Ulrich Schödlbauer, Gastautor / 15.05.2021 / 16:00 / 6 / Seite ausdrucken

Der informierte Mensch ist der schwächste

Weltverbrechen werden an den Umschlagstellen der Geschichte publik. Die laufenden bleiben unter der Decke.

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Wenn in einer Bank die Alarmanlage ausfällt, dann wissen die Eingeweihten: Gefahr im Verzug. Die Bankräuber sind unterwegs.

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Die Alarmanlagen der liberalen Gesellschaft sind die Medien. Wer sie ausschaltet, geht ans Eingemachte der Macht.

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Apropos: Man schaltet Medien nicht aus. Man schaltet sie … um.

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Das vergangene Jahrzehnt hat Fischzüge gesehen, die das Zeug dazu haben, alles in den Schatten zu stellen, was sich in der Menschheitsgeschichte an Vorbildern auftreiben lässt. Jedes Mal stellten die Medien sich zur rechten Zeit blind und taub. Die Menschen wissen also Bescheid.

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Gestern war Journalist, wer das Elend der Welt herunterbuchstabieren konnte. Heute ist Politiker, wer es darstellt, ohne dass es ihm auffiele.

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Gestern informiert, heute formiert. Was so nicht stimmt: Jede Formation erzeugt ihre ganz eigene Information.

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Ein Wissen ist in der Welt. Was treibt es da? Wen treibt es da? In welcher Mission?

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Das Bescheidwissen der Ausgeschiedenen klingt nach Feigheit: Warum hat man diese Dinge nicht früher von ihnen gehört? Der Grund ist einfach: Ihnen fehlen die Flure, auf denen geraunt werden darf. Sie machen publik, weil das Betriebsgeheimnis weitergewandert ist und jetzt von anderen gehütet wird. Sie wünschen von Dingen zu reden, von denen sie etwas verstehen – vor Leuten, die sie ihnen abnehmen.

„Wo bist du nur? Wie kannst Du Herrchen so im Stich lassen?“

Vorschlag zur Güte: Impfkampagne herunterfahren, sobald der drogenaffine Teil der Bevölkerung seine Dosis erhalten hat. Grund: alles, was danach kommt, schmeckt nach notdürftig bemäntelter Gewalt.

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Nebenfolgen: ein Wort für die Statistik. Alle Nebenfolgen sind Hauptfolgen für den, der sie erleidet, vor allem dann, wenn ihm vorher nichts fehlte.

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„Hauptsache geimpft.“ Der Rest ist Nebensache. Das ist der Sinn des Satzes: „Man schlägt sich durch.“

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„Geld, meine Damen und Herren, Geld …“, hier unterbricht sich der Redner, er hüstelt ein wenig, er spürt die Schwelle zum Allerheiligsten: In den nächsten Minuten entscheidet es sich, ob er zu den Eingeweihten zählen wird oder als Schwätzer die Runde dreht.

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Wann immer der Vorteil der Wenigen, die man einst the happy few nannte, auf der Hand liegt, werden die Stimmen lauter, die klagend fragen: „Aber warum?“ Sie suchen den Grund wie ein Hundebesitzer, der nicht bemerkt, dass sein getreuer Kläffer ihm folgt: „Wo bist du nur? Wie kannst Du Herrchen so im Stich lassen?“

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Du hast das Puzzle in der Hand und willst es legen. Du bist so nahe am Ziel wie nie zuvor, noch drei, vier Elemente und du bist am Ziel. Wie oft ist das geschehen und wie oft wird es noch eintreten? Etwas passiert – und das Geduldspiel beginnt von neuem. Die unsichtbare Hand verwischt deine Erfolge, sie mischt sich ein, sobald ihr Bild auf der Fläche erscheint.

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Das Urteil der Sinne setzt ein Verbrechen voraus.

Alle Erfassung läuft auf Separation hinaus

Es ist ein großer Unterschied, ob sich Menschen ausweisen können oder ob sie Ausgewiesene sind.

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Alle Erfassung läuft auf Separation hinaus. Sobald alle erfasst sind, ist alle Separation willkürlich: Sie wird durch das Erfassungssystem generiert und keiner ist mehr da, der von sich sagen kann, er sei entronnen.

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Es genügt nicht, den Menschen die Zunge zu lähmen. Die Logik der Gewalt verlangt, sie ihnen schmackhaft zu machen.

