblingsbegriff der Feministen-Szene) oder auch der dreifach abwertenden Vokabel vom „alten, weißen Mann“ spiegelt. Extrem verkürzt lautet die Botschaft der Zeit: Frauen sind per se das bessere Geschlecht.

Für die Gesellschaft hat dies gleich mehrere Konsequenzen: Die traditionelle und historisch-soziologisch erklärbare Benachteiligung der Frauen bei der Teilhabe in Beruf, Familie und Gesellschaft wurde im Zuge dieses feministischen Diskurses in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur abgebaut. Nein, sie wurde mit dem Siegeszug der Frauen vor allem in Politik und Medien – mittels Quoten oder anderer bewusster Förderung nach Geschlechtszugehörigkeit – in eine Dominanz des Weiblichen verwandelt.  

Bewusst vom Leistungsprinzip verabschiedet

Die Ideologisierung des öffentlichen Raumes durch die zunehmende Militanz bei der Durchsetzung von „Gleichberechtigung“ ist eine direkte Folge der Feminisierung unserer Gesellschaft. Die moralisch überhöhte Absicht, doch immer das Gute zu wollen, wird ausgespielt gegen eine Rationalität, die sich an der Wirklichkeit orientiert und nicht selten harte Entscheidungen erfordert. Dazu ist aber eine von (oft weiblicher) Gesinnungsethik dominierte Gesellschaft, ja das politisch-mediale System, kaum noch in der Lage. Schmerzhafte Operationen am Körper der Gesellschaft, sei es in Wirtschaft, Politik, Justiz, unterbleiben. Deshalb gibt es auch keine Reformen mehr, sondern nur noch kostspielige Beglückungsaktionen, die konsequent auch noch in infantiler Empathie-Rhetorik verkauft werden („Gute-Kita-Gesetz“ und so weiter).

Bedenklich, auch im Hinblick auf den Wohlstand, wird es langfristig aber für eine Gesellschaft, wenn sie sich dauerhaft und bewusst vom Leistungsprinzip verabschiedet und an dessen Stelle ein geschlechterideologisches Prinzip tritt. Die Folgen könnten dramatisch sein, wenn an den Schaltstellen in Politik, Medien und Verwaltung immer mehr Menschen sitzen, die ihren Posten nicht vorwiegend ihrer Qualifikation, sondern zu einem guten Teil ihrer Geschlechtszugehörigkeit zu verdanken haben.

Potenziert wird das Problem noch, wenn die Gesellschaft sich dem Ziel verschreibt, das Leistungsprinzip nicht nur der Geschlechtszugehörigkeit, sondern allen möglichen Merkmalen unterzuordnen: Alter, ethnische Zugehörigkeit oder Herkunft, sexuelle Orientierung. Eine Gesellschaft, die sich an dem Ziel orientiert, auf allen Ebenen eine Repräsentation politisch willkürlich definierter Gruppenidentitäten zu gewährleisten, ist nicht nur spalterisch und diskriminierend. Diese Gleichheitsreligion, die ausgehend vom Feminismus, jetzt in Gestalt einer ausufernden Identitätspolitik daherkommt, vergiftet die Grundlagen des Gemeinwesens und gefährdet mit der immanenten Negativ-Auslese auch den wirtschaftlichen Wohlstand.

Profiteure in auffallendem Maße – Frauen

Wir ernten jetzt die verdorbenen Früchte eines Reifeprozesses, der seine Anfänge in den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat. Durchaus notwendige emanzipatorische Ansätze, um Überkommenes zu überwinden, verschmolzen mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Modeerscheinungen der politischen Philosophie, die zusammen das Ende der Herrschaft des alten weißen Mannes einläuteten. An der Wiege dieser Entwicklungen standen weniger Figuren wie Alice Schwarzer, die sich in ihrer intellektuellen Härte und Klarheit wohltuend von der heutigen Gefühligkeit abhebt, als vielmehr die Philosophen des Dekonstruktivismus und des Poststrukturalismus wie Jacques Derrida oder Jean-Francois Lyotard.

