Abrüstungsverträge: Sag zum Abschied leise Putin

Morgen am 2.8.2019 läuft der INF-Vertrag (Intermediate-Range Nuclear Forces Treaty von 1987) sang- und klanglos aus. Er hat die Stationierung von Kernwaffen mit mittlerer Reichweite zwischen 500 bis 5.500 km erfolgreich verhindert. Kann sich überhaupt noch einer an die harten Auseinandersetzungen um den „NATO-Doppelbeschluss“ erinnern? Eine Million Demonstranten für Abrüstung in Bonn – und heute?

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini schwafelt ein bischen gelangweilt daher: „Die nächsten Tage bieten die letzte Chance zum Dialog und dafür, die notwendigen Maßnahmen zum Erhalt dieses wichtigen Pfeilers der europäischen Sicherheitsarchitektur zu ergreifen“. Genau, es ist die gleiche Dame, die das unselige Abkommen mit dem Iran maßgeblich verbockt und die Reaktion der USA offensichtlich völlig falsch eingeschätzt hat. Die Dame scheint – wie die meisten deutschen Politiker auch – keinen Globus zu besitzen, sonst würde sie erkennen, dass Europa unmittelbar davon bedroht wird. Wir Deutschen fürchten uns ja sowieso nur vor diesem Donald Trump; Putin und die Mullahs sind dagegen reine Friedensengel, die doch nur mit uns Geschäfte machen wollen, um unseren Wohlstand zu mehren – jedenfalls teilt uns dies all abendlich der Staatsrundfunk mit. 

Gleichzeitig stehen die START und ABM-Verträge (Strategic Arms Reduction Treaty von 1982, 1993, 2011 und Anti-Ballistic Missile Treaty von 1972) zur Disposition. Wird dieses Bündel aufgeschnürt, steht damit die Doktrin von der „Abschreckung durch gesicherte gegenseitige Vernichtung“ ganz grundsätzlich in Frage. Der „Atomkrieg“ wird wieder als führbar erklärt. Eine weitere Illusion der westlichen Welt wird damit brutal hinweggefegt.

Aber damit nicht genug, wenn der New START im Februar 2021 ausläuft, geht es nicht nur um ein paar Interkontinentalraketen. Ganz unmittelbar sind mit ihm die NTM-Verträge (National Technical Means of verification) seit 50 Jahren verknüpft. Ganz einfach gesprochen, geht es darum, keine Satelliten zu stören (jaming), zu täuschen (spoofing) und nicht zu zerstören. Auch hier zündelt Putin ganz gewaltig: Störung der GPS-Signale in Norwegen 2019, Fälschung der Signale im Schwarzen Meer (vorgetäuschte Abweichungen von über 40 km) und vor Wochen Verfälschung der GPS-Signale bei Start und Landung an Flughäfen in Israel. Hier wird eine Büchse der Pandora geöffnet, die in unserem heutigen Kommunikationszeitalter noch viel zerstörerischer sein könnte.

Wohin die Reise geht, erkennt man daran, daß nun auch noch das Teststoppabkommen CTBT (Comprehensive Nuclear Test Ban Treaty) unterlaufen wird. Es wurde 1996 von Bill Clinton unterzeichnet, aber nie vom US-Senat ratifiziert. Es war wegen seiner Schwächen ebenso umstritten wie das Iran-Abkommen (JCPOA Joint Comprehensive Plan of Action). Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen, und welche Interessen stehen dahinter?

Die veränderte Welt

Während des „Kalten Krieges“ war die Welt übersichtlich und einfach strukturiert: Es gab die zwei Blöcke USA und Sowjetunion. Beide Parteien konnten sich an einen Tisch setzen und ein unterschriftsreifes Abkommen aushandeln. Noch besser: Es war entsprechend detailliert, so dass es anschließend auch ratifiziert werden konnte. Dieser Vertrag war dann das Maß aller Dinge. Jeder Block achtete darüber hinaus darauf, dass „Atommächte“ in seinem Einflussbereich nicht aus der Reihe tanzten.

