Gastautor / 06.11.2021 / 06:29 / Foto: Villa Giulia / 34 / Seite ausdrucken

Der Ausschluss des eigenen Urteilsvermögens

Der französische Philosoph Jacques Ellul (1912–1994) zeigt in seinen Arbeiten, dass die Natur der Propaganda in der Anpassung des Individuums an eine Gesellschaft besteht, die darauf abzielt, das Individuum dienstbar und konform zu machen. Er entschlüsselt, wie Propaganda im modernen demokratischen Staat in allen Bereichen des täglichen Lebens zum Einsatz kommt. Nun ist sein Buch unter dem Titel „Propaganda. Wie die öffentliche Meinung entsteht und geformt wird“ zum ersten Mal auf Deutsch erschienen. Eine gedankliche Fundgrube für alle, die besser verstehen wollen, wie Menschen dazu gebracht werden können, freiwillig zu gehorchen. Das Buch ist jetzt auf Deutsch erschienen. Ein Auszug in zwei Teilen.

Von Jacques Ellul.

Entfremdet zu sein heißt, anders (alienus) als man selbst zu sein, doch es kann ebenso bedeuten: zu einem anderen als einem selbst zu gehören. Und noch grundlegender: seiner selbst beraubt, um einem anderen unterworfen (oder gar einverleibt) zu sein. Im Endeffekt hat Propaganda diese Wirkung. Sie beraubt das Individuum, entledigt es zwar eines ganzen Teils seiner selbst, lässt es aber gleichzeitig ein simuliertes, fremdes, künstliches Leben führen – sodass das Individuum, das dieser Propaganda unterworfen wird, ein anderer ist und zugleich Triebregungen gehorcht, die ihm fremd sind, sprich, einem anderen gehorcht.

Nebenbei sei einmal mehr angemerkt, dass Propaganda, indem sie diese Wirkung hervorruft, sich darauf beschränkt, die Neigung des Individuums, sich in irgendetwas Großem zu verlieren, seine Individualität aufzugeben, das Ich von allen Zweifeln, Konflikten und Schmerzen zu befreien, es in allem aufgehen zu lassen, benutzt, akzentuiert und verstärkt. Einem Chef, einer großen Sache ergeben zu sein, verschafft solche Befriedigung: Wir fühlen uns eins mit der riesigen Menge. Der Mensch sucht sich zu befreien, indem er im großen Ganzen aufgeht. Propaganda nun bietet ihm genau diese Möglichkeit, und zwar auf außergewöhnlich einfache und zufriedenstellende Weise. Doch sie verstrickt das Individuum unentwirrbar in diese Situation.

Was lässt Propaganda an erster Stelle verschwinden? Alles, was mit kritischer Haltung und persönlichem Urteil in Zusammenhang steht. Propaganda begrenzt natürlich das Anwendungsfeld des Denkens. Solange sie dem Individuum vollkommen fertige (und zudem irreale) Gegenstände fürs Denken liefert, solange erzeugt sie für es Stereotype, begrenzt die Möglichkeiten, sein Denken anzuwenden. Sie lenkt es auf Gegenstände mit fest umrissener Gestalt und hindert dabei seine Reflexion, eigeninitiativ zu verfahren, persönliche Erfahrungen zu machen. Sie bestimmt das Zentrum, von dem aus sich alle Gedanken entfalten und legt im Vorhinein eine Art Verhaltenslinie fest, die weder Fantasie noch Kritik erlaubt, oder vielmehr in die Fantasien nichts als Variationen im Vorhof der festgelegten Linie, nur kindliche Einfälle innerhalb des Rahmens. So sehen wir die Progressisten mit „Variationen“ von Daten hervortreten, die der Propaganda der Kommunistischen Partei entstammen. Doch das Feld solcher Variationen ist an sich vollständig abgesteckt.

