Rainer Bonhorst / 06.04.2018 / 10:29 / Foto: Pixabay / 8 / Seite ausdrucken

Mein Leben als grüner Diesel-Rebell

Heute bin ich mal wieder mit meinem wunderbaren Diesel in die Stadt gefahren. Das war schön. Ich tue das nicht immer, weil dieser Diesel ein etwas größeres Gerät ist, sechs Zylinder und so, und weil in der Garage auch ein kleinerer Stadt-Flitzer steht. Aber der Kleine ist ein Benziner, in der heutigen dieselfeindlichen Zeit also ein Langweiler. Mainstream. Middle of the road.

Der Diesel dagegen ist mein Rebellen-Fahrzeug. Wenn ich drin sitze und mitten hinein fahre in die Innenstadt, fühle ich mich wie ein grauer Panther. Bedauerlich ist, dass ich vor gut zehn Jahren, als ich den Diesel gekauft habe, auf die entsprechende Inschrift am Heck verzichtet habe. Ich fand das damals cool. Keine angeberischen Buchstaben am Hinterteil, die dem Hintermann mitgeteilt hätten, dass dieser Diesel kein x-beliebiger Diesel ist, sondern ein ganz schön aufgemotzter. Nicht die allererste Sahne, aber bestimmt die zweite Sahne.

Heute fände ich es cooler, wenn ich ein dickes Diesel am Hintern prangen hätte. Als eine Art „Ätsch“ an die pseudo-ökologischen Diesel-Hasser von heute. Aber nachträglich kann man die Buchstaben nicht mehr anbringen. So sitze ich also in meinem Rebellen-Auto und keiner kann erkennen, dass es ein Rebellen-Auto ist.

Aber Hauptsache, ich weiß es. Es ist ja auch ganz schön, ein unerkannter Diesel-Rebell zu sein. Und im Bewusstsein durch die Stadt zu fahren, dass ich mich nicht von diesen merkwürdigen Umweltfreunden, die so liebevoll von Toyota unterstützt werden, ins Boxhorn jagen lasse. Sollen die anderen aus Schiss in der Buxe keine Diesel mehr fahren. Sollen die Dieselhalden ins Unermessliche wachsen. Solche Halden sind immer Zeichen einer verrückt gewordenen Politik. Ich erinnere mich noch an den Butterberg. Und an den Milchsee. Lauter Produkte einer Politik, die in ihrem Schrank vergeblich nach allen Tassen suchen würde. Weshalb sie es vorsichtshalber nicht tut. Und sich von Toyota in den Verzicht auf eine ihrer wichtigsten Industrien tricksen lässt. Und den Dieselautos an den nicht vorhandenen Kragen geht, anstatt die Dieselgauner, die die Stimmung versaut haben, beim Schlafittchen zu packen.

„Den können Sie nochmal 200.000 Kilometer fahren“

Das soll alles ruhig so sein. Aber ich gleite weiter in meinem sanft brummenden Diesel elegant dahin. Würde ich heute wieder einen Diesel kaufen? Eigentlich gerne, aber das wäre ein teurer Protest, den ich mir in meinem Alter wohl nicht mehr leisten kann. Aber das ist eine müßige Frage. Ich hab ja einen Diesel. Über zehn Jahre alt, über 200.000 Kilometer auf dem Tacho und nix dran und sieht aus wie neu. „Diesel? Da ist nichts dran, was kaputt gehen könnte,“ hat mir damals der Chef unserer Werkstatt gesagt. Heute sagt er: „Den können Sie nochmal 200.000 Kilometer fahren.“

Das mach ich auch. Bis er mir unter’m Hintern zusammenkracht. Was wahrscheinlich auch nach 400.000 Kilometern noch nicht der Fall sein wird.

Und wenn es dann so weit ist, dann schau ich mir in aller Ruhe die Öko-Bilanz an und erlebe ein grünes Glücksgefühl. Verbrauch: Nicht mehr als der kleine Benzinflitzer, der dann wahrscheinlich nicht mehr daneben in der Garage steht. Ein einziges Mal vor über 20 Jahren unter einigem Energieaufwand hergestellt. Und dann eben nicht, wie empfohlen, zur vorzeitigen unökologischen Verschrottung abgelegt. Seither auch kein Kauf eines unter beträchtlichem Energieaufwand hergestellten Neufahrzeuges. Auch kein zweites, was in der Zwischenzeit wahrscheinlich schon wieder fällig wäre. Und schon gar keines von diesen Riesen-SUVs, dem Sündenfall grün wählender Mütter.

Über zwei Jahrzehnte hinweg geringe CO2-Emission, was meinen persönlichen Beitrag zur Erderwärmung in überschaubaren Maßen hält. Weitgehender Verzicht auf hochgiftige Batterien, die mittlerweile der Fluch der Hybrid- und Elektroautos sind. Kein übermäßiger Stromverbrauch, der dank all der „ökologischen“ E-Fahrzeuge zum Fluch der künftigen Gesellschaft wird.

Und so weiter, und so weiter. Ich genieße es, ein Diesel-Rebell zu sein. Und unter’m Strich, nach erfolgter Öko-Bilanz, komme ich mir sogar wie ein grüner Rebell vor. Ein grüner Diesel-Rebell. Was will man mehr?    

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Leserpost (8)
Andreas Kuhn / 06.04.2018

Ich überlege immer noch, mir einen Lanz Bulldog anzuschaffen. Der fährt auch mit Schweröl, hat einen guten Sound, und ihm machen auch Tempo 30 - Zonen keine Probleme. Und kann mühelos den Tesla mit leerer Batterie zur nächsten Ladestation schleppen.

Klaus Kalweit / 06.04.2018

Auch ich bin ein Dieselrebell. Ich habe mir auf meine alten Tage noch ein wahrscheinlich letztes Auto gekauft, es ist das beste meines Lebens und erfüllt die Euronorm 5. Mein Standpunkt lautet: Städte, die mich bald nicht mehr reinlassen wollen, sind es auch nicht wert, besucht zu werden.

Christoph Kaiser / 06.04.2018

Das einzig Gravierende ist das Ausmaß des Betruges am Dieselkäufer hierzulande…...... Man wundert sich, daß der Amerikaner einen Markt mit derart entrechteter Kundschaft nicht weiter erschlossen hat.

Rolf Menzen / 06.04.2018

Ein gut gepflegter Diesel, vor allem einer vom Daimler,  ist locker für mindestens ne halbe Mio. Kilometer gut. In der Taxibranche laufen die im Durchschnitt 100.000 km im Jahr. Und manchen Taxis haben über zehn Jahre auf dem Buckel.

Helmut Bormann / 06.04.2018

Völlig dàccord mit der Bilanz usw., nur “hochgiftige Batterien” ist Unsinn, was soll daran giftig sein (wenn man mal davon absieht, dass jedes Metall bzw.  jede Verbindung in hoher Konzentration giftig ist)? Batterien/Akkus sind zudem sehr gut zu recyclen bzw. wiederaufbereitbar, da sie eine genau definierte Stoffzusammensetzung haben. Wer Informationen zum Thema “Giftigkeit” hat, bitte einen link posten.

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