Wolfram Ackner / 03.10.2017 / 09:32 / Foto: Langinger / 1 / Seite ausdrucken

Good Bye, Ludwig

Zum Tag der deutschen Einheit kommt hier eine passende Geschichte. Es handelt sich um die Geschichte des Ludwig Erhard, dem Kind einer Karlsruher Unternehmerfamilie, geboren am 17. Oktober 1963 – also einen Tag, nachdem der „richtige“, der große Ludwig Erhard, zum zweiten deutschen Bundeskanzler ernannt wurde. Über Ludwigs sehr deutsches Leben gibt es demnächst einen Roman. Hier vorab ein Auszug.

Dieser Ludwig Erhard ist das Kind der Karlsruher Unternehmerfamilie Traudel und August Erhardt, geboren am 17. Oktober 1963 – also einen Tag, nachdem der „richtige“, der große Ludwig Erhard, zum zweiten deutschen Bundeskanzler ernannt wurde. Aufgrund seines Namens durchlebt mein Ludwig Erhard eine schwere Kindheit und Jugend, weil er von den Kindern der Achtundsechzigern getriezt und von den Schülern aus konservativem Elternhaus verspottet wird. Diese Widerstände und seine Erlebnisse während des deutschen Herbstes spornen ihn allerdings dazu an, mit Vollgas durch Schule und Studium zu rasen und einer der aufstrebenden Sterne der Christlich Demokratischen Union zu werden. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Begabungen ist Ludwig Erhardt im Jahre 1998, im Jahr seines schweren Autounfalls, bereits Ministerialdirektor im Bundesinnenministerium, Leiter der „Abteilung Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz“, und damit der jüngste B9-Beamte aller Zeiten.

Er ist mit den Spitzen des Landes auf „Du & Du“, gilt als künftiger Anwärter auf ein Ministeramt – doch dann holt ihn auf der Autobahn um ein Haar der „Mehrtürertod“, und als er 18 Jahre später aus dem Koma erwacht, ist sein Land plötzlich verschwunden … und Ludwig, der ewig überkorrekte Paragraphenreiter und Perfektionist, sollte schon bald nicht mehr der Mann sein, den das alte Deutschland kannte! Zum Verständnis dieses Kapitels muss ich kurz hinzufügen, dass Ludwig dem Hollywoodschauspieler Vincent D'onofrio zum verwechseln ähnlich sieht, was ihm bei den Mitgliedern des Andenpakts den Spitznamen 'Private Paula' einbrockte, dass er ein tiefes Kindheitstrauma mit sich herumschleppt, weil er als zwölfjähriger Junge den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback aus nächster Nähe miterlebte und sich für dessen Tod die Verantwortung gibt, denn er hatte die Chance, dass neben Bubacks Auto stehende Motorrad der Attentäter zu Fall zu bringen und ließ diese aus Angst verstreichen … und dass er geradezu besessen vom Thema RAF ist.

Mit seinem Freund Bernd Stölzl, CDU-Abgeordneter und Mitglied im Innenausschuss, führte er gerade ein längeres Gespräch über die Sicherheitslage im Land und äußerte sich beunruhigt darüber, dass die vor über zwanzig Jahren untergetauchten RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette (die wegen eines versuchten Anschlags mit einer 45-Kilo-Autobombe gesucht wird), ausgerechnet in den unruhigen, letzten Monate mit mehreren Raubüberfällen wieder von sich reden machen. Mit diesen Gedanken an Daniela Klette verabschiedet sich Ludwig Erhard von seinem Jugendfreund Bernd und verlässt dessen Büro im Abgeordnetenhaus, um im Bundesinnenministerium seine Wiedereinstellung voranzutreiben – wozu es allerdings auf Grund der folgenden Ereignisse nicht kommen wird …

Ludwig lief zügig die Treppen des Jacob-Kaiser-Haus herunter. Um elf Uhr war er mit seinem alten Mentor Wolfgang Schäuble verabredet und schon halb zwei hatte er den nächsten Termin im Innenministerium. Er musste sich sputen. Zwischen dem ersten Stock und dem Erdgeschoss kam ihm ein Mann entgegen, der sein flüchtiges Nicken nicht beachtete und mit energischen Schritten, immer zwei Stufen auf einmal, seinen Weg in die oberen Stockwerke fortsetzte. Ludwig verlangsamte seinen Schritt und sah dem Mann hinterher. Er war Anfang bis Mitte sechzig, machte allerdings einen durchtrainierten, asketischen Eindruck. Er trug Jeans, Lederjacke, Baskenmütze und eine große Sonnenbrille, aber sein hageres Gesicht mit den schroffen Zügen und die verächtlich nach unten gezogenen Mundwinkeln kam Ludwig auf eine alarmierende Weise bekannt vor.

„Das kann nicht sein!“ dachte Ludwig, oder vielmehr dachte er nur, diesen Satz zu denken, denn in Wahrheit rief er ihn so laut - in einem erschrockenen, nahezu schockierten Ton - dass ihm zwei Frauen auf dem Gang der darunterliegenden Etage einen verblüfften Blick zuwarfen, bevor sie ihren Weg fortsetzten. Ludwig stand bewegungslos auf der Treppe, den Kopf halb nach hinten gedreht, als hätte ihn der Schlag getroffen. Sein Mund stand offen, und jeder, der ihn kannte, hätte auf der Stelle tausend Eide geschworen, noch nie zuvor bei Ministerialdirektor Dr. Ludwig Erhard, dessen Mienenspiel für gewöhnlich eine Bandbreite von gewitzt-belustigt bis hin zu undurchdringlich-respekteinflößend abdeckte, einen derart törichten Gesichtsausdruck bemerkt zu haben. Doch nach etwa fünf Sekunden der fassungslosen Starre fing sich Ludwig, und ein Ausdruck von unbändigen Zorn trat in sein Gesicht. Er machte auf der Stelle kehrt und folgte dem Mann, welcher im dritten Stock die Treppe verließ und entlang einer Glasfront marschierte, durch welche man die Spree mit ihren darauf kreuzenden Touristenbooten erkennen konnte. Doch Ludwig hatte kein Auge für das beeindruckende Berlin-Panorama, dass sich ihm bot, da er darauf konzentriert war, Abstand zu halten und sich unauffällig zu benehmen. Der Mann nahm auf einer Sitzgruppe Platz, in gebührendem Abstand zu einer Frau, die telefonierend mit dem Zeigefinger über vor ihr auf dem Tisch ausgebreiteten Unterlagen fuhr, während Ludwig an ihm vorbeilief, am Ende des Flurs stehenblieb und, von der Frau auf eine Idee gebracht, vortäuschte, einen Anruf entgegenzunehmen.

„Ja. Ja, wir hatten darüber gesprochen, aber ich brauche jetzt vor der Sitzung noch einmal kurz die Details!“ sprach er laut in sein Smartphone, während er sich umdrehte, um den Mann noch einmal von vorne in Augenschein nehmen zu können.

