112-Peterson: Verstecken hilft nichts

Aus psychologischer Sicht ist es das, was in der Genesis durch den Geist Gottes repräsentiert wird, das zum Anbeginn der Zeit Ordnung aus dem Chaos zieht. Genau damit setzen wir uns ständig auseinander, wenn wir auf ähnliche Weise darum kämpfen, eine bewohnbare Welt zu schaffen und zu erhalten. Der Gedanke ist brilliant.

Als ich zum ersten Mal die Beziehung zwischen dem prä-kosmogonischen Chaos und der Raubtierlandschaft, die unsere Vorfahren umgab, und der Art und Weise, wie wir neurologisch strukturiert sind, um auf all das zu reagieren, herstellte, stellte ich fest, dass es sich dabei um eine erstaunliche Erscheinung handelt.

Denn es liegt auf der Hand, dass die Welt zu kompliziert ist, als dass wir mit ihr zurechtkämen. Dies gehört zu den Problemen, mit denen wir permanent konfrontiert sind. Dann stellt sich die Frage, wie damit umzugehen ist. Wenn man diese Tatsache ignoriert, wird es schlimmer, also funktioniert ignorieren schon einmal nicht. Wir sind uns also darüber klar, was nicht geht. Wenn es also nicht funktioniert, das Problem zu ignorieren, dann könnte eine Auseinandersetzung damit eine Option sein.

Pessimismus kann befreien

Wenn man sich beispielsweise bei den Alten Ägyptern umsieht, stellt man fest, dass Horus der Gott der Aufmerksamkeit war. Etwas Ähnliches repräsentierte der Gott Marduk bei den Mesopotamiern. Wie kann man der Katastrophe vorbeugen, dass alles auseinanderfällt? Die Antwort lautet, indem man ihr freiwillig Aufmerksamkeit schenkt.

Das passt sehr gut zur Idee des Heldenmythos, in dem es stets heißt, dass es wenig bringt, sich im Keller zu verstecken, wenn ein Drache auftaucht, denn davon wird er nur größer. Stattdessen sollte man raus gehen und das verdammte Ding konfrontieren. Natürlich könnte man dabei getötet werden, denn es handelt sich ja schließlich um einen Drachen. Doch in diesem Fall wäre es nur ein „Könnte“ im Gegensatz dazu, definitiv getötet zu werden, wenn der Drache einen um 3 Uhr morgens im Schlaf überfällt, wenn man einen schlechten Tag hatte, betrunken ist und außerdem sein Schwert und Schild nicht findet. So etwas passiert Menschen, die permanent Dinge vermeiden, ständig. Ganz bestimmt nicht zu empfehlen. Es ist, als würde man zweifach durch den Fleischwolf gedreht.

Darum hört man übrigens so oft, dass es befreiend sei, pessimistisch zu sein. Es ist solch eine Erleichterung und eine nützliche Gewohnheit noch dazu, sich beizeiten einzugestehen, dass man in Schwierigkeiten steckt. Man kann aufhören, krampfhaft nach einem Ausweg zu suchen. Denn es gibt keinen, außer der Konfrontation.

Dies ist ein Auszug aus einer Vorlesung von Jordan B. Peterson. Hier geht's zum Auszug und hier zur gesamten Vorlesung.

Foto: jordanbpeterson.com

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Leserpost

netiquette:

Werner Arning / 02.09.2020

Nichts ist auf Dauer anstrengender und schädlicher als sich selbst zu belügen. Als in einer Lüge zu leben. Krankheit, körperlicher wie geistiger Art, mag hier vorprogrammiert sein. Nichts ist schwieriger, als das eigentliche Problem zu identifizieren und sich obendrein aus diesem zu befreien. Wer die Sache angeht, lebt intensiv.

