Jerome Boateng war in die Falle getappst, bevor sie aufgestellt war. In einem Interview vor geraumer Zeit, also vor der Gauland-Äußerung, gab Jerome Boateng zum Besten, dass es sein sehnlichster Wunsch sei, Kapitän der deutschen Mannschaft zu sein. Der sympathische Abwehrspieler, der immer etwas Scheues an sich hat, ging in die Offensive.
Im Grunde ist es ein bisschen wie bei Barack Obama gewesen. 2008 hieß es in den USA, es sei Zeit für einen dunkelhäutigen Präsidenten, was bei Boateng wie Obama falsch ist, da in beiden Fällen die Mutter hellhäutig ist.
Egal. Obama wird von den Wählern - und genau da liegt der Unterschied - Boateng hingegen vom Bundestrainer bestimmt und hier fängt es an, perfide zu werden, da eine Entscheidung durch eine Einzelperson angreifbarer ist als eine demokratische. Boateng ist einer der goldenen Generation im deutschen Fußball. Neben ihm kommen Thomas Müller, Mats Hummels, Sami Khedira, Toni Kroos, Mesut Özil, Marco Reus und Manuel Neuer ebenso infrage für den Posten des Kapitäns. Bastian Schweinsteiger ist auch aufgrund seiner Verletzungsmisere ein Auslaufmodell. In meinen Augen sind Müller, Boateng und Neuer die Kandidaten der Wahl, die in den engsten Kreis kommen.
Man kann Boateng nicht vorwerfen, dass er von sich aus die multikulturelle Karte gespielt hatte. Aber durch Gaulands Spruch fällt ihm dies auf die Füße. Wird nämlich Joachim Löw nun in Kürze Boateng, der es absolut verdient hat, Kapitän zu werden, auswählen, dann werden einige vermuten, es sei nur geschehen, weil er dunkler Hautfarbe ist.
Ohne das Interview, in dem Boateng seinen Wunsch äußerte und ohne Gaulands Spruch über die Nachbarschaft, wäre es kein Thema gewesen, aber so könnte man im Bestimmungsakt, den Jogi Löw trifft, eine – wie Engländer sagen – affirmative action sehen, eine Bevorzugung Boatengs gegenüber Müller und den Anderen.
Hätte Boateng mal seine Ambitionen für sich behalten. Gauland ist das nicht irgendwie herausgerutscht. Die AfD ist, man mag halten, was man will von ihr, eine taktisch gewiefte Partei. Löw steht unter Druck. Wählt er Müller, könnte man dies als Einknicken des Bundestrainers vor dem dunklen Deutschland sehen, das keinen afrikanisch-stämmigen Kapitän akzeptiert. Daher wird Löw wahrscheinlich geneigt sein, Boateng die Binde zu geben, um seine Unabhängigkeit zu zeigen.
Dann jedoch werden auch einige Nicht-AfD-Wähler sagen, dass derlei Positiv-Diskriminierung unzulässig sei. Schließlich reden alle von Boateng und Gauland. So oder so – ähnlich wie bei der Wahl eines Bundespräsidenten ist durch Gaulands Äußerung die Bestimmung eines neuen Kapitäns der Nationalmannschaft ein Politikum nach dem Geschmack der AfD – sie kann nur gewinnen. Wird Boateng Kapitän, wird ihr Mantra von der systematischen Bevorzugung der Multikulturalisten zumindest scheinbar bestätigt. Wird hingegen Boateng nicht Kapitän, sondern ein Neuer oder Müller, hätte sie in Gaulands Augen sich durchgesetzt. Das Thema Boateng ist keineswegs zufällig gesetzt worden, es ist Gauland nicht rausgerutscht, es sollte als Beleidigung ankommen und wird so oder so eine Reaktion provozieren, auch mit Bezug auf die Besetzung des Kapitänspostens im Team des Weltmeisters.
Vielleicht hat Alexander Gauland ja den Film The Matrix gesehen, sich einen Trick abgeschaut, der subtil funktioniert – die Szene nämlich, in der Neo (Keanu Reeves) zum Orakel geht, um zu erfahren, ob er der Auserwählte ist. Als das Orakel ihn mit den Worten empfängt, dass es nicht schlimm sei, wenn er die Vase umwerfe, kurz BEVOR er diese tatsächlich umwirft und dann den Satz nachschiebt: „Hättest Du sie auch umgeworfen, wenn ich Dir nichts gesagt hätte?! Bei derlei kann man verrückt werden.“
Beitragsbild: Roland zh CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Eigentlich ganz einfach, man macht aus der Kapitänswürde einen Rotationsjob und dann darf jeder mal, passt dann auch irgendwie zum "ist doch egal" Deutschland momentaner Darstellung. Ich habe mich früher für Fussball sehr interessiert, heute allerdings überhaupt nicht mehr - Langeweile, keine Lust anderen Leuten bei der Arbeit zuzuschauen und diverse andere Gründe. Die Herren Boateng, Özil, Hummels und Kroos sind allerdings zu, ähm, schüchtern und wenig durchsetzungsfähig wenn sie meine bescheidene Meinung wissen möchten. Nur der Mann mit dem derbdeutschen Namen Müller scheint mir der richtige für diese Position, einzig nur deswegen weil der die Klappe ordentlich aufreissen kann. Wenn man nur ordentlich im Stammbaum nachforscht dürfte sich auch hier ein Migrationshintergrund ergeben. Aber ansonsten wie gesagt Rotation, oder wenn das nichts helfen sollte Trikotverlosung vor dem Spiel - da weiß dann eh keiner mehr wofür er steht und wäre auch eine prima Entschuldigung für das nicht mitsingen der Hymne.
