Christian Ortner / 19.12.2015 / 00:03 / 3 / Seite ausdrucken

Wir brauchen mehr Gärtner und Erntehelfer!

David Folkerts-Landau, einflussreicher Chefvolkswirt der Deutschen Bank, formulierte in einem Interview dieser Tage eine bemerkenswerte Vision darüber, wie anders Deutschland in einigen Jahren aussehen könnte und sollte. „Innerhalb der nächsten zehn Jahre könnten zusätzliche Einwanderer – darunter auch viele Arbeitsmigranten – leicht zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland stellen“, meinte er, „das ist eine Riesenchance für das Land, die die Position Deutschlands in der Weltwirtschaft und innerhalb Europas in den kommenden Jahrzehnten stärken kann. Ich kann mir sogar vorstellen, dass sich wieder eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte ähnlich der in den Jahrzehnten vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs entwickelt.“

Dass acht Millionen zusätzliche Migranten – in Österreich wären das dann etwa noch 800.000 zusätzlich zu denen, die schon da sind – aus der arabischen Welt, aus Afghanistan, aus Pakistan und aus Afrika Deutschland (oder Österreich) zu einer „wirtschaftlichen und kulturellen Blüte“ verhelfen werden, ist freilich eine Hoffnung, die zu teilen einen erheblichen Konsum an bewusstseinsverändernden Drogen erfordert. Hier geht es weiter.

Leserpost (3)
Werner Geiselhart / 21.12.2015

Bei solchen Analysten wundert es mich eigentlich nicht mehr, dass die Deutsche Bank derzeit auf direktem Weg in den Abgrund fährt.

Stefan Bergmann / 19.12.2015

Der Volkswirt weiter: „Arbeit gibt es genug! In den USA arbeiten unzählige Einwanderer als Gärtner oder Erntehelfer, warum nicht auch hier so anfangen?“ Weil das us-amerikanische Sozialnetz für diese (illegal eingewanderten, mexikanischen?) “Gärtner oder Erntehelfer” nicht vergleichbar ist mit dem deutschen. In Deutschland wird es dem Gärtner mit seinem Job nicht gelingen, seine Frau und drei, vier, fünf, sechs Kinder über Sozialhilfeniveau zu versorgen. Das wird gerne übersehen: es geht nicht nur darum, der großen Anzahl an - schon allein wegen der fehlenden Sprachkompetenzen in Deutsch und Englisch - niedrigqualifzierten Einwanderern irgendwelche Jobs zu finden. Diese Jobs müssen auch über Sozialhilfeniveau entlohnt werden. Und dieses Sozialhilfeniveau ist bei bestimmten Einwanderergruppen wegen ihres traditionell-religiösen Kinderreichtums und ihrer traditionell-religiöser Erwerbsuntätigkeit der Hausfrauen, ganz schön hoch. Kein aus ökonomischer Sicht “rationaler” Mensch wäre so “irrational”, sich einen knochenknackenden Job wie die Erntehelferei anzutun, wenn seine Familie mit dem Nichtstun bessergestellt wäre. “Opportunitätskosten” nennen das die Ökonomen. Das ist dem Volkswirt natürlich klar. Und so schreibt er an anderer Stelle mit beängstigender Lässigkeit, dass wegen der Masseneinwanderung “wohl einige der Regeln am Arbeitsmarkt und der sozialen Sicherung überprüft werden” [1] müssten. Angeblich nur vorübergehend. Das ist also Option #1: den Sozialstaat kappen. Option#2 wäre es, den Familiennachzug abzuschaffen. Um die Sozialhilfeansprüche niedrig zu halten, verhindern wir bei dieser Option den Familiennachzug für jene junge, entwurzelte Männer, die von der Selfie-Mutti mit der Aussicht auf Ruhm und Reichtum, BMW und Blondine nach Deutschland gelockt wurden; die sich bei kriminellen Schleppern verschuldet haben oder deren Familien fünfstellige Beträge aufgebracht haben, um die Schlepperei zu bezahlen. Dann missbrauchen wir diese nunmehr alleinstehenden Männer für einfachste Arbeiten, die wir nur minimal über ihrem Sozialhilfeanspruch entlohnen. Wie der Volkswirt vorschlägt, könnten wir die neuen menschlichen Ressourcen zum Beispiel dazu verwenden, unsere privaten Gärten schick zu halten - eine Dienstleistung für Dekadente, die so überflüssig ist, dass sie extrem billig sein muss, um in Deutschland überhaupt erstmal nachgefragt zu werden. Option #1 schadet den Deutschen, Option #2 den hereingelockten Migranten. Ein hässliches Dilemma. Aber das ist es halt, was man bekommt, wenn man unfassbare politische Fehlentscheidungen nicht nur versehentlich trifft, sondern auch zum Zwecke des Machterhalts durchzieht. Man muss es immer wieder sagen: “Refugees welcome” ist ein durch mehrfachen Gesetzgebruch ermöglichtes, humanitäres Hilfsprogramm für internationale Schlepperbanden, bei dem ausnahmslos alle Beteiligten außer den Schleppern selbst Schaden nehmen. [1] http://www.zeit.de/2015/42/fluechtlinge-zuwanderung-deutschland-integration-vorteile

Ansgar Denkmann / 19.12.2015

Die zweite Jahreshälfte 2015 wird in die Geschichte eingehen: Turbokapitalistische Ideologen und Sozialstaatsfeinde, grüne Wohlstandsdekadenz und analyseunfähige Linke in einem Bett. Widerwärtiges Spiel.

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Christian Ortner / 24.05.2017 / 09:25 / 5

Die Europaten: Ein Angebot der EU, das man nicht ablehnen kann

Der ORF berichtet  auf seiner Website ORF.at: „Die Europäische Kommission plädiert dafür, dass bis 2025 alle EU-Länder den Euro einführen. Zwar könne und werde man…/ mehr

Christian Ortner / 13.01.2017 / 12:02 / 6

Weshalb Diskriminierung höchst sinnvoll sein kann

Wer unmittelbar nach dem Terroranschlag auf den Brüsseler Flughafen Zaventem im März 2016 von dort abflog, hatte für ein paar Monate erstklassige Chancen, seinen Flug…/ mehr

Christian Ortner / 04.12.2016 / 18:35 / 9

Österreich: Ein Triumph des Ancien Regime

Wenn Österreich tatsächlich „eine Versuchsstation für den Weltuntergang“ ist, wie Karl Kraus gemeint hat, dann kann die Welt seit Sonntagabend erleichtert aufatmen. Nicht der rechtsstehende FPÖ-Kandidat Norbert…/ mehr

Christian Ortner / 25.11.2016 / 10:57 / 2

Die Lustangst vor der Revolution der hässlichen Menschen

Von Christian Ortner. Es ist jetzt etwas über ein Jahr her, dass sich eine „Profil“-Redakteurin todesmutig nach Wien-Favoriten begeben und berichtet hat, was sie dort…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com