Dies ist heute völlig anders. Es gibt nicht nur die Staaten, die bereits über Kernwaffen verfügen, sondern unzählige, die danach streben. Aktuell herausragende Problemfälle sind Iran und Nordkorea. Schon diese beiden könnten nicht unterschiedlicher sein. Bei Nordkorea kann man davon ausgehen, dass die Kernwaffen nur der „Verteidigung“ dienen sollen. Die Herrschenden in Nordkorea wollen nicht ernsthaft einen „Atomkrieg“ führen – wohl wissend um die Konsequenzen für das eigene Überleben. Es handelt sich hier eher um „politische" Waffen. Verhandlungen und Abkommen zwischen den betroffenen Staaten erscheinen damit durchaus möglich.

Völlig anders verhält es sich mit dem Mullah-Regime des Iran: Dieses Regime ist nicht nur offen imperialistisch und überzieht all seine Nachbarn mit Krieg, um die Vorherrschaft über „seinen persischen Golf“ zu erlangen, sondern schlimmer noch, ist von einem mittelalterlichen religiösen Sendungsbewusstsein getrieben. Es gibt bereits heute den Verwendungszweck seiner angestrebten Kernwaffen an: Die Auslöschung des Staates Israel und damit die „Endlösung der Judenfrage“.

Selbst eine Abschreckung erscheint völlig sinnlos, wird doch jedes Selbstmordattentat nach deren Glauben mit 72 Jungfrauen im Paradies belohnt. Vor diesem Hintergrund ist es schon bemerkenswert, wie Europa – mit Deutschland wieder einmal vorneweg-gehend – den US-Sanktionen in den Rücken fällt. Gelingt es nicht, die Mullahs durch Sanktionen in die Knie zu zwingen, ist ein Präventivschlag Israels unvermeidlich. Dann wird sich nur noch die Frage stellen, auf welcher Seite man mit in den Krieg ziehen muss.

„Eskalation zur Deeskalation“

Es gibt aber noch einen weiteren Problemfall. Putin kehrt wieder zu der Doktrin eines „führbaren Atomkrieges“ zurück. Diesmal verbrämt unter der schwachsinnigen Parole „Eskalation zur Deeskalation“. Er glaubt, wenn Russland eine kleine Kernwaffe gegen NATO-Truppen einsetzt, wird die NATO einknicken und nicht mit einem großen atomaren Gegenschlag antworten. Putin ist – im Aktuelle-Kamera-Deutsch würde man sagen – ein unverbesserlicher Revanchist. Er kann den Zerfall seiner geliebten Sowjetunion nicht verwinden und meint immer noch, dies sei ein Werk des bösen Westens und einiger Schwächlinge wie Gorbatschow und Jelzin geschuldet und nicht ein logischer Zusammenbruch des Sozialismus.

Am Ende seiner gefühlt ewigen Herrschaft erkennt er, dass Russland immer noch ein Schwellenland mit Kernwaffen ist ("Nigeria With Nukes)", in dem seine neureiche Clique sich lieber Luxusjachten und Fußballvereine im Westen kauft, als ihr (geraubtes) Geld in Russland zu investieren. Spätestens nach dem Abenteuer in Syrien ist jedem russischen Militär klar, was eine offene militärische Auseinandersetzung mit der NATO für Folgen hätte. Eine Luftabwehr, die lediglich eine Gefährdung der eigenen Luftwaffe (Abschuss eines eigenen Spionageflugzeugs mit 15 Mann Besatzung) und Nachbarländer (Raketeneinschlag auf Zypern) darstellt, ein wie weiland die Kaiserliche Flotte qualmender Flugzeugträger, der nur in Begleitung von Schleppern auslaufen kann und Bomber, die nur mit eingelegtem Autopilot Krankenhäuser zerbomben können.