Radikalisiert und extrem politisiert wurden deren Thesen dann von Figuren wie Judith Butler, die mit ihren Werken zu Gender- und Queer-Policy dem männlichen Geschlecht schlicht den Krieg erklärte. Man kann diese Frau – auch wenn viele sie nicht kennen und sie sich selbst als „nichtbinär“ bezeichnet – inzwischen zu einer der global wirkmächtigsten Personen zählen. Ihre Schriften prägen – wenn auch meist unbewusst – das Denken und Nicht-Denken vieler zeitgeistiger Plappermäuler, insbesondere in den Medien.

Der italienische Altlinke Antonio Gramsci hatte recht, als er behauptete, der Erfolg der Linken hänge weniger von der Revolution ab als von der kulturellen Hegemonie, die es zu erreichen gelte. Die 68er übersetzten das mit dem „Marsch durch die Institutionen“, bei dem sie erstaunlich weit gekommen sind. Kultur, Medien und Justiz, aber vor allem Schulen und Hochschulen, später dann mehr oder weniger alle Parteien, voran natürlich Grüne und SPD, inzwischen auch die feminisierte CDU, waren und sind durchdrungen vom Gedankengut einer Generation, die erst Aufbruch vermittelte und dann in spießiger Saturiertheit, Intoleranz und moralischer Hybris endete. Profiteure waren und sind in auffallendem Maße – Frauen.

Kohorten verunsicherter Männer und Männlein

Neben mehr oder minder notwendigen Anpassungen unserer Rechtsordnung waren die Frauen schließlich beinahe alleinige Nutznießer zweier Entwicklungen: des medialen Dauerfeuers mit der These des benachteiligten Geschlechts und des strukturellen Bedeutungsverlustes des Mannes in der Gesellschaft. Die Scheidungslawine, die ab den 70ern nach den Reformen des Familienrechts losgetreten wurde, führte vor allem dazu, dass Kinder bei ihren Müttern aufwuchsen und es für einen großen Teil mindestens zweier Generationen kein positives männliches Rollenbild mehr gab. Wie sollte es auch anders sein? Schließlich wuchs vor allem in den Städten danach eine männliche Generation heran, die sich von Frauen umstellt sah. Kohorten verunsicherter Männer und Männlein waren die Folge.

In den Erziehungsberufen, von der Kita über die Grundschule, vom Gymnasium bis zur Uni – überall übernahmen Frauen das Sagen, und viele dürften ihren Erziehungsauftrag so verstanden haben, dass sie die ihnen Anvertrauten vor allem von der Schlechtigkeit der weißen, westlichen und männlichen Kultur zu überzeugen hätten. Einher ging damit die Stigmatisierung und Diskriminierung männlichen Verhaltens, wie es besonders bei männlichen Heranwachsenden auftritt: Wenn der Bub in der Kita mit dem Nachbarsjungen rangelte, wurde deren Verhalten von den meist weiblichen Erziehungskräften angeprangert und sanktioniert. Klassische Spiele für Jungs wie zum Beispiel Fußball gab es in vielen Einrichtungen schon aus ideologischen Gründen nicht. Stattdessen sollten sich die im Zweifelsfall genderfluiden Kids die Socken ausziehen, barfuß über eine Wiese laufen und berichten, was sie dabei fühlten. Aus „ein Indianer (sorry, liebe Indigene) kennt keinen Schmerz“ wurde „lass es raus“, „steh zu deinen Gefühlen, auch wenn sie schmerzhaft sind“.

Überall: Gefühl, Gefühl, Gefühl. Was zählt, sind nur noch Emotionen und damit ein radikaler, weinerlich-aggressiver Subjektivismus nach dem Motto: Ich fühle mich verletzt und deswegen habe ich recht. Dies ist das Glaubensbekenntnis aller Identitätspolitik, ob sie sich auf das Geschlecht, die Hautfarbe oder was auch immer bezieht. 

