Wolfram Ackner / 31.12.2017 / 06:20 / 8 / Seite ausdrucken

Mit John Nadas Sonnenbrille ins neue Jahr

Irgendwie ist der Jahreswechsel immer die Hoch-Zeit der Zukunftsforscher. Schon 1908 erschien eine erste Aufsatzsammlung der Futurologen, „Die Welt in 100 Jahren“, und auch heute wollen sich die Auguren vom Spiegel pünktlich um die Silvesterzeit nicht lumpen lassen und werfen für uns einen phantastischen Blick in die Glaskugel.

Wenn man mich früher um diese Zeit nach meinen Vorstellungen und Wünschen für die Zukunft fragte, pflegte ich als Filmjunkie scherzhaft zu entgegnen: „Ich möchte die Sonnenbrille von John Nada!“

Ach kommen Sie, jetzt gucken Sie nicht so ratlos! Wir reden hier von Filmklassikern, vom universellen Erbe der Menschheit. John Nada, das war in Carpenters dystopischen Science Fiction „Sie leben!“ die Hauptfigur. Ein auf der Suche nach Gelegenheitsjobs durch Amerika streifender Industriearbeiter. Ein Bär von einem Mann, optisch eine Mischung aus Mel Gibson und Howard Carpendale, gekleidet in der damaligen Uniform der amerikanischen Arbeiterklasse, Blue Jeans und Holzfällerhemd.

Diesen John Nada verschlägt es also nach Los Angeles, wo er eine mysteriöse Sonnenbrille findet, mit deren Hilfe er erkennt, dass grauenhafte Kreaturen die Menschen einer Gehirnwäsche unterziehen, versklaven, ausbeuten. Dass die funkelnden Reklametafeln der Großstädte, die bunten Magazine, ja, selbst die Geldscheine; unterschwellige, unsichtbare Botschaften, wie: „Gehorche!“, „Schlaf weiter!“, „Sieh fern!“, „Stelle keine Autoritäten in Frage!“, enthalten, deren Inhalt ins Unterbewusstsein eindringt und dort ihr zerstörerisches Werk vollbringt, ohne von den Schlafschafen wahrgenommen zu werden.

Es sei denn, man besitzt John Nadas Sonnenbrille

Alles um 180 Grad verdreht

Aber wie gesagt, das war früher. Mittlerweile kann ich mir diesen Wunsch sparen. Zum Jahreswechsel leben wir im besten Deutschland aller Zeiten, wo solch eine Brille nicht mehr vonnöten ist. Heutzutage springen einen Botschaften wie: „Stelle keine moralischen Autoritäten in Frage!“ unverschlüsselt auf allen Kanälen ins Gesicht. Andererseits ... so wie im Moment in Deutschland das meiste auf den Kopf gestellt ist, was im Erscheinungsjahr des Films in den westlichen Demokratien als richtig und unverrückbar galt; so, wie nudging als „das neue liberal“ durchgeht und das Schleifen demokratischer Grundrechte als „die Demokratie verteidigen“ verkauft wird; genauso ist vielleicht auch hier alles nur um 180 Grad verdreht. Vermutlich versteckt sich Untertanen-Dressur heutzutage nicht mehr unter funkelnden Werbebotschaften wie 1988, sondern Werbebotschaften für sozial geächtete Produkte camouflieren sich unter den vertrauten staatlichen Gehorsams- und Durchhalteparolen. 

Vielleicht würde John Nada am Zeitungsständer heute folgende Spiegel-Titelgeschichte entdecken:

Brille ab. „Es schickt sich nicht, an einem solchen Tag, an einem solchen Ort, die Bundeskanzlerin zu kritisieren!“ 

Brille auf: „'Du badest gerade deine Hände darin!' 'In Geschirrspülmittel?!' 'In Palmolive! Palmolive pflegt die Hände schon beim Spülen. Tests mit Hautärzten haben das ergeben!'“ (Fies >>> NANOPARTIKEL!)

Brille ab. John blickt auf den riesigen Videobildschirm des Hochhauses. Dort erscheint die Bundeskanzlerin am Rednerpult des Bundestags: „Die Schließung der Balkanroute ist rückgängig zu machen!“

Brille auf. Eine dreißig Jahre jüngere Version von Angela Merkel rekelt sich in edlen Dessous auf einem Bett und französelt mit schmachtender Stimme: "Liebe 'Arald. Gannst du mir nicht etwas von dir schieckän? Eine Flasche von die Bier, die so schön geprickelt 'at in die Bauchnabel!“" (potenziell tödlich >>> GLYSOPHAT!! Nicht mehr als 700 Flaschen täglich!)

