Rüdiger Stobbe / 21.01.2020 / 09:45 / Foto: Doenertier82 / 14 / Seite ausdrucken

Woher kommt der Strom? 1./2. Woche 2020 – Kohleausstieg

Das neue Jahr bringt in der Analyse einige Veränderungen. Sie wird etwas umfangreicher und dennoch übersichtlicher. Ich möchte betonen, dass immer dann, wenn von Stromunterdeckungen die Rede ist, damit genau das gemeint ist. Das bedeutet nicht, dass die deutschen Stromerzeuger nicht in der Lage wären, die Lücke zu schließen. Sie tun es nur nicht. Oft aus wirtschaftlichen, aber manchmal auch aus Gründen der Fehlkalkulation. Denn seit die erneuerbaren Energieträger Wind- und Sonnenkraft erheblich, aber durchaus und bei weitem nicht ausreichend Strom erzeugen, wird die Kalkulation immer komplexer.

War früher die Stromerzeugung lediglich vom Bedarf abhängig, kommt heute der Faktor "Menge des Wind- und Sonnenstroms" hinzu. War die Kalkulation des Bedarfs durch jahrzehntelange Erfahrung relativ einfach, ist die Kalkulation der Strommenge, erzeugt durch Wind- und Sonnenkraft, praktisch unkalkulierbar. Allein wenn man sich die ersten elf Tage des Jahres 2020 anschaut, wird dies offensichtlich.

Selbstverständlich gibt es Wetterprognosen. Dennoch bleibt es eine nahezu unlösbare Aufgabe, die konventionelle Stromerzeugung so zu steuern, dass mit dem erneuerbar erzeugten Strom der Bedarf inklusive Netzausregelungsreserve einigermaßen so getroffen wird, dass keine massiven Über- oder Unterdeckungen – beides ist meist recht kostspielig – entstehen. Je mehr erneuerbar erzeugter Strom erzeugt wird, desto komplexer wird die Beisteuerung konventionellen Stroms. Beigesteuert werden musste bisher immer. Mal mehr, mal weniger, aber jederzeit. Die erneuerbaren Energieträger haben noch nicht eine Stunde den Strombedarf Deutschlands decken können.

Die ersten 11 Tage des Jahres 2020 in der Detailtabelle mit den Werten der Energy-Charts, dem daraus generierten Chart und die Agora-Chartmatrix.

Die Tagesanalysen

Mittwoch, 1.1.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 41,12 %, davon Windstrom 20,56 %, Sonnenstrom 5,61 %, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,95 %. Der Agora-ChartmatrixHier klicken

Der Strombedarf Deutschlands lag am ersten Tag des Jahres 2020 bei rekordverdächtigen 1 TWh. Ein so geringer Bedarf ist bestens geeignet, den bisherigen Rekord von 77% Strom aus Erneuerbaren vom Ostermontag 2019 einzustellen, zu übertreffen. Leider spielte das Wetter nicht mit. Es war ein schöner Neujahrstag. Der wenige Wind und eine für die Jahreszeit kräftig scheinende Sonne reichten nicht für einen Rekord. Die Strompreise waren unter dem Strich nicht kostendeckend.

Donnerstag, 2.1.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 47,24%, davon Windstrom 31,50%, Sonnenstrom 3,15%, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,60%. Der Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Bis auf die Zeiten von 6:00 bis 7:00 Uhr und 14:00 bis 17:30 Uhr reicht die eigene Stromerzeugung heute aus. Es ist ein ruhiger Tag mit konstanter Windstromerzeugung, die zum Abend leicht anzieht. Die Strompreise sind unter dem Strich auskömmlich.

Freitag, 3.1.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 63,16%, davon Windstrom 51,97%, Sonnenstrom 1,32%, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,87%. Der Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Über 50% des Strombedarfs des heutigen Tages wird durch gleichmäßige Windstromerzeugung gedeckt. Sonnenstromerzeugung spielt kaum eine Rolle. Wie überhaupt in den Wintermonaten. Vor allem in den frühen Morgenstunden ist zu viel Strom im Markt. Er muss zeitweise verschenkt werden.