Was in seinem zwanghaften Imponiergehabe übrig bleibt, sind Kernwaffen. Russland unterläuft sämtliche Abrüstungsverträge und versenkt wieder Unsummen in eine „atomare Aufrüstung“. Zum Glück sind die Militärs in den USA (bisher) nicht auf das Spiel mit begrenzten Kernwaffenschlägen eingestiegen. Man ist dort nach wie vor der Meinung, dass man auf einen Angriff mit „kleinen“ Kernwaffen mit einem vernichtenden konventionellen Gegenschlag antworten könne. Für sie sind die Putinschen Bömbchen so etwas wie die Kamikaze-Flieger des untergehenden Japan. Gleichwohl wären die Hauptleidtragenden die europäische Bevölkerung.

Berlin – nicht etwa New York oder Washington

Umso weniger kann man verstehen, warum der Bruch des INF-Abkommens in Europa so klaglos hingenommen wird. Putin protzt unverhohlen mit neuen landgestützten Marschflugkörpern mittlerer Reichweite. Mit ihnen bedroht er von Königsberg aus (die Stationierung von SSC-8s in 2014 war ein eindeutiger Bruch der INF-Verträge) Berlin et cetera mit einer nuklearen Auslöschung – nicht etwa New York oder Washington. Die Strategie ist heute wie damals die gleiche: Erpressung von Europa ohne (gehofft) die Gefahr eines nuklearen Gegenschlages durch die USA.

Im Gegensatz zu Helmut Schmidt lässt man heute die Atommacht GB beleidigt aus er EU austreten und die fünfte Kolonne fordert schon wieder lautstark den Abzug von Atombomben von deutschem Boden. Vor einer Teilhabe an Kernwaffen durch die Bundeswehr braucht Putin sich bald ohnehin nicht mehr zu fürchten, da Deutschland demnächst über keine Flugzeuge mehr verfügt, die ihm diese als Antwort entgegen tragen könnten. Deutschland ergibt sich schon, bevor überhaupt der erste Schuss gefallen ist. Aus Putin-Verstehern werden schon bald (zwangsweise) Putin-Willkommenheißer. 

Nun ist das alles aber nicht so ganz einfach. Im Zeitalter der „gegenseitig gesicherten Vernichtung“ ging alles um Megatonnen. Man musste auf jeden Fall die gegnerischen Städte mit einem Schlag pulverisieren, egal wie genau man traf. Will man einen „führbaren Atomkrieg“, müssen die Sprengkörper flexibel einstellbar sein, um den Kollateralschaden möglichst klein zu halten. Das ist aber gar nicht so einfach und erfordert wesentlich mehr Wissen und Aufwand als bei einer Hiroshima- oder Nagasaki-Bombe. Wohl gemerkt, es geht nicht um eine Miniaturisierung, sondern um eine Programmierung der gewünschten Sprengwirkung. Damit sind wir bei der Bedeutung von Kernwaffentests.

Kernwaffen sind recht komplizierte Gebilde. Bis zum heutigen Tage versteht man die physikalischen Abläufe nicht bis ins letzte Detail. Man braucht also Tests, ob die Konstruktion überhaupt funktioniert. Diese Tests sind aber jedes Mal „echte Atombomben“ mit all ihren zerstörerischen Konsequenzen. Um dieser Zwickmühle zu entkommen, machte man sich schon frühzeitig Gedanken über die Begrenzung von Tests. Es begann eine jahrzehntelange Verhandlungskette: Verbot von Tests in der Atmosphäre, Begrenzung der maximalen Sprengkraft, bis hin zum Teststopp.

Leider muss man feststellen, dass sich „Vernunft“ nicht grundsätzlich weiterentwickelt. 1988 war man so weit, dass man auf den Versuchsgeländen von Nevada und Semipalatinsk unter gegenseitiger Beobachtung und wechselseitiger Installation von Messtechnik Kernwaffentests durchführte. Diese gegenseitigen Tests dienten der Kalibrierung der Messtechnik zur Überwachung der Einhaltung der Teststopps und damit zur Vertrauensbildung. 30 Jahre später ist es undenkbar, dass Putin auf seinem Testgelände amerikanische Spezialisten und Messtechnik zulassen würde. So ist es halt, wenn man einem Geheimdienstoffizier in dritter Generation die politische Verantwortung überläßt….