Verblüfft lässt John die Sonnenbrille sinken, sein Blick streift zum kleinem Fernsehgerät des Kioskbesitzers, dass live vom Parteitag der Grünen berichtet. Katrin Göring Eckardt tritt mit erregter Miene vor das Mikro. „Wir brauchen nicht nur Einwanderer, die uns nützen, sondern auch solche, die sich in unseren Sozialsytemen wohl und zuhause fühlen!“

Brille auf. Eine Affenbande im Urwald bewundert von ihren Bäumen herab den neuen Corolla und dröhnt begeistert: „Nichts ist unmöglich, Toooyooota!“ (globale Vernichtung >>>CO2 und Stickoxide)

Demokratieabgabe für Aufklärungsfilme

In diesem Punkt bin ich mir also noch nicht sicher, ob John Nadas Brille nicht vielleicht doch noch aufschlussreich wäre. Aber zumindest kann man absolut hundertprozentig sicher auf sie verzichten, wenn es darum geht, jene grauenhaften Kreaturen zu identifizieren, welche unter uns weilen und auf den ersten, unbedarften Blick wie kultivierte Menschen wirken. Dafür gibt es ja glücklicherweise die Demokratieabgabe von monatlich 17,50 Euro, mit der Aufklärungsfilme wie beispielsweise der vorletzte Tatort finanziert werden. In 'Dunkle Zeit' geht es sozusagen um diese grauenhaften Kreaturen aus „Sie leben!“, eine fiktive rechtspopulistische Partei namens „Neue Patrioten“, die natürlich – wie von den Machern immer wieder betont wird, zwinkerzwinker - absolut nichts mit der AfD zu tun hat, auf deren wahre Identität aber „dezente“ Hinweise gegeben werden („13% geholt“, „Hat sich von einer Partei der Professoren und Europa-Skeptiker hin zu einer jung-dynamischen rechtspopulistischen Bewegung verwandelt“). Diesen 'Neuen Patrioten' nun schlägt – Gott sei Dank - der Widerstand der Zivilgesellschaft entgegen. Doch einige überengagierte junge Demokraten wollen neue Gaskammern und Konzentrationslager notfalls auch durch den Einsatz hmm … „semidemokratischer“ Mittel verhindern. Hier wird’s ein bisschen haarig, und ausgerechnet der Hamburger Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring), die alte, ehrliche, linke Punkrockhaut, wird zum Schutz der Nazi-Spitzenkandidatin Alice Petry (oder hieß sie Frauke Weidel?) abkommandiert, die sofort versucht, ihm ihr verbales Gift einzuträufeln. Falke ermittelt jedoch recht schnell, dass sein ursprünglicher Verdacht („ …steckt ein Westentaschen-Goebbels dahinter …“) ihn nicht getrogen hat und die vermeintliche Antifa-Killerin in Wahrheit selber AfD-Mitgl..., ich meinte, Mitglied der „Neuen Patrioten“ ist. Der Ober-Schurke stellt sich als der Kampagnen-Chef der Partei heraus. Kameraden, die dem geplanten Rechtsruck im Weg stehen, sollten aus den Weg geräumt und die Schuld dafür perfiderweise den sympathischen Studenten von der Antifa in die Schuhe geschoben werden. 
Im Schlüsseldialog nun verpasst das Drehbuch-Autorenteam der Kunstfigur des Kommissar Falke ein geradezu absurd begründetes Plädoyer für mehr Multikulti:

„Natürlich habe ich immer wieder auf die Schnauze bekommen, als Ungläubiger, als Kartoffel. Wissen Sie, was ich gemacht habe? Ich habe mich im Boxclub angemeldet und da waren auch die Jungs, die mir vorher aufs Maul gehauen haben. Aber als die gesehen haben, dass ich mich da angemeldet habe, waren die ganz stolz, dass ein Deutscher mit ihnen trainieren will. Der Boxclub hieß Vorwärts-Wacker 1904 e.V. Der Vorsitzende heißt Ali und ist ein Freund von mir. Die Trainer heißen Yusuf, Milan, Kenbala (…) Das ist mein Deutschland!“