"...ist durch Gaulands Äußerung ..." Hallo? Wer hat sie denn unnötigerweise breit getreten? Aus welcher Motivationsecke auch immer. Die Berichterstattung in california über Trump hat ein paar Parallelen zur Berichterstattung in D über die AfD. Hysterisch, übertrieben und kaum noch rational. Insgesamt erinnert mich das in den USA auch an die Situation in D. Die "jungen Liberals" verhalten sich gegenüber dem "politischen Gegner und seinen Sympathisanten" ähnlich gewaltaffin wie die "Antifanten". Nun befürchtet man, dass die Ausschreitungen in CA , dem "ungeliebten Trump" auch "Demokraten-Wähler" zu führen könnte (LA-Times). Trump ist im Vergleich zu den "demokratischen" Sozialisten (Liberals) für viele der einzig wählbare Kandidat. Leider konnte man hier keinen besseren Kandidaten aufstellen. Das ist peinlich genug. Woran liegt es? Viele Steuerzahler haben die Schnauze voll von den Eliten/dem Establishment. Wobei nicht wenigen Amerikanern nicht so recht bewusst ist, wie hoch die Abgaben in D sind. Ein Hongkongchinese wollte mir das vor drei Jahre nicht glauben. Er konnte sich nicht vorstellen, das Menschen die fleißig arbeiten und gut die Hälfte ihrer Arbeit/Ernte an den Staat abgeben müssen ohne aufzubegehren. Wer weiß, vielleicht kocht jetzt endlich in D etwas über und die Eliten werden davon "gejagt". Allerdings vermute ich eher, dass die - im guten und wirtschaftlichen Sinne produktiven - Talentierten weniger gewaltaffin sind und spätestens dann scharenweise D/EU verlassen, wenn auf "demokratischen Weg" keine entscheidenden Verbesserungen/Veränderungen in Richtung mehr Freiheit/demokratischer Rechte/freier Marktwirtschaft/weniger Government/mehr Machtkontrolle,- beschränkung etc. erreicht werden kann. Wenn die Herrschenden aus EU/D nicht sehr schnell den aufstrebenden "neuen Kräften" das Pulver wegnehmen, dann werden sie verlieren. Sie werden überflüssig und das erinnert auch etwas an Okt /Nov 1989.
Zum x-ten mal: Der Name Boateng wurden von den FA-Journalisten völlig unpassend beim Thema "Fremdsein in Deutschland und Integration" ins Gepräch eingebracht, nicht von Gauland. Die ganze Sache sagt doch mehr über einen offenkundig vorhandenen Rassismus bei den Fragestellern aus, weniger über irgendwelche taktischen Spielchen bei der AfD.
Sehr geehrter Herr Esser, das ist ja mal eine steile These auf den Montagmorgen! Wenn ich mich recht entsinne, haben die Herren Lohse und Wehner von der FAS bezeugt, den Namen Boateng von sich aus ins Spiel gebracht zu haben. Was ja dann bedeuten würde, daß Hr. Gauland durch „Suggestivantworten“ seine Gegenüber in die erwünschte Ecke manövriert haben müßte, um dann dadurch schlußendlich den Bundestrainer in die Bredouille bringen zu können... Bei all Ihrer Bewunderung für die taktische Finesse der AfD: Ich halte grundsätzlich niemanden des bundesrepublikanischen Politpersonals einer solchen diabolischen Subtilität für fähig. Auch nicht Herrn Gauland. Mit freundlichen Grüßen, Florian Huber
Schön und gut, aber doch wohl alles reine Spekulation. Zu diesem Thema ist schon viel zu viel gesagt und geschrieben worden, was nicht zur Aufklärung beiträgt. Ich persönlich vermute, Gauland könnte die Boateng-Brüder aus Unkenntnis verwechselt haben. Das würde am meisten Sinn ergeben, aber ist natürlich ebenfalls rein hypothetisch.