Es existiert schlicht kein kollektiver kritischer Geist

Die Akzeptanz dieser Linie, jener Gegenstände und Grenzen setzt die Ausschaltung des kritischen Vermögens voraus. Das hatten wir weiter oben als Folge der Kristallisation, Schöpferin von Tabus, durchblicken lassen. Wie Monnerot sehr richtig anmerkt, zieht jede individuelle Leidenschaft die Ausschaltung der Fähigkeit nach sich, das Objekt dieser Leidenschaft kritisch zu reflektieren. Mehr noch, aus der durch Propaganda erzeugten kollektiven Erregung verschwindet das Kritikvermögen vollends. Denn es existiert schlicht kein kollektiver kritischer Geist. Der Mensch wird unfähig, „Trennungen“, Unterscheidungen vorzunehmen (krinein). Die Person kann nicht mehr selbst Urteile fällen, da sie zwangsläufig auf den gesamten Komplex aus Werten und Vorurteilen Bezug nimmt, die ihr durch Manipulationen, denen sie mittels Propaganda unterworfen ist, zugeführt worden waren. Im Zuge der schrittweisen Entwicklung einer politischen Situation werden ihr Wert- und Wirksamkeitsurteile mitgeliefert, die zugleich vollkommen fertig vorliegen und mit der Wahrheit verkündenden Macht von Zahlen und Experten ausgestattet sind. Sie hat keine Möglichkeit, ihr Urteilsvermögen auszuüben, weder was sein Prinzip noch was seine Folgen anbelangt. Dies führt zur Rückbildung einer Fähigkeit, deren Gebrauch an sich niemals leicht von der Hand geht. Was nun aber im Individuum abstirbt, lässt sich niemals leicht wiederaufbauen, noch einmal hervorbringen. Sind persönliches Urteil, kritischer Geist abhandengekommen, verkümmerten sie, so sollte man nicht glauben, man könne sie so einfach wiedererschaffen, dass es schlicht ausreichen würde, wenn Propaganda verschwände, dass das unterdrückte Vermögen wieder auftauchen würde, sobald das Hindernis beseitigt ist.

Im Grunde haben wir es hier mit einer der nachhaltigsten Wirkungen von Propaganda zu tun: Um jene Fähigkeit wieder hervortreten zu lassen, bräuchte es Jahre intellektueller und geistiger Bildung. Letztlich stürzt sich der Propagandierte sofort in eine andere Propaganda, die ihn davor bewahren wird, plötzlich allein mit seinem Urteil vor dem Geschehen dazustehen. Gleichzeitig präsentiert Propaganda die Fakten, Urteile und Werte in einem solchen Durcheinander und methodisch derart, dass sich der durchschnittliche Einzelne wirklich außerstande sieht, jene kritischen Unterscheidungen zu treffen. Er besitzt weder die intellektuelle Fähigkeit noch die Möglichkeit, sich zu informieren. Damit steht er vor der Wahl, alles auf einmal zu akzeptieren oder alles auf einmal abzulehnen und zu leugnen.

Wir gelangen so auf zwei verschiedenen Wegen zum selben Ergebnis: Auf der einen Seite zerstört Propaganda das Kritikvermögen, auf der anderen Seite gibt sie einen Gegenstand ab, den dieses nicht zu reflektieren vermag, und macht es damit nutzlos.

Der Propagandierte eignet sich Kollektivurteile an

All das führt natürlich zum Ausschluss des eigenen Urteilsvermögens, so scheint es zumindest, wenn sich das Individuum die bestehende öffentliche Meinung zu eigen macht. In seinen Wörtern und Gesten verkörpert es nicht mehr, was es zutiefst ausmacht, sondern die Gesellschaft, die Gruppe. Sicher, das Individuum verkörpert stets mehr oder weniger die Gruppe, doch tut es dies hier in absoluter Form und infolge eines systematischen Vorgangs.