Was wird von einem Mann jetzt eigentlich erwartet?

Die Feminisierung der gesellschaftlichen Mentalität färbt natürlich auch auf Selbstverständnis und Verhalten des männlichen Teils der Gesellschaft ab. Verunsicherung, Erschütterung des Rollenbildes, mangelndes Selbstvertrauen, Bindungsängste – die Veränderung hat viele Gesichter. Im Berufsleben wird meist mit den Wölfen geheult, man(n) gibt sich als Feminist. Im Privatleben dagegen herrscht Orientierungslosigkeit: Was wird von einem Mann jetzt eigentlich erwartet? Keine einfache Frage, zumal viele Frauen privat doch irgendwie auf Kerle stehen, was sie gesellschaftspolitisch natürlich verabscheuen. Aber der Kerl soll zuhause gefälligst auch alles das machen, was vor ein oder zwei Generation überwiegend Frauen oblag.

Für die nachwachsende Männergeneration ein kaum zu bewältigender Spagat. Erzogen meist von politisierten Frauen in den öffentlichen Erziehungsfabriken oder aber von der vom Vater getrennt lebenden Mutter, weiß diese Generation kaum noch, wie sie sich verhalten soll. Enorm selbstbewussten jungen Frauen stehen heute viele verunsicherte und verklemmte junge Männer gegenüber. Der Macho mit gewisser Grundaggressivität und Durchsetzungskraft ist zum Auslaufmodell geworden. Dafür tummeln sich in den angesagten Vierteln der Großstädte und immer häufiger auch auf dem Land die Flaumbartträger mit Zopf und Flüsterstimme.

Es war mal wieder Zeit für eine Frau

Welche Verwüstungen die feministische Umgestaltung unserer Gesellschaft genommen hat, lässt sich gut mit einem Vergleich aus der Politik illustrieren: Es ist noch keine 20 Jahre her, da saßen in einer rot-grünen Regierung etliche ausgewiesene Machos: Gerd Schröder, Joschka Fischer, Otto Schily oder Wolfgang Clement. Welche Größen im Vergleich zu unserem heutigen Kabinett aus habituellen Kindergärtnerinnen und Kindergärtnern. Die alte Garde um Schröder war kompetent, zeigte Mut und Entschlossenheit: Beim unpopulären Bundeswehr-Einsatz in Jugoslawien, aber vor allem bei den Steuer- und Sozialreformen, die sie letztlich das Amt kosteten, mit denen sie aber den Sozialstaat vor dem Konkurs retteten.

Sie waren eben nicht nur in gewisser Weise Machos, sondern vor allem Verantwortungsethiker und handelten entsprechend. Jeder von ihnen hatte sich zuvor auf seine Art nach oben gekämpft und dabei sicher auch viele Häutungen durchgemacht. Als Juso-Vorsitzender und späterer Ministerpräsident in Niedersachsen (Schröder), als Straßenkämpfer, hessischer Umweltminister und Parteichef (Fischer), als RAF-Anwalt und späterer Innenminister (Schily), als Journalist, Pressesprecher von Willy Brandt und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (Clement).

In der Corona-Krise dagegen haben in Europa zwei Frauen die Hauptrollen innegehabt: Ursula von der Leyen und die aus Zypern stammende Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Beide wurden von der Untergrundströmung des Feminismus auf ihre Posten gespült. Eine Medizinerin aus Niedersachsen, die es mit großem PR-Geschick erst in die Bundesregierung und schließlich dank des Faibles von Emmanuel Macron für reife blonde Frauen bis an die Spitze der EU-Kommission geschafft hat. Außerdem eine Psychologin, die in ihrer Heimat in einen der größten Korruptionsskandale verwickelt war, bevor sie an die Brüsseler Fleischtöpfe wechseln durfte. Beide Damen haben überall in ihren politischen Funktionen versagt. Aber es war mal wieder Zeit für eine Frau.