'Unglaublich, absolut unglaublich!', dachte Ludwig, während er laut „hmm, hmm“ ins Telefon murmelte. Vor zwei Minuten hatte er noch laut über diese These spekuliert, und, als hätte er mit einem Zauberstab gewedelt, spazierte direkt vor seiner Nase der Beweis herum, dass sein Verdacht eben nicht 'ziemlich weit hergeholt war', wie Bernd behauptete. Es gab keinen Zweifel, nicht den allergeringsten! Das Gesicht dieses Mannes vor ihm hatte er schon unzählige Male auf Fahndungsplakaten, Akten, Artikeln betrachtet.

Dieser Mann war der Terrorist Christian Klar, einer der Anführer der zweiten RAF-Generation!

„Ja, aber der Ausschussvorsitzende will die Aktualisierung der Beschlussvorlage noch heute auf seinen Tisch haben“, rief er in den Hörer, während seine Gedanken ratterten. Wie war das möglich?! Klar war zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurden, es wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Er sollte im Gefängnis sitzen, nicht frei herumlaufen - schon gar nicht hier im Jakob-Kaiser-Haus! Wie um alles in der Welt hatte er sich Zugang verschafft!? Entweder gab es beim Sicherheitspersonal eine faule Frucht, oder er war mit gefälschten Papieren hier, gab sich als Journalist oder Lobbyist aus, täuschte vor, einen Bundestagsabgeordneten sprechen zu wollen.

Ludwig ließ sein Handy sinken und seufzte. Er war einfach raus. So sehr es ihn in seiner Jägerehre auch kränkte, aber es gab tatsächlich nichts, was er tun konnte, außer, einen tatsächlichen Anruf zu führen. Ins Bundesinnenministerium. Er hatte schließlich die Nummer von Staatssekretär Hans-Georg Engelke, mit dem er am Nachmittag zum Gespräch verabredet war, und Engelke hatte alle Fäden in der Hand, innerhalb kürzester Zeit die Kavallerie in Marsch zu setzen. Er nahm sein Handy hoch, entsperrte das Display und klickte auf Kontakte, als auf dem Bildschirm eine Warnmeldung erschien.

'Akkustand 10%'

Unmittelbar darauf flackerte der Bildschirm auf und wurde schwarz.

Ludwig schnaufte grimmig. Diese Kack-Smartphones! Über Nacht aufgeladen und jetzt war der Akku schon wieder alle, und dass bei einem Handy, das mit zwei Jahren so gut wie neu war! Nur, weil er sich auf der langen Bahnfahrt von Bonn nach Berlin die Zeit damit vertrieben hatte, im Internet zu recherchieren!

„Zehn Prozent sind NICHT nichts!“ brüllte Ludwig und hielt erschrocken inne, weil Klar ihn das erste Mal mit Interesse betrachtete. Für einen kurzen Augenblick hatte Ludwig das Bild vor Augen, einfach den provozierenden Blick dieses Widerlings zu erwidern, sich entschlossen in Marsch zu setzen und Klars Kopf mit der harten Stirnseite des Smartphones zu bearbeiten, als würde er ein erlegtes Mammut mit einem Faustkeil zerteilen.

Leise seufzend schob er diese wohlige Phantasie seiner Steinzeit-Gene beiseite und tat, als würde er aufmerksam nickend einem Gesprächspartner lauschen, während er insgeheim seine Optionen abwog.

Ein Zugriff sollte in einem Haus mit so viel Wachpersonal auch mit lokalen Kräften problemlos möglich sein. Allerdings müsste er zurück ins Erdgeschoss zum Sicherheitsdienst, und es wäre unwahrscheinlich, dass ihm die Beamten sofort Glauben schenken und hochspringen würden. Sicher könnte er sie letztendlich überzeugen, zumal die Wachleute verpflichtet wären, seiner Anzeige selbst dann nachzugehen, wenn sie ihn für einen Spinner hielten … aber es würde garantiert nicht so laufen, dass sie wie Feuerwehrleute bei einem Brandalarm die Stange herunterrutschen, ins Auto springen und mit Blaulicht losrasen. Ludwig kannte diesen Typus kleiner Wachmann. Wenn er dort auftauchte mit der Geschichte, dass hier oben im dritten Stock ein gesuchter Topterrorist sitzt, würden sich die Beamten untereinander Blicke zuwerfen und vernehmbar seufzen, bevor sie bereit waren, die Kaffeetassen beiseitezustellen, um ein Protokoll zu tippen …

In diesem Moment setzte Klar seine Sonnenbrille und blickte ihm mit seinen stechenden Augen direkt ins Gesicht.

'Shit!', dachte Ludwig, während er so tat, als würde er Klar überhaupt nicht bemerken. 'Ich komme ihm merkwürdig vor!'

Innerhalb von Sekundenbruchteilen entschied Ludwig, das naheliegendste zu tun und zum Zwecke der Tarnung einen Bundestagsabgeordneten zu spielen – womit er allerdings vor dem nächstem Problem stand … der alte, knorrige, Autorität ausstrahlende Abgeordnetentypus seiner Zeit schien während der vergangenen achtzehn Jahre seines Komas völlig aus der Mode gekommen zu sein. Wie um alles in der Welt konnte er Klars offensichtlichen Verdacht entkräften … ??

'Ich muss mich an das halten, was ich bezüglich der heutigen Abgeordneten weiß', dachte Ludwig.

Er hob sein Smartphone mit der linken Hand schräg über sich, während er in die die vermeintliche Handykamera lächelte, Gesichter zog, das Victory-Zeichen präsentierte.

Es funktionierte. Der RAF-Terrorist, der offensichtlich zu dem Schluss gekommen war, irgendeine nervige Twitter-Abgeordnetengranate vor sich zu haben, die keinen Tag verstreichen ließ, ohne mindestens zehn Selfies über ihr außerordentliches Leben, ihr soziales Engagement und ihre bedeutenden Freunde durch alle verfügbaren sozialen Kanäle zu jagen, verlor das Interesse.

Ludwig verwarf den Gedanken, im Erdgeschoss Hilfe zu holen. Er würde Klar für Minuten aus den Augen verlieren, und dieses Zeitfenster könnte möglicherweise ausreichen, die Zielperson entkommen zu lassen. Außerdem war nicht völlig auszuschließen, dass sich die drei neuerdings wieder aktiven RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette ebenfalls Zugang ins Jakob-Kaiser-Haus oder gar in den Bundestag verschafft hatten, und das ein sofortiger Zugriff sie entweder verscheuchen oder einen sofortigen Angriff provozieren könnte.

'Und', dachte Ludwig, 'vielleicht gibt es einen Maulwurf im Haus, den ich aus seinem Bau ziehen kann, wenn er sich an die Oberfläche traut!'