Die öffentliche, unpersönliche Meinung ist außerdem, wird sie durch Propaganda bearbeitet, künstlich. Sie entspricht nichts Echtem, und genau das eignet sich der Mensch an. Er wird von der öffentlichen Meinung bewohnt, bringt nicht mehr seine Vorstellungen, sondern gezwungenermaßen die der Gruppe zum Ausdruck. Sicherlich tut er dies mit Überzeugung und Gewissheit. Das zeichnet den Propagandierten sogar aus. Er eignet sich Kollektivurteile, von Propaganda aufbereitete Sachverhalte an; er saugt sie auf wie Nahrung (und tatsächlich sind sie zu einer solchen geworden). Er spricht in seinem eigenen Namen. Entschieden tritt er als er selbst auf und wird so dazu fähig, sich anderen entgegenzusetzen. Er behauptet, bejaht sich und doch verleugnet er sich in genau diesem Moment, ohne es zu bemerken. Denn wenn er aus seiner Propagandalehrstunde den Satz zitiert, er selbst sei es, der denkt, während seine Augen leer sind und sein Mund Töne absondert, die den Rillen seines Gehirns bereits eingeschrieben wurden, in dem Moment, da er sagt, er sei es wirklich und dass er sein eigenes Urteil fällt – dann meint er damit, er denke nicht mehr, überhaupt nicht, niemals und existiere nicht als Person.

An diesem Punkt zeigt sich dem Propagandierten mit lebhafter Gewissheit, dass er radikal entfremdet ist. Denn das bedeutet, dass er sich nicht einmal mehr von der Gesellschaft unterscheiden kann. Er ist perfekt integriert, er ist selbst die soziale Gruppe und in ihm existiert nichts, das sich dieser Gruppe entzieht, es gibt nichts anderes als die Verkörperung der Meinungen seiner Gruppe. Er ist nur, was er durch Propaganda lernt. Er bildet nichts als einen Kanal, in den die Wahrheiten der Propaganda eingeleitet werden und der sie als Überzeugung wieder abfließen lässt. Diese Überzeugung entspricht der Abwesenheit der Person selbst. Somit kann sie zu den Dingen nicht auf Abstand gehen, zwischen ihr und Propaganda ist keine Distanz möglich.

Die Verherrlichung des Helden impliziert, dass man in einer vermassten Gesellschaft lebt

Dieser Entfremdungsmechanismus geht in der Regel damit einher, dass das Individuum entweder sich in die Person eines Helden, eines Anführers hineinprojiziert, sich mit ihr identifiziert oder innerhalb einer Masse aufgeht. Überdies sollte betont werden, dass beide Mechanismen einander nicht ausschließen. Projizierte sich der Hitlerjunge in seinen Führer hinein, gehörte er dadurch zur von Propaganda eingehegten Masse. Opferte sich der junge Komsomolze dem Kult um Stalins Person, war er genau in diesem Moment am stärksten mit der Masse vereint. Wesentlich ist also, dass, wenn man glaubt, die höchste Stufe der Existenz als Person verwirklicht zu haben, man sich in den Untiefen der Entfremdung wiederfindet. Oft genug haben wir den faschistischen Geist behaupten gehört, er würde die Person wieder zu ihrer Ehre kommen lassen! Ob nun durch den einen oder den anderen Kanal, es handelt sich um dieselbe Entfremdung, die als Ergebnis von Propaganda erscheint, denn der Heldenkult ist ein propagandistisches Produkt, ebenso wie die Integration des Individuums in eine aktive Masse.

Wenn Propaganda das Individuum dazu bringt, an einer kollektiven Bewegung teilzuhaben, dann erzeugt sie in ihm nicht nur eine künstliche Aktivität, sondern außerdem ruft sie bei ihm eine Psychologie der Partizipation, eine „Massenpsychologie“ hervor, das heißt, sie verleiht ihm, deutlich und dauerhaft, gewisse Züge, die recht häufig als jene gelten, die das von der Menge geschluckte Individuum kennzeichnen. Diese Änderung auf psychischer Ebene geht, da eine ganze Masse an Mitwirkenden anwesend ist, spontan vonstatten, wird durch den Einsatz propagandistischer Methoden systematisch erzeugt. Eine psychologische Massensituation wird geschaffen, deren spezifische Psychologie die des in eine Menge einbegriffenen Menschen ist.