Samstag, 4.1.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 64,90%, davon Windstrom 54,30%, Sonnenstrom 0,66%, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,93%. Der Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Einstieg ins Wochenende: Der recht geringe Bedarf und die starke Windstromerzeugung, die Unfähigkeit oder der Unwille, die konventionelle Stromerzeugung herunterzufahren, führen zu sehr viel Strom im Markt, der billig abgegeben werden muss.

Sonntag, 5.1.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 43,10%, davon Windstrom 27,59%, Sonnenstrom 2,59%, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,93%. Der Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Der Wind flaut ab, die Mittagssonne gleicht aus. Zum Abend steigt die Windstromerzeugung an. Die aus dem vergangenen Jahr häufige Stromunterdeckung am frühen Abend (Sonnenuntergang und steigender Bedarf) bleibt aus. Deutschland exportiert den ganzen Tag Strom im Saldo. Zu Preisen von knapp 30,- bis gut 46,- € pro MWh.

Montag, 6.1.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 42,45%, davon Windstrom 28,78%, Sonnenstrom 2,88%, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,79%. Der Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Auch heute reicht die Stromerzeugung Deutschlands aus, um den Bedarf komplett zu decken. Deutschland exportiert Strom zu diesen Preisen.

Dienstag, 7.1.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 42,14%, davon Windstrom 31,45%, Sonnenstrom 1,26%, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,43%. Der Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Heute sehen wir eine Windstromerzeugung, deren Delle tagsüber durch Sonnenstromerzeugung ausgeglichen wird. Es werden von 6:00 bis 19:00 Uhr auskömmliche Exportpreise erzielt.

Mittwoch, 8.1.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 45,78%, davon Windstrom 35,54%, Sonnenstrom 0,60%, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,94%. Der Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Heute lässt die Windstromerzeugung über Tag stark nach. Die konventionelle Stromerzeugung gleicht dies gut aus. Es kommt zu keinerlei Unterdeckungen. Ab 12:00 Uhr liegt der Strompreis über 40 € /MWh. Mit knapp 56 € wird um 18:00 Uhr das Tageshoch und das Hoch des Analysezeitraums erreicht.

Donnerstag, 9.1.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 46,45%, davon Windstrom 34,84%, Sonnenstrom 1,94%, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,68 %. Der Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Der zum Tagesbeginn schwache Wind frischt zum Morgen auf und erreicht um 13:00 Uhr gemeinsam mit den übrigen erneuerbaren Energieträgern gut 45 GW. Das ist innerhalb von ein paar Stunden mehr als eine Verdreifachung (2:00 Uhr = 14 GW). Die Strompreise fallen in diesen Zeitraum. Die Entwicklung der Preise.

Freitag, 10.1.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 50%, davon Windstrom 38,89%, Sonnenstrom 1,85%, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,26%. Der Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Eine gleichmäßige Stromerzeugung durch Wind- und Sonnenkraft vereinfacht die Beisteuerung konventionell erzeugten Stroms. Keine Sprünge, keine Hektik. Hier die Preise. Unter dem Strich nicht auskömmlich. 

Samstag, 11.1.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 49,65%, davon Windstrom 37,07%, Sonnenstrom 2,10%, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,49%. Der Agora-ChartmatrixHier klicken

Der Samstag bietet ein ähnliches Bild wie der Tag zuvor. Allerdings steigt zum Abend die Windstromerzeugung an. Die auch heute insgesamt nicht auskömmlichen Strompreise fallen deshalb noch etwas stärker als gestern

Im Analysezeitraum waren nur wenige Stromunterdeckungen zu verzeichnen. Es wurde unter dem Strich fast immer mehr Strom exportiert als importiert. Die Preise, die erzielt werden konnten, waren insgesamt nicht auskömmlich. Wobei ich die Grenze bei 40 €/ MWh ziehe. Sie liegt eher höher, denn niedriger. Immerhin waren im Analysezeitraum keine kostspieligen Stromimporte zu verzeichnen. 

Kohleausstieg – und Industrieausstieg?