Keine Ahnung, wie es Ihnen geht. Ich sehe das mit den Augen eines Mannes, der froh und glücklich ist, bis Ende 2015 in einem Land gelebt zu haben, wo es (bis auf gewisse Viertel in gewissen westdeutschen Metropolen) nicht nötig war, sich Respekt dadurch zu erkämpfen, indem man sich härter und skrupelloser durch's Leben prügelt als die Mitglieder der verfeindeten Ethno-Gangs. Und ich könnte mir vorstellen, dass manche Frau bei so einer Begründung auch zusammenzuckt und sich denkt: 'und was ist, wenn ich einfach nur wie früher sorglos joggen möchte, statt Krav Maga trainieren zu müssen?' 

Ein Recht auf Zweifel für Erika Mustermann?

Ernsthaft, wenn dies das stärkste Argument für Multikulti ist, dass seine bedingungslosen Verfechter gegen die „Neuen Patrioten“ ins Feld führen können – dass man sich den Respekt der Schläger schon irgendwie, irgendwann dadurch erwirbt, indem man sich nach jeder verabreichten Tracht Prügel wieder aufrappelt und schließlich bei seinen Peinigern zum Boxen anmeldet - würden Sie mir nicht zustimmen, dass man Erika und Max Mustermann fairerweise zumindest ein 'Recht auf Zweifel' einräumen sollte, ob sie dies tatsächlich wollen …?? Ich finde es zumindest irritierend, wenn Deutschlands führende Online-Publikation SPON ob dieser Falke in den Mund geschriebenen Worte ins Jubilieren gerät, dass „in diesen von echten (!!!) Erfahrungen geprägten Worten Falkes eine Kraft liegt, die die herabsetzende, verletzende und zersetzende Sprache der Rechtspopulistin ins Leere laufen lässt.“

Aus den erwähnten Gründen pfeife ich deswegen auf John Nadas Brille und hoffe für 2018, dass ein anderer meiner Herzenswünsche in Erfüllung geht. Ich möchte in Zukunft mein Geld mit Schreiben von solch phantasievollen politischen Junk-Fiction-Drehbüchern wie „Dunkle Zeiten“ verdienen. Nur eben für die andere Hälfte der Bevölkerung. Neulich zum Beispiel las ich von der Oberlin-Rede, welche Angela Merkel im November dieses Jahres in Potsdam hielt, und wo sie dem staunenden Publikum zum Warmmenscheln Schwänke aus ihrer Jugend preisgab, unter anderem: „Jede Woche wurde für die Küche ein Schwein geschlachtet und ich habe mich daran beteiligt. Es war eine tolle Kindheit!“

Da brauche ich nur die Augen schließen und schon fliegt mir ein potentieller Blockbuster zu, eine deutsche Tatort-Fortsetzung von „Das Schweigen der Lämmer!“

Dreißig Jahre später. Agent Clarice Sterling hat eine steile Karriere hingelegt und ist mittlerweile unangefochtene US-Präsidentin, die – natürlich im Interesse des gesamten Planeten – schalten und walten kann, wie sie will, ohne von Justiz, Kongress, Senat bei ihrer Mission behindert zu werden (hier werde ich mir von WELT-Starredakteuren Hannes Stein oder Ulf Poschardt den dicksten Pinsel ausborgen und so viel übertriebenes linksliberales Pathos in jede Ecke des Bildes schmieren, dass selbst Oma Kawuttke aus Brunau-Packebusch merkt, dass irgendetwas faul ist). Bei einem von Strippenziehern vermittelten Vier-Augen-Sponsorendinner soll Bundeskanzleri ….ich meinte US-Präsidentin Clarice Sterling nun erstmalig mit dem sagenumwobenen „Philanthrop“ Michael Sauros zusammen kommen, von dem die ganze Welt redet und den kaum ein Mensch je zu Gesicht bekam. 

Unterhaltung statt Staatsbürgerkunde?

An dieser Stelle werde ich Tatort-Trick 17 einbauen, den dezenten Hinweis.

