Dirk Maxeiner / 17.02.2017 / 15:04 / 6 / Seite ausdrucken

„Demokratie leben“: 104,5 Millionen für komplexe Lebenslagen

Wenn Sie wissen möchten, wofür in diesem Lande mal eben 104,5 Millionen Euro ausgegeben werden, dann lesen Sie das folgende Text-Zitat. Wer den Inhalt versteht, hat meine Hochachtung. Wer eine Idee hat, woher der Auszug stammen könnte, ebenfalls. Auflösung am Schluss.

4.8

Gender-, Diversity Mainstreaming und Inklusion als Leitprinzipien

"Gender Mainstreaming ist eine politische Strategie, die die Anliegen und Erfahrungen von Frauen und Mädchen ebenso wie die von Männern und Jungen in die Planung, Durchführung, Überwachung und Auswertung der Maßnahmen selbstverständlich einbezieht. Dazu ist Diversity als Menschenrechtsansatz zu beachten, der vielfältige, komplexe Lebenslagen und Erfahrungen anerkennt und auf gleiche Teilhabechancen und Rechte abzielt. Ansätze zur Förderung von Inklusion alsVoraussetzung für Diversity Mainstreaming sollen jedem Menschen die Möglichkeit geben, sich an allen relevanten gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar unabhängig von individuellen Fähigkeiten, kultureller, ethnischer wie sozialer Herkunft, Religion, Geschlecht oder Alter. Für die zu fördernden Projekte bedeutet dies, die Entwicklung, Organisation, Implementierung und Evaluierung von Entscheidungsprozessen, Beteiligungsformen und Maßnahmen so zu betreiben, dass in jedem Bereich und auf allen Ebenen die Ausgangsbedingungen und deren Auswirkungen für jede und jeden Einzelnen berücksichtigt werden. Gender -, Diversity Mainstreaming und Inklusion sind als leitende Prinzipien grundlegend für die Umsetzung des Programms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ und somit auch Bestandteil der Programmevaluation und wissenschaftlichen Auswertung."

Alles was ich verstanden habe: es handelt sich um das Programm "Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (SPD). Ministerin Schwesig will im Wahlkampfjahr etwas für ihre Klientel tun, selbstverständlich auf Steuerzahlerkosten. 2017 gibt es dort 104,5 Millionen Euro abzuholen, nicht etwa für sozial Bedürftige, sondern für die Erziehung zum korrekten Denken. Wer will noch mal, wer hat noch nicht! Beim Bewerbungsschreiben immer feste nach rechts gucken, links ist die Welt vollkommen in Ordnung. Auch der Islam hat mit Demokratiefeindlichkeit nix zu tun, er wird nur im Zusammenhang mit Muslimfeindlichkeit genannt. ("Aktivitäten gegen Phänomene gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, insbesondere auch gegen Antiziganismus, Islam- und Muslimfeindlichkeit und Homo- und Transfeindlichkeit", Seite 5). Aber lesen Sie selbst. Das ganze Neusprech-Dokument finden Sie hier.

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Leserpost

netiquette:

R.Richter / 18.02.2017

Frau Schwesig wollte uns Dummen nur klar machen, daß sie Ihr Denglisch beherrscht. Da kann man vergessen, das sich verständlich auszudrücken, mal als eine Tugend erachtet wurde. Für Politiker ist nichts wichtiger als Schwurbeldeutsch zu reden und zu schreiben. Da kann man sich später viel besser heraus reden, wenn es anders kommt, als gedacht.

B.Klebelsberg / 17.02.2017

Lieber Himmel, schenke uns einen (etwas klügeren) Donald!

Thomas Schade / 17.02.2017

Nur zu zwei einem Begriffen des Regierungsprogramms: Mainstreaming und Diversity. Mainstreaming kommt von Mainstream und meint Massengeschmack. Diversity heißt Vielfältigkeit. Was denn nun?

Georg Siegert / 17.02.2017

Dokumente dieser Art grenzen an Körperverletzung. Das wissen ihre Autoren aber auch, ja, das ist sogar Sinn und Zweck der Übung. Denn indem man seine Absichten hinter unlesbarem Geschwurbel versteckt, kann man nach der ohne Widerspruch erfolgten Umsetzung entsprechender Projekte allen Kritikern vorwerfen, dass sie selbst schuld seien, denn sie hätten sich nur informieren müssen und rechtzeitig Einwände geltend machen sollen, aber NACH der Umsetzung ist es nun einmal zu spät. So funktioniert die Mechanik der heutigen Politik.

Alexander Simler / 17.02.2017

Im Grunde genommen ist das eine Aneinanderreihung von Worthülsen die durch ihre Undefinierbarkeit beim Leser den Zustand eines Missstandes erwecken sollen ohne ihn konkret zu benennen. So will man alle Menschen an allen “relevanten gesellschaftlichen Prozessen” (was auch immer man darunter versteht) teilhaben lassen, was wenn man genau darüber nachdenkt auch für jedermann möglich ist sofern er denn will. Muslimische Mädchen denen ihre Väter/Brüder Ausgehen und Schwimmen verbieten mal ausgenommen. Hierfür will man jeden Menschen in seiner Individualität fördern. Auch hier sagt man alles und nichts, keiner weiß letztendlich wie und wofür und in welchem Zusammenhang das konkret mit gesellschaftlicher Teilhabe steht. Mal ganz davon zu schweigen, dass von Erziehern und Lehrern schon die ersten Hilfeschreie kommen weil sie gar nicht mehr wissen wie sie 30 Kindern in der Hinsicht gerecht werden sollen und können. Und da dieses Gender und Diversity Gaga weder die Leute für die es gedacht ist noch ein Gros der Bevölkerung überhaupt interessiert muss es in den “Kampf gegen Rechts” (wie schon mehrfach festgestellt ist auch Rechts ein sehr schwammiger Begriff) integriert werden um an Fördermittel zu gelangen. Immerhin brauchen die zigtausend Genderstudies Absolventen ja auch nen Job ¯\_(ツ)_/¯.

Dirk Jäckel / 17.02.2017

Wenn statt nur von Muslimfeindlichkeit (d’accord) auch zusätzlich von Islamfeindlichkeit die Rede ist, kann es einem Angst und Bange werden ob des intellektuellen Zustands der “Linken” (ich denke, Frau S.chwesig sieht sich als links). Religionskritik und Antiklerikalismus nunmehr als Kennzeichen für “rechts”. Man könnte es für einen ultrareaktionären Witz halten, wenn man von der Seite nicht schon ähnliches gewohnt wäre.

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