Der Geist des CTBT

Schon bei der Verhandlung des CTBT (Comprehensive Nuclear Test Ban Treaty) wurden grundsätzliche Fragen in den USA gestellt:

  • Kann der Bestand an Kernwaffen ohne Testexplosionen gewartet werden? Wie gesagt, man versteht eine Kernwaffenexplosion immer noch nicht bis ins letzte Detail. Es ist aber sicher, dass das Plutonium, der konventionelle Sprengstoff und die Elektronik des Zünders altern.
  • Wie gut können die USA Kernwaffentests erkennen, lokalisieren und identifizieren? Hierfür sind weltweite Messnetze (seismisch, per Satelliten, per Flugzeug etc.), genaue Kenntnisse der Erdschichten, der meteorologischen Verhältnisse etc. und über mögliche Verschleierungstechniken nötig.
  • Was können die USA tun, um den Bestand möglichst nachhaltig zu erhalten (z.B. Wiederverwendung der Spaltstoffe etc.), und welcher technische und politische Aufwand muss betrieben werden, um ein internationales Kontrollsystem zu betreiben?
  • Welche Neuentwicklungen von Bauteilen sind unter dem CTBT möglich, oder was geschieht, wenn man auf den Zustand vor dem Abkommen zurückkehren muss?

Besonders der letzte Punkt ist höchst aktuell, da man davon ausgehen muss, dass Russland dieses Abkommen ebenfalls bereits gebrochen oder zumindest überdehnt hat. Wer einen Atomkrieg führen will, braucht andere Kernwaffen als jemand, der eine gesicherte Vernichtung in einem Zweitschlag garantieren will.

Die Entwicklung von Kernwaffen vollzieht sich heute durch Simulationen auf Super-Computern. Noch immer werden hier die leistungsfähigsten Rechner verwendet. Üblicherweise gibt es erst eine kommerzielle Freigabe, wenn bereits die nächste Generation in Betrieb geht. Nur China kann derzeit bei diesem Rennen überhaupt noch einigermaßen mithalten. Aber mit einer schnellen Maschine ist es noch nicht getan. Man braucht auch noch die (äußerst komplexen) Programme, und da geht es nicht wie bei der „Klimafolgen-Abschätzung“ zu: Jede neue Programmversion muss die alten Kernwaffentests nachbilden können. Trotzdem bleibt für jede neue Konstruktion eine Unsicherheit. Dies gilt schon mal für die Plutoniumlegierungen selbst.

Hydronuclear

Man darf zwar keine kompletten Kernwaffen testen, es ist aber durchaus erlaubt, Teile zu testen. Für Tests zur Zündung verwendet man beispielsweise so geringe Mengen Spaltstoff, dass garantiert keine Kettenreaktion (unterkritische Anordnung) ausgelöst werden kann. Die Aggregatzustände (fest, flüssig, gasförmig) hängen von Druck und Temperatur ab. Wenn die Schockwelle des Zünders auf die Probe trifft und sich durch die Probe ausbreitet, ändert sich beständig die Dichte. Wichtige Größen für die Zustandsgleichungen (equation-of-state) zur Simulation. Das alles erfordert eine aufwendige Messtechnik und ist überdies sehr schmutzig, da Plutonium von der Probe abplatzt und zerstäubt wird. So hat man von dem ehemaligen Testgelände der Sowjetunion (heute Kasachstan) mehrere hundert Kilogramm waffengrädiges Plutonium aus solchen Tests bei einer Reinigungsaktion 1996–2012 wieder eingesammelt. Man führt deshalb solche Tests unterirdisch in Stollen aus.