Er wollte gerade seinen Standort wechseln, als tatsächlich der Maulwurf erschien und sich lächelnd und händeschüttelnd zu Klar setzte.

Ludwig erkannte den Verräter sofort.

Es war Dieter Dehm. Achtzehn Jahre gealtert, seit er ihn das letzte Mal gesehen hatte, aber eindeutig Doktor Dieter Dehm. Da sich weder Klar noch Dehm auch nur im allergeringsten für ihn interessierten, entschied Ludwig, dass er mangels Alternativen das Handy-Spielchen fortsetzen würde. Er gestikulierte, die Aktentasche unter den Arm geklemmt, dezent in Richtung Fenster. Da er keine Lust hatte, seine intellektuellen Ressourcen dadurch zu vergeuden, indem er sich einerseits wieder in Erinnerung rief, was er über Dehm wusste, und andererseits darauf konzentrierte, seinen vorgetäuschten Anruf mit einem glaubhaften Text zu unterlegen, sprach er einfach sein im Kopf abgespeichertes Dehm-Dossier ins Handy, während er aus den Augenwinkeln die beiden Spitzbuben beobachtete.

„Dehm ist erstmals 1970 bei einem Antifa-Jugendlager im Westen von der Stasi angesprochen worden!“, sagte Ludwig leise, während er sich halb im Kreis drehte und so tat, als würde er die Touristenboote auf der Spree beobachten. „Ein Jahr später hat er sich schließlich in Leipzig zur Zusammenarbeit mit der Stasi bereiterklärt. Wenn ich mich recht entsinne, war der Anlass seines Aufenthalts in der DDR das 'II. Festival des politischen Liedes' 1971, dass er im Auftrag der DKP-Zeitung 'Unsere Zeit' als Korrespondent begleitete … im Auftrag der von der SED finanzierten DKP-Zeitung, um es ganz präzise zu beschreiben. In den Siebzigern lieferte Dehm als IM „Willy“ Berichte über die Jungsozialisten und den SPD Unterbezirk Südhessen, über linke politische Gruppierungen, westdeutsche Künstlermilieus und so weiter. Dehm als linker Liedermacher spielte in Wahlkämpfen der SPD oft eine Rolle, kam an SPD-Größen heran und berichtete den Inhalt dieser Gespräche seinem Stasi-Führungsoffizier.“

Ludwig schwieg, während er konzentriert lauschte, was ihm sein imaginäres Gegenüber zu entgegnen hatte, nickte ein paarmal zustimmend und lachte in den Hörer.

„Meine Güte, die Auslandsspionage unter Markus Wolf war unglaublich gut, eine Liga für sich, da konnten maximal noch Russen, Amerikaner, Israelis mithalten.“

Ludwig lachte laut und ein wenig gekünstelt.

„Weißt du, was der Witz ist?“, führte er sein „Telefongespräch“ fort. „Nicht nur Biermann hat sich von Dehm täuschen lassen, ich selbst genauso. Du erinnerst dich sicher an Bernd Schmidbauer, dem Geheimdienstkoordinator von Helmut Kohl, bei uns nur als '00-Schmidbauer' bekannt. Der hat doch 1993 Teile der sogenannten „Rosenholz-Akten“ aus den USA zurückgeholt, die in Wendetagen in einer unglaublichen CIA-Aktion entwendet wurden. Teile dieser Akten sind seinerzeit auch über meinen Schreibtisch gewandert, und da man aus diesen Akten klar ersehen konnte, dass Dehm schon 1978 die Zusammenarbeit mit dem MfS einstellte, wurde entschieden, die alte Stasi-Sache auf sich beruhen zu lassen, als er1994 als Nachrücker das erste Mal in den Bundestag einzog – und jetzt, 22 Jahre später, sitzt mir Dehm gegenüber, als wäre es die normalste Sache der Welt, dass ein RAF-Terrorist und ein alter Stasi-IM im Herzen der deutschen Demokratie einen angeregten kleinen Schwatz halten, und ich glaube, sobald ich mir sicher bin, dass die drei anderen RAF-Gespenster hier nicht ebenfalls herumspuken, laufe ich einfach rüber und poliere den beiden Vögeln die Fresse!“

Eine Frau im dunkelblauen Blazer warf ihm im vorbeilaufen einen irritierten Blick zu.

„Meiner Tochter wurde das Fahrrad geklaut!“, sagte Ludwig mit schuldbewusstem Gesicht, während er das Telefon vom Ohr nahm und mit der linken Hand das Mikrophon abschirmte. „Ich weiß, ich sollte auf meine Sprache achten, aber ich bin so außer mir!“

Die Frau lief weiter. Ludwig drehte sich um und erstarrte vor Schreck.

Dieter Dehm überreichte eine Umhängetasche an Christian Klar, erhob sich, schüttelte ihm die Hand und strebte eiligen Schrittes in Richtung Süden, während der Terrorist ein Mobiltelefon aus seiner Jacke holte und einen Anruf tätigte.

Ludwig zögerte für eine Sekunde. Einerseits war Klar der gefährlichere der beiden, zumal er jetzt die Bombe bei sich trug. Andererseits hatte er vermutlich einen kleinen Zeitpuffer, da Klar telefonierte, und er spürte den brennenden Ehrgeiz, beide Männer zur Strecke zu bringen. Deswegen wartete er, bis Dehm ihn passierte, um ihm zu folgen.

Sie bogen gemeinsam um die Ecke und Ludwigs Gedanken rasten. Er hatte eine, maximal zwei Minuten, um Dehm außer Gefecht zu setzen, und anschließend zu Klar zurückzukehren, der schließlich derjenige mit der Bombe war – auch wenn die Bombe, nach der Größe der Tasche zu urteilen, sicher nicht dazu gedacht war, das Haus in Stücke zu reißen. Ludwig war kurz davor, den Plan zu ändern und Dehm ziehen zu lassen, als dieser plötzlich eine Tür öffnete, ein Abgeordnetenbüro betrat und die Tür hinter sich heranzog.

„Dr. Dieter Dehm/ DIE LINKE“, las Ludwig halblaut vor und klopfte kurzentschlossen. Jetzt oder nie, er würde es einfach darauf ankommen lassen. Ohne auf eine Antwort zu warten, betrat er das Büro, schloss die Tür und wie von ihm erhofft, befand sich der mit einem Aktenordner in der Hand vor einem Schrank stehende Dehm allein darin.

„Entschuldigung, Sie haben dies hier auf dem Gang verloren!“

Ludwig schloss die Tür und hielt Dehm ein Buch vor die Nase.

