30 Jahre Mauerfall: Wir brauchen echte Vielfalt, statt Gleichmacherei

Welche Gefühle und Gedanken bewegen einen heute, dreißig Jahre nach dem Zusammenbruch der Mauer? Wer sich noch an die Brutalität der Teilung Deutschlands erinnert und mit den hinter Mauer und Stacheldraht eingesperrten Deutschen mitgebangt, mitgehofft und mitgezittert hat, den erfüllt nicht nur in diesen Tagen vor allem ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit dafür, dass die deutsche Geschichte 1989/90 einen so glücklichen Verlauf nahm.

Persönlich erinnere ich mich gut daran, dass ich mich in jenen Tagen in einer Art Schwebezustand befand, in den man gerät, wenn ein sehnlicher Traum über Nacht plötzlich in Erfüllung geht und man zugleich Angst hat, er könnte wie eine Seifenblase zerplatzen. Was, wenn das SED-Regime nur kurzfristig dem Druck ein Ventil verschaffen wollte? Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass nach einem kurzen Tauwetter wieder eine Eiszeit einsetzte. In dem Moment aber, als ich darauf vertraute, nun würde alles gut werden, gesellte sich zur tief empfundenen, echten Freude eine in dieser Form seltene Zuversicht. Denn gemessen an dem bisherigen Status quo erfolgte mit dem Zusammenbruch der Mauer zum ersten Mal seit 1945 für alle Deutschen eine grundlegende Wende zum Besseren.

Was mich an eine Aussage von Axel Springer erinnert, der den Vorwurf, er leugne die Realitäten, einmal mit den Worten konterte [1]: „Wenn ich sie anfechte, kann ich sie nicht leugnen. […] Es gibt gute und schlechte Realitäten. Den guten gilt die Anerkennung, den schlechten der Widerspruch. Dazu gehört – wie seit Menschengedenken – die Vision vom jeweils Besseren. Angesichts der Despotie die Vision der Freiheit, angesichts der Teilung die Vision der Einheit, angesichts der Demütigung die Vision der Würde. Das ist keine wolkige Schwärmerei. Die Visionen von gestern sind die Realitäten von heute, die Visionen von heute werden die Realitäten von morgen sein.“ Springers Visionen – nicht die Utopien seiner Kritiker, die ihn so oft aufs übelste beschimpft hatten – erfüllten sich im deutschen Schicksalsjahr 1989/90.

Erst das Individuelle macht uns zu dem, was wir sind

Visionen sind, das haben viele bis heute nicht begriffen, etwas komplett anderes als Illusionen und Utopien. Die letzteren beiden Begriffe stehen, im Gegensatz zu Visionen, für unrealistische Wunschvorstellungen, für Traumtänzereien. Und weil viele diesen Unterschied nicht begriffen haben, hängen erschreckend viele Leute wieder der Illusion von einer „schönen neuen Welt“ an, in der alle Menschen gleich sind und in der absolute Gerechtigkeit herrscht. Da Menschen aber schon immer verschieden waren, verschieden dachten und sich selber von anderen unterscheiden wollten und niemals fehlerlos sein werden, enden solche Versuche der Menschheitsbeglückung stets in einer Katastrophe. Denn hier schwingt sich eine lautstarke Minderheit gottgleich über eine ängstlich schweigende Mehrheit auf. Im übrigen kenne ich keinen Menschen, der mit einem anderen unterschiedslos in einen Topf geworfen werden möchte. Im Gegenteil: fast jeder möchte auf seine Art unverwechselbar sein und bleiben. Erst das Individuelle macht uns zu dem, was wir sind.

Noch einen Aspekt gilt es hervorzuheben: Weil das Individuelle damals einen größeren Stellenwert hatte als heute, haben wir 1989/90 keine Massenhysterie erlebt. Die Freude und Hilfsbereitschaft waren echt, nicht gelenkt, sie folgten keinem „Heilsbringer“. Niemand fühlte sich gezwungen, „Haltung“ zu zeigen. Wer aus dem Gefühl der Zusammengehörigkeit heraus dieses zum Ausdruck bringen wollte, tat es einfach, wo er es vermochte, dies oft auf sehr berührende Weise. Hier begann das erste Anpacken für eine gemeinsame Zukunft. Eingedenk der Tatsache, dass es dafür keine Blaupause gab, war uns ein Aufbruch gelungen, um den uns die Welt beneidete. Anstatt dies dankbar anzuerkennen, überließ man die öffentlichen Debatten auffallend oft denjenigen, denen diese ganze Entwicklung gegen den Strich ging.
 