Derlei Modifikation werden wir nicht noch einmal beschreiben, können sie aber darin zusammenfassen, dass es sich bei ihr zweifellos um Entfremdung handelt. Das Individuum verliert die Kontrolle über sich, unterwirft sich von außen kommenden Triebkräften, seine Neigungen und persönlichen Vorlieben treten in den Hintergrund, um der Mitwirkung am Kollektiv Platz zu machen. Dieses Kollektiv wird aber niemals besser als Ideal, als Folie, als Vorbild denn durch den Heros repräsentiert. Der Heldenkult verhält sich zur Vermassung der Gesellschaft streng komplementär. Ein solcher Kult entsteht gleichsam natürlich um Champions im Sport, Stars im Kino oder auch historische Elemente, wie das Phänomen Davy Crockett in den USA und Kanada 1955 gezeigt hat. Die Verherrlichung des Helden impliziert, dass man in einer vermassten Gesellschaft lebt. Infolge der gesellschaftlichen Bedingungen kann der Einzelne keine Person mehr werden, sich nicht mehr durch Handlung und eigenes Denken zum Ausdruck bringen. Er steckt in seinen Ansprüchen fest, projiziert auf einen Helden, der er selbst zu sein wünscht. So lebt er vermittels einer zwischengeschalteten Person, absolviert erfolgreich sportliche, amouröse oder militärische Leistungen, die sein Gott erbringt, durchlebt sie qua gemeinschaftlicher Symbiose. Der bekannte Mechanismus identifikatorischer Projektion, den unter anderem Edgar Morin am Beispiel von Filmstars untersucht hat, lässt sich beim Individuum der modernen Gesellschaft, das in der Person des Helden zum Bewunderer seiner selbst wird, kaum unterdrücken. Damit offenbart es seine Macht, die innezuhaben es sich unbewusst wünscht, projiziert sein Verlangen auf diesen Erfolg, dieses Abenteuer, identifiziert sich mit ihnen. Der Held avanciert zum Modell und zur Vaterfigur, zur mythischen Macht und Verkörperung dessen, was das Individuum nicht sein kann.

Nun verwendet Propaganda diese Mechanismen zwar, verstärkt, festigt, verallgemeinert sie aber noch dazu (überdies gibt es sie nur, selbst was Stars oder Davy Crockett anbelangt, aufgrund von mit Propaganda vergleichbaren Werbekampagnen). Der Propagandierte wird in der Person, die durch Propaganda konstruiert wird, entfremdet. Dafür bedarf es übrigens keiner totalitären Organisation: Nicht nur bei Hitler oder Stalin greift derlei Entfremdung. Dasselbe gilt für Chruschtschow, Clemenceau, Coolidge oder Churchill (der von Albig untersuchte Coolidge-Mythos ist in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich). Der Propagandierte befindet sich in einer psychischen Situation, die durch drei Elemente gekennzeichnet werden kann.

Der entfremdete Mensch ist kein Ausnahmefall

Erstens lebt er per Medium: Durch den Helden vermittelt, empfindet, denkt, handelt er. Er steht unter Vormundschaft, unter dem Schutz dieses lebenden Gottes, seine (freiwillig gewählte) Existenz ist die eines Kindes. Er hört zweitens auf, seine eigenen Interessen zu vertreten (weil er weiß, dass sein Held ihn liebt und dass dessen gesamte Entscheidungen zu seinem Besten sind). Mittels solcher Projektion kompensiert er drittens die Härte der Entbehrungen und die Strenge der politischen Organisation. Darum setzt jedes Regime, das einen gewissen Heroismus einfordert, die Entwicklung dieser propagandistischen Projektion in den Helden voraus.

Hier lässt sich nun wirklich von Entfremdung sprechen, und wir verstehen damit auch, dass Young von „Regression auf ein infantiles Stadium“ infolge von Propaganda spricht. Seiner Ansicht nach ist der Propagandierte davon abgekommen, sich geistig weiterzuentwickeln, er stagniert in neurotischen Verhaltensweisen infantiler Tendenz. Infolgedessen geht die Schöpfungskraft beim Individuum der psychologischen Massensituation zurück. Auch Stoetzel hält dafür, dass Propaganda zerstörende Wirkung auf die Individuation ausübe, zugleich aber unfähig sei, eine andere als eine kollektive Persönlichkeit zu erschaffen, dass sie der selbstwirksamen Entfaltung der Persönlichkeit ein Hindernis sei.

