Tom David Frey, Gastautor / 07.09.2023 / 14:00 / Foto: Pixabay / 14 / Seite ausdrucken

Der Trump-Faktencheck (2): Teufel, Heiland oder ... Rassist?

Von Tom David Frey.

Was, wenn Donald Trump weder der Teufel noch der Heiland wäre? Angenommen, er wäre einfach nur ein Politiker mit Vor- und Nachteilen. Tom David Frey wagt in seinem Buch, das wir in Auszügen vorstellen, die Abwägung. Teil 2: „Der rassistische Präsident“. 

Rassismus ist heute ein Totschlagargument par excellence. Fällt das R-Wort einmal, dann ist der Beklagte schnell aus der öffentlichen Diskussion ausgeschlossen oder zumindest als unwürdiges Mitglied markiert. In der Regel ist das Label, einmal in die Welt gesetzt, nicht abwaschbar und eine Rehabilitierung nur schwer möglich. Deshalb verwundert es nicht, dass immer mehr Menschen, Unternehmen und Institutionen heute als „rassistisch“ beschimpft werden, mit dem Hintergedanken, die Debatte in eine bestimmte Richtung zu treiben und so das eigene Narrativ in Stein zu meißeln und für die Allgemeinheit zu zementieren.

Bevor man sich aber leidenschaftlich auf die aktuelle politische Debatte rund um das Thema Rassismus stürzt, sollte man den Begriff genau definieren. Dass genau das aber so selten getan wird, dass der Begriff des Rassismus mittlerweile für vieles stehen oder im Zweifelsfall je nach Bedarf definiert werden kann, ist ein ernsthaftes Problem. (…) Anstatt Rassismus (…), wie ursprünglich, als eine Ideologie der „Rassenhierarchie“ zu definieren, wird der Begriff in der aktuellen Debatte zunehmend verwässert. Das Verwässern des Begriffs hat für die, die Begriffe nach Gutdünken verbiegen und umdeuten, einen großen Vorteil. Die neue Definition nämlich trifft in vielen Fällen nicht auf „Rassenhasser“ zu, sondern aalglatt auf den politischen Gegner, der mit der eigentlichen Definition des Rassismus oft nicht erreichbar gewesen wäre.

Diese Umdefinierer nutzen dabei aus, dass dem Begriff des Rassismus, trotz einer neuen Definition, von weiten Teilen der Öffentlichkeit weiterhin mit einer höchst emotionalen Ablehnung begegnet wird. Immer mehr Menschen, denen ein Handeln nach einem „rassisch-hierarchischen“ Weltbild in keiner Weise nachgesagt werden kann, werden dennoch als Rassisten bezeichnet und erfahren so gesellschaftliche Nachteile. Um herauszufinden, ob Donald Trump sich des Rassismus schuldig gemacht hat, verwende ich in diesem Kapitel deshalb ausschließlich die ursprüngliche Definition des Rassismus-Begriffs.

Googelt man „Donald Trump Racism“, dann bekommt man, neben einigen persönlichen Beiträgen, auch eine bunte Auswahl an redaktionellen oder akademisch aufbereiteten Vorschlägen zum Thema. Schon auf der ersten Seite findet man eine Liste mit Links zu seriösen Medien und Anstalten, die bereits im Titel große Ankündigungen machen. Vox titelt: „Trumps lange Geschichte des Rassismus, von den 1970er Jahren bis 2020“. Die University of Berkeley verlinkt eine Präsentation mit dem Titel „Trumps Rassismus ist nicht nur Rassismus, sondern eine Strategie“. Der Fernsehsender PBS taucht präsent mit einem Link zu einem Video mit dem eindeutigen Namen: „Trump besteht darauf, eine rassistische Sprache zu verwenden. Wird er mit diesem Ansatz Unterstützung gewinnen?“ Für viele Medienhäuser scheint in diesem Fall also festzustehen, dass Trump ein lupenreiner Rassist ist. (…)

