Thomas Rietzschel / 05.02.2018 / 10:00 / Foto: Pixabay / 22 / Seite ausdrucken

Der vorbildliche Herr Fischer von der Eintracht

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt und weithin bekannt: Unlängst hat Peter Fischer, Präsident der Frankfurter Eintracht, erklärt, AfD-Mitglieder dürften nicht in seinen Fußballclub eintreten. Denn „es verträgt sich nicht mit unserer Satzung, AfD zu wählen“. Das große Schulterklopfen der Parteien ließ danach nicht lange auf sich warten. Wie ein Mann standen sie hinter dem politisierenden Fußballmanager, im hessischen Landtag wie im Frankfurter Rathaus.

„Eine große Mehrheit der Stadtverordneten“ habe dem brusttrommelnden Peter Fischer beigepflichtet, schrieb die FAZ. Ratsherr Michael zu Löwenstein (CDU) etwa lobte „die klare Haltung“ Fischers, während sein Parteifreund Uwe Becker noch einen draufsattelte, indem er die AfD eine „in ihrem Kern zutiefst neofaschistische Partei“ nannte, „rassistisch und antisemitisch“. Irgendwelcher Beweise für diese Behauptung bedurfte es nach der vorausgegangenen Ansage des Eintracht-Präsidenten nicht.

Fischer schwamm auf einer Welle politischer Zustimmung. Parteiübergreifend wurde er auf den Schild gehoben. Von „einer vorbildlichen Haltung, die Respekt verdiene“, sprach der Linke Michael Müller. Die FAZ ihrerseits überschrieb die Meldung zum Konsens der Parteien, abgedruckt auf Seite 32, mit dem Titel „Viel Zustimmung für Peter Fischer“.

Zwei Seiten weiter

Blätterte man weiter auf Seite 34, war nochmals von Peter Fischer die Rede, diesmal in der Rubrik „Leserbriefe“. Und keiner von denen, die sich da zu Wort meldeten, wollte in das Horn der Politiker blasen. Vielmehr wurde dem Eintracht-Präsidenten u.a. Blauäugigkeit gegenüber dem „Extremismus“ der eigenen Fans und mehr noch vorgehalten.

Dr. Klaus Brink aus Bad Soden nannte ihn einen „Supersaubermann“, der auf dem „Mainstream … surft“. Ein anderer Leser titulierte ihn schlicht als „Populisten“ und verwahrte sich dagegen, „pauschal Menschen wegen ihrer Parteizugehörigkeit den Eintritt in einen Sportverein zu verwehren“. Schließlich hätte es das alles schon einmal gegeben, mit unseligen Folgen. Gar ein Verstoß gegen Grundwerte des IOC wurde Peter Fischer vorgehalten. Untersage die Charta doch „jeden politischen und kommerziellen Missbrauch des Sports“.

Das eine passt nicht mehr zum anderen. Was die Bürger glauben sollen, hat immer weniger mit dem zu tun, was sie selbst für richtig halten, inzwischen sogar in den Fußballvereinen. Ein tiefer Graben trennt die politische Klasse und ihre Wasserträger von den „Menschen“. In der FAZ vom vergangenen Freitag brauchte man nur zwei Seiten weiter blättern, um das zu erkennen.

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Leserpost (22)
Wolfgang Richter / 05.02.2018

Wenn die sog. Etablierten und selbst ernannten Moralisten auf dem Weg vor die Mikrofone und Aufnahmegeräte ihrer bestellten Möchtegern-Journalisten und Hofberichterstatter keine Argumente mehr haben, folgt das übliche AfD-Bashing. Und Antisemitismus geht immer. Belege brauchts bei der Behauptung dann nicht mehr. Und beim importierten Antisemitismus läufts als bewußtes Lügen besagter Akteure anders herum. Da gibts die Belege, aber dafür werden die Hintergründe von Tat und Täter verschwiegen.

Michael Hoffmann / 05.02.2018

Sehr geehrter Herr Müller, Sie haben m. E. mit Ihrem Kommentar nicht ganz recht. Selbstverständlich kann jeder Verein darüber selbst bestimmen, ob und welche Mitglieder er aufnimmt.  Er kann diskriminieren so viel er will. Es gibt da die skurilsten Konstrukte. Das ist der Sinn von Vereinen. Allerdings verträgt sich das nicht mit der steuerbegünstigten Gemeinnützigkeit. Die verlangt nämlich parteipolitische Neutralität. Und die Eintracht ist meines Wissens gemeinnützig. Sie könnte zwar nicht ihren Vereinsstatus verlieren, sehr wohl aber die Gemeinnützigkeit. Und das hätte wohl verheerende finanzielle Folgen.

Marco Artico / 05.02.2018

Erstens: Eine solche Verfügung verstößt gegen die FIFA-Prinzipen, die eine strikte politische Neutralität des Fußballs vorschreiben. Eintracht Frankfurt müßte umgehend aus dem DFL-Spielbetrieb ausgeschlossen werden. Zweitens: Welcher Meinungs-TÜV bestimmt eigentlich, welche politischen Ansichten oder Zugehörigkeiten zulässig sind und welche nicht? Wenn die AfD inakzeptabel ist, was ist mit einer Partei wie Die Linke, die Rechtsnachfolgerin einer totalitären Einheitspartei, von der nicht wenige Präsidiumsmiglieder öffentlich der Mauer und der Stasi nachgetrauert haben? Und was ist bspw. mit türkischen AKP- oder MHP-Sympathisanten? Davon dürfte es gerade in Großstädten oder im Ruhrpott nicht wenige geben, auch unter den Anhängern vieler Bundesligavereine. Diese dürften im Schnitt antisemitischer, intoleranter, Völkermordsschuld-ablehnender sein als das durchscnittliche AfD-Mitglied. Schließt Herr Fischer sie auch alle aus?

F. Geffe / 05.02.2018

Der Verein ist laut seiner Satzung “gemeinnützig”. Generell muss daher die Tür zur Vereinsmitgliedschaft jedem offen stehen, der Mitglied werden will. Eine Einschränkung nach politischer Gesinnung sollte diesem Grundsatz widersprechen. Hoffentlich findet sich im zuständigen Finanzamt jemand, der das sehr gründlich prüft.

Martin Krieger, Frankfurt am Main / 05.02.2018

Wenn Herr Fischer diese Kriterien auf seine zahlenden Kunden = Besucher anwendet, bleibt der Eintracht-Fanblock halb leer. So richtig feine Leute mit korrekter Gesinnung sind da nämlich nicht nur. Wie wahrscheinlich überall, außer beim FC St. Pauli und in Freiburg.    

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