Gunnar Heinsohn / 10.12.2013 / 09:07 / 3 / Seite ausdrucken

PISA, Migration und Krippen

Die höchsten Sympathiewerte für Nächstenliebe bei der Eiwanderungspolitik können die USA und Deutschland für sich beanspruchen. Da sie um den Verbleib im globalen schulischen Mittelfeld doch selber immer schwer zu kämpfen haben, könnten sie es sich leicht machen und Zuwanderer nur aus Ländern mit höheren PISA-Rängen akzeptieren. Dennoch geben sie gerade solchen Nationen eine Chance, deren Kinder noch unglücklicher enden als der eigene Nachwuchs.

So schafft Deutschland beim 2012er PISA-Mathetest 514 Punkte und hat 17,7% Gescheiterte (Anteil an untersten Leistungsgruppen). Wie einfach wäre es da, nur noch Chinesen aus Schanghai anzuwerben, die mit 613 Punkten Weltspitze sind und nur 3,8% Versager beklagen! Gleichwohl stammt Deutschlands größte Migrantengruppe weiterhin aus der Türkei, die 448 Punkte erreicht und sogar 42% mathematisch Unterprivilegierte beherbergt.

Noch nobler steht allerdings Amerika da. Obwohl es mit 481 Mathepunkten und 25,8% ohne Ausbildungsreife deutlich hinter Deutschland landet, entscheidet es sich vorrangig für Mexikaner, die mit 413 Mathepunkten und 54,7% Benachteiligten von der Türkei noch lernen könnten.

Viel kälter hingegen wirken die Chinesen Singapurs (573 Punkte/8,3% Versager) oder Taiwans (560/12,8%), die so ungehemmt nach Festland-Chinesen greifen wie die Schweiz oder Österreich nach den Besten aus Deutschland.  Obwohl sie global bereits die Ränge zwei und vier belegen, wollen die beiden durch Abwerbung bei der Nr. 1 noch weiter nach oben. Als gäbe es keine höheren Werte, will man die Hightechkonkurrenten im alten Westen gleich ganz aus dem Felde schlagen.

Dagegen endet die Menschenfreundlichkeit der USA und der Bundesrepublik keineswegs beim Hereinnehmen der Schwächsten. Noch imponierender wirkt, dass man nicht mutlos wird, sondern sich für alle Zukunft zu den Hilflosen bekennt. Dabei gilt Ihre Einbürgerung als unverzichtbarer Garant für eine erfolgreiche PISA-Aufholjagd. Wer sich zugehörig fühle und für alle Zukunft auf Fürsorge rechnen könne, der werde auch gute Schulnoten nach Hause bringen wollen.

Doch selbst nach diesem Schritt lehnt sich niemand selbstzufrieden zurück. Wie Deutschland will mittlerweile auch Amerika mit hohen Milliardenbeträgen für eine Krippenerziehung klotzen, mit der man Einjährige für das Überflügeln der Ostasiaten fit machen möchte. Wie bei uns hat man jetzt auch jenseits des Atlantiks verstanden, dass selbst eine Förderung für Dreijährige viel zu spät kommt.
Eine liebenswerte Zuversicht, mit der Megainvestition in Babys endlich den Königsweg gefunden zu haben,  strahlen die politischen Führungen in beiden Ländern aus. In New York hat Bill de Blasio sogar einen Tag als Krippenerzieher vor den Kameras gestanden und im November 2013 die Bürgermeisterwahlen mit dem Versprechen gewonnen, aus Zusatzsteuern für die mathematisch Bevorrechtigten endlich auch jene 70 Prozent der New Yorker Kinder nach vorne zu bringen, die bei mathematisch diskriminierten Minderheiten heranwachsen.

Noch ist das Anerziehen hoher Mathematikkompetenz durch Kollektivierung der Jüngsten nirgendwo gelungen und diejenigen, die heute am besten abschneiden, konnten diesem Experiment noch nicht ausgesetzt werden. Doch mag hier die Schwarmintelligenz der hohen Zahl eine Wende bringen. Irgendwo und irgendwann könnte eine begnadete pädagogische Kraft die Umgangsformen erfinden, mit denen Kleinstkinder zu späteren Mathesiegern bei PISA werden. Das gemeinsame Ausloben einer nobelpreisartigen Belohnung in Berlin und Washington für eine solche Erfindung wäre deshalb der längst fällige nächste Schritt. Aber Vorsicht! Die Ostasiaten könnten in gewohnter Manier eine solche Geniekrippe einfach abkupfern und hiesige Aufholträume durch einen noch stärkeren Ausbau ihres Vorsprungs mitleidslos zunichtemachen.

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Wolf Hahn / 12.12.2013

Es braucht doch keine Mathematik oder gar Physik um ein Intellektueller zu sein. Unsere intellektuellen Eliten - wie schon Thomas Gottschalk - rümpfen darüber nur ihre Nasen. Wo doch jeder weiß, dass man als Philosoph, Designer, Künstler, Architekt, Kommissar oder als Manager (was immer das genau ist) gut aussehen kann – Vorabendprogramm ARD/ZDF. Damit verdienen wir in der Welt Geltung und Achtung. Wir hatten ja mal das Paar aus Theologin (Forschungsministerin) und Müllermeister (Wirtschaftsminister) und weil die mit dem Management der Deutschen Luft und Raumfahrt überfordert wären, hat man ihnen noch einen Staatssekretär (DeLuRaum) zur Seite gestellt: den Herrn Hintze, der übrigens Theologe oder Pfarrer ist. Q.e.d.: wozu braucht man MINT-Fächer, wenn man das auch so geregelt kriegt?

Dieter Müller / 10.12.2013

Wo sind bitte diese Daten bzgl. der PISA-Rangfolgen nachzulesen? Mich interessierten nämlich noch Serbien, Eritrea, Somalia, Tschetschenien, Rumänien, Bulgarien sowie Nigeria und Ghana. Vielen Dank!

Engelbert Gartner / 10.12.2013

Es ist eindeutig zu erkennen, dass man in der Bildung neue Wege gehen muss. Ich stehe auf dem Standpunkt, die Entwicklung des “Nürnberger Trichters” massiv voran zu treiben.  Es wurde an dieser Stelle eindeutig zu wenig investiert. Der Einsatz diese Instruments würde auch zu einer Chancengleichheit in unserer Gesellschaft führen. Besonders Gutmenschen (in der Regel der “Linke Flügel” in unserer Gesellschaft ) setzen sich dafür besonders Intensiv ein. Um die von fast allen beschworenen Chancengleichheit zu erreichen besteht alternativ zum Nürnberger Trichter nur noch die Möglichkeit , einen Teil des Gehirns von Intelligenten Kinder zu entfernen. Mit traurigen Grüßen Engelbert Garner  

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