Trump-Rassismus-Aufreger 1

Im Januar 2018 sorgte eine harsch formulierte Aussage Trumps für einen Eklat. Der Rassismus-Vorwurf stand umgehend im Raum und die Worte des damaligen US-Präsidenten gingen um die Welt, sorgten für Aufruhr und Ablehnung des Staatsoberhaupts. CNN, der Fernsehsender, der regelmäßig sogenannte "Drag Story Hours" verteidigt, während derer Männer in teilweise aufreizenden Frauenkostümen Kindern Geschichten vorlesen, warnte in einem Bericht Eltern eindrücklich vor den Worten Trumps: „Eltern, die mit Kindern zusehen, sollten die nächsten 35 Sekunden stumm schalten.“ (…) Nach einigen weiteren Worten folgte dann das Zitat, das CNN selbst von der Washington Post übernommen hatte. Laut dem Bericht, der sich auf die Aussagen von Beteiligten eines Meetings stützte, hatte Trump gesagt: „Warum kommen all diese Menschen aus shithole countries zu uns?“.

„Shithole countries“ (in etwa „Dreckslochländer“). Ein Begriff, der verdächtig nach Rassismus roch. Viele Medien behaupteten, Trump habe sich mit der Beschimpfung auf mittelamerikanische und afrikanische Nationen bezogen. Dem allerdings widersprach der demokratische Senator Dick Durbin aus Illinois, der bei dem Meeting anwesend gewesen war und Trumps Worte danach verurteilte und die Umstände so beschrieb: „(…) Und dann fuhr er fort, als wir anfingen, die Auswanderung aus Afrika zu beschreiben (...) Das war der Moment, in dem er seine abscheulichen und vulgären Bemerkungen machte und die Nationen, aus denen sie kommen, als ‚shitholes' bezeichnete.“

Aber macht es die Sache besser, dass Trump nicht Haiti und El Salvador, sondern stattdessen „nur“ einige afrikanische Länder als „Shithole countries“ betitelt hatte?Obwohl die allermeisten Migranten in den USA aus Zentral- und Südamerika stammen, ebenso wie aus Asien, steigt auch die Anzahl derer, die Afrika verlassen und eine neue Heimat auf amerikanischem Boden suchen, stetig an. Wirft man dabei einen Blick auf Daten des Pew Research Centers und dessen Auswertung über die Einwanderung schwarzer Migranten, dann stellt man fest, dass die meisten der afrikanischen Zuwanderer in 2019 aus Nigeria kamen, gefolgt von Äthiopien, Ghana, Kenia und Somalia. Die jährliche Migration aus allen genannten Ländern war im Vergleich 2010 / 2019 massiv angestiegen, teilweise um mehr als 300 Prozent.

Der enorme Zuwachs legt nahe, dass in den angegebenen Ländern die Lage nicht als rosig betrachtet werden kann. Denn wer flieht und lässt Zuhause, Familie und Freunde, Kultur und Sprache freiwillig hinter sich, wenn er doch in seiner Heimat ein glückliches Leben führen könnte? Natürlich gibt es sie, die freiwillige Migration, die Menschen dazu bewegt, ihr altes Leben trotz guter Umstände hinter sich zu lassen und in einem fremden Land neu durchzustarten. Von Deutschland aus zogen 2019 rund 10.000 Menschen in die USA. Das entspricht in etwa 0,01 Prozent der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik. Eine überschaubare Anzahl.

Somaliakein „Shithole country“?

Im selben Jahr aber verließen rund 110.000 Menschen ihr Heimatland Somalia, um ein neues Leben in den Vereinigten Staaten zu beginnen, was immerhin rund 0,73 Prozent der Bevölkerung des ostafrikanischen Landes entspricht – und wobei nicht vergessen werden sollte, dass die USA wegen ihrer enormen Distanz und harten Einreisebestimmungen bei Weitem nicht das Hauptziel für Migranten aus Somalia ist. Somalia ist dabei das Land mit der weltweit höchsten Rate an weiblicher Genitalverstümmelung. Zumeist unter unhygienischen Umständen werden bei der auch als „Female Genital Mutilation" bezeichneten Praxis jungen Mädchen zwischen 4 und 14 Jahren, häufig ohne Narkose und mit stumpfen Gegenständen, entweder die Klitorisvorhaut abgetrennt, oder aber die Klitoris wird sogar ganz weggeschnitten.