Helmut Kohl ist für seinen Satz von den „blühenden Landschaften“ so oft verspottet worden. Zu unrecht. Nur ein Blinder kann die gewaltigen Veränderungen zum Besseren im östlichen Teil unseres Landes nicht bemerkt haben, die eben nicht dem Sozialismus zu verdanken sind. Der SED-Staat war einer der größten Umweltverschmutzer der Welt; er hinterließ ganz ohne Waffen eine einzige Ruinenlandschaft (siehe hier und hier). Die Verantwortlichen saßen in Moskau und Ost-Berlin. Die gewaltigen Umbrüche und Schwierigkeiten, die in Folge der Wiedervereinigung Deutschlands vor allem die Ostdeutschen trafen, waren größtenteils nicht vereinigungsbedingt. Die Wirtschaft im Ostblock war vorher schon zusammengebrochen. Dass ein Teil der Westdeutschen diese Situation auf erbärmliche Weise zulasten der Ostdeutschen ausgenutzt hatte, ist zu verurteilen, ändert aber nichts daran, dass die wahren Verantwortlichen für die schmerzhaften Umbrüche und Anpassungsprozesse in der über vier Jahrzehnte währenden SED-Herrschaft zu suchen sind.

Verspielen wir das Erbe unserer Vorfahren?

Der Westen hat vor allem darin versagt, die Verbrechen aufzuklären, die die SED und ihr „Schild und Schwert“, die Stasi, begangen haben, weil er vielfach selbst mit in sie verstrickt war. In der Folge unterließ man es, den Geschichtsklitterungen der mehrfach umbenannten SED entschieden entgegenzutreten. Nur so gelang es ihr, sich als „Interessenvertretung der Ostdeutschen“ aufzuspielen – eine anmaßende Rolle, die alle Opfer der SED-Diktatur verhöhnt. Die Auswirkungen dieses Politik- und Justizversagens bekommen wir heute überall zu spüren.

Der Sozialismus ist unter anderen Schlagwörtern wieder en vogue, weil man seine Verbrechen nie klar benennen und verurteilen wollte; weil man sich damit herausredete, man würde dabei Hitlers Verbrechen relativieren. In Wahrheit wurden nicht Hitlers Verbrechen relativiert, sondern es werden bis heute die Verbrechen des Kommunismus größtenteils verschwiegen. Dementsprechend erschreckend ist die Ahnungslosigkeit junger Menschen über die Brutalität kommunistischer Gewaltherrschaften. Selbst ich habe nichts, rein gar nichts darüber im Schulunterricht erfahren. Würde man das wahre Ausmaß dieses Terrors auf den Tisch legen, hätte der Sozialismus/Kommunismus längst seine Anziehungskraft verloren und wäre als das entlarvt, was er ist:

Eine Irrlehre, die die meisten Toten der Geschichte zu verantworten hat – und eine Warnung an alle, die sie heute durch viele Hintertürchen wieder einführen wollen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Europäischen Union, was dem Grundgedanken ihrer Gründer fundamental widerspricht. Ihr Ziel war ein freies, nicht ein sozialistisch verbrämtes Europa. Und dieses Europa haben sie niemals als ein in jeder Hinsicht offenes und grenzenloses Konstrukt verstanden. Dieser Größenwahn war ihnen fremd.

Zur Erinnerung: Das Europa, welches unsere Politiker ständig anpreisen, ist von Europäern begründet und geprägt worden – von den vielen europäischen Ethnien und Menschenschlägen. Sie machen Europas Identität aus, sie unterscheiden Europa von anderen Kontinenten. Europäer ticken anders als Afrikaner und Asiaten, sie ticken auch anders als klassische, an westlichen Werten orientierte Einwanderungsländer wie die USA, Kanada und Australien. In Europa liegt nicht die Wiege der Menschheit, aber die Keimzelle der parlamentarischen Demokratie. Das Ringen um Freiheits- und Menschenrechte, auch sie haben ihren Ursprung in Europa. Die Idee der Aufklärung ist eine europäische. Diese Ideen waren zum Merkmal des gesamten Westens geworden, aber sie haben nur wenige Staaten außerhalb des Westens zur Nachahmung veranlasst. Heute ist der Westen dabei, das einmalige Erbe seiner Vorfahren zu verspielen.