Bald ist es soweit. Gemäß des "Fahrplan Kohleausstieg" (Abbildung, bitte unbedingt anklicken. Es werden alle Abbildungen & Mehr geöffnet.) wird am 1.4.2022 ein Block des Braunkohlekraftwerks Weisweiler abgeschaltet. Gut, das sind noch 2 1/4 Jahre. Was nicht von ungefähr kommt. Wenn sofort mit der Abschaltung von Braunkohlekraftwerken begonnen würde, wüsste man nicht, woher der Strom, der benötigt wird, kommen sollte. Weil man dringend „Ersatzstrom“ für das abgeschaltete Kernkraftwerk Philippsburg 2 (Abbildung 1) braucht – die Trasse aus dem rheinischen Kohlerevier nach Philippsburg wird gebaut (Abbildung 2) –, wird das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Betrieb genommen.

Eine erschreckende Ahnungslosigkeit

Was denn auch praktisch der Ersatz- oder Zusatzgroßkampfplatz (Abbildung 3) unserer sogenannten Klimaschützer für den Hambacher Forst ("Hambi") sein wird. Der ist jetzt gerettet. Was selbstverständlich überhaupt kein Grund für die "Retter" ist, abzuziehen. Die Aachener Nachrichten: 

Eine junge Frau, die „Mensch“ genannt werden will, sieht keinen Grund, jetzt den Wald zu verlassen. „Der Widerstand geht weiter.“ Ohnehin sei der Slogan „Hambi bleibt“ verkürzt gewesen. „Es geht doch hier um mehr: wie wir grundsätzlich in der Gesellschaft leben wollen“, sagt der „Mensch“. Die Umstehenden murmeln zustimmend. Die Nachricht vom Wald-Erhalt jedenfalls ändere – nichts. „Wir bleiben hier.“ (Abbildung 4).

Dass in den Medien, aber auch in der Politik zum allergrößten Teil eine erschreckende Ahnungslosigkeit, was die Konsequenzen eines praktisch parallelen Ausstiegs aus der Kernenergie und Kohlekraft sind, ist offensichtlich. Man meint wohl bis zum 1.4.2022 in Sachen Ersatzkraftwerke, die mit Wind- und Sonnenkraft betrieben werden, so weit zu sein, dass der erste Braunkohleblock in Weisweiler stillgelegt werden kann. Man vergisst dabei allerdings, dass bis zum 1.1.2022 drei Kernkraftblöcke abgeschaltet werden. Da fehlen dann inklusive Philippsburg zweimal ganz schlichte 45 TWh Strom aus Kernkraft. Um diese 45 TWh Strom auch nur im Durchschnitt durch den erneuerbaren Energieträger Windkraft zu ersetzen, müsste man jetzt sofort damit beginnen, 6.749 Windkraftanlagen zu bauen. Die ersetzten dann den wegfallenden Strom aus Kernenergie. Von Ersatz für weitere 30 TWh wegfallenden Kernenergiestrom Ende 2022 haben wir noch nicht gesprochen. Von Ersatz für den am 1.4.2022 beginnenden Braunkohleausstieg ebenfalls nicht.

Wie das "geplant" ist, das mit den Abschaltungen und dem Aussteigen, so wird das nichts. Jedenfalls nicht, wenn man den Industriestandort Deutschland so erhalten will, wie wir ihn kennen und weiter haben wollen. Selbstverständlich gibt es kleine Gruppierungen – wirkmächtige Minderheiten – von angeblichen Weltverbesserern und Weltenrettern, die genau das nicht wollen. Hören Sie unter Abbildung 5, was ein Börsenexperte der Deutschen Bank im Deutschlandfunk meint. Hören Sie, wie Siemens, wenn die Firma klimakonform sein wollte, auf alle geschäftlichen Aktivitäten verzichten müsste, die im weitesten Sinn etwas mit fossilen Energieträgern oder Kernenergie zu tun hätten. Was faktisch unmöglich sein dürfte (Abbildung 6).