Volker Kleinophorst / 02.09.2020

@ K. Kuhn Ich bin sicher eher der pessemistische “Es hätte schlimmer kommen können und es kam schlimmer”-Typ. Dass dies zur Handlungsunfähigkeit führt, kann ich nicht nachvollziehen. Jedenfalls nicht als Regel. “Wenn wir nicht gewinnen können, treten wir Ihnen wenigstens den Rasen kaputt.” (Rolf Rüssmann) Ein Pessimist ist ja nicht deppressiv sondern eher realistisch ,wie uns ein jeder Tag erneut lehrt. Ich sehe dieses positive Denken, plumpe Vertrauensseligkeit, dieses “Wird schon gut gehen” eine Variante von “Wir schaffen das” als das Problem. Wohinter sich gerne Feigheit verbirgt, womit wir wieder bei meinem ersten Post sind. PS.: Abhauen ist keine Schande. Seine Freundin dabei nicht mitzunehmen schon. ;)

Karla Kuhn / 02.09.2020

“Doch so etwas passiert Menschen, die permanent Dinge vermeiden, ständig.”  Genau diese Typen sind aber meistens Pessimisten. Darum kann ich dem Pessimismus absolut nichts positives abgewinnen. Im Gegenteil, pessimistische Menschen lassen sich meistens immer weiter nach unter ziehen von dem Pessimismus und brauchen Hilfe, um aus diesem Loch wieder raus zu kommen.  Thomas Taterka ,  Sie sind zu köstlich, oder habe ich etwa “schmutzige” Gedanken?? “Is’ mir in den letzten 30 Jahren selten passiert , daß ich mein ” Schwert ” und die passende Scheide nicht gefunden habe.”

Thomas Taterka / 02.09.2020

Es tut mir so leid, aber wenn ich um 3 in der Früh aufwache oder schlafen gehe ( an Wochenenden ), denke ich nicht an Peterson. Manchmal aber an einen Satz von George Burns ( eigentlich Nathan Birnbaum ): ” Look to the future, because that is where you’ll spend the rest of your life. “- Is’ mir in den letzten 30 Jahren selten passiert , daß ich mein ” Schwert ” und die passende Scheide nicht gefunden habe. Sorgen haben die Leute. Exit music : Jimmy Durante, Make someone happy. - Tee Ende.

Belo Zibé / 02.09.2020

@Volker Kleinophorst.  Es kann bei Feministinnen aber durchaus auch so herauskommen , wie Bert Brecht es in seinem Barbara Song beschrieben hat. Die zentralen Sätze lauten: [..] Jedoch eines Tags (und der Tag war blau)Kam einer, der mich nicht bat. Und als er nicht wußte, was sich bei einer Dame ( Feministin) schickt,Zu ihm sagte ich nicht “nein”.Da behielt ich meinen Kopf nicht oben, Und ich blieb nicht allgemein! Ja, da muß man sich doch einfach hinlegen, Ja, da kann man doch nicht kalt und herzlos sein! Ja, da mußte so viel geschehen, Ja, da gab’s überhaupt kein Nein.”  

Dieter Kief / 02.09.2020

Ahh, ich bin so pessimistisch, dass ich finde, die ganze Drachen-Action bringt nichts. Dafür kann ich in meinem Keller sitzen, und den sehr schön zum Tonstudio ausbauen. - Oh - das ist es, was Joe - dementia isn’t for pussys, I tell ya! - Biden derzeit so macht. - Der nächste US-Präsident…?...

Volker Kleinophorst / 02.09.2020

Wenn einer stolz darauf ist, sich in seinem Leben nie geprügelt zu haben, hat der mit hoher Wahrscheinlichkeit an der ein oder anderen Stelle den Schwanz eingezogen. An so etwas gewöhnt man sich schnell. So wird Feigheit zur Lebenseinstellung. Mit Pazifismus hat das wenig zu tun, denn auch Frieden und Freiheit Bedarf manchmal eines handfesten Schutzes. (Hat man doch gerade am Reichstag gesehen. Ironie aus.) Feministinnen hassen den Helden. Außer? Sie brauchen einen. Wenn dann nix kommt: “Wo sind die echten Männer geblieben.”

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