Oliver Marc Hartwich, Gastautor / 10.01.2007 / 14:45 / 0 / Seite ausdrucken

The Trial of Tony Blair

Wer in diesen Tagen durch London geht, kann an jeder Ecke Plakate mit Portraitaufnahmen britischer Premierminister finden. Margaret Thatcher und John Major sind dabei sehr staatstragend abgebildet. Tony Blair hingegen ist nur im Profil zu sehen .. und er hält ein Schild mit seinem Namen und einem Aktenzeichen.

Es handelt sich bei diesen Plakaten um Werbung für ein neues Dokudrama das Fernsehsenders More4, das am nächsten Montag ausgestrahlt werden soll. Der Titel des Fernsehfilms: “The Trial of Tony Blair”. Nach Angaben des Senders geht es dabei um ein fiktives Gerichtsverfahren gegen Blair, in dem diesem der Irakkrieg zur Last gelegt wird. Auf der Website von More4 hört sich das so an:

It is some time in the future. Gordon Brown is moving in. President Clinton is looking for her second term in the White House. And Tony Blair has swapped the corridors of power for carpet swatches in his home in Connaught Square.
But some things don’t change: in Iraq there’s no let-up to the daily death toll and the ex-PM is as obsessed as ever with his legacy. ...
Says writer Alistair Beaton: “I gather Mr Blair is very concerned about his place in history. This film is my idea of where that place might be. Whether it’s fiction or prediction remains to be seen.”

Abgesehen davon, dass man es für unwahrscheinlich halten mag, dass Gordon Brown zum Zeitpunkt einer möglichen Wiederwahl von Mrs Rodham Clinton noch Premierminister ist (das wäre schließlich erst im Jahr 2012 der Fall, und davor müsste er sich zumindest einmal wiederwählen lassen), kann man sich schon fragen, welche Botschaft mit einem solchen Fernsehfilm wohl vermittelt werden soll. Diesen Gedanken hatte wohl auch der konservative Unterhausabgeordnete, Buchautor und Times-Kolumnist Michael Gove. Er schreibt in der heutigen Ausgabe der Times:

The appetite for putting Mr Blair in the dock for having the temerity to remove a dictator still seems inexhaustible. Previous generations would be mystified. From our bombardment of the Danish fleet in 1806 to Churchill’s sinking of the French Navy at Mers el-Kebir in 1940, British Prime Ministers have been more than ready to take pre-emptive action to avert potential threats.

But rather than reflect on that lesson, those who shape our culture would rather vilify politicians who are prepared to take risks for our freedoms. And hours are devoted to discussing the rights and wrongs of Saddam Hussein’s death, while scarcely a moment is found to honour the memory of all those he slaughtered before he was toppled. It’s an attitude that is beyond satire.

Es ist wohl kein Zufall, dass Tony Blairs Außenpolitik in der Times ausgerechnet von einem Oppositionspolitiker verteidigt wird, während es große Teile von Blairs eigener Labour Party kaum erwarten können, unter einem neuen Parteichef einen anderen außenpolitischen Kurs einzuschlagen.

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