Henryk M. Broder / 23.07.2016 / 18:34 / 6 / Seite ausdrucken

Einzeltäter, die sich blitzartig radikalisieren

Mal schauen, wie lange es diesmal dauern wird, bis sie wieder von einem "Einzeltäter" sprechen, der sich "blitzartig radikalisiert" habe, womit nach Lage der Dinge niemand rechnen konnte, auch wenn der "17-Jährige" Sponti aus dem Regionalzug so aussieht, als habe er die Pubertät schon lange hinter sich. Der Chef des BKA wird sicher eine Erklärung dafür finden, dass auch der Münchner Einzeltäter "blitzartig" radikal wurde, zumal man grade in Bayern weiß, wie plötzlich und unerwartet "Blitzeis" auftreten kann. 

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder loslabern und sagen, es gebe "keine Hinweise auf eine Anordnung des IS". (Bis heute wird ja nach dem Führerbefehl zur Endlösung der Judenfrage gesucht, und die Frage, wer in der DDR den Befehl gegeben hat, auf Flüchtlinge zu schießen, ist auch noch nicht beantwortet.) Denn nur wo IS drauf steht, ist auch IS drin. Kein Grund zur Panik. War ja nur ein ganz normaler Amokläufer.

Also warten wir in aller Ruhe ab. Irgendwo sitzen schon die besten Köpfe der Republik und feilen an ihren Erklärungen. Aiman Mazyek wird darauf hinweisen, dem Täter gehe es darum, mit seinem "feigen Angriff" die "Ursprungsbevölkerung in den jeweiligen Ländern... zu spalten" und "gelingende Integrationsbemühungen" zu sabotieren. Die Chefredakteurin des Deutschlandfunks wird wieder über "das Leben mit der Normalität des Terrors" und die Chefredakterin der Berliner Zeitung über "diese verzweifelten und fehlgeleiteten jungen Menschen" fabulieren. Christian Bommarius, die Dicke Berta der FR, wird uns wieder einmal belehren, "bedrohlicher als die objektive Gefahr" sei "die Angst vor der Gefahr" und "trotz der jüngsten Anschläge" sei "das Risiko zumindest in Europa, durch einen Terroranschlag getötet zu werden, äußerst gering..., geringer als durch ein Pilzgericht zu Tode zu kommen..."

Ja, auf diese Experten und ihre Expertisen freuen wir uns schon wie Bolle auf das Oktoberfest. Man hat wirklich selten Gelegenheit, solche Gefühlskälte, Mitleidslosigkeit und Brutalität im Gewande der Sachlichkeit am lebenden Objekt studieren zu können. Das durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat unsere Besten hart gemacht.

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Leserpost (6)
Roland Jungnitsch / 24.07.2016

Wow, der letzte Satz ist ein Hammer, ein Vorschlaghammer! Ob’s viele Leser gibt, die diesen Satz der dazugehörigen Rede zuordnen können?

Dr. Frank Kostelnik / 23.07.2016

Sehr geeherter Herr Border, ich halte Sie für einer der genialsten Publizisten der Bundesrepublik. Ich habe schon meherer Bücher von Ihnen gelesen und brenne jedesmal darauf, einen neuen Text von Ihnen auf der Achse des Guten zu lesen. Zu Ihrem Kommntar: “Einzeltäter, die sich blitzschnell radikalisieren” habe ich allerdings folgenden Kommentar. Sie hauen m.E. in die falsche Kerbe. In der Tat haben die Ereignisse in München sehr wohl - sogar im strengen Sinne -  mit “Islam”  zu tun. Aber nicht so, wie viele vermuten: Was wissen wir über das Attentat?: Der Täter war ein 18 jähriger deutsch-Iraner (also wohl Schiit). Bei den Opfern waren 8 von 9 Jugendliche. Davon waren drei Türken und drei Kosovaren (also Sunniten). Die Opfer wurden absichtlich in den MacDonalds gelockt (via Facebook). Rief der Täter nicht auf dem Dach “Scheiß Ausländer”, was zunächst einen ausländerfeindlichen Hitergrund nahe legte. Aber wohl eher, weil er wirklich Deutscher sein oder werden wollte. Hat er nicht auch auf dem Dach gesagt, dass er gemobbt wurde und deswegen in psychologischer Behandlung war? Dies ergibt für mich folgenden Sinn: Der Täter wurden von den arroganten, aggressiven (was kuckst du/Respekt!/Erdogan)-Türken in der Schule so gemobbt, dass er Depressionen bekam, die behandelt werden mussten.  Er wollte sich sogar integrieren und war deshalb dopplt verhasst (er hat gelebt wie ein Deutscher). Er hat gezielt gemordet und hat sich an seinen vermeintlichen Peinigern rächen wollen. Mir liegt es natürlich fern, irgendein Verständnis - wie Frau Künast - für den Täter zu bekunden. Ich denke aber, dass die Münchner Ereignisse dazu Anlass bieten sollten, das aggressive Verhalten türkischer und arabischer Schüler gegenüber Deutschen und Andersgläubigen in deutschen Schulen genauer zu beleuchten. Beste Grüße Frank Kostelnik

Bertram Fuchs / 23.07.2016

Auch wenn ich selbst den Mainstream-Medien grundsätzlich erstmal misstraue, so scheint mir bei diesem Fall die Theorie vom Amokläufer tatsächlich naheliegend. Der Täter soll von Türken und Arabern gemobbt worden sein. Fast alle Opfer haben Migrationshintergrund. Das passt zusammen. Mobbing ist gerade bei schlecht integrierten Muslimen ein großes Problem, was jahrelang verschwiegen wurde. Es trifft nicht nur Nicht-Muslime, sondern eben auch solche, die anders, sprich angepasster, ruhiger, “Außenseiter” sind. Wer nicht “mitmacht”, wer kein “Boss”- oder Gangsta-Gehabe an den Tag legt, gerät schnell in die Schusslinie. Wenn derjenige dann auch noch psychisch nicht in der Lage ist, damit umzugehen oder Krankheitssymptome zeigt, kann es zu sowas wie in München kommen. Das ist nicht als Entschuldigung, sondern als Erklärung gemeint. Es müsste seitens derjenigen, die über Jahre Mobbingprobleme durch und auch unter Türken und Arabern verschwiegen haben, ein Nach- und Umdenken stattfinden. Ich befürchte, dass das nicht geschehen wird. Angesichts der durch Merkel verursachten Flüchtlingszuwanderung wird sich dieses Problem wohl eher bald vervielfachen.

Reinhard Stompe / 23.07.2016

Brilliant!

Gerlind Polzin / 23.07.2016

Wieder mal den Nagel auf den Kopf getroffen! In unserer Öffentlichkeits- und Pressewelt ist mittlerweile alles so durchschaubar und voraussehbar wie damals zu DDR-Zeiten. Wenn es nicht tieftraurig wäre, könnte man darüber lachen…..

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