Solche Tests sind zur Wartung eines Kernwaffenarsenals ständig nötig. Plutonium altert zum Beispiel durch den radioaktiven Zerfall. Die entstehenden Helium Kerne (α-Strahler) erzeugen beispielsweise Spannungen im kristallinen Gitter der Legierung, die die mechanischen Eigenschaften verändern, wodurch sich der Verlauf der Zündung verändert…

Entstanden sind solche hydronuklearen Tests in der Zeit 1958–1961 durch die Frage einer möglichen Selbstentzündung. Kernwaffen sind so gebaut, dass sie nur gewollt gezündet werden können – selbst wenn der Sprengstoff des Zünders ungewollt explodiert. Man definiert eine Kernwaffe als „one-point safe“, wenn sie bei einer ungewollten Explosion mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Fall in einer Million eine (kerntechnische) Sprengkraft von bis zu vier Pfund TNT-Sprengstoff erzeugt. Dies geschah bei einem Zusammenstoß eines B52-Bombers mit seinem Tankflugzeug in der Nähe von Palomares in Spanien 1962. Bei mindestens einer Bombe explodierte der Sprengstoff des Zünders und zerfetzte die Bombe, ohne eine Kernwaffenexplosion auszulösen.

Zahlreiche Tricks die Überwachung zu hintergehen

Man kann sogar Tests mit kritischen Anordnungen durchführen, bei denen durch den Zünder tatsächlich eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Diese Versuche sind so ausgelegt, dass dabei nur der Gegenwert von 4 bis 20 g TNT aus der Kernspaltung stammen. Allerdings liegt genau in dieser Grauzone zwischen „keinem Kernwaffentest“ und „noch Zero-Yield“ die Problematik des Teststopp-Abkommens. Die USA verdächtigen Russland, bereits auch dieses Abkommen gebrochen zu haben.

Es gibt nämlich zahlreiche Tricks, die Überwachung zu hintergehen. So ist man sich einig, dass erst Kernwaffentest mit einer Leistung ab 100 t TNT mit den heute üblichen Methoden und Kenntnissen der Testgelände nachgewiesen werden können. Die historische Maßeinheit TNT ist nur eine Krücke zur (groben) Veranschaulichung. Man rechnet einfach die aus der Kernspaltung frei gewordene Energie – je 1.000 Kilokalorien pro kg – in Sprengstoff um. Damit ist nicht einmal (Strahlung etc.) die Explosionswirkung richtig erfasst. Bei konventionellem Sprengstoff breiten sich die Explosionswellen nur kugelförmig aus. Bei einer Kernexplosion überlagern sich die vom Boden reflektierten Wellen: Die zerstörerische Wirkung ist erheblich größer.

Damit kommen wir wieder zum Schwachsinn der „Eskalation zur Deeskalation“ zurück. 100 bis 1.000 Tonnen TNT sind schon eine ganze Menge für eine Terrorwaffe bei heutiger Zielgenauigkeit. Insofern liegt Putin nicht ganz falsch. Zumindest für Deutschland mit seiner sprichwörtlichen „Atomangst“ dürften ein paar solcher Bömbchen wohl zur sofortigen Kapitulation führen. Selbstverständlich würden deswegen weder die USA noch Frankreich oder GB Moskau in Schutt und Asche legen. Wir dürften noch sehr unsicheren Zeiten entgegen gehen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Klaus-Dieter Humpichs Website.