„Der zweite Tod meines Vaters, von Michael Buback“, las dieser laut vor und blickte Ludwig spöttisch an. „Sie können getrost davon ausgehen, dass mich solch reaktionärer Schund nicht interessiert!“

Unvermittelt holte Ludwig aus und klatschte Dehm mit voller Wucht das Buch ins Gesicht. Doch bevor er dazu kam, Dehms Überraschung wie geplant mit einem Fußfegerwurf auszunutzen, schlug dieser überraschend mit seinem Aktenordner zurück und traf das Ohr.

„Ah“, brüllte Ludwig, ließ sein Buch fallen und hieb mit beiden Handinnenflächen gleichzeitig auf Dehms Ohren. Dehm brüllte wie ein angeschossener Bär, trat Ludwig mit voller Wucht gegen das Schienbein, schlug gegen die Kehle und in derselben Millisekunde, als die Woge des Schmerzes Ludwigs Gehirn überflutete, erhielt er einen zusätzlichen Stoß vor die Brust und taumelte zurück. Doch anstatt seinen errungenen Vorteil auszunutzen und sofort nachzusetzen oder zu fliehen, blieb Dehm stehen und hielt sich jammernd die Ohren.

„Dein wichtigstes Werkzeug, nicht wahr?!“, japste Ludwig. „Das sind doch bestimmt Parabolantennen mit Restschallverstärker, die du in alle Richtungen drehen kannst, oder?“

Dehm, der mehr Schneid hatte, als Ludwig erwartet hätte, ging mit ausgestreckten Armen zum Angriff über.

'Immer ihren Eigenschwung ausnutzen', dachte Ludwig. Er kam hoch, verstärkte die Vorwärtsbewegung seines Angreifers, indem er ihn am Handgelenk nach vorne riss und sich, dabei erneut in die laut knackenden Knie gehend, vor Dehms Becken eindrehte, um ihn mit einer eher zeitlupenhaften Bewegung über die Hüfte zu werfen.

'Meine Würfe waren auch schon explosiver!', dachte Ludwig schwer atmend … und vor allem waren sie auch schon erfolgreicher. Der im Weg stehende Schreibtisch verhinderte, dass Dehm sauber auf dem Rücken landete. Er fing sich am Möbelstück ab, schlug den keuchenden Ludwig erneut auf den Hals. Dieser trat stöhnend zwei Schritte zurück. Dehm griff nach einem massiven Briefbeschwerer und stürzte sich, mit weitem Schwung von oben ausholend, erneut auf Ludwig.

„Ab in den Fahrstuhl!“, brüllte dieser, fing mit seiner linken Hand den Schlag, verkrallte sich mit seiner Rechten nach Dehms Jackett, zog seinen Gegner nach vorne, während er mühsam sein rechtes Bein hob, um den Fuß in Dehms Leiste zu stemmen, sich rückwärts fallen ließ und mit all seiner Kraft Dieter Dehm mit dem sogenannten 'Fahrstuhlwurf' Tomoe-Nage über sich hinwegschleuderte. Dehm krachte auf den Rücken und stöhnte zum Gotterbarmen – aber Ludwig war nicht Gott. Er stürzte sich auf Dehm, um ihn endgültig kampfunfähig zu machen, bemerkte jedoch, dass er sein Ziel bereits erreicht hatte. Dehm war durch die Wucht des Aufpralls schwer benommen und zu keiner Gegenwehr mehr fähig. Ludwig ließ sich links neben ihm nieder, griff unter dem Nacken beziehungsweise dem aufgestellten rechten Bein hindurch nach der linken Schulter und dem linken Bein, verkrallte sich in den Stoff und mit einem kraftvollen Ruck, unter Ausnutzung der Hebelkräfte, drehte er Dehm auf den Bauch. Dann stand er auf, packte Dehm an Hose und Jacke und wuchtete dessen Becken mit Gewalt auf den massiven, lederbezogenen vierbeinigen Hocker, welcher der Blickfang des Büros war und mit seiner enormen Höhe eher an ein griffloses Pauschenpferd erinnerte. Dehms Oberkörper klappte zu Boden, und Ludwig balancierte Dehm mit einem kurzen Ruck so aus, dass er wie ein Klappmesser über der Sitzfläche hing und dabei mit den Beinen aufrecht stand. Dann zog er Dehm die Hosen aus, zerschnitt sie mit seinem Schweizer Taschenmesser im Schritt in zwei Teile, spreizte ohne auf Widerstand zu stoßen Dehms Beine und fesselte mit den Hosenbeinen dessen Knöchel an die Schemelbeine. Dann zog er, immer noch direkt hinter Dehm stehend, sein Jackett und sein Hemd aus, um an seine Hosenträger zu gelangen, als es klopfte und eine junge Frau mit knallrot gefärbten Haaren ihren Kopf hereinsteckte.

„Dieter … oh Entschuldigung!“ sagte sie.

Ludwig blickte ihr zu Tode erschrocken ins Gesicht und erwartete hysterisches Gekreisch, doch nichts dergleichen geschah. Im Gegenteil. Endlos lange Sekunden kreuzten sich ihre Blicke und Ludwig sah Erregung in den Augen der Frau.

Fassungslos wandte Ludwig seinen Blicke von ihr ab und blickte sich um.

War denn das zu fassen??

Das Büro ein einziges Trümmerfeld. Der Schreibtisch umgestürzt, Computer, Drucker, Stifte, Aktenordner im Raum verteilt, die Gardinen heruntergerissen, der Stuhl zu Kleinholz verarbeitet – und die Trulla hielt dies einfach nur für einen außergewöhnlich leidenschaftlichen Arschfick zweier älterer Herren?!

In Ludwig brodelte es. Was um alles in der Welt war in den letzten 18 Jahren in Deutschland nur geschehen, dass sich die Menschen in diese bizarre Wohlstandsverblödung verabschiedet hatten?!?

Seine Wut war stärker als seine Vernunft. Er musste ihr seine Verachtung ins Gesicht brüllen, selbst wenn das bedeutete, dass die Frau Alarm schlug.

„Was stimmt nur nicht mit euch Idioten?!“, brüllte er.

„Ich komme später wieder.“ sagte die Frau.

Ludwig stand wie erstarrt, blickte zur Tür, welche die Frau betont dezent hinter sich zugezogen hatte. Kopfschüttelnd kam er zu dem Schluss, dass er einfach keine Zeit hatte, darüber nachzugrübeln, was in den Meisenkästchen dieser Leute vor sich ging, fesselte mit seinen Hosenträgern Dehms Hände an die Vorderseite des Schemels, griff ihm mit Daumen und Zeigefinger so hart in die Wangen, dass dieser jammernd den Mund öffnete, und stopfte ihm sein Einstecktuch als Knebel hinein.

Anschließend richtete er seine Kleidung, öffnete die Tür und lief zurück in die Richtung, aus der er gekommen war, sich selbst verwünschend. Er musste ein komplettes Rad abhaben, seine Zeit mit Dehm zu verplempern! Diesen Vogel hätte er auch ohne weiteres nachträglich wegen 'Unterstützung einer terroristischen Vereinigung' verhaften lassen können! Klar war der Mann mit der Bombe! So eine eklatante, absurde Fehlentscheidung wäre ihm früher nie passiert!

