Rainer Bonhorst / 01.12.2019 / 16:40 / Foto: Fabian Nicolay / 13 / Seite ausdrucken

SPD: Zum linken Glück fehlen die Grünen

Was nun, liebe SPD? Das neue Führungs-Duo, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, das, dem AKK-Beispiel folgend, hier Eskwabor genannt werden soll, steht vor einer Jahrhundertaufgabe. Die Entscheidung lautet: Abgang, Niedergang, Untergang oder Zusammengang.

Abgang aus der GroKo? Nach allem, was vorher von Eskwabor zu hören war, ist er alternativlos. Oder können die beiden etwa, der politischen Tradition folgend, sagen, was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Können sie. Aber dann müssen sie die Frage beantworten: Was sollte dann das ganze Wahltheater? Die Alternative war: Ja zur GroKo, also Olaf Scholz und Klara Geywitz (kurz: Schowitz), oder nein zur GroKo, also Eskwabor. Das Nein zu Schowitz und das Ja zu Eskwabor kann nur heißen: Nein zur GroKo. Sollte plötzlich doch ein Ja zur GroKo herauskommen, können die Eskwabors gleich wieder einpacken. Es wäre ein Fall von Selbstentleibung durch Selbstverleugnung. Ein weiterer Schritt in Richtung Untergang.

Kündigen sie, wie versprochen, die Mitarbeit in der Merkel-Regierung, geht es um die Frage: Kann so der Niedergang gestoppt werden. Meine Antwort: Ja, wie denn? Wie soll die Rechnung mit diesen zwei Unbekannten aufgehen? Wohin kann die hohle Gasse, in der sie sich befinden, führen? Welche hohle Gasse? Ist doch klar: In der linken Mitte hat ihnen Angela Merkel jede Menge Terrain stibitzt. Und in der linksintellektuellen Mitte mit Pensionsanspruch haben ihnen die Grünen die Klimahölle heiß gemacht.

Traum vom edlen und reinen Linken

Gibt es Licht am Ende der hohlen Gasse? Ja, ein Irrlicht. Denn was bleibt von der SPD als Eskwabor-Truppe? Eine große Schnittmenge mit der Linken. Die besteht bekanntlich aus östlichen SED-Nostalgikern und aus ehemaligen westlichen SPD-Linken vor der Eskwaborisierung ihrer Ex-Partei. Zumindest der Teil der ehemaligen SPD-Linken und der aktuellen SPD-Linken ist ideologisch nahezu identisch. Sie träumen den gleichen, uralten, jetzt neu belebten Traum. Den Traum vom edlen und reinen Linken. Nur die SEDler stehen historisch auf einem anderen, peinlichen Blatt.

Trotz der real existierenden Peinlichen müsste die hier beschriebene Nähe eigentlich zu einem Zusammengang führen, als Rezept zur Vermeidung eines weiteren Niedergangs. Bei einem solchen Zusammengang würden die SEDler klar in die Minderheit rutschen und alle hätten ihr Traumziel erreicht: die Wiedervereinigung einer erstarkten Linken. Sie könnte sich DSP nennen, also Demokratisch-Sozialistische Partei Deutschlands.

Also gut, ich gebe zu: Dazu wird es vorerst nicht kommen. Ich habe mal wieder etwas übertrieben. Bestenfalls wird es zu einer engeren Zusammenarbeit kommen, die beide nicht voranbringen wird. Das taktische Optimum: Stagnation. 

Zum linken Glück fehlen eben die Grünen, die der SPD die Weltuntergangs-Akademiker entrissen haben. Würden sie die Dritten im Bunde, entstünde vielleicht so etwas wie eine linke Volkskoalition. Die Volkspartei alter Art kann man sich ohnehin abschminken. 

Im Politiker-Himmel als Waldorf und Statler

Aber die Grünen werden ja heftig von der AKK-Partei angeflirtet, mit der Aussicht auf deutlich bessere Erfolgs-Chancen. AKK plus Annalena Baerbock und Robert Habeck, hier kurz: Bockbeck genannt. Oder umgekehrt, Bockbeck plus AKK. Die besseren Chancen halten Bockbeck vorerst davon ab, sich allzu eng mit Eskwabor anzufreunden.

Oder wird sich die CDU wieder daran erinnern, dass sie auch mal konservativ war? Und das Konservative nicht auf Dauer einer Alternative mit völkischer Schlagseite überlassen? Das wäre ein neues Spiel. Vorerst deutet wenig darauf hin. Aber wie sagt man im Söderland: Schaun mir mal, dann sehn mir scho.

Ich finde: Die Lage ist unernst, aber ziemlich hoffnungslos. Darum stelle ich mir Konrad Adenauer und Willy Brandt vor, wie sie vom Muppet-Balkon aus verzweifelte Witze über das Geschehen dort unten machen. Was bleibt alten weißen Männern auch anderes übrig.       

