Volker Seitz / 22.10.2017 / 14:15 / Foto: AMISOM / 8 / Seite ausdrucken

Afrika-Hilfe: Acht Thesen für die Koalitionsverhandlungen

Wir leisten seit vielen Jahrzehnten Entwicklungshilfe für Afrika – weitgehend ohne wirklichen Erfolg. Die Politik muss aus den Erfahrungen lernen und Konsequenzen ziehen. Deshalb hier Empfehlungen zur zukünftigen Entwicklungspolitik für Afrika als Orientierungshilfe für die Koalitionsverhandlungen:

  • Afrika ist für seine Entwicklung selbst verantwortlich. Diese Verantwortung dürfen wir den Ländern nicht abnehmen, weil wir damit Eigenanstrengung verhindern. Wir sollten nicht die „Macher“ sein. Unser Verständnis von Entwicklung entspricht häufig nicht afrikanischen Vorstellungen. „Keine Politik“ ist daher oft die bessere Afrika-Politik.
  • Lassen Sie sich nicht von der irrigen Vorstellung leiten, eine Erhöhung der EZ-Mittel für Afrika führe automatisch zu mehr Entwicklung.
  • Gerechtfertigt ist Hilfe nur für Staaten, die eigenverantwortliche, wirksame und nachhaltige Entwicklungsleistungen vorweisen können. Die Gewährung von Not- und Katastrophenhilfe muss davon allerdings unabhängig sein.
  • Staatliche Entwicklungshilfe ist nur auf der Basis von Regierungsabkommen möglich. Setzen Sie sich aber dafür ein, dass möglichst wenig Hilfe über die Regierungen afrikanischer Länder gelenkt wird, sondern direkt an zivilgesellschaftliche Gruppen und Projekte geht.
  •  Fördern Sie private wirtschaftliche Partnerschaften zwischen Unternehmen bei uns und in afrikanischen Ländern. Diese Partnerschaften führen zu Investitionen, beruflicher Ausbildung, Schaffung von Arbeitsplätzen und technischem Fortschritt.
  • Bildung vor allem von Frauen und Mädchen ist eine „Investition“, die sich vielfältig auszahlt, zum Beispiel bei dem dramatischen Bevölkerungswachstum in Afrika, das jede Entwicklung zunichtemacht.
  • Wecken Sie bei den Bürgern in unserem Land nicht die trügerische Erwartung, durch mehr Entwicklungshilfe könne man Afrikaner von der Flucht nach Europa abhalten. Die meisten Fluchtursachen wie Regierungsversagen und daraus folgende Perspektivlosigkeit junger Menschen, kriegerische Auseinandersetzungen und Terror lassen sich nicht mit Geld bekämpfen.
  • Haben Sie den Mut, Entwicklungshilfe auch zu kürzen oder ganz zu streichen, wenn korrupte politische Eliten in Afrika ihre Staaten ausplündern und unsere Hilfe überhaupt nicht bei der Bevölkerung ankommen lassen.

Dr. Hans Christoph Buch, Schriftsteller und Afrika-Kenner
Volker Franzen, ehem. Sprecher GTZ, BDI, Bundesmin. für Wirtschaft
Kurt Gerhardt, Journalist, ehem. DED-Landesdirektor, Niger
Dr. Hans F. Illy, Professor für Politikwissenschaft und Afrikastudien
Prof. Dr. Robert Kappel, ehem. Präsid. GIGA, German Instit. of Global and Area Studies, Hamburg
Volker Seitz, 17 Jahre Diplomat in Afrika, Autor („Afrika wird armregiert“)
Elke Zarth, Unternehmerin, Ségou/Mali

Foto: AMISOM Flickr CC0 via Wikimedia
Leserpost (8)
Daniel Oehler / 22.10.2017

Als jemand, der längere Zeit in Afrika war, sehe ich das so: - Afrikaner sind als erwachsene Menschen zu behandeln, die für ihr Tun und Lassen selbst verantwortlich sind. - Nein zur Migrantenbemutterung in Deutschland. Das ist “gut"menschlicher Rassismus. - Nein zu einer “gut"menschlichen Paternalisierung. Afrikaner sind keine “unschuldigen Wilden”. - Nein zur Fortsetzung des Kolonialismus mit “gut"menschlichen Mitteln. - Nein zur Flutung Afrikas durch westliche NGOs. - Nein zur Priorisierung des Tierschutzes. Kinderleben sind mehr wert als Löwen, Zebras und Giraffen. - Nein zur Emigration der Jungen und Starken. Die werden in der Heimat benötigt. - Absolutes Nein zur Abwerbung von medizinischem und technischem Fachpersonal. - Ja zu Partnerschaft und Austausch. - Nein zur Flutung Afrikas mit dem Lebensmittel- und Kleiderausschuss der EU - Wer nie länger als ein paar Tage oder Wochen in Afrika war, hat Null Ahnung und sollte die Finger vom Thema Afrika lassen

Frank Stricker / 22.10.2017

Und immer schön daran denken, Fluchtursache Nr. 1 sind die offenen Grenzen !

Hubert Paluch / 22.10.2017

In Afrika werden 100 000 Babys geboren, nicht im Monat, nicht in der Woche, sondern am Tag (Quelle Weltbank). Bevor es den Afrikanern nicht gelingt, diesen Bevölkerungszuwachs in den Griff zu bekommen, gibt es keine Hoffnung. Die Chinesen haben das geschafft.

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