Als er um die Ecke bog, sah er seine schlimmen Befürchtungen bestätigt. Klar war verschwunden, doch am anderen Ende des Flurs nahm Ludwig einen um die Ecke verschwindenden Schemen war, der ungefähr Klars Statur aufwies. Ohne sich um die erstaunten Gesichter der ihm entgegenkommenden Menschen zu kümmern, rannte er los. Glück gehabt! Es war tatsächlich Klar, der gerade mit der Bombe auf Toilette verschwand.

Zitternd vor Anstrengung lehnte er sich Ludwig gegen die Wand und schnappte nach Luft. Der Sprint und die harte Auseinandersetzung mit Dehm hatten ihn härter mitgenommen, als er sich einzugestehen bereit war.

'Ich muss mich ausruhen'. dachte Ludwig. 'Nur zehn Sekunden!'

Er atmete tief ein und aus. Dieser von ihm vereitelte Anschlag würde seismische Erschütterungen über die ganze Welt senden, dessen war er sich sicher.

Entschlossen holte er dreimal tief Luft, straffte den Rücken und wollte sich gerade in Bewegung setzen, als ihn ein älterer Mann ansprach.

„Geht es Ihnen nicht gut?“

Ludwig drehte sich um, musterte die von Falten zerfurchten Gesichtszüge, die strubbligen weißen Haare, die buschigen Augenbrauen, die dem Gesicht des Mannes etwas Eulenhaftes verliehen und die Erkenntnis der Größe dieser Verschwörung traf ihn wie ein Stich ins Herz.

Vor ihm stand der Advokat der Teufel.

Ludwigs Augenlider flatterten wild wie das Herz eines Sperlings, bevor er unter den Augen der entsetzten Abgeordneten wie ein gefällter Baum auf den Boden schlug.

Ludwig, mach die Augen auf!“

Ja, Papa!“, sagte Ludwig. Nur er selbst konnte das leise, furchtsame zittern in seiner Stimme spüren. Er hasste diesen Ort, den Hauptfriedhof Karlsruhe-Neureuth, auf dem seine Großeltern begraben lagen. Schon bei den üblichen Anlässen, bei den ihn seine Eltern mitnahmen, um das Grab von Oma und Opa zu besuchen – für gewöhnlich Sonntag vor dem Mittagessen, direkt nach dem wöchentlichen Besuch der Christmesse, gruselte sich vor diesem Ort, aber heute empfand er pure Furcht, denn er konnte sich keinen Reim darauf machen, warum ihn Papa und Mama in dieser fürchterlichen Kälte halbnackt, nur mit Schlüpfer und einem ärmellosen Unterhemd bekleidet, in der heraufziehenden Dämmerung auf diesen menschenleeren Friedhof schleiften.

Die Großeltern liegen dort drüben!“, sagte Ludwig.

Wir gehen nicht zu meinen Eltern!“, sagte seine Mutter.

Wohin gehen wir dann?“, sagte Ludwig

Das weißt du sehr wohl!“, sagte sein Vater.

Ludwig brach in Tränen aus.

Ich habe keine Ahnung!“, sagte er. Es klang wie das abgehackte, durch heftige Schluchzer kaum verständliche nuscheln eines weinenden fünfjährigen Kindes, und dabei war er doch schon dreizehn. Er versuchte, sich zusammenzureißen, aber der Blick nach rechts und links auf seine Eltern, die ihn fest an der Hand gepackt mit sich zogen, ließ ihm nur noch mehr das Herz in die Hose sinken. Wo waren die Güte im Gesicht seiner Mutter, ihre Freundlichkeit und Wärme? Wo war der Schalk, der aus seines Vaters rundlichen Gesicht zu blitzen pflegte, seine Jovialität, seine übliche Besorgnis um das Wohlergehen seines einzigen Kindes? Warum wirkten seine Eltern so hart, so bitter, so abweisend?

Das helle Licht des Vollmondes schimmerte auf dem Granit eines frischen Grabstein, in dessen Oberfläche keinerlei Inschrift gemeißelt war. Ludwig warf im vorbeigehen einen flüchtigen Blick auf den polierten weißen Steinblock. Zu seinem erschrecken sah er auf dem Grabstein sein Spiegelbild, wie es ihm zuzwinkerte – aber es war nicht das ihm vom Kämmen und Zähneputzen vertraute Gesicht des sportlichen, 13-jährigen Bubs mit den kessen Sommersprossen und den streng frisierten Haaren, sondern das Bild eines über fünfzigjährigen Mannes – doch absolut, ohne jeden Zweifel, war es sein Spiegelbild.

Der Mond warf ein unnatürlich gleißendes Licht über den Friedhof. Die Schatten der sich im Wind wiegenden Bäume und Äste tanzten auf dem Weg, Rascheln drang aus dem Unterholz. Keine fremde Stimme, nicht das leiseste Alltagsgeräusch, war zu vernehmen. Selbst der Straßenverkehrs, der normalerweise als leises Rauschen über die Friedhofsmauern schallte, blieb unhörbar.

Weiter strebten seine Eltern mit ihm, immer weiter. Schließlich kamen sie vor einer aus großen, rundlichen Natursteinen gemauerten Wand zu stehen, an der eine schwere, gußeiserne Tafel hing.

Lies die Inschrift vor!“, sagte seine Vater.

Ludwig öffnete die Lippen und brach heulend zusammen,als er die Inschrift erkannte. Es war ein Name und eine Jahreszahl.

Siegfried Buback. 1920-1977“, schluchzte er.

Ja, weine wie ein Kind um das, was du nicht zu schützen in der Lage warst!“, sagte seine Mutter.

Aber ich bin Dreizehn!“

Du standest daneben!“ sagte sein Vater.

Ich bin Dreizehn!“, sagte Ludwig heulend. „Dreizehn! Das ist nicht fair.“

Du wirst gleich sehen, was 'nicht fair' ist!“ sagten Traudel und August Erhardt wie aus einem Mund, ihre Lippen synchron bewegend, die Lautstärke zum Orkan steigernd.

Wir alle müssen mit den Konsequenzen dessen leben, was wir unterließen!“

Wie eine Mauer der Ablehnung standen Traudel und August vor ihrem Sohn. Seine Mutter in ihrem karierten schwarzweißen Kleid für besondere Anlässe, die langen blondierten Haare zu einem Turm hochgesteckt, ihre unvermeidliche schwarze, lederne Handtasche mit beiden Händen haltend; sein Vater in seinem etwas zu knapp geschnittenen Tweed-Anzug, der bei jedem tiefen Atemzug zu platzen schien, sein schütteres Haar, sonst immer sorgfältig auf links gekämmt, um die lichten Stellen zu verbergen, wehte im Wind, was – wie Ludwig mit Entsetzen bemerkte – seinem Schatten das Aussehen der Medusa verlieh.