Als Andeutung auf die wahre Identität meines natürlich – wie ich immer wieder behaupten werde, zwinkerzwinker – komplett fiktiven Schurken Michael Sauros werde ich einstreuen, dass dieser durch Währungs-Spekulationen zu einem Milliardenvermögen kam und eine vermeintliche Wandlung vom Saulus zum Paulus vollzog. Dass ihn angeblich das durch seine Währungsspekulationen erzeugte Leid dazu bewog, seine Milliarden in eine Stiftung namens 'One World Society' zu stecken, welche es sich offiziell zum Ziel gemacht hat, Demokratisierungsprozesse auf der ganzen Welt finanziell zu unterstützen, es in Wahrheit natürlich aber um Macht und Steuervermeidung geht.

Nach dieser Zeichnung des Makro-Rahmens zoomen wir ins Kleine, in den regionalen Bezug. Jetzt kommt der Held eines jeden Tatorts ins Spiel, der Kommissar. Selbstverständlich wird mein Ermittler keine dieser modernen, blutjungen, vorlauten, kampfsporterprobten, dunkelhäutigen, pansexuellen Transfrauen vom Prenzlauer Berg sein, die mit ihrer Ehefrau, deren ersten Mann und 6 Kindern aus sieben Beziehungen zusammenlebt, spirituell zwischen Kabbala und Buddhismus schwankt, in ihrer Freizeit preisgekrönt mit fair gehandeltem Naturlehm töpfert und sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Wie ich schon erwähnte - ich möchte Filme für die andere Hälfte der Deutschen machen. Mein Ermittler wird so ein traditioneller weißer, mittelalter, heterosexueller 'raue-Schale-weicher-Kern'-Bulle alten Schlags. Ein hand- und trinkfester, jederzeit flirtbereiter, an sich und der Welt zweifelnder Scheißegal-Agnostiker aus Dresden. Nennen wir ihn als Reminiszenz an Schimanski und die gute, alte Zeit, wo ein Tatort einfach nur Unterhaltung statt Staatsbürgerkunde bot, einfach 'Kommissar G. George' – natürlich Kommischnär Dschi Dot Dschordsch ausgesprochen – das soll mein kleiner Kompromiss an die von oben verordnete Weltläufigkeit sein. Schließlich ist ja mittlerweile selbst bei uns auf dem Bau die Tippse keine Sekretärin mehr, sondern ein Office Manager – selbst wenn sie nur acht Worte Englisch beherrscht.

Kommischnär Dschi Dot Dschordsch wird im nahegelegen Bautzen mit den Ermittlungen in einem grausamen Mordfall beauftragt. Maximilian Joelle Wucherpfennig, ein in der Stadt Bautzen hochumstrittener westdeutscher Hotelier, wird im Keller seines Hotels tot und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt aufgefunden. Dieser Hotelier hatte vor vier Monaten sein Hotel in eine Asylbewerberunterkunft verwandelt und für die überregionalen westdeutschen Blätter ist der Fall auch ohne Ermittlungen klar, zumal verdächtigerweise auch der Führer der örtlichen nationalistischen Bewegung BAUGIDA, Wotan Willkür-Möhre (zwinkerzwinker), untergetaucht ist. 'Sachsen, natürlich!' 'In Grünweiß-Mordor wurde ein edler Hobbit von Orks gemeuchelt!', lauten die Schlagzeilen der Hochmoral-Arier. Ein Fall, vermeintlich so klar wie Kloßbrühe!

Im Sumpf der deutschen Sozialindustrie

Doch im Zuge der Ermittlungen bekommt dieses naive Bild schnell Risse. Es stellt sich heraus, dass Wucherpfennig unter den Bautzenern nicht deswegen verhasst ist, weil er aus seinem schlechtausgelasteten Hotel eine proppevolle Asylbewerberunterkunft machte. Die Bautzener können sehr wohl rechnen und sind sich darüber im Klaren, dass die meisten von Ihnen der Versuchung, sich mit vermeintlichen Flüchtlingen eine goldene Nase zu verdienen, vermutlich auch nicht widerstanden hätten. (An dieser Stelle ist es wichtig, die Wörter „vermeintliche Flüchtlinge“ zu betonen. Ein abgekupferter Gutmenschen-Trick. Provozierende, viertelwahre Formulierungen benutzen und wenn sich die Leute dann, wie erwartet, auf ihrem einzigen verbliebenen öffentlichen Forum, den sozialen Netzwerken, über diese bewusste Provokation aufregen; mit süffisant-unschuldigem Gesicht davon sprechen, dass 'man durch bewusste Überspitzung dazu anregen wollte, eingefahrene Sichtweisen zu hinterfragen'). 

