Chaim Noll, Gastautor / 13.06.2017 / 09:45 / Foto: AP / 8 / Seite ausdrucken

arte-Doku über Antisemitismus jetzt bei BILD

Schwere Schlappe für die öffentlich-rechtlichen Aufseher der Meinungsbildung: Die im Auftrag von arte vom WDR produzierte Dokumentation über zeitgenössischen Antisemitismus, die arte nicht zeigen will, weil sie nicht "ausgewogen" genug ist, war 24 Stunden lang auf BILD.de zu sehen. Der Film wurde inzwischen auch auf YouTube hochgeladen, bei Google ergeben die Suchwörter Antisemitismus, Arte, Doku, YouTube entsprechende Treffer.

Die Bild-Zeitung hat sich zu einem überraschenden Schritt durchgerungen: Ihre Internet-Seite offeriert heute bis Mitternacht den umstrittenen Film Auserwählt und ausgegrenzt, den die Auftraggeber, der Westdeutsche Rundfunk und das deutsch-französische Fernseh-Programm arte, bisher unterdrückt haben. Wer die Gelegenheit nutzt und sich den Film ansieht, erfährt nun auch, warum.

Der Film zeigt die Zusammenhänge zwischen dem fahrlässigen, unkontrollierten Umgang mit Milliarden Hilfsgeldern, die Palästinenser-Organisationen zur Verfügung gestellt werden, ihrem seit Jahren geduldeten Missbrauch und den Auswirkungen auf die Lage der arabischen Bevölkerung in Gaza, die Bedrohung Israels und – nicht zuletzt – die Verluste für Europa. Den Filmemachern ging es vornehmlich um Europa, sie lassen den Film ausklingen mit traurigen Interviews, die auswanderungswillige französische Juden zeigen und einen verzweifelten französischen Bürgermeister, der sie bittet, zu bleiben.

Die falsche Politik der Europäischen Union, die der Film erkennen lässt, hat zwei Seiten, eine interne und eine außenpolitische. Einerseits führt der wachsende, immer aggressiver hervortretende muslimische Hass gegen Juden in Frankreich, Deutschland und anderswo zur Abwanderung zehntausender europäischer Juden in für sie angenehmere Länder: Israel, die Vereinigten Staaten, Kanada oder Australien. Dabei ist die Emigration europäischer Juden ein spürbarer Verlust für Europa, für Kreativität und geistige Beweglichkeit, für Ideenreichtum und neue Technologien, also auf Dauer ein wirtschaftlicher Verlust, und man muss sehr verbohrt oder antisemitisch voreingenommen sein, um diese einfache Konklusion nicht zu durchschauen.

Zweitens verhindert die Europäische Union, indem sie durch unverantwortlichen Umgang mit Steuergeldern seit Jahren der Hamas dazu verhilft, in Gaza an der Macht zu bleiben, alle Bemühungen um einen palästinensischen Staat. Denn die Spaltung der Palästinenser in zwei tödlich verfeindete Fraktionen ist heute das Haupthindernis für eine so genannte „Zweistaatenlösung“, die infolge der de facto drei Staaten, um die es sich längst handelt, nur noch eine leere Worthülse ist. Es gehört zu den Absurditäten europäischer Außenpolitik, mit leeren Reden und lächerlichen Demonstrationen Anteilnahme für die Palästinenser zu heucheln und in Wahrheit alles zu tun, um eine für sie vorteilhafte Lösung zu verhindern.

Diese im Grunde europäischen Angelegenheiten und Zusammenhänge zeigt der Film, dessen Ausstrahlung öffentlich-rechtliche Sender verhindern wollten. Eigentlich ist es ein Film für Europa, gedacht, auf ein massives Problem aufmerksam zu machen, das Europa schadet. Doch wo so viel absurde Politik gemacht wird, wundert es nicht, wenn die Europäische Union auch in diesem Fall gegen ihre eigenen Interessen handelt. Und dass es ausgerechnet die Bild-Zeitung ist, die es wagt, den Film nun doch ans Licht zu bringen.

Leserpost (8)
Herbert Dietl / 13.06.2017

Danke, Danke, Danke!

Bernhard Freiling / 13.06.2017

Wow! Damit hat BILD meine höchste Anerkennung verdient. Kein Wunder, daß im Staatsfunk diese Doku hintertrieben werden soll wie nichts Gutes. Sie stellt das Bild des Judenhasses, der im Land derer, die schon länger dort leben, ausschliesslich mit der “rechten Szene” verbunden wird, komplett auf den Kopf. Besser gesagt: Sie stellt die Ursache wieder auf die Füsse. Und die trampeln überwiegend links herum und haben ihre symbiotisch Verbundenen im palästinensischen und islamischen Lager. Vermuten konnte man das schon länger, in dieser Deutlichkeit wurde es bisher jedoch noch nicht gezeigt. Europa und das Land derer, die schon länger dort leben, ganz vorneweg bei der Förderung des neuen Judenhasses, getarnt als mit Fake-News unterfütterter Zionismus- oder Israelkritik. Pardon, mir wird gerade fürchterlich übel.

U. Langer / 13.06.2017

Ich habe mir den Film angesehen - schon nach wenigen Minuten war mir klar, warum Arte und WDR diesen Film nicht zeigen können. Martin Schulz – der linke Hoffnungsträger bei der Bundestagswahl 2017 – findet die Rede von Herrn Abbas, in der dieser freimütig und genauso wie die Nazis im 3. Reich gegen Juden hetzt, „inspirierend“. Eine zugedröhnte Bundestagsabgeordnete der Linken hetzt gegen Israel mit der gleichen Lüge von der Brunnenvergiftung, die auch Herr Abbas benutzte. So etwas können weder Arte noch WDR ihren Zuschauern zumuten - schließlich will man die Zuschauer ja nicht aufklären sondern erziehen! Hätten die Filmemacher doch einfach ausschließlich Antisemitismus bei der AFD, Pegida und Herrn Trump dargestellt (und notfalls erfunden). Ihr Film wäre sofort ins Programm aufgenommen und sicher schon mehrfach ausgezeichnet worden.

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