Nun, man sollte sich nicht täuschen, doch derlei Entfremdung ist mitnichten eine Ausnahme. Man könnte versucht sein zu glauben, wir hätten den fast schon ins Krankhafte kippenden Extremfall beschrieben. Leider ist das Gegenteil der Fall und es handelt sich dabei, selbst in zugespitzter Form, um etwas sehr Geläufiges. Immerzu begegnen wir dieser Art Mensch, der als vollends eigene Wahrheit verbreitet, was er eine Stunde zuvor in einer Zeitung gelesen hat, und dessen Haltung eines Gläubigen nur das Ergebnis einer stark wirkenden Propaganda ist. Wir treffen jederzeit auf diesen Menschen, der blindes Vertrauen in eine Partei, einen General, einen Kinoschauspieler, ein Land, eine Sache hat und keine Kritik an seinem Gott verträgt. Unablässig stoßen wir auf diesen Menschen, der zu grundlegendsten moralischen oder intellektuellen Unterscheidungen oder einfachsten Gedankengängen und Überlegungen nicht mehr in der Lage ist, weil er von höheren Zwecken getrieben ist, denen sich qua Kadavergehorsam unterworfen werden muss. Und all das wird unter dem Schock perfekt gemachter Propaganda umstandslos, ohne Prüfung, ohne Nachdenken, ohne Kritik angenommen. Wir begegnen unaufhörlich diesem entfremdeten Menschen, und vielleicht sind wir auch schon einer.

Lesen Sie morgen Teil 2 des Auszugs.

Jacques Ellul: „Propaganda. Wie die öffentliche Meinung entsteht und geformt wird“, 468 Seiten, aus dem Französischen von Christian Driesen, Westend Verlag 2021

 

Jacques Ellul (1912–1994) war promovierter Jurist, in der Résistance aktiv und rettete Juden vor der Deportation. 1944-1980 war er als Professor in Bordeaux tätig und bekannter Vertreter des christlichen Anarchismus. Heute gilt er als einer der wichtigsten französischen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

Foto: Villa Giulia via Wikimedia Commons

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Leserpost

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Walter Heilmann / 06.11.2021

Der Autor lässt einen Aspekt völlig außer Acht: Jeder Mensch ist - in seinem ursprünglichen Wesen - reines Bewusstsein. Niemand ist Opfer von Informationen einfach so. Jeden Menschen steht die Möglichkeit offen, alles, was er will zu lesen - was aber nicht heißt, dass er alles “glauben”, heißt für wahr halten muss. Er kann seinen Verstand benutzen, und dem Gesagten/Gelesenen die Bedeutung zuweisen, die er für berechtigt hält und sich im Klaren darüber sein, welche Konsequenzen Glauben oder Nichtglauben für ihn persönlich haben.

E Ekat / 06.11.2021

da kann man wohl nix machen.

HaJo Wolf / 06.11.2021

Selbst denken, selbst zu beurteilen, abzuwägen, sich für etwas zu entscheiden ohne von Manipulatoren gelenkt zu werden, gegen den Mainstream zu schwimmen, das alles ist vielen, den meisten Menschen zu anstrengend - das habe ich in meinem Leben im Job und privat immer wieder gelernt. Der Mensch die Krone der Schöpfunf? Nö, wohl eher ein Fehler in der Evolution, der sich auch in wenigen hundert Jahren erledigt haben wird. Dem Planeten ists egal. Mir auch.

Helmut Bühler / 06.11.2021

Entfremdung durch Propaganda ist nicht nur eine Infantilisierung sondern auch ein Rückfall in archaische Stammesstrukturen, die in modernen Massengesellschaften schmerzlich vermisst werden. Da hatte jeder seinen Platz, konnte Eins werden mit den Anderen und ein Anführer nahm einem schwierige Entscheidungen ab, legte gut und böse fest. Wir sehen das ja auch heute in der Polarisierung der Gesellschaft, z.B. bei Corona. Die Propagandierten sind nicht nurder Propaganda anheim gefallen, sondern “Impfen” ist auch zu einem Stammesmerkmal der “Guten” geworden, an dem sie das eigene Rudel erkennen, so wie auch Wokeness, Willkommenskultur und Anbetung des Klimagötzen.