Eine weitere Form der Genitalverstümmelung, die in Somalia an der Tagesordnung ist, ist das Wegschneiden der äußeren und inneren Schamlippen. Bei der als „Pharaonische Beschneidung" bekannten Praxis wird die zurückbleibende blutige Öffnung derart eng zugenäht, dass nur noch eine minimale Öffnung zum Ausscheiden von Urin übrig bleibt. Es gibt noch etliche andere Methoden, mit denen Frauen „beschnitten" werden, dazu zählen zum Beispiel das Ausbrennen oder Einführen von Substanzen, mit dem Ziel, die Vaginalöffnung zu verengen. Laut Angaben von Frauenrechtsorganisationen sind im ostafrikanischen Somalia etwa 98 Prozent aller Frauen verstümmelt, wobei es praktisch keinen Unterschied zwischen urbanen und ländlichen Gebieten, zwischen reichen und armen Individuen geben soll.

Wer Somalia, gerade aus weiblicher Perspektive, nicht als „Shithole Country“ bezeichnen möchte, dem steht es frei, einen diplomatischeren Begriff zu verwenden und das Schimpfwort in höflichere Kritik zu verwandeln. Allerdings zu einem anderen Schluss zu kommen, Somalia nicht als „Shithole Country“ zu verstehen, das kann nur eine Person, für die Begriffe wie Menschenwürde und Frauenrechte Fremdworte sind. Berechtigterweise fliehen Menschen aus dem bitterarmen Land, das von Terror und Gewalt, von Korruption und Frauenverachtung heimgesucht wird.

Unrecht in Afrika

Die Wiege der Menschheit, Afrika, ist aber auch abseits von Somalia ein geplagter Kontinent. Von Korruption über Terrorismus und Kriminalität, bis hin zu Gewalt gegen Frauen, gegen sexuelle und religiöse Minderheiten herrscht auf dem großen Kontinent vielerorts auch heute noch Unrecht. Es gibt etliche Statistiken, die das belegen und die aus politisch-korrekten Gründen nur anficht, wem die Menschen vor Ort egal sind.

Grob fasst die Lage in den afrikanischen Ländern, die den Großteil der „schwarzen Migration“ in den USA darstellen, der Freiheitsindex der Heritage Foundation zusammen. 176 Länder werden in Kategorien von „Frei“ bis „Unterdrückt“ bewertet und eingestuft. In den Kategorien „Frei“ und „Mehrheitlich frei“ taucht nicht ein einziges afrikanisches Festland auf. Nigeria landet auf Platz 124 („Mehrheitlich unfrei“), Äthiopien auf Platz 155 („Unterdrückt“), Ghana immerhin auf Platz 99 („Mehrheitlich unfrei“) und Kenia belegt Platz 135 („Mehrheitlich unfrei“). Somalia wird im Index nicht einmal aufgeführt.

Man nenne Somalia, wie man will. Dass der von Trump verwendete, äußerst abwertende Begriff aber auch auf ein Land wie Ghana zutrifft, ist jedoch zu bezweifeln. Allerdings kann man niemandem einen Vorwurf machen, der Länder verurteilt, die ihren Bürgern grundlegende Menschenrechte vorenthalten. Natürlich kann man das auf weniger vulgärer Ebene tun. Allerdings sind viele der unmenschlichsten Praktiken seit Jahren bekannt – Aufmerksamkeit bekommt manch grausames Thema nur durch eine krasse Wortwahl. Ob Trump mit seinem Kommentar das schaffen wollte, auf Probleme wie die Verstümmelung von Frauen hinzuweisen, diese wichtige Frage hat ihm im Zuge der Berichterstattung, nach meiner Kenntnis, leider niemand gestellt. (…)