Bei Industrieprozessen hat alles was mit Energie zu tun

Im Endeffekt dürfte sich Siemens nur noch und ausschließlich auf Geschäftsfeldern betätigen, die mit erneuerbaren Energieträgern befasst sind. Wobei auch das bereits kritisch ist. Bei der Herstellung, dem Transport und dem Aufbau von Windkraftanlagen werden – ebenso wie bei den Batterien für E-Autos – enorme Mengen CO2 freigesetzt (CO2-Rucksack). Bei Solarmodulen ist es genauso. Im Grunde könnte Siemens seine geschäftlichen Aktivitäten einstellen. Denn Alles und Jedes hat bei Industrieprozessen irgendwie etwas mit Energie zu tun. Mit fossiler und/oder mit Kernenergie. Also Schluss mit Siemens, Schluss mit lustig: Luisa Neubauer will jetzt auch andere Konzerne in diese Richtung angehen (Abbildung 7).

Warten wir mal ab, wie lange sich das unsere Industriellen noch gefallen lassen. Wie lange sie sich von ahnungs-, und – weil sehr jungen – erfahrungslosen Menschen erklären lassen, wie die Welt funktioniert. Allein in meiner knapp 66-jährigen Lebenszeit sollte die Welt schon oft untergehen. Laut Bild-Zeitung aus dem Jahr 2007 ist es im Februar dieses Jahres mal wieder soweit (Abbildung 8).

In meinem Analyseplan zum "Strom" im Jahr 2020 war diese Woche die Vorstellung der Ergebnisse in Sachen Strom Im- und Export vorgesehen. Leider gibt es bei den Werten der Energy-Charts eine Unstimmigkeit, die, wenn sie korrekt sein sollte, erhebliche Auswirkungen hat. Sobald ich die Dinge geklärt habe, wird die Analyse Strom Im-, und Export grafisch aufbereitet nachgereicht. Nur so viel ist bereits heute sicher: Deutschland/Baden-Württemberg hat bereits 2019 die Strommenge, die ein Kernkraftwerk erzeugen kann, aus Frankreich importiert (Abbildung 9). Mal schauen, wie es 2020 wird. Da könnten es schon zwei werden. 

Ordnen Sie Deutschlands CO2-Ausstoß in den Weltmaßstab ein. Zum interaktiven CO2-Rechner: Hier klicken.

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de . Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr. Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

 

Rüdiger Stobbe betreibt seit über 3 Jahren den Politikblog  www.mediagnose.de.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Matthias Böhnki / 21.01.2020

@Herr Spieker: Aber was bedeutet das: ”  30% (das ist ungefähr die Grenze des technisch mach- und verantwortbaren bzgl. der Volatilität) der Stromerzeugung regenerativ zu bewerkstelligen”  ? Wo kommen die restlichen 70% her ? Vom Primärenergiebedarf ganz zu schweigen. Wo kommt der Rest her ? Ist es verantwortbar, diese immensen Summen an Geldern für so wenig Effekt einfach zu versenken ? Ist nach dem Abschalten der AKW und zunehmend der KKW weiterhin damit zu rechnen, daß wir Stromexporteur bleiben ? Die Logik erschließt sich mir nicht. Die Abhängigkeit von Importen wird eklatant zunehmen, aber was für Strom werden diese Importe bestehen ? Wasserkraft aus Österreich und der Schweiz wohl kaum, wenn diese Länder auch vollständig ihre AKW und KKW schließen. Windstrom aus Niederlande und Dänemark ? Eher nicht. Wenn dort soviel weht, daß sie welchen übrig haben, dann weht er wohl auch bei uns genug. Bleibt Frankreich und Polen. Das ist schrullig, anders kann ich es nicht sagen.

Gerald Krüger / 21.01.2020

Erst einmal vielen Dank an Sie, Herr Stobbe, dafür, dass sie mich bei jeder neuen Ausgabe von “Woher kommt der Strom” erneut erhellen. Von den regierungsamtlichen Verlautbarern des ÖRR sehe und höre ich nämlich nichts. Vielleicht würde sich etwas ändern, wenn die Bürger erkennen, in welch aberwitzige Strompreisspirale nach oben sie geraten. Wären auf der Grundlage Ihrer Zahlen auch die zu erwartenden Endverbraucherpreise grob kalkulierbar? Versorgungssicherheit ist eines, da herrscht die Meinung “wird schon alles gutgehen”, aber beim Geld werden die Bürger wirklich rebellisch. Meine nächste Anschaffung ist übrigens ein Stromerzeuger und zwei ordentliche Kanister mit Sprit…

