Ralf Schuler / 02.04.2014 / 23:29 / 2 / Seite ausdrucken

Mies, mieser, Pisa

Langsam werden mir die Pisa-Tests dann doch zu doof. Deutsche Kinder (jedes 5.) versagen beim Lösen von Alltagsaufgaben, scheitern zum Beispiel am Fahrkarten-Automaten, hat jetzt die OECD in ihrer beliebten Studien-Reihe „mies, mieser, Pisa“ herausgefunden.

Angesichts der hilflos herumirrenden Teenager auf deutschen Straßen ein wirklich drängendes Problem!

Im Ernst: Ich bin nicht sicher, ob mehr Teenager an Fahrkarten-Automaten scheitern oder nicht doch wir älteren Semester. Wer schon einmal vor der Karte des Nahverkehrsverbunds Rhein-Main gestanden und sich gefragt hat, ob er eine Einzelfahrt für eine Kleingruppe im Tarifgebiet A bis Y auch fürs Wochenende nutzen kann, weiß, wovon ich spreche.

Grundsätzlich stellt sich beim Mental-Ranking dieser Art aber immer die Frage: Wie weit liegen die Plätze tatsächlich auseinander? Gibt es zwischen den einzelnen Platzierungen wirklich signifikante Unterschiede, die eine Rangfolge rechtfertigen?

Und: Welche Forderungen ergeben sich aus diesen Ergebnissen? Sollen die Schulen neben Naturwissenschaften, Kulturtechniken, Medienkompetenz, Sozial- und Lebensertüchtigung auch noch das Fach Alltag in den Bildungskanon aufnehmen? Empfiehlt die OECD künftig Ausflüge für Eltern in den Alltag?

Man kann die Jugend auch so lange testen, bis nichts mehr übrig ist. Vor allem aber: Wer testet eigentlich die Tester? Von OECD-Leuten, die am eigenen Smartphone scheitern, muss sich unser Nahverkehrsnachwuchs gewiss nicht in Pisa-Senkel stellen lassen.

Leserpost (2)
Peter Lütgendorf / 03.04.2014

Sehr geehrter Herr Schuler, wenn Sie Lehrer wären, würden sie diesen Kommentar nicht schreiben. Die Realität ist noch furchtbarer. “30 % auf Alles außer Tiernahrung”. Und dann fragen Sie nach, was das bedeutet und fordern kleine Rechenbeispiele. Gruß Peter Lütgendorf

Rüdiger R. Reiner / 03.04.2014

Disqualifiziert haben sich die OECD und der Verantwortliche Herr Schleicher beim Vergleich des Kernkraftwerks Barsebäk mit Windkraftanlagen. Zur Leistungsfähigkeit der Windkraft hätten sie sich jederzeit bei transparency.eex.com informieren können, sie liegt jetzt gerade bei 5 % der installierten Leistung! Diese E-Mail habe ich am 16.12.2013 geschrieben, Antwort gab es keine: “Sehr geehrter Herr Schleicher, soeben habe ich das OECD-Papier “Für das Leben gerüstet? Wichtigste Ergebnisse von Piaac” im Internet gefunden. Ein paar Beispielaufgaben dazu habe ich auch gefunden, darunter “Beispiel 4: Windkraftanlagen”. Ich hoffe, Sie wissen inzwischen dass dies physikalisch-technischer Blödsinn ist! Hätten Sie Dieselgeneratoren genommen statt “Windkraftanlagen”, wäre es eine einfache Rechenaufgabe gewesen. Sollten Sie dennoch weitere Details benötigen, informiere ich Sie gerne. Mit freundlichen Grüßen”

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