Wollen wir das wirklich zurückhaben?

Die verwöhnten Nachkriegsgenerationen blenden aus, dass ein geeintes Europa nur auf der Basis gemeinsamer Werte und Grundüberzeugungen Bestand haben kann und dass diese das Ergebnis eines langen, harten Kampfes um Aufklärung waren. Eine Aufklärung, die das Gros der Zuwanderer nicht durchlaufen hat und auch nicht im Schnellverfahren durchlaufen kann – so wenig wie einst die Europäer selber. Wer der angestammten Bevölkerung mit ihren in vielen Jahrzehnten und Jahrhunderten fein austarierten geschriebenen wie ungeschriebenen Gesetzen des Zusammenlebens per Zwang beibringen will, dass diese nicht mehr maßgeblich oder vorrangig seien, der legt einen Sprengsatz in eine Institution, die Europa einmal dauerhaft befrieden sollte.

Das Streben nach Gleichheit hat seine Berechtigung, wenn darunter Gleichheit vor dem Gesetz und Chancengleichheit begriffen wird. In diesem Sinne dient die Gleichheit der Gerechtigkeit und dem Rechtsfrieden. Wer aber meint, die Freiheit der Bürger massiv einschränken zu müssen, um aus ihnen quasi „bessere Menschen“ zu machen, um „die Welt zu retten“ – eine im Kern sehr kommunistische Idee – der wird keine einzige Menschenseele retten und keinen Klimawandel aufhalten, aber er wird die Freiheit zu Grabe tragen.

Menschenrecht, Menschenwürde, Wahrheit, Freiheit, Innovation, Fortschritt, Wohlstand, Schutz der Natur: in keinem einzigen Staat, in dem Druck, Zwang und Willkür herrschten oder herrschen, haben diese Werte jemals Bedeutung erlangt. Im Gegenteil. Immer wenn Staaten sich anmaßten, ihren Bürgern bis ins kleinste Detail vorschreiben zu müssen, was sie zu tun und zu denken haben, endete dies im Terror gegenüber allen, die auch nur minimal von der vorgegebenen Linie abweichten. Wollen wir das wirklich zurückhaben?

Nationen stehen für Vielfalt

Mir fallen da gerade Worte von Hans Habe (1911 – 1977) ein, die im übertragenen Sinne noch immer Gültigkeit zu besitzen scheinen [2]:

BERLIN – Eine Frontstadt ist Berlin längst nicht mehr. Eine Teststadt wird es bleiben. Test des Widerstandes. Test der Müdigkeit. Test der Menschlichkeit. Test der Barbarei. Test der Solidarität. Test des Verrats. Test des Westens. Test des Ostens. In Berlin bewährt sich Europa. Oder es geht unter.

Eigentlich, dachte ich, sei diese Frage längst entschieden worden. Vor dreißig Jahren. Zugunsten Berlins, zugunsten Deutschlands. Zugunsten Europas. Zugunsten des Westens und damit der Freiheit. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Man braucht nur das Wort „Westen“ durch „Freiheit“ und das Wort „Osten“ durch „Unterdrückung“ zu ersetzen. Dann bekommen Habes Worte wieder eine gefährlich aktuelle Bedeutung. Dabei kann kaum Zweifel daran bestehen: Im ehemaligen politischen Osteuropa waren die Jahre 1989ff. geprägt von dem Wunsch der Menschen nach individueller wie nationaler Eigenständigkeit, die ihnen von Moskau so lange versagt worden war.

Hier lässt es Brüssel an jeglichem Fingerspitzengefühl missen, wenn es vom Ziel einer „ever closer union“ spricht, in der alles Nationale als Übel verdammt, statt als selbstverständlicher Teil Europas begriffen wird, der eine echte Bereicherung darstellt. Die Nationen stehen für Vielfalt. Ein Rückblick auf die EG zeigt: nationale Interessen drohten sie niemals zu torpedieren. Die EG erscheint rückblickend sogar vitaler als die EU. Das sollte den Entscheidern der EU doch zu denken geben.

Europas Diversität ist natürlich gewachsen

Man fragt sich, ob unsere Politiker sich ihrer Verantwortung bewusst sind, die ihnen aus der Geschichte erwachsen ist, in der einst der Grundstein dafür gelegt wurde, dass wir im Westen einmal ein Leuchtturm der Freiheit waren. Auch über sie wird die Geschichte ihr Urteil fällen. Um es freundlich zu formulieren: Ihren Vorgängern, die Europa nach dem Krieg unter ungleich widrigeren Bedingungen als heute wieder aufbauten, werden sie das Wasser nicht reichen können.