Trump-Rassismus-Aufreger 2

Eine Demonstration von Neonazis und eine große Gegendemonstration markieren einen der verhängnisvollsten Tage der Präsidentschaft Trumps. Um 13:14 Uhr drückte der Fahrer eines Dodge Challenger aufs Gaspedal. Der Neonazi im Auto steuerte sein Fahrzeug direkt in eine Gegendemonstration. Bilder zeigen, wie Menschen durch die Luft flogen, als das Auto auf den Demonstrationszug traf. Eine junge Frau starb. Und was sagte der Präsident?

The Atlantic titelte: „Trump verteidigt weiß-nationalistische Demonstranten: ‚Einige sehr gute Leute auf beiden Seiten‘“. Hatte Trump die Neonazis mit den Gegendemonstranten gleichgesetzt? Hatte er junge, gewaltbereite Männer, die ihre Hassbotschaften mit lauten Worten, aber auch mit Fäusten nach außen trugen, mit einer bunten und aus weiten Teilen der Gesellschaft bestehenden Gruppe an Gegendemonstranten verglichen? Der mediale Aufschrei betraf nicht nur Amerika, er ging um die Welt. Der US-Präsident verurteilte Neonazis nicht, stattdessen verharmloste er sie. Wer die Geschichte des Konflikts von Charlottesville erzählen will, der muss weit ausholen. (…)

Wie man persönlich zu dem Südstaaten-General Robert E. Lee steht, ist unerheblich. Fest steht allerdings, dass Lee Annehmlichkeiten der Sklaverei genoss, ohne jedoch selbst einen großen Fokus auf den Besitz von Sklaven zu legen. Einige seiner Äußerungen richten sich allerdings auch gegen die Institution der Sklaverei. Dennoch ist unumwunden anzuerkennen, dass Robert E. Lee der wohl erfolgreichste General der Konföderierten war und somit das System der Entmenschlichung durch Sklaverei zumindest militärisch erbittert verteidigte. Allerdings, und das ist auch festzuhalten, kämpfte Lee nicht aus Überzeugung für das System der menschlichen Entrechtung, sondern aus Gründen der Loyalität, zum Beispiel gegenüber seinem Heimatstaat Virginia, gegen die Union der Nordstaaten.

Das Wort „umstritten", das Lees Erbe zutreffend beschreibt, bedeutet nicht, dass der Südstaaten-General nur auf Ablehnung stößt. Lee wurde und wird von vielen auch heute noch verehrt. Robert E. Lee ist ein fester Teil der amerikanischen Geschichte. In einigen Bundesstaaten, zum Beispiel in Mississippi, aber auch in Florida, ist der „Robert E. Lee Day" deshalb bis heute ein offizieller Feiertag. (...)

Abscheuliche Abnormalitäten

Die Situation geriet ins Wanken, nachdem die Black-Lives-Matter-Bewegung ab 2014 an Fahrt aufgenommen hatte und das Thema auch medial immer präsenter behandelt wurde. Im Zuge der Demonstrationen, die in großen Teilen auch von Gewalt und Umsturzfantasien geprägt waren, kam es landesweit zu immer lauter werdenden Forderungen, Statuen von missliebigen Persönlichkeiten zu entfernen. (…)  Und so kam es, dass im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste Statuen des einstmals angesehenen Generals im ganzen Land verschwanden – zur Freude einiger und zur Bestürzung anderer.

Als man 2017 im beschaulichen Charlottesville, Virginia, die Entscheidung traf, die lokale Statue des Konföderierten Generals Lee zu entfernen, eskalierte dann die Situation. (…) Um Lee zu „schützen“, hatten sich in Charlottesville offen Rechtsradikale unter dem Motto „Unite The Right“ zusammengefunden. (…) Ihren rassistischen Hass versuchten sie erst gar nicht zu verstecken.

