Boiling Frog Syndrome

Von Gerald Wolf.

Hierbei geht es um Kochen, um einen Frosch und einen Symptomenkomplex, ein Syndrom. Alles auf Englisch. Frei übersetzt, sehr frei, könnte man statt Boiling auch Trinken sagen, Tee anstelle von Frog setzen und für den sperrigen Begriff Syndrom das deutsche Abwarten. Herauskommt, noch immer sinnentsprechend: „Abwarten und Tee trinken“. Nur, dass man dann allzu weit vom Eigentlichen weg ist. Denn es handelt sich ja um ein (gedankliches!) Tierexperiment.

Im ersten Teil des Experimentes setzt man einen Frosch in einen mit heißem Wasser gefüllten Topf. Der Frosch wird sofort herausspringen. Das ist insofern nicht unbedingt zu erwarten, da ja Frösche bekanntlich zu den wechselwarmen Tieren zählen – es sind sogenannte Kaltblüter –, und man daher auch annehmen könnte, er passe sich der Temperatur einfach an. Nein, das tut er nicht. Eben weil ihm das Wasser zu heiß ist. Er fürchtet um Leib und Leben.

Zum zweiten Teil: Man setzt den Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser. Er bleibt drin. Es ist ja sein normales Milieu. Jetzt kommt das Perfide: Langsam wird das Wasser in dem Topf erhitzt. Ganz langsam. Was passiert? Nichts, dem Tier ist das angenehm. Es bleibt sitzen. Was aber, wenn man das Wasser weiter erhitzt, ganz langsam, aber stetig? Wenn es heißer und heißer wird, dann fühlt sich das Tier allmählich nicht mehr wohl. Immer unangenehmer wird es ihm. Dennoch, es bleibt sitzen. Der Frosch passt sich an und harrt aus. – So lange, bis es für einen Absprung zu spät ist, und er verbrüht.

Professor Gerald Wolf ist Hirnforscher und emeritierter Institutsdirektor. Er widmet sich in seinen Vorträgen und Publikationen und regelmäßig im Fernsehen (MDR um 11, Sendung „GeistReich) dem Gehirn und dem, was es aus uns macht. Neben zahlreichen Fachpublikationen und Fach- und Sachbüchern hat er auch drei Wissenschaftsromane veröffentlicht.

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost (4)
S.Schleitzer / 31.07.2017

Das mag daran liegen, dass die Tagesfroschschau dem Frosch erklärt hat, dass das Wasser gar nicht kocht, sondern es sich dabei um das beste und lebenswerteste Wasser handelt, welches er jemals hatte.

Marcel Seiler / 31.07.2017

Ist das wirklich so? Oder ist das nur ein gute Metapher, die ohne die freundliche Mitwirkung echter Frösche zu Stande gekommen ist? Und wenn nicht: welche Ethikkommission hat diesen Froschversuch genehmigt?

Heinrich Lodsch / 31.07.2017

Fehlt hier nicht vielleicht ein Text? Das Boiling Frog Syndrome ist wirklich nichts neues, amüsant ist hier lediglich, daß es ausschweifend erklärt wird. Ein wenig Zusammenhang wäre ganz nett.

Herbert Dietl / 31.07.2017

Mit Verlaub, der Mythos vom “Frosch im heißen Wasser” lebt, ist aber eine Legende. Jene die es ausprobiert haben, möchten sich nicht der Tierquälerei, mit Recht, beschuldigen lassen, und schweigen tunlichst . So kochen die Frösche, und kochen, und kochen, und… Was aber wahr ist, dass die Mehrzahl der Wähler dümmer ist, als es Frösche sind.

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