Das plötzlich einsetzende Geläut der Kirchenglocken veranlasste Ludwig, sich umzudrehen.

Zehn, elf, zwölf“, zählte er leise mit.

Wie konnte es schon Mitternacht sein, wo doch vor einer halben Stunde erst die Sonne verschwunden war?? Er drehte sich zu seinen Eltern um, aber diese hatten sich scheinbar in Luft aufgelöst. Einsam und verloren stand Ludwig vor dem Grab des ermordeten Generalbundesanwalts, als er durch den plötzlich aufsteigenden Nebel hindurch drei leuchtende Augenpaare bemerkte, die sich ihm aus verschiedenen Richtungen näherten. Ludwig versteckte sich flugs hinter der Mauer mit der kargen Grabinschrift, bekreuzigte sich und fing an zu beten.

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.“

Die Schemen von drei amerikanische Straßenkreuzern, welche mit leisem, niedertourigen Motorgrollem über das knirschende Kiesbett rollten, schoben sich durch den Nebel und leuchteten mit ihren Scheinwerferkegeln – welche Ludwig fälschlicherweise für die Augen bedrohlicher Kreaturen gehalten hatte – Bubacks Grab aus. Mit der allergrößten Vorsicht hob er seinen Kopf und lugte durch die Zweige eines tiefhängenden Astes hindurch, um mit furchtsamer Neugier diese vierrädrigen Goliaths zu betrachten. Die drei riesigen Cabrios, welche auf ihn zurollten, waren nur noch etwa dreißig Meter entfernt, und etwa zehn bis zwölf Männer und Frauen standen aufrecht darin, mit straff durchgestreckten Rücken, militärisch grüßend, als würden sie eine Parade abnehmen. Ein Knacken und Rauschen ertönte aus einem Lautsprecher und eine Melodie erklang, die Ludwig sehr vertraut war, weil es ein Lied war, dass ihn ob seiner Erhabenheit bewegte und gleichzeitig Beklommenheit auslöste – es war die sowjetische Nationalhymne. Leise murmelnd stimmte der versteckt hinter der Mauer hockende Ludwig in die Melodie ein.

Sojuz neruschimyj respublik swobodnychS plotila naveki Velikaja Rusb. Da zdrastvujet sozdaiiyj volej narodovEdinyj mogucij Sovetskij Sojus!Slavsja, Otecestvo nase svabodnoe,Druzby narodov nadeznyj oplot!Partija Lenina - sila narodnaja. Nas k tarzestvu kommunizma vedet!“

Jetzt erkannte Ludwig, dessen große Leidenschaft schwere, starke Motorräder und Limousinen waren, auch den Typ der drei Wagen, an deren Heck jeweils zwei Standarten mit den Flaggen des anderen deutschen Staates prangten – Hammer und Zirkel und Ährenkranz. Es waren russische Tschaika G 14-Modelle, die Staatskarossen der DDR-Führung. Die drei Tschaika G 14 kamen zeitgleich vor Bubacks Grab zum halten, die Türen öffneten sich und die Insassen schwebten herab. Ludwig, der hinter der Mauer hervorspähte und kaum zu atmen wagte, erkannte die Gesichter sofort. Es waren Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Enslin, Horst Mahler, Ingeborg Barz, Jan-Carl Raspe, Wolfgang Beer, Wolfgang Grams, Michael Knoll, Holger Meins und einige andere, deren Namen ihm nicht einfielen. Der Bub blickte fasziniert auf diese knapp über dem Boden schwebenden Leute. Er kannte die RAF-Terroristen immer nur in ihrer Aufmachung als Bürgerschreck, doch hier und heute auf diesem Friedhof erstrahlte Glanz. Die Männer trugen Phantasieuniformen, die in ihrer Pracht an den Wiener Hofstaat erinnerten. An ihrer Brust klimperten so viele Orden und Abzeichen, dass es selbst einem Leonid Breschnew zur Ehre gereicht hätte. Die Frauen trugen seidene helle Kleider mit Tüll und Schleppen. Alle umarmten und herzten sich, lachten, selbst die Männer küssten sich inniglich auf den Mund, aber es war kein einziger Laut mehr zu vernehmen. Nur ein großer, hagerer Mann in einer schmucklosen, nüchternen DDR-Armeeuniform, dessen Schulterstücke - drei Sterne auf geflochtenem Band - ihn als Oberst auswiesen, hielt sich abseits. Plötzlich bemerkte Ludwig seinen Fehler – die drei Sterne auf dem Schulterstück waren übereinander angeordnet, anstatt zwei unten, einer mittig darüber, und sie waren fünf- statt viereckig. Dieser Mann war kein Oberst, sondern ein Generaloberst! Aber warum war das geflochtene Band dann silbern, und nicht goldfarben?

Erst jetzt bemerkte Ludwig, dass nicht deswegen die Grautöne vorherrschten, weil es Nacht war, sondern die Szenerie tatsächlich schwarz-weiß war. Ludwig hielt prüfend seine Hände in das Mondlicht, und stellte fest, dass auch aus ihnen alle Farbe gewichen war – allerdings waren seine Hände nicht mehr die Hände eines Knaben, sondern die Pranken eines erwachsenen Mannes. Seltsamerweise beruhigte ihn diese merkwürdige Entdeckung. Sie ließ ihn sich stärker fühlen. Erneut wandte er seine Aufmerksamkeit dem Generaloberst zu und plötzlich wusste er, wenn er vor sich hatte – es war der legendäre Markus Wolf, Sohn des Schriftstellers Micha Wolf, Chef der DDR-Auslands-Spionage. Der 'Mann ohne Gesicht', wie er bei den westlichen Geheimdiensten hieß.

Markus Wolf holte das Grammophon von der Rückbank seines Wagens, stellte es auf das Heck und richtete den trichterförmigen Lautsprecher, der immer noch die Hymne des Weltkommunismus schmetterte, direkt in Ludwigs Richtung. Die Gespenster tanzten mit fröhlicher Miene und sich bewegenden Lippen auf Bubacks Grab, ohne dass neben der Melodie auch nur noch ein anderes Geräusch zu vernehmen gewesen wäre. Ludwig hatte das Gefühl, in einem Kino einen alten Stummfilm zu betrachten.

Doch da! Eine Fahrradklingel läutete plötzlich Sturm! Die Tonabnehmer-Nadel des Grammophons rutschte mit einem grausigem Ratschen über die Schelllackplatte, die Musik verstummte. Aus den eben noch fröhlichen Gesichtern sprach plötzlich blanke Mordwut, alle bis auf Markus Wolf standen mit gezückten Pistolen da und richteten ihre Waffen auf den entgegenkommenden Radfahrer, der sich als auffälliger Farbtupfer, gewandet in blaue Jeans, grünes Jacket und einem knallroten Schal, sturmklingelnd und triumphierende Achten fahrend, Bubacks Grab näherte.

