Gastautor / 14.08.2019 / 13:00 / Foto: Markus Hagenlocher / 44 / Seite ausdrucken

Die Grenzen der Tagesschau

Von Reinhard Mohr.

Historische Bildung, genaue Einordung von Nachrichten in das Gesamtgeschehen, präzise Formulierungen: Das alles ist heutzutage Glückssache in der deutschen Medienlandschaft. So auch in der 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau vom 13. August 2019, dem 58. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer. Angesichts der Tatsache, dass Daniel Küblböcks Zusammenstoß mit einem Gurkenlaster dem Flaggschiff der ARD-Nachrichtenkultur einst eine eigene Meldung wert war, ist es immerhin erfreulich, dass überhaupt noch an die mörderische Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik erinnert wurde.

Im Filmbeitrag über die Gedenkstätte an der Bernauer Straße war die schriftliche Forderung "No more walls!" zu sehen, die die meisten Besucher teilen würden. Also keine Mauern mehr, "so wie zwischen den USA und Mexiko und in Israel".

Da stutzt der GEZ-geplagte Zuschauer, in den meisten Fällen tatsächlich nur noch ein alter weißer Mann, der Walter Ulbrichts sächselnde Fistelstimme noch im Ohr hat: Werden Amerikaner daran gehindert, nach Mexiko zu flüchten? Gibt es Selbstschussanlagen, Sprengfallen und Hundestaffeln an der Grenze zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten? 

Nein, aber ein tief sitzendes Ressentiment scheint auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen dazu zu führen, dass Vergleiche mit dem absolut Bösen stets nach Amerika und Israel führen. Dass am Ende auch noch Nordkorea genannt wurde, macht das Ganze nur noch schlimmer.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Wilfried Düring / 14.08.2019

Danke an Herrn Mohr für seinen Beitrag und danke an Frau Drewes für den klugen Kommentar. Die Bürger Israels möchte ich um Verzeihung bitten. Ich schäme mich für ‘unseren’ Staat, ‘unsere’ Regierung und ‘unser’ gelenktes Staats- und Regierungsfernsehen (‘Tagesmärchen’ und ‘Zweites Deutschen FakeSehen’; danke an @RainerKüper für die präzisen Begriffe). Wer Mauer in Berlin und die innerdeutsche Grenze mit der Grenze zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten vergleicht, verharmlost ein mörderisches System namens SOZIALISMUS (weit mehr als 100 Millionen Tote; die Stalin, Mao sowie ihre Nachfolger, Bewunderer und Satelliten zu verantworten haben) und bedient mit ‘klammheimlicher’ (?) Freude widerwärtige Klischees des Anti-Semitismus. Alle die sich dieser Position anschließen, grüße ich mit einem Zitat von Geert Wilders: ‘Wir alle sind Israel - und Israel ist uns allen!’

Alexander Wildenhoff / 14.08.2019

Früher – ich meine in den 70er und 80er Jahren – war es unter „Gebildeten“ schick, die „BILD-Zeitung“ zu lesen. Man musste es aber argumentieren: ich lese das nur, um zu wissen, was die da unten denken sollen. Genau die gleiche Argumentation gilt heute für Leute, die die Tagesschau regelmäßig „sich antun“. Der Unterschied ist allerdings, die BILD musste man „freiwillig“ kaufen, die Tagesschau wird durch Zwangsabgaben finanziert.

