Matthias Matussek, Gastautor / 12.01.2012 / 22:51 / 0 / Seite ausdrucken

Von Rechten und anderen Linken

Matthias Matussek

In einer Meldung der SZ wurde nun doch überraschend die Lösung für Sarrazins leidige Intelligenz-Debatte angedeutet. Das Blatt zitierte kanadische Forscher, die herausgefunden haben wollten, daß Menschen mit geringeren kognitiven Fähigkeiten eher politischen Meinungen vom rechten Rand zuneigen. Was sich die SZ schon immer gedacht hat. Das lässt nur einen Schluß zu: Man kann das bisweilen beklagenswerte Intelligenzniveau der Gesamtbevölkerung anheben, wenn man ihnen das kommunistische Manifest oder die Broschüren von Atac (oder die SZ) zur Pflichtlektüre macht.

Kognitiv Behinderte, so heißt es, neigen politischen Meinungen vom rechten Rand zu, „weil diese Stabilität und Ordnung im psychologischen Sinne bieten.“ Hier gilt es entschieden gegenzusteuern, schon in der Jugend, etwa mit Exkursionen von Schul-Klassen zu 1.Mai-Demos, wo sie den linken Intelligenzbestien dabei zuschauen können, wie sie in Kreuzberg Supermärkte oder Dönerbuden abfackeln und die Ordnung einen guten…äh…Dings sein lassen.

Ordnung rechtsdumm, links klug. Das erklärt, warum die Ergüsse vom Staats-Dichter und Minister Goethe so vollständig der Vergessenheit anheim gefallen sind, während die funkelnden Kleinschreibungsmanifeste der RAF uns heute noch zu fesseln vermögen. Und: Was ist die müde Verzweiflung Gottfried Benns schon gegen ein Kampflied des Linke-Genossen Dieter Dehm! 

Endlich ist auch erklärt, warum die linken Ordnungszertrümmerer der NSdAP in den 30er Jahren einen derartigen Zulauf der intelligenteren deutschen Jugend erhielt. Bis die plötzlich feststellte, daß es die dummen Rechten waren, die sie geleimt hatten.

Rechts igitt, links cooool.

Aber die kanadischen Forscher rennen bei uns offene Türen ein. Wir wissen das längst, spätesten seit sich die Literaturkritikerin Amelie Fried in ihrer letzten „Literatursendung“ geweigert hat, Martin Mosebach zu lesen, weil der in einem rechten Verlag veröffentlichte. Wir Deutschen sind gefeit.

Doch die Forscher (und die SZ) legen noch drauf. Gleich zu Beginn ihrer alarmierenden Meldung steht: „Wer als Zehnjähriger in Intelligenztests schlecht abschneidet, pflegt als Erwachsener eher rassistische Vorurteile“. Das ist eigentlich ein noch nachhaltigeres Plädoyer für Intelligenztests, als es Sarrazin je formuliert hat, nur eben andersrum.

Der kanadische Intelligenz-Befund allerdings ist unvollständig ohne diesem anderen durch die Psychologieprofessorin Beate Küpper, nach dem religiöse Menschen besonders anfällig für Rassismus und Sexismus seien - und damit wohl kognitiv doppelt gehandicapt.

Also: Christen sind rechts und damit menschenverachtend und besonders minderbemittelt, mag der Religionsgründer auch mit dem Wort von der Gottes-Ebenbildlichkeit des Menschen „den radikalsten Freiheits- und Gleichheitssatz der Rechtsgeschichte formuliert haben“, wie es Paul Kirchhoff sagte.

Ich gebe zu, solche Untersuchungen sind derzeit mein Steckenpferd. Sie sind faszinierend. Denn der Professorin Küpper, die auch nur wieder, wie schon die Kanadier vor ihr, einem weitverbreitetem Vorurteil wissenschaftlichen Glanz verlieh, wiederspricht eine Allensbachunterschung. Die nämlich ergab, daß Kirchenferne intoleranter ubnd fremdenfeindlicher seien als Kirchennahe, wie schon der Soziologe Andreasd Püttmann in der ZEIT berichtete, und wie es die hohen Stimmerfolge für Rechtsradikale im kirchenfernen Osten ohnehin nahelegen. 

Bei der Allensbachbefragung wurde ermittelt, welche Personengruppen die Probanden ungern als Nachbarn hätten. Die Kirchenfernen mochten „Muslime“ nicht und „psychisch Kranke“. Die Kirchennahen machten lieber einen Bogen um „Linksextreme“ und „Leute die viel trinken.“

Das lässt nur einen Schluß zu: Leute, die in die Kirche gehen, mögen die Linken und die Säufer nicht, weil die einfach intelligenter sind. Deshalb ärgern sie sich auch immer so, wenn sie Leitartikel von Heribert Prantl in der SZ lesen.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Matthias Matussek, Gastautor / 06.01.2018 / 06:15 / 33

Die Lüge hat einen guten Lauf

Manchmal habe ich das Gefühl zu ersticken. Dann wird das, was Sloterdijk den „Lügenäther“ im politischen Raum genannt hatte, dieses sinnenbetäubende Gemisch aus Verfälschung und…/ mehr

Matthias Matussek, Gastautor / 13.09.2017 / 06:15 / 47

Deutschland und der Blitzkrieg der Mitmenschlichkeit

Von Matthias Matussek. Man mag es kaum glauben, dass folgende Zeilen bereits in den Jahren des deutschen Grauens verfasst wurden: „Zwischen Weltkrieg II und Weltkrieg…/ mehr

Matthias Matussek, Gastautor / 07.09.2016 / 06:00 / 33

Das Neue Deutschland

Von Matthias Matussek. Es ist schon ein Spektakel der besonderen Art, nach dem Scheitern der „Flüchtlingspolitik“ die Absetzbewegungen der politischen Klasse von derselben zu beobachten.…/ mehr

Matthias Matussek, Gastautor / 24.01.2015 / 10:51 / 8

Unterwerfung ist das, was wir alle suchen

Matthias Matussek „Mein Leben ekelt mich an, ich bin meiner überdrüssig, aber deswegen ein neues Leben zu führen, ist doch ein großer Schritt.“ Dieses Zitat…/ mehr

Matthias Matussek, Gastautor / 23.01.2015 / 18:09 / 5

Ich bin nicht Charlie

Matthias Matussek Da wir nun alle so „Charlie“ sind, so gratismutig im Angesicht des Todes, dieses blutigen Mordes in Paris, muss ich gestehen: Ich bin…/ mehr

Matthias Matussek, Gastautor / 09.08.2013 / 16:56 / 22

Warum ich nicht cool sein will

Zu den bezeichnendsten Reaktionen auf meine Entscheidung, gegen Kurt Krömer und seine Sendung vorzugehen, gehört der Vorwurf, „uncool“ zu sein. Keiner ist uncool heutzutage. Uncool…/ mehr

Matthias Matussek, Gastautor / 03.06.2013 / 01:42 / 0

Die Kreuzzüge - Ursache des Nahostkonflikts?

Mit seinem Buch „Gottes Krieger“ rührt der amerikanische Religionssoziologe Rodney Stark an ein Tabu – er erzählt die Ursünde der Christenheit neu.   Was hat…/ mehr

Matthias Matussek, Gastautor / 01.06.2013 / 14:05 / 0

Kinder aus dem Katalog: Vorschläge zu Bekämpfung der demografischen Katastropghe.

Matthias Matussek Dass die Nation schrumpft, wissen wir ja nun, aber dass plötzlich 1,5 Millionen Deutsche fehlen ist dann doch eine Größenordnung, die nach entschiedenen…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com