Henryk M. Broder / 06.02.2013 / 22:56 / 0 / Seite ausdrucken

Die Öko-Krieger

Am letzten Wochenende gedachten die Russen der Schlacht von Stalingrad, die am 2. Februar 1943 mit der Kapitulation der Sechsten Armee unter General Friedrich Paulus, der vom Hitler noch im letzten Moment zum Generalfeldmarschall befördert wurde, zu Ende ging. Die blutigste Schlacht der Zweiten Welt-krieges tobte fast ein halbes Jahr und kostete 700.000 Soldaten auf beiden Seiten das Leben, dazu eine unbekannte Anzahl Zivilisten.

Auch in Deutschland fanden Gedenkfeiern statt, bei denen vor allem daran erinnert wurde, dass von den 90.000 deutschen Soldaten, die in sowjetische Gefan-genschaft geraten waren, nur etwa 6.000 nach Hause zurückkehrten.

Aus dem Abstand von 70 Jahren betrachtet, ist die Schlacht um Stalingrad nicht nur ein „Stahlgewitter“ der Superlative, das an Sinnlosigkeit kaum zu übertreffen ist, seltsam mutet auch an, dass die Deutschen überhaupt so weit gekommen sind. Von Berlin nach Stalingrad sind es immerhin 2.220 Kilometer.

Noch weiter ist der Luftweg von Paris nach Timbuktu, nämlich 3.600 Kilometer, wo die französische Armee gerade der Regierung von Mali hilft, sich aus dem Würgegriff der Islamisten zu befreien. Deutschland unterstützt den Einsatz der Franzosen in dem westafrikanischen Wüstenstaat – mit der Bereitstellung zweier Transall-Transportmaschinen der Bundeswehr. Die sollen aber nur Gummibärchen, Toilettenpapier und Tütensuppen nach Mali bringen, auf keinen Fall aber französische Soldaten befördern, denn dafür gäbe es kein Mandat – weder des Bundestages noch des UN-Sicherheitsrates, sagen die Experten des Verteidigungsministeriums.

Es gibt aber nicht nur rechtliche Bedenken. Die Bundesluftwaffe wäre in der Lage, französische Kampfjets in der Luft zu betanken, darf es aber nicht, weil die Tankflugzeuge vom TÜV noch nicht abgenommen wurden. Und in Afghanistan mussten Bundeswehr-Fahrzeuge stillgelegt werden, weil der Abgastest abgelaufen war. Die Öko-Krieger achten bei ihren Einsätzen auch auf den CO2-Ausstoß.

Das ist der Stoff, aus dem Komödien geschrieben werden. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Eher lacht sich ein Taliban tot, als dass er von einem Schützenpanzer ohne TÜV-Plakette erwischt wird. Und wäre der TÜV auch für die Wehrmacht zuständig gewesen, hätte die Schlacht um Stalingrad nicht so lange gedauert.

Erschienen in der Weltwoche com 7.2.13

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