Foto: Fabian Nicolay

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Leserpost

netiquette:

Alexander Wildenhoff / 01.12.2019

“Abgang, Niedergang, Untergang oder Zusammengang.” Oder Urnengang.  Und zwar in der Doppelbedeutung: Der Gang zur Wahlurne kann für die abgewirtschaftetet SPD auch die letzte feierliche Prozession mit der Asche der Sozialisten in der Friedhofsurne sein.  Aber hier gilt: Kein Mitleid.

Karla Kuhn / 01.12.2019

Bernhard Krug-Fischer “Kann mir jemand eine Erklärung geben, wieso ich immer statt Eskwabor den Namen des Drogenbarons Escobar gelesen habe?”  Einfach Spitze !  Ich muß mich erst mal vom lachen erholen, wer weiß, vielleicht ist das identisch ??  Wenn ich so manche schwafeln höre, bin ich fast überzeugt davon !  “Eskwabor”  Wer kommt auch auf so einen Schwachsinn ?

E Ekat / 01.12.2019

die Furcht vor einer erfolgreichen neuen Weltordnung scheint unbegründet.

Robert Jankowski / 01.12.2019

Wenn sie nicht aus der Groko rausgehen, werden sie weiter Mitglieder verlieren. Wer als Alternative zu “weiter so” Olaf Scholz antritt, gewählt wird und dann Angst vor der eignen Courage bekommt und lediglich ein wenig nachverhandelt, macht sich doch noch lächerlicher, als es schon der Fall ist. Und weitere Leute werden sich enttäuscht von dieser Partei abwenden und austreten. Das Problem der SPD ist diese Geilheit auf Macht und auf Posten, anstatt auch mal in die Opposition zu gehen, sitzt man lieber auf der waremn Regierungsbank. Und je länger dieses Trauerspiel von Merkels Gnaden weitergeht, desto klarer ist, dass man auf die SPD verzichten kann. Eine linksgerückte CDU hat man schon und Opposition machen eben die Grünen besser.

Gabriele H. Schulze / 01.12.2019

@Rolf Mundt: klasse! Ähnlich wie beim Nazi-Vorwurf zu sagen wäre: “Ach, Sie meinen, ich sei Nationalsozialist?”

Peter Michel / 01.12.2019

@ Bernhard Krug-Fischer Sie haben richtig gelesen, ich bestätige das.

J. Werner / 01.12.2019

Die neue SPD - Spitze wird den Teufel tun und die gute alte Groko aufkündigen… Das sind Weihnachtsmänner*innen die Eskens, wa? Kein Mensch wird sich an Sylvester erinnern, daß da was war. Borjans? War das nicht der, mit den Steuer-CDs? Aha ! Und dann - fällt mir auch nichts ein bei Esken, da fehlt mir auch die letzte Phantasie - für alles. Am besten, man würde an eine kleine feine Feuerbestattung denken - bei der alten ” Arbeiterpartei” - gähn - da ist ja selbst Merkel noch quicklebendig dagegen. Na ja, das ist die Groko eben - ein never ending boring gag…

Bernhard Krug-Fischer / 01.12.2019

Kann mir jemand eine Erklärung geben, wieso ich immer statt Eskwabor den Namen des Drogenbarons Escobar gelesen habe?

Klaus Biskaborn / 01.12.2019

Guter Artikel mit Schmunzeleffekt. Nur die „ völkische Schlagseite“ war überflüssig und deplatziert, na ja, ein Seitenhieb gegen die Schwefelpartei gehört offensichtlich auch bei achgut gern mal dazu.

Rolf Mundt / 01.12.2019

Ich würde mir wünschen, dass anstelle der Farbzuschreibung „weiß“ bei Menschen, ebenso wie bei anderen Farbzuschreibungen bei nicht „weißen“ Menschen, die Herkunfts- bzw. Ursprungsregion anstelle der der Farbbezeichnung genutzt wird. So könnte eine Beschreibung wie mittel-, nord-, ost-, west- oder südeuropäischer Phänotyp genutzt werden. Denn wenn schwarz für Menschen mit afrikanischem Phänotyp zur Beschreibung ungeeignet ist, weil eben viele der dort lebenden Menschen nicht schwarz im engeren Sinne sind, bin ich der Meinung, dass viele/die Mehrheit der Europäer eben nicht weiß sind. Außerdem würden die Menschen, die eine generelle Schuld bei den weißen alten Männern sehen, erheblich mehr schreiben müssen, wenn sie politisch korrekt „von Menschen mitteleuropäischen Phänotyps die dem sozialkonstruierten männlichen Geschlecht angehören und sich im fortgeschrittenen Lebenszyklus befinden“ schreiben müssten.

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