Tim Spieker / 21.01.2020

@Herr Böhnki: Vielen Dank für Ihre Kritik! Erlauben Sie ein paar ergänzende Erläuterungen: Ja, wir kaufen Strom europäisch ein, von Schweden, Frankreich, Luxemburg, Tschechien, Schweiz, Österreich, Polen, Niederlande und Dänemark - nahezu alles direkte Nachbarn. Vor ca. 30 Jahren war unser Netz nicht so europäisch verquickt wie heute und die schnellen Stromzu- u. verkäufe waren so nicht möglich. Wir mussten also deutlich mehr Augenmerk auf gleichbleibend stabile Nettostromerzeugung legen. Der europäischen Netzverbund erlaubt heute deutlich mehr Flexibilitär auf der Erzeugerseite, vor allem mit volatilen Erzeugern. Schrullig, um Ihre Wortwahl zu benutzen, finde ich dass nicht, sondern eher intelligent. Ja zugegeben,  Deutschland hat in 2019 für 1,552 Mrd. € Strom eingekauft, konnte aber im gleichen Jahr Strom im Wert von 3,960 Mrd. € verkaufen. In 2018 waren die Zahlen zwar noch besser aber ich finde das ist kein schlechtes Ergebnis. Nachtrag zu den Kosten:  Wind onshore und Photovoltaik (Freifläche) haben schon heute die geringsten Stromgestehungskosten, also die Gesamtkosten die zur Generierung von Strom anfallen, verglichen mit konventioneller Stromerzeugung. Leider ist mit dem EEG-Gesetz eine politische Einspeisevergütung und kein marktwirtschaftlicher Preis festgesetzt worden. Diese Umlage wirkt heute maßgeblich preistreibend (neben den Steuern) und sollte schnellstmöglich beendet werden. Da auf Grund des Zertifikatehandels (derzeit rund 25€ je Tonne CO2) und steigender Rohstoffpreise die Kosten für konventionell erzeugten Strom zukünftig weiter steigen werden, macht es geradezu Sinn rund 30% (das ist ungefähr die Grenze des technisch mach- und verantwortbaren bzgl. der Volatilität) der Stromerzeugung regenerativ zu bewerkstelligen. Wo ich Ihnen unumwunden zustimme, ist die Tatsache, das der Bedarf an Primärenergie nicht duch regenerative Energien ersetzbar ist. Davon sind wir Lichtjahre entfernt!

Peter Hager / 21.01.2020

Grundlastfähige AKW und KKW (bis Ende 2022 werden weitere Kapazitäten von 8 GW sowie 7 GW vom Netz genommen) lassen sich nicht durch volatile WKA und PVA ersetzen. Erforderliche, wirtschaftliche Großspeicher sind nicht in Sicht. Und Gas als Back-up ist teuer. So wird die Energiewende zunehmend zum Risikofaktor für D: die Versorgungssicherheit nimmt ab, Stromimporte nehmen zu, als Lastmanagement bezeichnete Stromabschaltungen häufen sich und der Strompreis wird weiter steigen (für Privathaushalte von 2009 bis 2019 im Durchschnitt um 35%). Die Ahnungslosigkeit ist wirklich erschreckend. Ein Beispiel war auch der Presseclub “Keine Kernkraft, keine Kohle: Woher kommt künftig unser Strom?” vom 19.01.: keine Fakten, lediglich Worthülsen und viel Hoffnung. Man redet von Demand Side Mangement (Lastverschiebung) und Speichern (z.B. PtX, E-Autos) was weder in Kürze in großem Umfang nutzbar noch wirtschaftlich sein wird. Den von “Experten” genannten Systemwechsel werden wir noch in Form von Stromzuteilungen erleben. Ohne eine ausreichende, verlässliche und kostengünstige Stromversorgung wird Deutschland als Industriestandort “abgewirtschaftet”. Leider sind die Verantwortlichen in Politik und Industrie nicht in der Lage diesen Irrweg zu korrigieren.