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Leserpost

netiquette:

Georg Caltern / 01.08.2019

Warum sollte ich mir Sorgen über eine Bedrohung durch russische Marschflugkörper machen? Dieses Land ist doch schon zerstört. Gut, noch hat es etwas Rest-Substanz mit der es diese Zerstörung für ein paar Monate überschminken kann, aber Putin ist ein Stratege. Der weiß, dass er sich das Geld für einen Angriff auf Deutschland sparen kann. Alles in allem erinnert mich der Artikel an einen alten Witz. Frage an Radio Eriwan: „Kann die DDR durch einen Nuklearschlag zerstört werden?“ Radio Eriwan antwortet: „Im Prinzip ja. Aber warum so aufwendig wenn es 3cm Neuschnee doch auch tun?“

Karla Kuhn / 01.08.2019

Heute kann man ein Land ganz OHNE Kernwaffen mittlerer Reichweite zerstören !  Herr Jonas Callsohn hat mit JEDEM Wort recht. Ich mache mir überhaupt keine Gedanken um die russischen Mittelstreckenwaffen, meine ANGST ist eine völlig andere und DIE liegt in der nahen Zukunft !!

Leo Hohensee / 01.08.2019

bei allen technischen Kenntnissen, die Sie, Herr Humpich, so drauf haben, weigert sich etwas in mir, diese Details verstehen zu wollen. Ich bin verärgert über dieses überbordende Putin-Bashing mal wieder!  - Vor kurzem war ich in Bonn im “Haus der Geschichte”. Dort gibt es eine Landkarteninstallation, die den Verlauf der NATO-Ausbreitung nach 1990 über die anschließenden Jahre hinweg zeigt. Ich darf daran erinnern, dass mit dem Zusammenschluss Deutschlands absolute Friedensignale aus Russland kamen. Russland wurde auch das Versprechen gegeben, dass die NATO sich nicht weiter in Richtung Osten ausbreiten werde (nicht auf die Pelle rücken werde). Diese Karteninstallation im Haus der Geschichte zeigt aber ganz eindeutig wie in den Folgejahren diese “Friedenstruppe NATO” , Russland regelrecht eingekreist hat. Die aktuelle Karte anzuschauen, fand ich aus russischer Sicht gesehen tatsächlich bedrohlich! Jetzt werden Sie ins Feld führen, dass Russland ja der Aggressor in der Ukraine war. Im Gegensatz zu solch einer Meinung nannte Georg Friedman von STRATFOR USA den Verlauf der Ereignisse dort “einen gelungenen amerikanischen Coup”. Wenn ich die finanziellen Aufwendungen für das Militär zwischen Russland u USA vergleiche, wenn ich die Anzahl der Militärbasen vergleiche dann habe ich Fragen an Sie, Herr Humpich, z.B. - warum suchen wir nicht einfach eine verstärkte friedliche Zusammenarbeit mit Schüleraustausch und, und und mit Russland? Weil Russland versucht und auch dokumentiert, dass es sich vor Bedrohungen durch die “friedliche NATO” schützen wird ....... ??  - In meinen Augen versuchen Sie, Herr Humpich, einen Brand zu stiften.

Anders Dairie / 01.08.2019

Ich muss hier EINIGEN entgegen treten:  Je mehr Panzer und Raketen die Zoffjet-Führer am 1. Mai über den Roten Platz fahren ließen, umso schwächer wurde das Land.  Kriege gewinnt derjenige mit der stärkenen, stabileren Ökonomie.  Der Kriegsbedarf ist gewaltig, weil die Opfer und Verluste gewaltig sind. Selbst HITLER wollte den Verschleiß durch Zeitbegrenzug ( Blitzkrieg ) von Anfang an vermindern.  Die UdSSR hätte nie ohne die US-Lieferungen aus “Lend & Lease” durchhalten können:  Diese waren gewaltig (Prof. NEITZEL).  Um den halben Erdball gebracht, kamen:  390.000 Fahrzeuge, 90.000 Flieger, 28.000 Panzer, 19.000 Lokomotiven und Güterwägen sowie (last but not least)  4,5 Millionen Tonnen Munition in die ROTE ARMEE, ab 1942 !!!  Daneben hat Amerika seine Verbündeten voll gestützt und im Pazifik selbst den härtest möglichen See-Land-Krieg gegen das fanatische JAPAN geführt.  Dabei wurden die anfangs 6 auf 40 Flugzeug-träger , mit über 150 Hilfsschiffen,  aufgestockt.  Bei den Kamikaze-Angriffen ab 1944 wurden ingesamt 1.500 US-Schiffe versenkt.  Zu allem Überfluss kam noch die extrem aufwändige Atom-Entwicklung.  ERGO:  Wer mit den USA, gerade heute, “... aus einem Topf essen will, muss einen sehr langen Löffel mitbringen !”  Die Zoffjetunion wird 2050 noch lausige 105 Mio. Bürger haben ( heute 143 ), die USA auf 400 Mio. anwachsen ( heute 323 Mio ).  Vielleicht erkennen EINIGE, dass RUSSLAND ein absterbender Staat ist.  Auf Islamisten triff das Gegenteil zu.  Der Lebenshunger und die Kraft der Frömmigkeit ist groß (SCHOLL-LATOUR)