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Misstraue den Heilsbringern! Das lernt sich für ein, zwei Generationen, dann muss wieder geheilt werden, was nicht geheilt werden kann.

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Kommt dir etwas unwirklich vor, gehe ihm nach, bis es seine Wirklichkeit preisgibt.

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Ein Berufskiller, der vor Gericht die statistische Überzahl der von ihm am Leben Gelassenen anführt, um sich als nützliches Glied der Gesellschaft auszuweisen, hat künftig vielleicht größere Chancen davonzukommen, als das Alltagsgemüt es sich vorstellen kann. Es gibt Weltgegenden, die kennen diesen Typus schon länger.

Große Verbrechen schaffen es früher ins Kino als in die Realität

Von der Geschichte verwöhnt, das heißt vergessen werden: Wer wollte es nicht? Dabei vergisst die Geschichte nie. Geschichtsvergessenheit gehört nicht zu ihren Lastern.

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Große Verbrechen schaffen es früher ins Kino als in die Realität. Sie müssen auf der Skala der kollektiven Phantasie sinken, bis sie in die härtesten Schädel einsickern können: die Klasse der Durchsetzer.

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Man muss ins Kino gehen, um zu erfahren, was in fünf Jahren geschieht. Man kann es auch lassen, denn letztlich befindet man sich immer im falschen Film.

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Wer die Kinos schließt, schließt von sich auf andere.

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In der Phantasie vieler Leute lautet die Maximalformel für kommendes Unheil „Viertes Reich“. Das klingt ein wenig outdated, weil es die Abzweigung übersieht, die der Reichtum seither genommen hat.

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Die Reichen haben die Reiche hinter sich. The Empire ist following you.

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Man muss den Tod vor sich haben, um ihn hinter sich zu lassen. Manche versuchen es andersherum.

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Man muss den Mars mögen, um ihn besiedeln zu wollen.

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Es gibt Totgeburten des menschlichen Begehrens, in die unentwegt Geld hineingeschüttet wird.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Ulrich Schödlbauers Blog.

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Leserpost

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lutzgerke / 15.05.2021

Mein Reden. Die Zukunft wird in den Kinos vorbereitet von Kubrick, Schwarzenegger und Stallone mit einem Schuß Ironie. Den Demonstranten in “The 6th Day” vorm Geschäft mit den Hundeklonen hätte er sich sparen können. Stell’ dich mal mit einem Transparent vor eine Teststation. “Das Kabelfernsehen, das einem gleichzeitig vierzig Programme liefern kann, erweckt im Zuschauer den Eindruck, dass - angesichts der Menge - jedes andere besser sein muss als das gerade angesehene, man springt also von Programm zu Programm wie ein Floh auf einer glühenden Bratpfanne, was nur beweist, dass vollkommene Technik vollkommenen Frust erzeugt. (Eine Minute der Menschheit, Stanislaw Lem)

Gerhard Schmidt / 15.05.2021

Drogen reduzieren, dann wird es schon noch mit den Aphorismen…

Wilfried Cremer / 15.05.2021

Hallo Herr Schödlbauer, die Chinesen mögen den Planeten Mars. Sie suchen da nach Makroviren, die geeignet sind, uns Langnasen noch nachhaltiger zu necken, so wie Plüschtiger für Hunde.

Markus Knust / 15.05.2021

Statt - oder Staat - eines Zitates würde aber auch die folgende Redewendung passen : “It`s just an idea and the fires are peaceful” Könnte ich mir sehr gut als Slogan für die Grünen bzw. die GRR Koalition vorstellen. Die lieben uns doch alle - solange wir solvent sind.

Markus Knust / 15.05.2021

Ein hervorragender Text, kurz und prägnant. Beim Lesen kam mir ein Zitat in den Sinn, welches mir in letzter Zeit häufiger durch den Kopf geht : “I don`t think we’re in Kansas anymore, Toto.” Dorothy Gale - The wizard of OZ

Stefan Riedel / 15.05.2021

...“Apropos: Man schaltet Medien nicht aus. Man schaltet sie … um.”... Es sei denn sie schalten sich selbst um. Genannt “freiwillige” Umschaltung, Gott, wenn das Dr. Joseph noch erleben dürfte. Gleichschaltung à la carte.

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