Es sei denn, und das ist unserem Kontinent zu wünschen, die politisch Verantwortlichen kommen zur Besinnung und erkennen, was wir in ihrer „schönen neuen Welt“, die keine Unterschiede mehr kennen soll und die alles eigene gegenüber Fremdem relativiert oder gar aus falschem Schuldgefühl heraus abwertet, zu verlieren haben: Das europäische Erbe mit dem Wissen um seine vielen Geistesgrößen, Erfinder, mit einem Wissenschaftsideal, das der Freiheit von Forschung und Lehre sowie dem unabhängigen Denken und der Aufklärung verpflichtet war; und natürlich das reichhaltige Erbe der vielen Dichter und Musiker, die Europa einen einzigartigen Klang und eine Seele gaben; nicht zu vergessen auch unser vielfältiges kulturelles und naturräumliches Erbe. Dies alles hat Europa eine echte, eine in vielen Jahrhunderten natürlich gewachsene Diversität beschert, die es verdient, bewahrt und geschützt zu werden.

Diese Verschiedenartigkeit macht den Charme Europas, seiner Länder und seiner Menschen aus. Europa hat sehr wohl ein Recht darauf, seine Identität zu wahren und gegen Einflüsse zu verteidigen, die seinem Selbstverständnis zuwiderlaufen. Es ist merkwürdig, warum dieses Recht zunehmend nur noch Menschen aus nicht-westlichen Kulturkreisen, nicht aber den eigenen, den autochthonen Bevölkerungen Europas zugestanden wird. Das entbehrt nicht nur jeder Logik, sondern es widerspricht auch jedem Gerechtigkeitsempfinden, der Achtung und dem Respekt vor einer Kulturleistung, dem Gleichheits- und Antidiskriminierungsgrundsatz – kurzum allem, was man andersherum nie müde wird zu betonen. Das ist Messen mit zweierlei Maß – wieder einmal.

Teil 1 finden Sie hier.
 

Weitere Quellen:

1. Axel Springer: „Von Berlin aus gesehen. Zeugnisse eines engagierten Deutschen.“ Seewald, Stuttgart, 1971, Seite 14/15.

2. Hans Habe: „Tag- und Nachtgedanken“ in „Erfahrungen“, Walter Verlag, 1973

Foto: Bildarchiv Pieterman

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sybille eden / 10.11.2019

Helmut Schmidt hielt ich lange Zeit für einen sehr intelligenten Menschen. Bis er den bekannten Satz fallen ließ : ” Wer Visionen hat sollte zum Artzt gehen.”  Auch er kannte den Unterschied offenbar nicht. Seitdem zweifelte ich an seiner Intelligenz, zu Recht wie ich heute weiss. Er war nur ein narrzistischer neunmalkluger.

Karsten Dörre / 10.11.2019

Die Nostalgie nach Totalitarismen wie Nationalsozialismus oder Sozialismus wird immer hier und da schwelgen und Blüten treiben (z.B. “die haben das nur falsch umgesetzt”). Eine krank dahinsiechende Demokratie kann solch Belastung auf Dauer nicht bestehen und kippt.

Marc Blenk / 10.11.2019

Liebe Frau Drewes, ” Weil das Individuelle damals einen größeren Stellenwert hatte als heute, haben wir 1989/90 keine Massenhysterie erlebt. Die Freude und Hilfsbereitschaft waren echt, nicht gelenkt, sie folgten keinem „Heilsbringer“.” Danke für diesen wichtigen Aspekt. Heute kann man wieder beobachten wie Kinder und Erwachsene, die sich zu Kindern machen lassen, durch Hysterie sich dazu bringen lassen, der Herde zu folgen, anstatt sich freigeistig zu orientieren. Daran ist weder etwas authentisch, noch vernünftig oder originell. Woher kommt nur dieser deutsche Drang zum Zwang und der Glaube, dass man nur Recht haben kann und Recht tut, wenn man sich im großen breiten Strom mittreiben lässt?