Chr. Kühn / 01.08.2019

@Herr Lindner: Sie fragen, ob “Europa Russland braucht, kann man durchspielen”... In irgendeiner anderen Realität hat man es Anfang des 20. Jhdt. geschafft, daß Deutschland und Rußland zu einander fanden. Auf der einen Seite deutscher Erfinder- und Ingenieursgeist, auf der anderen Seite die gewaltigen Ressourcen und Fertigungsmöglichkeiten Rußlands. Beide Reiche verbunden durch eine christlich-geprägte Kultur und, so meine, auch Seelenverwandtschaft. Und auf beiden Seiten eine wirtschaftlich aktive jüdisch geprägte Gesellschaftsschicht, die als gegenseitiger Katalysator und als Verbindungsglied zu anderen Ländern und Kontinenten fungiert. DAS hätte ein in vielerlei Hinsicht unschlagbares Team werden können. Also mußte es von außen (und innen) von den anderen damals herrschenden Mächten absolut verhindert werden, daß das passiert. Ein schöner Schaum-Traum der Kategorie “Hätte-Wenn-Wäre”. Aber was wäre der Welt erspart geblieben, und wie viel weiter in der zivilisatorischen Entwicklung die Menschheit dann gekommen wäre…

Albert Pflüger / 01.08.2019

Rußland ist ein unglaublich großes, in weiten Teilen dünn besiedeltes, kaum erschlossenes, rohstoffreiches Land mit einer geringen industriellen Basis. Nur eine minderbegabte Führung wie die unsere würde in dieser Situation nicht darauf setzen, gefährlich und verteidigungsbereit zu wirken und alle Anstrengungen zu unternehmen, diesen Anspruch auch einlösen zu können. Wenn man bedenkt, daß in Europa ein islamischer Siegeszug bevorstehen könnte, und über wieviel Kapital so mancher selbsternannte Führer der islamischen Welt verfügt, gewinnt dieser Aspekt weiter an Bedeutung. In Rußland ist viel zu holen, Interessenten gibt es viele.  Wer als Russe die Nation noch schätzt, gar als Slawe fühlt, muß auf der Hut sein, wenn er das Heft in der Hand behalten will und sein Volk vor Übernahme schützen will. Sicher kann man argumentieren, daß Rußland kein demokratisch regiertes Land sei. Weil die Opposition systematisch behindert wird. Weil die Regierung sich nicht an Gesetze hält. Was auch immer. Die Zustimmung der Regierten zur Regierung ist dennoch sehr,  sehr hoch. Eigentlich wie bei uns. Hätten wir eine funktionierende Bundeswehr, die die Fähigkeiten eines hochindustriellen Landes angemessen widerspiegelt, eingebunden in ein funktionierendes Verteidigungsbündnis, wäre das glaubhafte Abschreckung genug. Dann wäre über neue Verträge zur Rüstungsbegrenzung sicherlich aus guter Position zu verhandeln. Haben wir aber nicht. Ein Land, wo sowieso jeder rein darf, unter Mitnahme seiner eigenen Regeln, muß man weder erobern, noch verteidigen. Wer mit runtergelassenen Hosen dasteht, muß auch keine Taschendiebe fürchten.