Hagen Müller / 21.01.2020

@Tim Spieker: “Es ist gesellschaftlicher Konsenz aus der Atomkraft auszusteigen und es ist Konsenz die CO2-Emissionen zu reduzieren indem wir aus der Braukohlevertromung aussteigen. Diesen gesellschaftlichen Konsenz, egal wie technisch sinnvoll oder nicht, sollten wir einfach mal zur Kenntnis nehmen.” ich persönlich bin diesen Konsens NIE mitgegangen. Und Sie werden sich wundern, wie brüchig dieser angebliche Konsens ist, wenn die tatsächlichen Belastungen daraus sichtbar werden, also das Wäschewaschen nur bei Sonnenschein Realität wird… Es ist leider eben nicht nur das *Wäschewaschen*, ich erinnere an unsere angebliche *industriegesellschaft*. Die können Sie dann nämlich vergessen…

Reimar Ohström / 21.01.2020

@Tim Spieker: Googeln Sie mal Australien+Blackout. Sie werden staunen. BTW: Der Ausstieg aus der Atomkraft mag Mehrheitsmeinung sein, gesellschaftlicher Konsens ist es aber nicht, ausweislich etlicher Umfragen dazu.

Reimar Ohström / 21.01.2020

Fessenheim soll noch 2020 abgeschaltet werden. Wo werden die Schwaben dann Strom herkriegen?

Matthias Böhnki / 21.01.2020

@Herr Spieker: wenn es gesellschaftlicher Konsens ist, aus der Atomkraft auszusteigen und Co2 durch Abschaltung von Kohlekraftwerken zu reduzieren - dann muß der Konsens natürlich auch beinhalten, daß man zum Ausgleich für fehlenden Strom keinen Atom- oder Kohlestrom aus Frankreich oder Polen importiert. Sonst wird´s schrullig. Und bleiben Sie nicht bei der Stromerzeugung stehen - Sie müssen den Primärenergiebedarf im Auge haben. Und da nützt es auch nichts, wenn Sie so ein wenig larmoyant über die Kosten nachdenken. Das werden Sie nur mit Wind, Sonne und Biogas nicht hinbekommen, egal in welche Form Sie den Windstrom auch umwandeln wollen. Und da der Wettstreit der Länder kein Kindergeburtstag ist, wird das Betreiben der Waschmaschine, oder der Produktionslinien in der Wirtschaft, nur dann, wenn die Sonne schein, nicht funktionieren. Sie werden sich zumindest vom Konsens des Atomausstiegs verabschieden müssen. Eine einfache Frage der Vernunft.

Tim Spieker / 21.01.2020

Laut der oft hier zu lesenden Kassandrarufe sollte um den 15. Januar ein Stromblackout drohen. Ich habe nichts davon bemerkt. Scheinbbar ist das Netz stabiler als prophezeit. Aber bleiben wir mal nüchtern: Es ist gesellschaftlicher Konsenz aus der Atomkraft auszusteigen und es ist Konsenz die CO2-Emissionen zu reduzieren indem wir aus der Braukohlevertromung aussteigen. Diesen gesellschaftlichen Konsenz, egal wie technisch sinnvoll oder nicht, sollten wir einfach mal zur Kenntnis nehmen. Solche Gesellschaftsprozesse lassen sich nicht einfach wieder rückgängig machen. Jetzt geht es um das WIE. Der Anteil der regenerativen Energien an der öffentlichen Stromerzeugung lag 2019 bei 46% (lt. Fraunhofer ISE). Ich finde das ist schon mal ein Pfund! Um die Volatilität von Solar und Wind zum Teil abzupuffern, lassen sich anteilig wunderbar die durchgängig konstant liefernden Biogasanlagen verwenden. Für den weiteren Strom-Bedarf in den Dunkelflauten können genug Reserve-Gaskraftwerke kurzfristig ans Netz gehen. Es ist machbar, das Netz mit volatilen Erzeugern mit bis zu einem Anteil von gut einem Drittel stabil zu halten, darüber wirds kritisch. Aber immerhin. Wer mehr möchte muss entweder auf der Verbraucherseite regelnd einwirken (z.B. Auto nur laden wenn Wind weht oder Wäsche waschen nur wenn Sonne scheint) oder auf der Erzeugerseite für Speicherung sorgen. Mal schauen wie pfiffig wir sein können? Ich würde nicht alles so pessimistisch sehen. Lösungen finden sich meist immer erst dann wenn man sie zwingend finden muss. Gut, einen Wermutstropfen gibt es natürlich: die Kosten. Die Stromgestehungskosten für Gaskraftwerke sind exorbitant. Aber dann könnte man ja die EEG-Umlage und die Steuern senken. Windkraft onshore und Photovoltaik brauchen eigentlich keine EEG-Umlage, die Gestehungskosten sind ähnlich der von Braunkohlekraftwerken und somit wettbewerbsfähig.