Auch Angela Merkel machte unter Helmut Kohl zunächst ihre Karriere auf diesem Quotenticket, bis ihr im Zuge der CDU-Parteispendenaffäre eher zufällig die ganze Macht zufiel. Die damals noch männlich geprägte Parteiführung und die alte Parteidienerschaft Helmut Kohls hatten es schlicht verbockt. Merkel ergriff die Chance und sorgte danach mit ihrem feministischen Netzwerk in Politik und Medien dafür, dass in der CDU keine profilstarken Männer mehr heranwuchsen, die ihre Herrschaft gefährden konnten.

Weg frei für das Girls-Camp

Die letzten Alpha-Tiere in Merkels Kanzlerschaft, die dem anschwellenden Geschwafel der Gesinnungsethik noch standhielten, waren knorrige Gestalten wie Peer Steinbrück oder Franz Müntefering, beides Sozialdemokraten mit klassisch verantwortungsethischer Färbung. Danach war der Weg frei für das Girls-Camp und in der Merkel-CDU stiegen nun die Frauen auf sowie ein paar weichliche Gestalten wie Helge Braun und Peter Altmaier. Ein Thomas de Maizière wurde geduldet, weil er in seiner unterwürfigen Beamtenmentalität sichtlich keine Gefahr für das Matriarchat darstellte, während sich der Koalitionspartner SPD auf dem Weg in eine sektiererische Splitterpartei selbst marginalisierte und nur die CSU noch halblaut Widerstand leistete, weil sie ihre Traditionen nicht gänzlich der Modernisierung oder dem Zeitgeist opfern wollte.

Insgesamt aber waren nun fast alle Hindernisse für eine Politik der moralisierenden Gesinnungsethik aus dem Weg geräumt. Unübersehbar wurde dies 2015 bei der Flüchtlingskrise, und zwar praktisch wie auch in der rhetorischen Begleitmusik. Undenkbar, dass eine Regierung Schmidt, Kohl oder Schröder es zugelassen hätte, dass innerhalb kürzester Zeit mehr als eine Million Menschen aus einem Kriegsgebiet, viele davon mit einer Vergangenheit als bewaffnete Kämpfer, ohne jede Kontrolle die Grenzen nach Deutschland überschreiten. Die verantwortungsethische Grundierung der damaligen Entscheidungsträger hätte dem entgegengestanden. Eine humanitär gebotene Lösung mit weniger Risiken und Nebenwirkungen wäre auf europäischer Ebene dennoch zustande gekommen.

Und wie steht es eigentlich um Reformprojekte in der Ära Merkel? Wirtschaft? Finanzen? Europa? Infrastruktur? Digitalisierung? Fehlanzeige allüberall. Dafür durften sich die Sozialdemokraten bei ihrer Verteilungspolitik austoben (Mindestlohn, Rente mit 63, Grundrente). Und selbst die Ehe für alle verdankt ihre Existenz eigentlich nur einem besseren Versprecher Merkels bei einem gefühligen Interview mit einem – man ahnt es – Frauenmagazin. Als der Koalitionspartner die entsprechende dpa-Meldung las, wurde das Projekt ruckzuck auf die Tagesordnung von Kabinett und Bundestag gesetzt und verabschiedet. Klassische Merkel-Politik eben: Nicht ein Projekt aus Überzeugung und mit Argumenten vorantreiben, sondern es einfach geschehen lassen, wenn es irgendwie dem sich fortschrittlich wähnenden Zeitgeist entspricht. Widerstand aus den eigenen Reihen war ja schon Jahre zuvor ausgeschaltet worden.