Ernst-Friedrich Behr / 10.11.2019

@Sabine Heinrich: Sehr geehrte Frau Heinrich, lesen Sie bitte die folgenden beiden Geschichtwerke, damit können Sie sich über die Grausamkeit der beiden Sozialismen des zwanzigsten Jahrhunderts umfassend informieren: 1.  von Stephane Courtois, Nicolas Werth, u.a. “Das Schwarzbuch des Kommunismus”, erschienen im Pieper Verlag, über den International-Sozialismus/Kommunismus, 894 Seiten plus Anhang, 2.  von Raul Hilberg “Die Vernichtung der europäischen Juden”, erschienen u.a. als Fischer-Taschenbuch in drei Bänden, insgesamt ca. 1300 Seiten plus Anhang, über das Verbrechen des National-Sozialismus. Beide Sozialismen kamen aus Deutschland. Es sind von Historikern geschriebene Sachbücher, sehr umfang- und detailreich. Das hilft aber, den Stoff ohne zu große negative Emotionen zu verarbeiten, denn die beiden Themen und die nüchtern dargestellten Inhalte sind furchtbar. Sehr furchtbar. Manchmal gelingt es trotz aller Nüchternheit nicht, einfach weiterzulesen. Wenn Sie sich durchgekämpft haben, wissen Sie bescheid und haben Ihren Achtundsechziger-Lehrern ein Schnippchen geschlagen.

Paul Greenwood / 10.11.2019

Die UdSSR konnte die DDR nicht weiter finanzieren. Schewardnadse hat Thatcher Abriss der Mauer durch Sowjetische Streitkräfte angeboten. Nur SED wollte DDR behalten. Zusammenbruch und dann Eroberung durch BRD als ein Art “Anschluss” und Alles wurde wie Kolonialbesitz abgewickelt. Ostdeutschern lernten wie es ist durch Deutsche Besatzung als Fremden im eigenem Land dazustehen. Die ganze Geschäftsbeziehung zu UdSSR wurde durch Abschaffung der Transferrubel und Wegziehen von Waffentechnik nach UdSSR zurück. Dadurch wurde Carl Zeiss in Schwierigkeiten und die 45.000 MA sind heute auf 1.800 geschrumpft. Die ganze Lieferanten an IKEA wurde zunichte. Treuhand hat Konkurrenten zu Westdeutschen Firmen verhindert einzusteigen.  Man hat Produzierenden zu Konsumenten durch Transferleistungen finanziert,  degradiert. Die Fähigsten sind schon in den ersten Wochen weggelaufen um im Westen eine besseres Leben zu geniessen und so ist geblieben. Ostdeutschland ist halt Mezzogiorno und in Asien liegt die Zukunft - im Ostdeutschland liegen Lagerhallen. Die Fehler bei der Abschaffung der BRD hat Merkel - eine Nachahmerin von Leonid Brezhnev - chronifiziert. Jetzt das die deutsche Autoindustrie zu Ende kommt, sollte man an die Aufsaugung von Kaufkraft innerhalb Deutschlands und die Verschuldung Resteuropas durch Bankenblasen denken, die 45-Jahreszyklus von deutschen Zusammenbruch ist zurückgekehrt

Petra Wilhelmi / 10.11.2019

Danke für den Artikel. Ich war damals keine Widerstandskämpferin, obwohl ich auch zu den Montagsdemos ging. Ich hatte mich, wie die Mehrheit der Bürger der DDR eben eingerichtet in diesem Staat. Was wollte man auch machen. Das er so schnell scheitert, wer konnte das wirklich wissen. Ich bin froh und glücklich gewesen, als dieser Staat fiel. Es war, als ob man frische Luft atmen und das drückende Gewicht der DDR abschütteln konnte. Mit Entsetzen stelle ich nun fest, dass es wieder soweit ist. Das man wieder erzogen werden soll. Dieses Mal sagt man nicht offen, dass man zu einem sozialistischen Menschen umerzogen werden soll, sondern wir sollen nachhaltig-ökologische Menschen werden, was immer das sein soll. CO2 neutral sollen wir dazu auch noch werden, warum auch immer. Dazu gibt es passender Weise Ablassbriefe, die man heute per App herunterladen kann, um seine bösen Klimataten mit Geld auszugleichen. Wir sind also wieder im Mittelalter angelangt, in den Jahren vor 1517. Wir brauchen einen neuen Luther, der seine Thesen veröffentlicht und es nicht nur dabei bleibt, sondern dass die Bürger aufatmen und endlich dieses Joch der Bevormundung abschütteln. Ich weiß nicht, ob ich das noch erleben werde. Hoffnung habe ich nicht so sehr.