Es ist Hans-Christian!“, sagte Markus Wolf. Er schnippste lässig den qualmenden Stummel seiner Zigarette zu Boden und trat ihn aus. „Euer Anwalt! Mehr Dankbarkeit, Genossen! Hans Christian hat seine Anwaltslizenz riskiert, um unsere Organisation am Leben zu halten!“

Als hätte eine unsichtbare Hand die Schallplatte erst festgehalten und jetzt wieder losgelassen, setzte sich der Plattenteller des Grammophons erneut in Bewegung und der triumphierend strahlende Hans-Christian tauschte Küsschen und Schulterklopfer mit seinen Genossinen und Genossen aus. Als er alle begrüßt hatte, drehte er sich suchend im Kreis herum. Sein Blick blieb schließlich an Ludwigs im Mondlicht glitzernden Augen hängen.

Einen haben wir heute noch gar nicht begrüßt!“, sagte Hans Christian und stoppte die Musik. „Ludwig, treten Sie doch bitte vor. Sie haben diese Party erst möglich gemacht!“

All diese kalten, ausdruckslosen Mörderaugen, die Ludwig so oft schaudernd auf dem alten, gelben Fahndungsplakat mit der Aufschrift 'Anarchistische Gewalttäter – Baader/Meinhof-Bande' im Arbeitszimmer seines Vaters betrachtet hatte, drehten sich schlagartig in Richtung der Mauer.

Ein gleißendes Licht erstrahlte. Ludwigs eben noch auf Grund der Dunkelheit weit geöffnete Pupillen zogen sich schlagartig zu einem winzigen Punkt zusammen. Die Szenerie hatte sich komplett geändert. Die bösen Geister schwebten nicht mehr auf dem Karlsruher Friedhof, sondern in einem prächtigen Saal, einem Königssaal. Sie waren in ein Haus der Macht eingezogen.

Luuuudwig!“, rief Hans Christian langgezogen. „Luuuudwig! Wir sind Ihnen nicht böse! Machen Sie doch bitte die Augen auf!“

Ludwig hörte das Geräusch näherkommender Schritte und presste angstvoll die Augen zusammen, um sich gegen das gleißende Licht zu schützen – doch es ging nicht. Jemand hielt ihm mit Gewalt die Augen auf.

'Die Musik darf nicht verstummen', dachte Ludwig. 'Wenn die Musik läuft, müssen die Geister tanzen!'

Er öffnete den Mund und fing an, die zweite Strophe der sowjetischen Nationalhymne zu singen.

Skozv grozy sijalo nam solnce svobody, I Lenin velikij nam put ozaril: Na pravoe delo on podnjal narody, Na trud I na podvigi nas vdohnovil! V cobede bessmertivih idej kommunizma“ … doch es half nichts, er konnte dem Gleißen nicht entgehen, da er nicht einmal mehr blinzeln konnte. Jemand schüttelte ihn.

„Kommen Sie zu sich!“

Ludwig wechselte die Welten und blickte in Hans-Christians Gesicht, der über ihm kniete und ihm mit einer Taschenlampe in die Augen leuchtete. Aber der Anwalt war nicht allein, um ihn herum standen im Halbkreis sechs Männer und Frauen, die ihn alle besorgt anschauten.

„Geht es Ihnen wieder gut?“, fragte Hans Christian. Ludwig antwortete nicht und blickte den Anwalt hasserfüllt an.

„Er hat die russische Hymne gesungen.“, mischte sich eine Frau ein. „Vielleicht versteht er Sie nicht!“

„Vy russkiy?“ fragte Hans-Christian.

„Ich bin dreizehn Jahre alt!“, antwortete Ludwig. „Ich nehme diese Schuld nicht an!“

Und ohne jede Vorwarnung schlug er hart zu.

Der alte Mann ging auf die Bretter und blieb regungslos liegen, während die umstehenden Leute aufschrien. Ludwig rappelte sich auf, hochrot im Gesicht und schwer atmend. Er hielt sich am Fensterbrett fest und blickte verwirrt hinaus. Seit wann floss der Rhein direkt vor der Bonner Universitätsklinik vorbei? Plötzlich fiel ihm wieder ein, wo er war, im Bundesinnenministerium, um wegen seiner Wiedereinstellung vorzuspr …

„Quatsch!“, rief Ludwig, dem plötzlich alles wieder einfiel. Ludwig ließ das Fensterbrett los und stöhnte laut auf. Meine Güte, hatte ihn der Kampf mitgenommen. Er konnte jeden Knochen, jeden Muskel spüren und hatte das Gefühl, als wäre sein Kehlkopf zu Brei geschlagen. Er setzte sich in Bewegung, um an den Leuten vorbeizulaufen.

Ein lautes „Hhh“ war zu vernehmen, die Leute wichen angstvoll zurück.

Ludwig schlug sich laut klatschend mit der Hand gegen die Stirn. Irgendwie war er gerade ein wenig durch den Wind. Als ob die Leute in der Lage wären, aus der Kalten heraus die Zusammenhänge zu erkennen! Die sahen nur den Anwalt, der mit blutender Nase reglos auf dem Boden lag, und erwarteten zu Recht eine nachvollziehbare Erklärung.

„Dieser Mann … “, sagte Ludwig. „ … ist Hans-Christian Ströbele!“

Er setzte seine Weg fort, während die Leute offensichtlich plötzlich sehr dringende Termine anderswo wahrzunehmen hatten. Hinter ihm klappte eine Tür und Ludwig wollte herumfahren, als ihn ein brennendes Stechen im Genick packte. Schmerzhaft grimassierend drehte er sich langsam um, den Kopf geneigt haltend, während er versuchte, die Halsmuskulatur mit Hilfe der Hand zu überdehnen. Oh, tat das gut! Wenn er das hier hinter sich hatte, würde er sich freiwillig wieder ins Krankenhaus einweisen. Ludwig streckte knackend seine Schultern und fand erst jetzt Zeit, den Mann zu betrachten, der im Türrahmen stand und ihn mit offenem Mund betrachtete. Die Freude des Erkennens stieg ihm ins Gesicht. Das war doch Arnold Vaatz, der sächsische CDU-Mann, mit dem er vor einem halben Jahr nach einer CDU-Veranstaltung in Dresden um die Häuser gezogen war. Er konnte sich noch gut an diesen Maitag erinnern. Die 98er Bundestagswahlen standen vor der Tür, und Arnold war an diesem Tagen der einzige Mensch, der sich für seine obligatorischen RAF-Geschichten interessierte, mit dem er über den gescheiterten 45-Kilo-Bombenanschlag von Daniela Klette diskutieren konnte, und der ihm seinerseits interessante Insider-Geschichten über SED-und Stasi-Seilschaften erzählte.