Schlechte Zeiten für Verantwortungsethiker

Nun ist die Ära Merkel so gut wie vorbei. Unabhängig vom Ausgang der Bundestagswahl wird jedoch die Politik, für die sie stand, fortwirken, ebenso wie die Feminisierung der Gesellschaft, deren Nutznießerin und Förderin sie gleichermaßen war. Harte politische Entscheidungen zu treffen, und seien sie objektiv noch so notwendig, dürfte immer schwieriger werden in einer Mediendemokratie und Gesellschaft, die nachhaltig zum allseits präsenten moralischen Bekenntnis und der eigenen Unantastbarkeit konditioniert worden ist.

Maßnahmen zu emotional wie moralisch positiv aufgeladenen Politikfeldern wie der  Klimapolitik oder der Geschlechtergleichstellung dürften wegen des breiten Konsenses und der medialen Unterstützung noch relativ leicht durchzusetzen sein. Viel schwieriger wird es  bei harten Themen, bei denen es auch um Verteilungskämpfe und Weltbilder geht. Ob Rente, Steuern oder Migration – politische Handlungsträger werden, selbst wenn sie den Handlungsdruck spüren, notwendige Entscheidungen scheuen, wenn die Gefahr besteht, dass diese zu einem Aufschrei führen werden, weil sich mal wieder eine soziale, ethnische oder sonstige Gruppe oder deren Vertreter benachteiligt, verletzt, missachtet, diskriminiert fühlen. Die Wohlfühl-Politik der Gesinnungsethiker blockiert sich selbst. Schlechte Zeiten für Verantwortungsethiker – ob Mann oder Frau.

 

Der Autor dieses Beitrages schreibt unter Pseudonym.

Foto: Stefan Klinkigt

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Gerhard Döring / 26.07.2021

James Brown: this is the man’s world !! Bleibt weiblich meine Damen und alles wird gut. Schaut doch bei den Affen ab,die wissen noch wie es funktioniert.Solltet ihr gut sein geht es auch ohne die Muskeln eines Gorillas, das macht den Unterschied.

Heike Vetter / 26.07.2021

Hervorragend geschrieben. Das Trio oder auch die Dreierbande Christine, Uschi & Angela beweisen täglich aufs Neue, dass Kompetenz eher hinderlich ist , will man Großes erreichen. Man darf Frauen unterstellen, dass sie Meister der Heimtücke sind und nur selten mit offenem Visier spielen. Männer haben das Spiel bis heute nicht durchblickt und sind immer wieder aufs Neue erstaunt, wenn sie sich plötzlich in der Verteidigungsposition wiederfinden. Als Frau darf man es ja sagen: ich arbeite lieber mit 10 Männern als mit 3 Frauen. Frauen sind mir zu wehleidig, zu hinterlistig und grundsätzlich zu anstrengend!

Judith Panther / 26.07.2021

Ein paar Fragen an jene hier, die dem Autor die Verwendung eines Pseudonyms ankreiden: Die Geschwister Scholl haben ihre Pamphlete auch nicht unterschrieben und die Resistance im Dritten Reich hat die Namenslisten ihrer Mitglieder auch nicht öffentlich ausgehängt. War das klug oder war das feige? Sollten Whistleblower in Zukunft ihre Adresse mitangeben? Ab wann ist es nicht mehr Mut sondern Dummheit, sich zu outen?        

Volker Kleinophorst / 26.07.2021

@ M. Schweitzer Sie wissen schon, dass es auch in Weimar bereits das Frauenwahlrecht gab und Hitler bei den Frauen erfolgreicher war als bei den Männer? Ja und weil es so schön passt.Während die Männer noch bis zum Schluss für das Naziregime kämpften, ist ja ein beliebtes Frame. Nach “Massaker von Nemmerdorf” (nichts für schwache Nerven) im Oktober 1944 dem ersten “Auftritt” der Roten Armee auf deutschem Gebiet, kämpfte man an der Ostfront darum, dass möglichst viele Zivilisten also Frauen, Alte und Kinder noch fliehen konnten, nachdem die NationalSOZIALISTEN ihnen eine rechtzeitige Flucht verwehrt hatten. Das tun Männer, sie opfern sich für andere. Um sich hinterher von den Frauen beschimpfen zu lassen, die ja am 9.Mai 45 plötzlich alle im Widerstand waren.