Max Wedell / 01.08.2019

P.S. Den schlimmsten Russenhaß kann man in den USA schon seit einiger Zeit bei den Demokraten erleben. Er steht im Dienst ihres Kampfs gegen Trump. Da die bekannten Fakten zu “Collusion” sowie Wahleinmischungen äußerst dürftig sind, wird die Bösartigkeit Rußlands von Demokraten und linken US-Mainstream-Medien maßlos übertrieben. Leider scheint diese lächerliche, aber nicht enden wollende Collusion-Kampagne der Demokraten den Effekt zu haben, daß Trumps Rußlandpolitik doch eher zurückhaltend ist. Einen revolutionären Durchbruch in den Beziehungen der USA mit Rußland in Richtung einer Normalisierung, wie er im Wahlkampf von Trump in Aussicht gestellt worden war, scheint der US-Präsident jetzt zu scheuen. Er würde den Wählern von den Demokraten als Beweis für “Collusion” verkauft werden, als Lohn an die Russen für die von ihnen angeblich geleisteten Wahlhilfsdienste. Bleibt zu hoffen, daß sich Trumps Zurückhaltung gegenüber Rußland in der zweiten Amtszeit verflüchtigen wird, wenn er nicht mehr auf Wiederwählbarkeit achten muß.

Karl Eduard / 01.08.2019

Ich kanns bald nicht mehr lesen “Rußland ist ein Koloss auf tönernen Füßen.” Verzeihung, die Sowjetunion. Aber dieselbe Tonlage. Deren Führer ist eine Pfeife, das Militär schafft nicht mal Finnland, das Volk ist verzweifelt und steht kurz vor der Rebellion und überhaupt können die dort nichts anderes als Saufen und ihre Weiber verprügeln. Es herrschen Hunger und Chaos und in den Fabriken stellen die maximal Konservendosen her. Es gab schon mal Leute, die mit diesen Illusionen im Kopf einen Plan namens Barbarossa ausarbeiteten und sich dann gewundert haben, daß die Russen vier Jahre später vor der Reichskanzlei standen.

Th. Wagner / 01.08.2019

@Hr. Humpich: Das die Regierung der BRD sofort einknickt, im Falle einer atomaren Bedrohung ist schon klar. Weiße Tücher und Peace for ever. Nur mit was wollen Sie sich wehren. Mit der maroden Bundeswehr, wo funktionierende Teile sich nur noch im Rahmen der Sicherungsstaffel im Ausland befinden? Die entscheidende Frage wird wohl eher sein, ob die Amis Ramstein und ihre Kasernen verteidigen werden oder nicht. Eine ganz andere Form stellt die Bedrohung durch islamische Fundmentalisten dar, die über die Moscheen über eins sehr großes Reservoir an Kriegern verfügen, die bereits im Zielland sind, sich da bestens auskennen und die Infrastruktur schnellstens lahmlegen können. Ein Anschlag auf mehrere Energieversorger würde einen sofortigen Kollaps der Wirtschaft zur Folge haben und in dem Zielland völliges Chaos auslösen. Hiervon sind auch England, Frankreich, Beneluxstaaten, BRD, ... betroffen. Ein trojanisches Pferd bei sich zu haben, ist immer eine schlechte Sache. Eine militärische Auseinandersetzung wäre für Mitteleuropa schon immer verheerend gewesen, weshalb der NATO-Doppelbeschuß damals bei klaren Fronten das richtige war. Keine Sicherheitspolitik so wie sie heute gemacht wird, ist natürlich erst recht keine Lösung.

Bernd Große-Lordemann / 01.08.2019

@Sabine Drewes Der Blick auf die Ukraine zeigt mit Odessa leider auch mörderischen, antirussischen Chauvinismus in einem Nationalstaat, in dem Minderheiten regional die Mehrheit der Bevölkerung stellen.

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