Thomas Taterka / 10.11.2019

Durch zunehmende Bedrohung ihrer Freiheit wird es den Europäern wieder einfallen, daß sie selbst es waren, die die gedanklichen Voraussetzungen geschaffen haben für die Diskriminierung, deren Opfer sie im Begriff sind zu werden. Und die Deutschen werden die letzten sein , die das einsehen, weil ihr Nationalbewusstsein besonders geschädigt ist durch machtpolitischen Missbrauch. Man kann also nur hoffen, daß die Nachbarn zu Hilfe kommen, wenn sie endlich erkennen, daß dieses Land ungeeignet ist für eine Führungsrolle in Europa, weil es seine ideologische Doppelbelastung nicht imstande ist zu klären. Es muß also wieder Hilfe von außen kommen. Die Amerikaner sind mit sich selbst beschäftigt. Also würde ich sagen : Uns bleibt ja noch der Islam! Der wird in Europa alles aufschrecken. Wenn es auch noch etwas dauert. Die Versuchung für diese Weltanschauung ist einfach zu groß. Das wird die definitive Bewährungsprobe für alle Europäer sein. Der Felsen, an dem Europa zerschellt oder sich besinnt und behauptet. Und die Unterdrückung wird einen Namen bekommen : das Arrangement.

Christina S. Richter / 10.11.2019

Liebe Frau Drewes, heute vor 30 Jahren vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin. Momper, Brandt, Kohl, Genscher - tiefgreifende emotionale Worte und für alle ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Die ersten beiden Wochen waren besonders ergreifend und keiner von uns ahnte, dass der rote Stempel - daneben undefinierbares “Kritzel-Kratzel…” - im DDR-Ausweis eine tiefere gefährliche Bedeutung für uns hatte. Nun 30 Jahre danach kann ich nur müde lächeln, wenn ich Politiker sehe, die versuchen, sich damit zu profilieren. Ist es eine Bitterkeit die mich beschlichen hat? Ich denke nicht. Allerdings ist es für mich endlich der Anstoss, als Zeitzeugin das Vermächtnis zu dokumentieren und zu belegen mit Originalen wie der Personalausweis mit rotem Stempel, Zoll- und Devisenerklärung für Reisen in RGW-Staaten, die Reiseanlage für den visafreien Reiseverkehr ab 8.8.89 für 7 Tage Ungarische VR - ausgestellt vom Ministerium des Innern der DDR - nie eingelöst da das Kind nicht eingetragen war trotz Flugticket…und kurz zuvor beim heimlichen Packen am Abflugtag vorgewarnt (...ahnt jemand was am Zoll Flughafen Berlin-Schönefeld passiert wäre?).  Wohl wahr Herr MP Söder, wir hätten den Friedensnobelpreis wahrlich verdient - teilen Sie das mal bitte endlich vorbildhaft einigen Ihrer fränkischen CSU-Parteigefährten mit, die meinen nur immer von uns zu profitieren und die Schlauheit uswusf…

Claudius Pappe / 10.11.2019

Klasse Artikel. ” Alle sind gleich ” hat noch nie funktioniert. Wir sind nicht gleich !

Hannes Schmidt / 10.11.2019

Ich möchte mal probieren folgende Passage zu beantworten: “Es ist merkwürdig, warum dieses Recht (Identität) zunehmend nur noch Menschen aus nicht-westlichen Kulturkreisen, nicht aber den eigenen, den autochthonen Bevölkerungen Europas zugestanden wird.” Da es sich bei den “nicht-westlichen Kulturkreisen” hauptsächlich um islamische Kulturkreise handelt, könnte die Frage im folgendem Satz bereits beantwortet worden sein: “Immer wenn Staaten sich anmaßten, ihren Bürgern bis ins kleinste Detail vorschreiben zu müssen, was sie zu tun und zu denken haben, endete dies im Terror gegenüber allen, die auch nur minimal von der vorgegebenen Linie abweichten.” denn tauscht man Staat durch Religion, haben wir ein Wesensmerkmal (religiöse Regeln) des Islam… Ob nun Menschen aus nicht-westlichen Kulturkreisen ihre Identität zugestanden wird, weil sie sich bis ins kleinste Detail vorschreiben lassen, was sie zu tun und zu denken haben, oder ob es sich um Zufall handelt ist wiederum eine andere, schwer zu beantwortende Frage…

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