Gunnar Heinsohn / 25.06.2016 / 06:20 / Foto: Tim Maxeiner / 5 / Seite ausdrucken

Es gibt Alternativen zur EU - hier ist eine

Am 13. März 2015 verweigert Island den Beitritt zur Europäischen Union. Mitte November 2015 gibt es in Finnland 50.000 Unterschriften zu einer Volksabstimmung gegen weitere Milliardenopfer für die EU-Südschiene. Am 24. November 2015 verweigert Schweden die Fortsetzung der Grenzöffnung à la Berlin. Am 22. Mai 2016 gewinnen in Österreich die Gegner der deutschen Migrationspolitik beinahe die Präsidentenwahl. Am 23. Juni 2016 verlässt das Vereinigte Königreich die Europäische Union.  

Von Grönland und Island im Norden bis zur russischen Grenze im Osten und Dänemarks Südgrenze mit Schleswig-Holstein existiert eine weltoffene und hochentwickelte Gruppe von Nationen, die vom Joch der Eurorettungen frei ist und mehrheitlich der Brüsseler Nomenklatura schon nicht mehr gehorchen muss. Mit knapp 3,7 Millionen Quadratkilometer und fast 90 Millionen Einwohnern, die Englisch als Muttersprache oder als souverän beherrschte Zweitsprache verwenden, hat sie beste Voraussetzungen für eine eigenständige Union. Traditionell liberal und ohne nationale Chauvinismen können ihre Menschen eine gemeinsame Zukunft errichten und auch fernerhin im 21. Jahrhundert geschützt leben, weil sie aufgrund des britischen Nukleararsenals in den schottischen Häfen ungefärdet bleiben.

Selbst die heftigsten Wut-Kommentatoren vom Kontinent können niemanden davon überzeugen, dass eine solche Union in der globalen Ökonomie nicht schaffen sollte, was etwa Kanada (36 Millonen Einwohner), Australien (24 Millillionen) oder Neuseeland (4,5 Millionen) ganz selbstverständlich gelingt.

Um aus der vorerst kleinen Lösung schnell auf einen nachhaltigen Weg zu gelangen, muss England sichtbar Pfähle einschlagen, an die andere dann gerne andocken. Es muss zu einer Kompetenzfestung werden, die entmutigte Talente aus dem übrigen Europa gerade dadurch anzieht, dass es eine Einwanderungspolitik beendet, die Dequalifizierung, Terror und sexueller Gewalt über Jahrzehnte hinweg Tür und Tor geöffnet hat. Wird das erreicht, kann man Ostasien und seinem hochgescheiten Nachwuchs zuversichtlich Paroli bieten. Wird zusätzlich das Spionieren in den Börsen der Bürger unterlassen und auch die Extrembesteuerung eingestellt, klopfen umgehend weitere Beitrittskandidaten an: Irland, Estland, die Niederlande, Flandern, ja selbst die Strecke herunter in ein erst dadurch postnational werdendes Hamburg könnte Interesse zeigen. Das brächte mit noch einmal 30 Millionen Bürgern den drittstärksten Wirtschaftsraum hinter China und den USA.

Umgehend jedoch werden junge Könner individuell in den weiten und dennoch verteidigbaren Raum streben und innovativ dafür sorgen, dass Börsen und Währungen ebenso stabil bleiben wie eine multinationale Zivilgesellschaft von Nuuk/Godthab bis Tallinn. Diese Zuwanderer braucht die neue Union, weil auch sie die demografische Nettoreproduktion nicht schafft. Zeigt sich erst einmal Prosperität und Sicherheit, sollte auch der Vermehrungsoptimismus wieder zulegen.

Foto: Tim Maxeiner

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Karla Kuhn / 27.06.2016

Über diesen Kommentar sollte ernsthaft diskutiert werden, eröffnet er doch eine neue Form einer wirklich lebenswerten Union, wie immer sie sich nennen wird. Vor allem werden die Kosten ehrlich und gleichmäßig verteilt. Ich schließe mich dem Gedanken an und würde so einen Zusammenschluß sofort meine Stimme geben. Ein guter Beitag, Herr Heinsohn, sorgen Sie dafür, dass er überall publik gemacht wird.

Lothar Pohl / 26.06.2016

Ein überlegenswerter,interessanter Beitrag !

Eugen Karl / 25.06.2016

Eine schöne Idee. Leider wird es so nicht kommen. Das Nukleararsenal wird aus den schottischen Häfen abgezogen werden müssen; denn die Schotten, weil potentielle EU-Nettoempfänger, werden ihre Sezession betreiben, um selbständig der EU beitreten zu können. Sie haben schon damit angefangen.

