112-Peterson: Vergessen Sie das Publikum!

Jemand fragt mich Folgendes: „Ich absolviere momentan ein Lehramtsstudium und bin gleichzeitig ein introvertierter Mensch. Kann das zum Problem werden? Kann ich dennoch ein erfolgreicher Lehrer werden?“

Tatsächlich scheint es so zu sein, dass Lehrerfolg am besten durch die Kombination von Intelligenz und Verantwortungsbewusstsein erzielt werden kann. Soviel zu den Tatsachen. Wenn man also gewissenhaft ist, wird wahrscheinlich alles gut. Introvertierte Menschen haben häufig mehr Schwierigkeiten, vor Gruppen zu sprechen, aber das kann man lernen. Wissen Sie, ein introvertierter Mensch kann ein sehr erfolgreicher öffentlicher Redner werden. Vielleicht hat er nicht so viel Spaß daran wie ein extrovertierter Mensch, aber das heißt nicht, dass er es nicht lernen kann. 

Was ich einem introvertierten Menschen empfehlen würde, ist dasselbe, was ich mache, wenn ich Vorträge halte: Ich spreche nie alle Zuhörer an, egal wie groß das Publikum ist. Ich suche immer Einzelne aus der Masse heraus und spreche diese gezielt an. Ich spreche also besonders eine Einzelperson an und beobachte ihr Gesicht und sehe, ob sie nickt und versteht. Auf diesem Weg stellt man Kontakt zum gesamten Publikum her. Und dann spreche ich diese Person etwa 15 Sekunden lang an. Ich will sie ja nicht in Verlegenheit bringen. Ich verlagere meine Aufmerksamkeit dann auf jemand anderen und nehme gezielt Blickkontakt zu einzelnen Personen im Raum auf. Das führt dazu, dass jeder im Raum sich darauf konzentriert, was ich sage, weil jede einzelne Person die gesamte Gruppe reflektiert. 

Folglich sage ich: Wenn Sie ein introvertierter Mensch sind oder ganz allgemein in der Öffentlichkeit reden wollen, vergessen Sie einfach das verdammte Publikum, es existiert nämlich gar nicht. Sprechen Sie zu Individuen, einem nach dem anderen. Damit können sie auch als introvertierter Mensch gut klarkommen. Ich würde mir darüber nicht so viele Sorgen machen. Ich glaube nicht, dass dies das größte Problem sein wird, das als Lehrer auf Sie zukommen wird. 

Dieser Beitrag erschien unter dem Titel Can an Introverted Person Be a Successful Teacher?

auf dem YouTube-Kanal Jordan B Peterson Clips von Jordan B. Peterson.

Foto: jordanbpeterson.com

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Gabriele Klein / 03.10.2018

Danke für die interessanten Bemerkungen. Ich vermute jedoch dass das überzeugende Reden vor Publikum einfacher wird wenn man sich ganz einfach zu sich selbst bekennt und authentisch ist.  Ich denke da an die beiden Social Media Stars Diamond and Silk und auch an Trump und seine Unterstützer.  Ihr Erfolg ist auf ein ganz einfaches Rezept zurückzuführen: Den Mut zu haben die eigene Meinung zu bekunden und dafür gerade zu stehen.  Die Zuhörer spuren das.  Diamond and Silk meinten einst: WE ARE SIMPLY OURSELVES.  Das ist auch die Aufforderung von Herrn Trump.  Er sagt explizit ja zur Bescheidenheit,  lehnt aber eine verlogene Demut ab…........... (Siehe hierzu seine Kommentare zum besten und schönsten Boxer der Welt…....) Dann, wem es um die Sache durch und durch zu tun ist und nicht irgendwelche Eitelkeiten, den tangiert die Frage nach dem Publikum nur noch im “pädagogischen” Sinne….........Grundsätzlich sollte man so stabil sein, dass man damit leben kann von einem ganzen Saal so verlacht zu werden wie ein Herr Trump bei einer sehr guten UN Rede. Das zeigt dass er zumindest nicht durch “gefallen” wollen manipulierbar ist.

beat schaller / 03.10.2018

Sie bringen es wieder ganz einfach auf den Punkt, Herr Peterson. Es geht eben immer und die beste Sicht der Dinge und da muss man oft auch den “Beleuchter” um Licht aus einer anderen Perspektive bitten. Grossartig geschrieben. Danke. b.schaller

Dieter Kief / 03.10.2018

Vorsicht - dieser Mann ist gefährlich: Das brachte letzte Woche der Deutschlandfunk in einer Sendung über das Intellectual Dark Web (=IDW) von Eric Weinstein, zu dem an vorderster Stelle auch Jordan B. Peterson rechnet. So argumentierte der DLF: Das Intellectual Dark Web sei konservativ & “gefährlich” - Dass sich im IDW meist Sanders-Unterstützer und Clinton-Wähler finden wird nicht erwähnt. - Gut, es gibt e i n e n tatsächlichen Trump-Wähler im IDW, und das ist ex-Breitbart-Schreiber Ben Shapiro. - Der wird im DLF gleich zweimal als konservativer Trump-Kritiker bezeichnet. Das ist freilich irreführend, weil Shapiro wieder und wieder sagt: Ja, ich habe Trump gewählt - und zu dessen Wahl öffentlich aufgerufen und: Nein, das war kein Fehler! Er ist also kein Trump-Kritiker, sondern ein ganz klarer Trump-Befürworter - der freilich Einwände hat, ein kleiner Unterschied, den der DLF seinen Hörerinnen aber nicht zumuten will… Der Philosoph Sam Harris und die Brüder Eric (Mathematiker, Atomphysiker, Musiker, Finanz-Analyst, Managing Director von Thiel-Capital) und Brett Weinstein (wg. “Rassismus” gefeuerter Biologe) sowie Claire Lehmann und ihr australisches wissenschaftliches online-Magazin “Quillette” werden nur gestreift oder gleich ganz ignoriert. Es wird auch nicht gesagt, dass Bari Weiss’ ganz informativer New York Times Artikel über das Intellectual Dark Web noch immer gratis online steht. Das Interview von Tim Wiese und Theresa Sickert (DLF) mit Tim Kohn (SZ) konzentriert sich bald einmal auf den kanadischen Psychologen Jordan B. Peterson und macht aus dem einen Dunkelmann. Die Vorwürfe: Dass Peterson a) “die wissenschaftlichen Standards nicht mehr so wirklich einhält”, dass er b) an “Verschwörungstheorien kratzt” kurzum, dass er c) “auf einem gefährlichen Weg ist”. Argumente? Null! Der ÖR als Medium der Insinuation, der freihändigen Vermutungen und der üblen Nachrede im Narrenkostüm des Aufklärers. “Aufkläricht” (Ernst Bloch).

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