Uwe Schäfer / 21.01.2020

Ich danke Ihnen sehr für diese Arbeit und möchte nicht als Klugscheißer erscheinen. Aber könnten Sie bitte in Zusammenhang mit dem Wort “Energie” auf das Wort “erneuerbar” in jeglichem Zusammenhang zukünftig verzichten? Das es diese Energieform nicht gibt ist ja sonnenklar. Es ist leider einen der dümmlichen Formulierungen des Vernebelungsdummsprech der Herrschaften, die die sogenannte Energiewende für möglich halten und dreht mir den Magen um.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Rüdiger Stobbe / 07.04.2020 / 10:00 / 4

Woher kommt der Strom?  13. Woche

Am 1. April berichtet die ARD in der Tagesschau um 20:00 Uhr, dass die Erneuerbaren im ersten Quartal 2020 über 50 Prozent des Stroms erzeugt haben,…/ mehr

Rüdiger Stobbe / 31.03.2020 / 10:00 / 5

Woher kommt der Strom?  12. Woche

Deutschland ist abgeschaltet. Nein, nicht der Strom. Das würde gerade noch fehlen. Gleichwohl belegt die 12. Analysewoche, dass sich Deutschland auch in Corona-Zeiten auf Strom…/ mehr

Rüdiger Stobbe / 24.03.2020 / 10:00 / 8

Woher kommt der Strom?  11. Woche

Deutschland wird seine Klimaziele erreichen (Abbildung). Nicht wegen der Energiewende, sondern wegen der fast kompletten Stilllegung des öffentlichen Lebens mit unabsehbaren Folgen für die Wirtschaft. Die 11.…/ mehr

Rüdiger Stobbe / 17.03.2020 / 10:00 / 1

Woher kommt der Strom?  10. Woche

Die 10. Analysewoche ist von einer Schwachwindphase gekennzeichnet, die von Montagmittag bis Donnerstagmittag andauerte. In diesem Zeitraum gab es mehrere Stromlücken, die mit Importstrom zum Teil verhältnismäßig teuer geschlossen…/ mehr

Rüdiger Stobbe / 10.03.2020 / 10:00 / 8

Woher kommt der Strom?  9. Woche - Es bleibt desaströs

Der Blick auf den Agora-Wochenchart offenbart die Volatilität, die Schwankungsbreite insbesondere der Windstromerzeugung im Winterquartal. Sonnenstrom wird da ohnehin nur wenig erzeugt. Auch wenn die Sonne desto…/ mehr

Rüdiger Stobbe / 03.03.2020 / 10:00 / 9

Woher kommt der Strom? 8. Woche - Rekorde, Rekorde, Rekorde

Es war die Woche des Windstroms, die Woche der Rekorde und die Woche des billigen Stroms. Nicht für den Stromkunden. Der zahlt – wie immer – die, wenn…/ mehr

Rüdiger Stobbe / 25.02.2020 / 10:00 / 7

Woher kommt der Strom? 7. Woche

Zwei Winddellen bringen die konventionellen Stromerzeuger während der sehr windreichen 7. Woche (Sturmtief Sabine & mehr) ins Schwitzen. Die erste Delle wird gerade noch so ausgeglichen. Die…/ mehr

Rüdiger Stobbe / 18.02.2020 / 10:00 / 7

Woher kommt der Strom? 6. Woche – das Energiewende-Spiel ist verloren

Eine höchst volatile Woche. Da wundert es nicht, dass sich einige Unterdeckungen in Deutschlands Stromversorgung ergaben. Was sich glücklicherweise preislich – von den ersten Stunden der Woche…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com