Max Wedell / 14.08.2019

Nicht nur unterscheiden sich die Mauern der DDR und der USA in ihrer grundsätzlichen Funktion sowie in der technischen Realisation fundamental, sondern in einem Fall wurde die Mauer von einem Mann gebaut, der nicht demokratisch gewählt wurde und seinem Volk gesagt hatte: “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen”, während sie im anderen Fall von einem Mann in erheblichem Maß weitergebaut werden soll, der demokratisch gewählt wurde, u.a. weil er den Menschen gesagt hatte: “I will build a beautiful, beautiful wall!” Wer auch in diesen Umständen keinen fundamentalen Unterschied erkennen kann, scheint mir mehr als nur ein wenig meschugge zu sein. Warum wurde von der tagesschau-Reporterin ausgerechnet eine solche verschrobene Ansicht aus den Besucherreaktionen des Mauermuseums herausgesucht? Sollte uns gezeigt werden: Schaut mal, auch Knalltüten besuchen dieses Museum? Oder hat vielleicht eher genau dieser einfältige Mauern-Vergleich bei der berichtenden Reporterin eine Saite wohliger Gefühlsduselei zum Schwingen gebracht, die nicht durch ein Minimum an kritischem Denken gedämpft werden wollte? Im letzteren Fall sollten die tagesschau-Macher mal ihr Personal überprüfen, bevor aus der tagesschau die tägliche Lore-Kurzgeschichtensammlung geworden ist. Populär, weil ans Herz gehend, aber doch irgendwie nicht mehr so ganz der klassischen Vorstellung von einer Nachrichtensendung entsprechend.

sybille eden / 14.08.2019

Liebe Andrea NÖTH, dass hat mich erschauern lassen wie sie das analysieren.  In dieser Deutlichkeit macht man es sich ja kaum klar ! Hierzu fällt mir der Ausspruch Napoleon Bonapartes ein ,der sagte :” Die Deutschen sind ein merkwürdiges Volk, wegen einer simplen Parole bekämpfen sie sich untereinander schlimmer, als sie es gegen ihre auswärtigen Feinde tun !” Das muss man nur mal auf unsere Zeit übersetzen ! Wenn ihm das schon vor 200 (!) Jahren klar wahr, warum sollten wir die Hoffnung hegen das es jemals anders sein könnte ?

Hjalmar Kreutzer / 14.08.2019

Bezeichnenderweise wurde umgekehrt während meines „Ehrendienstes in der Nationalen Volksarmee“ die „Sicherung der Staatsgrenze der DDR“ mit der Grenzsicherung der USA gegen Mexico relativiert, so wie heute diese Grenzsicherung mittels der Erinnerung an die „Mauer“ verteufelt wird.

Gabriele Schulze / 14.08.2019

Ich tue mir die ÖR-Nachrichten schon länger nicht mehr an. Nun passiert es aber schon mal, daß in Gaststätten oder anderswo die Glotze oder das Radio laufen und mein Gehör erreichen. Sehr seltsam! Einerseits ein Hauch von Vertrautheit, andererseits unglaublich fremd. Ein Paralleluniversum, leider kein imaginäres. Ich leide stumm, bis erlösende Lala kommt…

M. Pört / 14.08.2019

Auch in Teilen der Presse kennt man den Unterschied zwischen Haus- und Zellentür nicht Die Sächsische Zeitung (Teil der SPD-Medientruppe) vom 13.08, findet (auf Seite 2 mit Bild) eine neue Bezeichnung für die Mauer: In etwa 120 Wörtern verwendet man dreimal den Begriff “Bollwerk,”  einmal davon prominent in der Überschrift. Historische Bezeichnungen wie “Antifaschistischer Schutzwall” oder “Eiserner Vorhang” kommen dagegen nicht vor.

Gert Köppe / 14.08.2019

Zu erwähnen wären, in diesem Zusammenhang, auch noch die vernagelten Bretterzäune vor den Köpfen der Tagesschau-Redakteure.