Erhard Möller / 25.06.2016

Lieber Herr Heinsohn, endlich mal ein Artikel, der sich mit den möglichen Chancen Großbritanniens, die sich aus dem Austritt aus der EU ergeben, beschäftigt. Dafür vielen Dank. Bisher hatte ich den Eindruck, dass sich Befürworter und Gegner des Brexit in einem Punkt völlig einig sind, nämlich dass es mit der Wirtschaft in Großbritannien nunmehr steil bergab geht. Ich bin nicht dieser Meinung. Die Briten werden mit dem Ausstieg auch die überbordende EU-Bürokratie und die wirtschaftshemmenden und teilweise irrwitzigen Umweltschutzvorschriften los. Zukunftstechnologien, wie die Gentechnik, Fracking, Kernkraft usw. könnten praktisch vor den Toren des nach wie vor riesigen kontinentaleuropäischen Binnenmarktes neu gedeihen, denn es spricht vieles dafür, dass die traditionell wirtschaftsliberalen Briten unter diesen äußeren Rahmenbedingungen auch diese Chancen nutzen und ein investitionsfreundliches Klima schaffen werden. Viele Unternehmen vom Kontinent werden sich vor der EU-Bürokratie in Richtung Großbritannien absetzen, dass ja den Vorteil hat, in unmittelbarer Nähe ihrer alten Märkte zu liegen. Wenn dann noch die von Ihnen beschriebenen Effekte eintreten, muss man sich um Großbritannien keine Sorgen machen, sehr wohl aber um die Zukunft Deutschlands.

Waldemar Undig / 25.06.2016

Ach, diese Nordunion würde so eine Art EU-light werden. Ich glaube nicht, dass Island da Mitglied werden würde. Großbritannien hätte das Sagen, das würde auch den Iren nicht gefallen.

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Gunnar Heinsohn / 05.05.2019 / 12:00 / 28

Was Europa Japan nicht nachmachen kann – aber sollte

Drei Jahrzehnte, so heißt es oft, habe Japan verloren nach dem Nikkei-Höchststand von knapp 39.000 am 29. Dezember 1989. Mit anschließender Nullzinspolitik sowie dem Ankauf von…/ mehr

Gunnar Heinsohn / 12.04.2019 / 14:00 / 18

Qualitätsmedien: Gut und böse, zwei Jahre danach

Der Standard in Österreich berichtete vorgestern, am 10. April 2019: US-Justizminister will „Spionage" Obamas gegen Trump nachgehen Vorwurf: Ex-Präsident soll Kampagne zugunsten von Trump-Konkurrentin Clinton überwacht…/ mehr

Gunnar Heinsohn / 21.03.2019 / 14:00 / 27

Christchurch, Verblendung und Wirklichkeit

Brenton Tarrants Attentat in Neuseeland sei, so ist seinem "Manifest" zu entnehmen, für die Versklavung von Millionen Europäern durch Muslime über Jahrhunderte hinweg. Doch was zeigt…/ mehr

Gunnar Heinsohn / 14.03.2019 / 06:27 / 37

China: Mit Zweikind-Politik unschlagbar

Nationen, deren Bevölkerungsmehrheiten nur durch Siege in der Konkurrenz auf Arbeitsmärkten an Positionen gelangen, tendieren bei den Geburtenraten Richtung null. Die Befreiung von Familienlasten bringt…/ mehr

Gunnar Heinsohn / 02.03.2019 / 17:00 / 11

Somalier für den Wiederaufbau nach Hause? Vergesst es!

Mindestens 800.000 Somalier leben im Ausland, über 21.000 davon in Dänemark. Rund 1.000 Illegale will Kopenhagen abschieben, notfalls mit Polizeigewalt. Sie sollen „das Land, aus dem…/ mehr

Gunnar Heinsohn / 31.01.2019 / 06:29 / 18

Was bringt ein Glücksministerium?

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro verkündet am 24. Oktober 2013 den Aufbau eines Viceministerio para la Suprema Felicidad Social del Pueblo: „Ich habe es nach unserem Kommandanten [Hugo]…/ mehr

Gunnar Heinsohn / 22.01.2019 / 14:00 / 13

Sterben für Afrika?

Somalias Al-Shabaab tötet Gäste im Dusit-Hotel von Kenias Hauptstadt Nairobi. Zehn UN-Friedenswächter aus dem Tschad werden von Al Qaeda-Kriegern in Mali umgebracht, wo man den…/ mehr

Gunnar Heinsohn / 21.12.2018 / 10:00 / 27

Warum Trump aus Syrien abzieht

Verkünde den Sieg und ziehe ab! Dieses Rezept befolgt US-Präsident am 19. Dezember per Twitter mit dem Rückzug seiner 2.000 Soldaten aus dem Krieg gegen…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com