Nein, was die Bautzener in Rage bringt, ist der Umstand, dass Wucherpfennig anfängt, sich nicht nur auf ihre Kosten die Taschen vollzustopfen, sondern auch noch medial das ganz große Rad zu drehen. Sich als Weltwohltäter zu gerieren und jedem, der seinen aufgesetzten Sonntagsreden nicht stürmisch applaudiert oder mit den Folgen dieser neuen, ungewohnten 'Natürlich-kriegst-du-als-Kartoffel-auch-mal-aufs-Maul'-Stadtordnung hadert, in die Nazi-Ecke zu stellen. Doch Kommischnär Dschi Dot Dschordsch hat einen Verdacht ( „ … hat dieser Westentaschen-Samariter seine Ermordung aus Versicherungsgründen vorgetäuscht und ist die verkohlte Leiche am Ende der vermeintlich untergetauchte Wotan Willkür-Möhre…??“), der ihn nicht täuschen soll und im Zuge seiner Ermittlungen immer tiefer in den Sumpf der deutschen Sozialindustrie zieht. Auf den Spuren der Schleppermafia verschlagen ihn seine Untersuchungen letztendlich in die Vereinigten Staaten, wo ihm dämmert, dass alle Ermittlungsstränge beim ominösen Michael Sauros enden. Diesem heftet er sich an die Fersen und schmuggelt sich vorbei an den Wachen des Secret Service in das Separee, wo US-Präsidentin Clarice Sterling (großartig in ihrer patzigen Bräsigkeit – die als Merkel-Double bekannt gewordene Marianne Schätzle) ungeduldig darauf wartet, endlich den mysteriösen Michael Sauros kennenzulernen, der in diesem Moment in der Gestalt des mittlerweile 80-jährigen Schauspielers Anthony Hopkins den Raum betritt. 

Der Höhepunkt am Lammrücken

„Sie?“, stammelt die US-Präsidentin und greift nach dem Messer.

„Guten Abend, Clarice!“, sagt Michael Sauros alias Dr. Hannibal Lecter. Er greift langsam nach ihrer Hand und entwindet ihr sanft das Messer. „Keine Sorge. Ich habe für sie keine diesbezüglichen Pläne. Es gibt tatsächlich Lammfleisch.“ 

Hannibal Lecter betrachtet das Zusammenzucken Sterlings mit einem leisen, sadistischen Lächeln. „Sie mögen doch Lamm, oder?“

Kommischnär Dschi Dot Dschordsch beobachtet aus seinem Versteck, dem Uhrenkasten, wie Clarice Sterling die Hände vor ihre geschlossenen Augen hält. 

„Was, Clarice?!“ brüllt Lecter. „Clarice, was erblicken Sie. Was?!“

„Die Lämmer!“, schluchzt die US-Präsidentin. „Die Lämmer haben geschrien!“ 

Clarice lässt die Hände sinken und die Kamera zoomt ihr Gesicht in die bildschirmfüllende Totale. US-Präsidentin Clarice Sterling öffnet die Augen, und der Zuschauer, der in seiner Erinnerung noch den gequälten, tränenverschleierten Blick Jodie Fosters im Auge hat, zuckt erschrocken zusammen. In den Augen von Clarice Sterling funkeln Bosheit und Tücke. Die Seelenpein war gespielt.

„Ich habe Ihnen nicht alles erzählt, Doctor Lecter!“, sagt Clarice, lächelt schmallippig und schneidet mit dem rasiermesserscharfen Fleischmesser langsam den Lammrücken in zwei Hälften. „Manchmal muss auch ich Informationen zurückhalten und Empathie heucheln, um zu kriegen, was ich will. Ich war es, ich persönlich, die Woche für Woche mit meinem scharfen Jagdmesser die Lämmer zum Schweigen brachte. Es war eine tolle Kindheit!“

Der sichtlich beeindruckte Hannibal Lecter schlägt Clarice Sterling eine Neuauflage ihres alten Spieles quit pro quo vor, während Kommischnär Dschi Dot Dschordsch das Gespräch auf Band aufnimmt. Als alle Schandtaten gestanden sind und sich schlussendlich herausstellt, dass Michael Sauros in Wahrheit aus dem kommunistischen Ungarn stammt und Clarice Sterling ein 'Offizier im besonderen Einsatz' (OibE) der DDR-Staatssicherheit ist, hat der heldenhafte Kommissar genug gehört, verhaftet die beiden und übergibt das Beweismaterial den US-Behörden. 