Alexander Mazurek / 06.11.2021

@Boris Kotchoubey: Warum in der Postmoderne die Propaganda so schnell wirkt? Weil “wenn jeder lesen lernen kann, verdirbt das auf Dauer nicht nur das Schreiben, sondern auch das Denken”, so Nietzsche, ein Aspekt der Alphabetisierung, den auch Barneys betont, deshalb glauben wir auch an jeden Unsinn, wenn es nur gelingt, ihn als “Wissenschaft” zu verkaufen. Darüber hinaus sind wir unentrinnbar bewegten Bildern ausgesetzt, und jedes Bild wirkt besser, als es tausend Worte könnten. Und diese Bilder sind weltweit dieselben, eine Folge der Globalisierung und der Konzentration der Medien in denselben Händen. Kein Feidfunk weit und breit. Wie wir aus dieser globalen platonischen Höhle herauskommen? Vermutlich erst, wenn sie zusammenbricht und wieder die falschen die Zeche zahlen.

Werner Arning / 06.11.2021

Liebe@Sabine Schönfelder, ob das mit der Anfälligkeit für sozialistisch/kommunistische Ideologien bei Frau Grimm zutrifft, wage ich allerdings zu bezweifeln. Ich habe den Eindruck, Frau Grimm lässt sich nicht einordnen.

Stanley Milgram / 06.11.2021

Letztlich ist es der Glaube, etwas Gutes (im Namen der Liebe) oder das Richtige zutun. Oder Sucht (Abusus) oder eine psychische Krankheit. Massenhysterie? Vielleicht…

Sabine Schönfelder / 06.11.2021

Liebe Ilona @Grimm, Jacques Ellul bezeichnete sich selbst als christlichen Anarchisten. Eine interessante Spielart des christlichen Glaubens. Offenbar spekulieren die Vertreter dieser Richtung auf die gottgegebene Verinnerlichung christlicher Maßstäbe, was dazu führt, daß jeder sein eigener Richter stellvertretend für Gott ist. Eine traumhafte Vorstellung, die ganz offenbar das Gute im Menschen anspricht und nur das….Anyway sind christliche Anarchisten radikal gewaltfrei, solidarisch, egalitär UND antiklerikal. Mußte ich direkt an Sie denken. Einerseits ist diese Form des Glaubens stark individualistisch geprägt, jeder ist nur seinem Gewissen verpflichtet, andererseits ist sie anfällig für kommunistisch/sozialistische Ideologien. Ein Spannungsfeld. Sie sind auch eine kleine Revolutionärin, Gott-orientiert, christlich, trotzdem eine Individualistin mit anarchistischen Ansätzen gegen den Klerus und den Mainstream….Würde passen. Erkennen Sie sich wieder?

Michael Hinz / 06.11.2021

@M. Müller - “Ich bin erstaunt. Und ich danke achgut, dass dieser selbstkritische Beitrag erscheinen durfte.” Humor haben Sie ja. Hoffentlich sind Sie bei meiner Verhaftung dabei und legen ein gutes Wort für mich ein. Danke.

Boris Kotchoubey / 06.11.2021

Na ja: das ist alles natürlich richtig im Text. Und doch sieht man gleich, dass das Buch im 20.Jh. geschrieben wurde. Der Text liest sich fast wie einer von Macchiavelli (auch dort ist alles richtig!). Aber die beiden verehrten Autoren (Ellul und Macchiavelli) wussten nichts vom Postmodernismus, der eine lebte am Frühmorden der modernen Zeit, der andere an deren Spätabend. Wir leben dagegen in einer postmodernen Epoche. Das einfachste Beispiel: Die Argumente von Ellul können nicht die GESCHWINDIGKEIT erklären, mit der heute die Propaganda wirkt, denn diese Geschwindigkeit ist ein spezifisches Charakteristikum der Postmoderne. Goebbels arbeitete Monate und Jahre, um die Einstellungen der Deutschen in die “korrekte” Richtung zu ändern; denken Sie daran, dass der schon 1933 gleichgeschaltete Reichstag 1940 immer noch nicht bereit war, Euthanasiegesetze zu bewilligen! Heute kann die Bevölkerung innerhalb eines Tages von einer absoluten Wahrheit überzeugt werden, die noch gestern eine unerhörte Ketzerei war.

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