„Juden werden uns nicht ersetzen!“, war nicht nur am Vorabend der Schlachtruf der Rechtsradikalen gewesen, sondern hallte auch an diesem Tag durch die Straßen der ansonsten so beschaulichen Stadt. Auch der bei Nazis in Europa bekannte Ruf „Blut und Boden!“ sollte das Bild prägen. Selbst der zum Hitlergruß ausgestreckte rechte Arm gehörte zu den vielen abscheulichen Abnormalitäten, die an diesem Tag Amerika besudelten.

Emotionale Explosion in den Medien

Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen, auch zu gewalttätigen, mit den Gegendemonstranten, die sich aus verschiedenen Gruppierungen zusammensetzten: Da waren einfache Bürger aus allen Schichten, aber auch verschiedene Religionsgruppen, Black-Lives-Matter-Aktivisten, ebenso wie zum Kampf gerüstete Vermummte. Und dann, um kurz nach 13 Uhr, nach einem hasserfüllten, lauten, rauen Vormittag, kam es zum Mord an der 32-jährigen Heather Heyer. Der 20-jährige James Alex Fields Jr., der Adolf Hitler verehrte, lenkte seinen Dodge Challenger mitten in einen Zug aus Gegendemonstranten.

Heyer starb und etliche weitere wurden verletzt. Die Fotos und Aufnahmen der Todesfahrt wirken fast surreal. Wie Konfetti fliegen da Menschen durch die Luft, getroffen von der harten Karosserie, die von einem Rechtsterroristen zum tödlichen Geschoss umgewandelt worden war. Noch am selben Abend reagierte der Präsident und twitterte: „Wir ALLE müssen vereint sein & alles verurteilen, wofür Hass steht. Es gibt keinen Platz für diese Art von Gewalt in Amerika. Lasst uns als Eins zusammenkommen!“

Anstatt für Eintracht zu sorgen, führte der Tweet zu einer emotionalen Explosion in den Medien. Warum war Trump nicht direkt auf die Rechtsradikalen eingegangen? Warum hatte er den Mord an Heather Heyer nicht direkt angesprochen? Wo blieb die Verurteilung von David Duke, dem ehemaligen Kopf des Ku Klux Clan, der sich unter die Rechtsradikalen gemischt hatte?

„Rassismus ist böse“

Zwei Tage nach den Ausschreitungen, am 14. August 2017, trat Präsident Trump im Weißen Haus vor die Kameras und bezog in einer etwa fünfminütigen Rede Stellung.

„(…) Das Justizministerium hat eine Bürgerrechtsuntersuchung zu dem tödlichen Autoanschlag eingeleitet, bei dem eine unschuldige Amerikanerin getötet und 20 weitere verwundet wurden. An jeden, der bei der rassistischen Gewalt an diesem Wochenende kriminell mitgewirkt hat, Du wirst in vollem Umfang zur Verantwortung gezogen werden. Gerechtigkeit wird hergestellt werden. Wie ich bereits am Samstag sagte, verurteilen wir diese ungeheuerliche Zurschaustellung von Hass, Fanatismus und Gewalt auf das Schärfste. Das hat in Amerika keinen Platz.

Und wie ich schon oft gesagt habe, leben wir alle, unabhängig von unserer Hautfarbe, unter denselben Gesetzen, wir alle salutieren vor derselben großartigen Flagge und wir alle sind von demselben allmächtigen Gott geschaffen. Wir müssen einander lieben, Zuneigung füreinander zeigen und gemeinsam Hass, Bigotterie und Gewalt verurteilen. Wir müssen die Bande der Liebe und Loyalität wiederentdecken, die uns als Amerikaner vereinen.

