Am 13. März 2015 verweigert Island den Beitritt zur Europäischen Union. Mitte November 2015 gibt es in Finnland 50.000 Unterschriften zu einer Volksabstimmung gegen weitere Milliardenopfer für die EU-Südschiene. Am 24. November 2015 verweigert Schweden die Fortsetzung der Grenzöffnung à la Berlin. Am 22. Mai 2016 gewinnen in Österreich die Gegner der deutschen Migrationspolitik beinahe die Präsidentenwahl. Am 23. Juni 2016 verlässt das Vereinigte Königreich die Europäische Union.
Von Grönland und Island im Norden bis zur russischen Grenze im Osten und Dänemarks Südgrenze mit Schleswig-Holstein existiert eine weltoffene und hochentwickelte Gruppe von Nationen, die vom Joch der Eurorettungen frei ist und mehrheitlich der Brüsseler Nomenklatura schon nicht mehr gehorchen muss. Mit knapp 3,7 Millionen Quadratkilometer und fast 90 Millionen Einwohnern, die Englisch als Muttersprache oder als souverän beherrschte Zweitsprache verwenden, hat sie beste Voraussetzungen für eine eigenständige Union. Traditionell liberal und ohne nationale Chauvinismen können ihre Menschen eine gemeinsame Zukunft errichten und auch fernerhin im 21. Jahrhundert geschützt leben, weil sie aufgrund des britischen Nukleararsenals in den schottischen Häfen ungefärdet bleiben.
Selbst die heftigsten Wut-Kommentatoren vom Kontinent können niemanden davon überzeugen, dass eine solche Union in der globalen Ökonomie nicht schaffen sollte, was etwa Kanada (36 Millonen Einwohner), Australien (24 Millillionen) oder Neuseeland (4,5 Millionen) ganz selbstverständlich gelingt.
Um aus der vorerst kleinen Lösung schnell auf einen nachhaltigen Weg zu gelangen, muss England sichtbar Pfähle einschlagen, an die andere dann gerne andocken. Es muss zu einer Kompetenzfestung werden, die entmutigte Talente aus dem übrigen Europa gerade dadurch anzieht, dass es eine Einwanderungspolitik beendet, die Dequalifizierung, Terror und sexueller Gewalt über Jahrzehnte hinweg Tür und Tor geöffnet hat. Wird das erreicht, kann man Ostasien und seinem hochgescheiten Nachwuchs zuversichtlich Paroli bieten. Wird zusätzlich das Spionieren in den Börsen der Bürger unterlassen und auch die Extrembesteuerung eingestellt, klopfen umgehend weitere Beitrittskandidaten an: Irland, Estland, die Niederlande, Flandern, ja selbst die Strecke herunter in ein erst dadurch postnational werdendes Hamburg könnte Interesse zeigen. Das brächte mit noch einmal 30 Millionen Bürgern den drittstärksten Wirtschaftsraum hinter China und den USA.
Umgehend jedoch werden junge Könner individuell in den weiten und dennoch verteidigbaren Raum streben und innovativ dafür sorgen, dass Börsen und Währungen ebenso stabil bleiben wie eine multinationale Zivilgesellschaft von Nuuk/Godthab bis Tallinn. Diese Zuwanderer braucht die neue Union, weil auch sie die demografische Nettoreproduktion nicht schafft. Zeigt sich erst einmal Prosperität und Sicherheit, sollte auch der Vermehrungsoptimismus wieder zulegen.
Beitragsbild: Tim Maxeiner

Über diesen Kommentar sollte ernsthaft diskutiert werden, eröffnet er doch eine neue Form einer wirklich lebenswerten Union, wie immer sie sich nennen wird. Vor allem werden die Kosten ehrlich und gleichmäßig verteilt. Ich schließe mich dem Gedanken an und würde so einen Zusammenschluß sofort meine Stimme geben. Ein guter Beitag, Herr Heinsohn, sorgen Sie dafür, dass er überall publik gemacht wird.
Ein überlegenswerter,interessanter Beitrag !
Eine schöne Idee. Leider wird es so nicht kommen. Das Nukleararsenal wird aus den schottischen Häfen abgezogen werden müssen; denn die Schotten, weil potentielle EU-Nettoempfänger, werden ihre Sezession betreiben, um selbständig der EU beitreten zu können. Sie haben schon damit angefangen.
Lieber Herr Heinsohn, endlich mal ein Artikel, der sich mit den möglichen Chancen Großbritanniens, die sich aus dem Austritt aus der EU ergeben, beschäftigt. Dafür vielen Dank. Bisher hatte ich den Eindruck, dass sich Befürworter und Gegner des Brexit in einem Punkt völlig einig sind, nämlich dass es mit der Wirtschaft in Großbritannien nunmehr steil bergab geht. Ich bin nicht dieser Meinung. Die Briten werden mit dem Ausstieg auch die überbordende EU-Bürokratie und die wirtschaftshemmenden und teilweise irrwitzigen Umweltschutzvorschriften los. Zukunftstechnologien, wie die Gentechnik, Fracking, Kernkraft usw. könnten praktisch vor den Toren des nach wie vor riesigen kontinentaleuropäischen Binnenmarktes neu gedeihen, denn es spricht vieles dafür, dass die traditionell wirtschaftsliberalen Briten unter diesen äußeren Rahmenbedingungen auch diese Chancen nutzen und ein investitionsfreundliches Klima schaffen werden. Viele Unternehmen vom Kontinent werden sich vor der EU-Bürokratie in Richtung Großbritannien absetzen, dass ja den Vorteil hat, in unmittelbarer Nähe ihrer alten Märkte zu liegen. Wenn dann noch die von Ihnen beschriebenen Effekte eintreten, muss man sich um Großbritannien keine Sorgen machen, sehr wohl aber um die Zukunft Deutschlands.
Ach, diese Nordunion würde so eine Art EU-light werden. Ich glaube nicht, dass Island da Mitglied werden würde. Großbritannien hätte das Sagen, das würde auch den Iren nicht gefallen.