Der ganz andere Schlüsseldialog

Und jetzt, in der Tiefgarage, kommt mein Tatort-Schlüsseldialog zwischen Kommischnär Dschi Dot Dschordsch und Michael Sauros:

„Mein Deutschland, das war der Ort, wo man das Haus verlassen konnte, ohne es abschließen zu müssen. Wo die Jungen den Alten in der Straßenbahn ihren Sitzplatz anboten. Wo Streitigkeiten in der Disco nachts um eins vielleicht auch mal mit nem blauen Auge ausgingen, aber nicht mit Schuss- und Stichverletzungen oder eingetretenen Schädeln. Mein Deutschland, das war der Ort, wo Recht und Gesetz galten, wo man sich auf Verträge und gegebene Zusagen verlassen konnte. Wo es im Parlament verschiedene, weit auseinanderliegende Meinungen gab, um die laut, fair und leidenschaftlich gestritten wurde. Mein Deutschland, dass war der Ort, wo Wörter wie „Toleranz“ und „Humanität“ keine Synonyme für selbstmörderischen Wahn waren. Niemand hat Leute wie Sie kleinen Wallstreet-Stalin und ihre Handlanger in den NGOs gewählt oder sonstwie legitimiert! Was also gibt Ihnen das Recht, ganze Kontinente umzugestalten und das Leben und die Traditionen seiner Bewohner auf den Kopf zu stellen, als wären Sie Gott? Leute wie Sie wohnen in strenggesicherten Häusern, fahren in gepanzerten Limousinen, sind rund um die Uhr von Leibwächtern umgeben, schicken ihre Kinder und Enkel in die erlesensten Schulen und Internate, während sich in der Kita meiner jüngeren Tochter die Naturgruppen aus Angst vor dem immer noch ungefassten Vergewaltiger „südländischen Aussehens“ nicht mehr in den Park trauen und meine Große in der Kiezschule ihre persönliche Version erlebt von: „Natürlich kriege ich als Kartoffel, als Ungläubige, als Mädchen immer wieder ungewünschten Kontakt mit dem 'Morgenland-2015-Stress e.V.' Der Vorsitzende heißt Ali, die Trainer Yusuf und Kenbala! Aber wir haben keinen Bock darauf, dass sich in jedem Winkel unserer Städte ein 'Morgenland-2015-Stress e.V.' nach dem anderen breitmacht – Millionen junger archaischer Männer, die Sie, Ihre Helfer in der Politik und Ihre Kretins in den NGOs uns gegen unseren Willen aufzwingen. Europa ist unser Kontinent. Hier wird immer ein Platz sein für Menschen aus anderen Kulturen, die bereit sind, sich anzupassen, die Ärmel hochzukrempeln und sich ihre Chancen zu erarbeiten, aber wir wollen, dass hier unsere Traditionen, Regeln und Gesetze gelten, nicht die Gesetze des Dschungels! Nicht die Gesetze des Islam! Wir wollen, dass Europa Europa bleibt!“

Bestandsschutz für Kinder?

Ach, das wäre so herrlich. Zur Abwechslung mal der Gegenseite völlig scham- und hemmungslos wüsten Propaganda-Trash um die Ohren zu prügeln. Zu wissen, dass es wenigstens einmal die anderen sind, die vor Wut mit den Zähnen knirschen und sich nicht dagegen wehren können, für Beleidigungen, das Verzerren der eigenen Meinungen und Motive ins bösartig-karikierende auch noch zur Kasse gebeten zu werden. 

Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass diese Zukunftsvorstellung genauso weit neben der Realität sein wird, wie der eingangs erwähnte Spiegel-Artikel. Deswegen möchte ich als illusionsloser Mensch meine Wünsche und Vorstellungen für mein Leben in Deutschland 2018 auf ein realistisches Maß herunterschrauben. Sie haben sicher schon von Bento gehört, dem hauseigenen KIKA von Spiegel Online. Das moderne, hippe Gagazin, wo man all die Themen findet, die moderne 17-jährige Linksphilosophen interessieren. Alltagsrassismus, richtiger Analsex, nichtsexistisches flirten etc.pp. Bento brachte kürzlich einen Artikel, der eine besonders rosige Zukunft versprach.