Robert Jankowski / 14.08.2019

Wer heute noch den ÖR Medien lauscht und glaubt, was dort als gut recherchierte “Wahrheit” verkauft wird, der ist schlichtweg demokratieunfähig. Wer damals mal am “antiimperialistischen Schutzwall” gestanden hat, der kann bei derlei Vergleichen einfach nur noch mit dem Kopf schütteln. Todesstreifen mit Minen, Hunden, Stacheldraht und Selbstschussanlagen um die Menschen in einem System festzunageln kann man nicht mit der noch nicht vorhandenen Grenzanlage der USA vergleichen. Und die Grenzanlagen Israels zu kritisieren verbietet sich alleine schon geschichtlich. Von dem Selbstschutz gegenüber dem permanenten Terror der Islamisten und Palästinenser gar nicht zu reden. Einen solchen Propagandamist über “west"deutsches Fernsehen laufen zu lassen, davon hätte Ede Schnitzler sicherlich nur geträumt!

Rainer Küper / 14.08.2019

„Bomm. Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit den Tagesmärchen. Bomm“. Die Tagesschau in Verhörungsräumen ausgestrahlt, würde unter Folter fallen und der EuGMR würde die Verhörer zwingen, die Tagesschau abzuschalten. Dasselbe würde auch für Sendungen des - Kosename - Zweiten Deutschen Fakesehens gelten, in dem Heute und heutejournal verschärfte Folter bedeuteten.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Gastautor / 17.08.2019 / 12:00 / 25

Negativzinsen für alle – die Enteignung geht weiter!

Von Marc Friedrich und Matthias Weik. Nach zehn Boomjahren steht jetzt eine globale Rezession vor der Türe. Folglich ist es an der Zeit, dass die Notenbanken dieser…/ mehr

Gastautor / 04.08.2019 / 13:00 / 11

Wer ist „wir“, wer sind „die“?

Von Sylke Kirschnick. Der Historiker Jan Plamper hat ein Plädoyer für die Migration geschrieben. Sein Buch „Das neue Wir. Warum Migration dazugehört. Eine andere Geschichte…/ mehr

Gastautor / 03.08.2019 / 06:28 / 46

Mit der Tech-Oligarchie in die Knechtschaft

Von Joel Kotkin. „Es scheint keinen stichhaltigen Grund zu geben, dass eine durch und durch wissenschaftliche Diktatur je gestürzt werden sollte.“ (Aldous Huxley, Wiedersehen mit der…/ mehr

Gastautor / 01.08.2019 / 15:00 / 4

Kuba – Agonie im linken Sehnsuchtsort (3)

Von Manuel Menéndez. Die kubanische Industrie hatte bis 1958 eine wenigstens bescheidende Diversifizierung erreicht, in der der Anteil der Zuckerindustrie zurückgegangen war. Nach 1962 wurde…/ mehr

Gastautor / 31.07.2019 / 14:00 / 2

Kuba – Agonie im linken Sehnsuchtsort (2)

Von Manuel Menéndez. Wen interessiert in der weiten Welt, was auf dieser kleinen Insel vorgeht?! Von 1960 bis 1990 wies Kuba eine erhebliche internationale Bedeutung…/ mehr

Gastautor / 30.07.2019 / 14:00 / 0

Kuba – Agonie im linken Sehnsuchtsort (1)

Von Manuel Menéndez. Kuba hat Versorgungsprobleme. Wieder einmal! Zahlreiche deutsche Medien berichteten darüber. Kürzlich bereitete die Regierung die Bevölkerung auf zusätzliche Probleme in der Versorgung…/ mehr

Gastautor / 27.07.2019 / 06:25 / 46

Wie ich als Arbeiterkind den Liberalismus entdeckte

Von Jan Schneider. Wenn ich an meine Heimatstadt Herne denke, denke ich zuerst an hohe Arbeitslosigkeit, dreckige Straßen, einen hohen Migrantenanteil und an ganz viel…/ mehr

Gastautor / 25.07.2019 / 06:13 / 93

Mein Klassentreffen mit der Streber-Republik

Von Roger Schelske. Kürzlich war wieder einmal Klassentreffen, das zwanzigjährige Abi-Jubiläum. Ich geh da immer ganz gerne hin, um ein paar Kumpels von früher zu…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com