Thomas Schmidt / 26.07.2021

Das ist wie bei den Löwen. Die Löwinnen warten einfach ab, wenn junge Herausforderer das aktuelle Löwen Männchen herausfordern, und lassen sich dann vom Sieger begatten. Deswegen kann man mit Frauen auch “keinen Staat” machen. Sie sind biologisch einfach die geborenen Verräterinnen, immer bereit sich dem jeweiligen Sieger an den Hals zu werfen. Frauen fangen erst dann an staatsmännisch zu denken, wenn es diese Möglichkeit nicht gibt, wie in früheren Zeiten, wenn also ein Sieg der Fremden für die Frauen und ihren Nachwuchs Tod, Vergewaltigung und Versklavung bedeutet.

Wolf von Fichtenberg / 26.07.2021

Hören sie es noch? Das Lied. Wir schreiben das Jahr 1982 und das was da als Schlager aus dem Äther klang war zugleich ein ganzes Programm. „Neue Männer braucht das Land“… Man klatschte mit und der Feminismus (…Stalinismus, Maoismus, Faschismus… jeder „ismus“ gebiert nie etwas Gutes) wurde zur Mode der sich avantgardistisch gebenden, der aufgeklärten Frau. Natürlich stand man Links. Fortschritt steht immer links. Das denken sie selbst. Aber Fortschritt ist auch ein sich entfernen aus einer Position. Steter Fortschritt – pausenlos - ist das Laufen auf einer Kreisbahn. Das gestern ist das Morgen… - Nun, jetzt haben wir sie also, diese „neuen Männer.“ Naturburschen mit Holzfällerhemden deren wichtigste Tageshandlung die Auswahl der Pflegeserie für das verruchte Gewächs im Gesicht ist. Manikürte Fingernägel, mit Klarlack vesiegelt, greifen nach dem „männlichen“ Duftwasser und der wahre, der verfemte Macho steht im Schlamm um seine Familie zu retten und schaut zum Himmel ob ein neuer Wolkenbruch droht. - Feministen demonstrieren in der Hauptstadt für „mehr Kohle“. Forderungen. Haben. Mehr! Mehr! -Geben? - Lieber femschwafeln als einen Sandsack tragen. Und sei es nur ein Säckchen, so wie es ein Politiker in legerer Freizeitkleidung in die Kamera hielt. Ja, Politiker grinsen aus dem Fernseher und ihr Stoppelbart illusioniert uns Verwegenheit und Tatkraft. Es ist nicht mehr als das Superheldenkostüm des Kindes: Es ergeht sich in der Illusion durch die Larve das zu sein was es zeigt. Das Kind wird belächelt, der Politiker angelacht. Schlimm: Es wird ihm zu oft geglaubt. – „Kinder an die Macht“ grönemeierte es 1986 und heute sehen wir sie. All diese wohlstandsverwahrlosten Kinder die nun zu Männern, zu Frauen, zu Diversen mutieren. Aber: Wo sind sie, die wirklichen Frauen, die wirklichen Männer? - Und so summe ich: “Neue Männer braucht das Land…“ Ja, auch Frauen! Aber in anderem Sinne als es der Zeitgeist will. <>

Volker Kleinophorst / 26.07.2021

Alter Spruch von mir frei nach Zille: Du kannst einen Mann mit einer Frau töten wie mit einer Axt. Erweiterte Version 2021: Du kannst ein Land mit der Frauenquote töten wie mit einem Flächenbombardement. Ach halt: Flächenbombardement ist weniger effektiv.

Olaf Hüffner / 26.07.2021

Warum nur fallen mir die drei Erinyen ein ? Alekto, Megaira und Tisiphone.

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