„Ah“ räusperte sich Ludwig und hielt sich den schmerzenden Kehlkopf. Er fühlte sich kaum noch in der Lage zu reden.

„Sie werden mir nicht glauben, was passiert ist, Arnold … !“ setzte er schließlich wild gestikulierend zum sprechen an und die komplette Geschichte sprudelte im Stakkato aus ihm heraus. Mit der Aufforderung, in die Puschen zu kommen, denn sie könnten jeden Augenblick 'Klars miese Fratze sehen!', beendete Ludwig sein kurzes Briefing.

Vaatz, der in dem kehligen Gegrunze einzig den letzten Satz verstanden hatte - „kleine Mietzekatze gesehen?“ - stand immer noch stocksteif mit weit offenem Mund in der Tür.

Ja ... ne … das war jetzt ein Scherz, oder??

Ludwig, dem bewusst wurde, dass er nur sehr schwer zu verstehen war und deswegen betonter sprechen musste, holte geräuschvoll Luft.

„Wissen Sie, wer ich bin?“

Arnold nickte. Er wusste es tatsächlich. Der große Mann, der mit schiefen Kopf vor im stand, ständig AAAHH und OOOHH grunzte und seine Knochen knacken ließ, war die Schabe. Und so eine alberne Nummer nur einen Tag, nachdem im Fernsehen die zehnte Wiederholung von 'Men in Black 1' lief. Die Typen von der versteckten Kamera schienen ihn für total bescheuert zu halten, und Hans-Christian war mal wieder echt ein Penner, sich für solchen Klamauk als Lockvogel herzugeben!! Das war so typisch für die Grünen, die Würde dieses Hauses und die Symbole der Demokratie durch den Kakao zu ziehen! Aber da waren diese Scherzbolde diesmal an den Richtigen geraten. Von ihm aus. Klappe die Erste für: „Katzenjagd in der Pathologie“

„AAAHH, UND OB ICH EINE KLEINE MIEZEKATZE GESEHEN HABE!“, grunzte Vaatz in schönster Schabenstimme, winkelte seine Arme wie ein T-Rex an und marschierte im Zombiewalk zu dem „toten Arquilianer“. „HEIßT DIE KATZE ORION? DANN BRAUCHE ICH EINEN LICHTBILDAUSWEIS, EINE OFFIZIELLE BESTÄTIGUNG, DASS SIE KATZENBESITZER SIND UND EINE NOTARIELL BESTÄTIGTE URKUNDE, DASS SIE VERWANDT SIND MIT DEM VERSTORBENEN! OOOHH!“

Ludwig starrte Vaatz fassungslos an. Dass konnte ja wohl nicht wahr sein! Verletzte Menschen wegen ihrer Behinderung zu verspotten war doch das Hinterletzte!! Dieser Idiot schien das alles hier für einen gottverdammten Witz zu halten!

„Mach das nicht!“, knurrte Ludwig, der merkte, wie schon wieder die Wut in ihm hoch kroch und ihm neue Kraft verlieh.

„Was denn?“, fragte Vaatz und zog sich zum Zeichen, dass man ihn nicht so leicht aufs Glatteis führen konnte, mit dem Zeigefinger sein rechtes Augenlid runter.

„MACH'S NICHT!“, brüllte Ludwig wutentbrannt und hieb mit der Faust auf das Fensterbrett.

Erst jetzt bemerkte Vaatz, wie Ströbele mit nackter Todesangst in den Augen davonkroch, eine Blutspur hinter sich herziehend. Er blickte auf und sah an der Ecke Kollegen stehen, die ihm panisch zuwinkten, sich schnell vom Acker zu machen, bemerkte schwerbewaffnete Polizisten, die vermummt die Eingangstür stürmten.

„SUCH DIE KLETTE!“, grunzte Ludwig.

Vaatz stand einfach nur mit offenen Mund da und starrte die Schabe an.

'Kann das sein?! Kann das wirklich sein?! Ach kommt, ihr wollt mich doch verarschen'

Andererseits sah das alles sehr realistisch aus und es würde absolut Sinn machen und sehr, sehr viel erklären, wenn sich herausstellen sollte, dass Ströbele tatsächlich nicht von der Erde stammte!

Ludwig blickte zum Ende des Gangs, erwiderte kurz das winken der Leute, bemerkte zu seiner Erleichterung, dass sein Anruf im Innenministerium endlich Früchte trug und die Kavallerie anrückte und beschloss, zu handeln, bevor die Beamten den Todesradius der Bombe erreichen würden. Er hatte die Sache angefangen, er würde sie beenden – so oder so.

„AB!“, sagte er mit Nachdruck und tippte Vaatz auf die Schulter. Das löste die Starre. Arnold nahm seine Beine in die Hand und wetzte auf der Suche nach Daniela Klette davon, als sei der Teufel hinter ihm her. Respektvoll blickte Ludwig hinterher. DAS war Einsatz, und wie flink und elegant sich Arnold noch bewegen konnte. Man hatte den Eindruck, ein junges Reh durch den Wald fliegen zu sehen!

Endkampf! Ludwig öffnete die Toilette und sah, dass tatsächlich nur eine Box besetzt war, was seine letzte Aufgabe ungemein erleichterte. Er trat unter Aufbietung all seiner ihm verbliebenen Kräfte die Tür schwungvoll ein.

Vor ihm saß Christian Klar mit heruntergelassenen Hosen auf dem Porzellanthron, und sah ihn ungläubig an.

„DU KLEINER SCHEIßER WILLST ES HIER ALSO SO RICHTIG KRACHEN LASSEN?!“ knurrte Ludwig und holte zum Schlag aus. Klar griff blitzschnell in seine Tasche und eine gewaltige Detonation schleuderte Ludwig durch die Luft.

Das klicken der Handschellen und der aus dem Sprechfunkgerät knarzende Satz: „Wir haben ihn!“, war das letzte, was er hörte, bevor er zum zweiten Mal innerhalb von fünf Minuten ohnmächtig wurde.

Die Blendgranate des zugreifenden Sondereinsatzkommandos hatte ganze Arbeit geleistet.

Eine weitere Leseprobe aus Wolfram Ackners Buch finden Sie hier.

Leserpost (1)
Helmut Driesel / 04.10.2017

  Reich-Ranicki würde jetzt lospoltern: “Dicke Bücher entstehen durch gedankenlos ausufernde Handlungen, der eitlen Verliebtheit in belanglose Nebensätze und immer wieder zwanghaft angehäufte Adjektive.” Und außerdem: Darf man das überhaupt: Echte, noch lebende Personen schonungslos zu einer Glosse oder Komödie verarbeiten?

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