Wir sollten alle aufhören, Kinder zu bekommen. Denn das ist egoistisch! Eltern lassen ihren Kinderwunsch größer werden als ihr Mitgefühl für die Welt und ihre Bewohner – und auch größer als ihre Sorgen um die Zukunft. Und genau das ist für mich Egoismus. Eine US-amerikanische Familie, die auf ein Kind verzichtet, spart genauso viel Emissionen ein wie 684 Teenager, die für den Rest ihres Lebens strikt recyceln."

Also mal abgesehen davon, dass nicht die explodierenden Bevölkerungen in Afrika und Asien damit aufhören sollen, vier, fünf, sechs Kinder pro Familie in die Welt zu setzen, sondern es wieder einmal nur um die eh schon schrumpfenden Bevölkerungen des Westens geht…, die Zahlen sind tatsächlich bedrückend. Pro Kind eine Einsparung von 58,6 Tonnen Kohlendioxid jährlich! Und meine Frau und ich haben gleich drei dieser CO2-Schleudern in die Welt gesetzt, ohne zum Ausgleich CO2-Zertifikate zu erwerben oder eine Allee zu pflanzen. Da unser Umweltfrevel nicht mehr rückgängig zu machen ist, und der Fortschrittlichkeitswahn in Deutschland langsam beängstigende Züge annimmt, wäre ich schon glücklich und zufrieden, wenn ich im neuem Jahr Bestandsschutz für unsere drei Blagen zugesichert bekäme.

Ein gutes 2018 Ihnen allen, liebe Leser!

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Leserpost (8)
Arno Besendonk / 31.12.2017

Provozierende, viertelwahre Formulierungen benutzen und wenn sich die Leute dann, wie erwartet, auf ihrem einzigen verbliebenen öffentlichen Forum, den sozialen Netzwerken, über diese bewusste Provokation aufregen; mit süffisant-unschuldigem Gesicht davon sprechen, dass ‚man durch bewusste Überspitzung dazu anregen wollte, eingefahrene Sichtweisen zu hinterfragen´. Auch wenn man jetzt wieder behaupten kann, dass bei mir der Aluhut drückt - das scheint die Vorgehensweise von Profis zu sein. Profis, über die diverse Forenredakteure ihre schützende Hand halten, die sogar frei von der Leber weg beleidigen dürfen, wärend den Realisten sogar harmlose, sachlich gebotene Erklärungen weg “zensiert” werden, um dem jeweiligen Forum den gewünschten Linksdrall zugeben. So erlebt mit/gegen einem/n Nick namens winterwind, so erlebt auf rp-online.de. Ich hatte ein digitales ABO, ich habe aus Frust gekündigt, um solchen Leuten nicht auch noch die Bühne zu finanzieren. Auch wenn es sich nur um einen monatlichen Betrag i.h.v. 5 Euro handelt - eine Kündigung ist wohl die einzigeSprache, die derart manipulierende Redaktionen verstehen. Und wissen sie was - ich hätte es schon viel früher tun sollen, schon zu der Zeit, als schon die Frage aus dem Forum verschwand, warum und wovor man denn aus Frankreich (nach England) fliehen müsse.

Dr. Wolfgang Monninger, Essen / 31.12.2017

Herrlich !!!

Rudolf George / 31.12.2017

Eine Vermutung: weder Herr Wilke-Möhring noch der Tatortdrehbuchautor leben in einem Viertel, in dem man „auf die Fresse kriegt“. Als erfolgreicher Medienschaffender mit Teilhabe an den ÖR-Milliarden hat man das schließlich nicht nötig. Sie leben aber in einem feuchten Traum des multikulturellen und selbstverleugnenden Edelmuts, in dem sie sich vorstellen, in einer entsprechenden Situation voller Verständnis zu reagieren, und sich dafür zu entschuldigen, den Schläger in diese unangenehme Lage gebracht zu haben. Das tatsächliche „auf die Fresse kriegen“ überlassen sie lieber anderen, auf die man dann gleich noch herabsehen kann, wenn sie nicht die gleiche edle Gesinnung wie die Herren an den Tag legen.

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