Rassismus ist böse, und diejenigen, die in seinem Namen Gewalt ausüben, sind Kriminelle und Schläger, darunter der KKK, Neonazis, weiße Rassisten und andere Hassgruppen, die allem widersprechen, was uns als Amerikanern lieb und teuer ist.  Wir sind eine Nation, die sich auf die Wahrheit gründet, dass wir alle gleich geschaffen sind. Wir sind in den Augen unseres Schöpfers gleich, wir sind vor dem Gesetz gleich und wir sind vor unserer Verfassung gleich. Diejenigen, die im Namen von Fanatismus Gewalt verbreiten, treffen den Kern Amerikas.

Vor zwei Tagen wurde eine junge Amerikanerin, Heather Heyer, auf tragische Weise getötet. Ihr Tod erfüllt uns mit Trauer, und wir senden ihrer Familie unsere Gedanken, unsere Gebete und unsere Liebe. Wir trauern auch um die beiden Polizisten des Bundesstaates Virginia, die im Dienst für ihre Gemeinde, ihren Staat und ihr Land gestorben sind. Die Trooper Jay Cullen und Berke Bates verkörpern das Beste, was Amerika zu bieten hat, und unser Mitgefühl gilt ihren Familien, ihren Freunden und allen Mitgliedern der amerikanischen Strafverfolgungsbehörden.

Diese drei gefallenen Amerikaner verkörpern die Güte und den Anstand unserer Nation. In Zeiten wie diesen hat Amerika immer seinen wahren Charakter gezeigt, indem es auf Hass mit Liebe, auf Spaltung mit Einheit und auf Gewalt mit einer unerschütterlichen Entschlossenheit für Gerechtigkeit reagiert hat.

Als Kandidat habe ich versprochen, Recht und Ordnung in unserem Land wiederherzustellen, und unsere Strafverfolgungsbehörden auf Bundesebene halten sich an dieses Versprechen. Wir werden keine Mittel scheuen, um dafür zu kämpfen, dass jedes amerikanische Kind frei von Gewalt und Angst aufwachsen kann. Wir werden die heiligen Rechte aller Amerikaner verteidigen und schützen, und wir werden zusammenarbeiten, damit jeder Bürger in diesem gesegneten Land frei ist, seinen Herzensträumen zu folgen und die Liebe und Freude in seiner Seele zum Ausdruck zu bringen.

Ich danke Ihnen, Gott segne Sie und Gott segne Amerika. Ich danke Ihnen vielmals.“

Medien ignorieren Trumps Statement

In seinem Statement bezog Trump klar Stellung und nannte die Übeltäter beim Namen. Er betitelte Rassismus als bösartig, und die, die im Namen der Ideologie Gewalt verübten, nannte er „Thugs“, was man mit „Gangster“ oder „Schläger“ übersetzen kann. Er verurteilte namentlich die Mitglieder des Ku-Klux-Klans, Neonazis und White Supremacists. Die Medien aber missachteten die Worte großflächig und überhörten die Verurteilung. Stattdessen hielten breite Teile der Öffentlichkeit an der Idee fest, Trump habe Rassisten nicht verurteilt.

Nur einen Tag später, am 15. August 2017, trat Trump deshalb in der Lobby des Trump Towers in New York erneut vor die Kameras. Tumultartige Szenen prägten das Bild der sich abspielenden Pressekonferenz. Die Diskussion begann mit Worten Trumps, die als Rechtfertigung verstanden werden können, als Erklärung dafür, warum er drei Tage zuvor, am Tag des Geschehens, auf seiner Lieblingsplattform Twitter nicht heftiger reagiert hatte. Trump:

„Ich habe nicht lange gewartet. Im Gegensatz zu den meisten Politikern wollte ich sichergehen, dass das, was ich sagte, korrekt war. (...) Es dauert eine Weile, bis man die Fakten kennt, man kennt die Fakten noch immer nicht. (...) Ich will also nicht schnell eine Erklärung abgeben, nur um eine politische Erklärung abzugeben. Ich möchte die Fakten kennen.“

„Ist es Mord, ist es Terrorismus?“

Daraufhin zitierte Trump einen Tweet, den er bereits zuvor in die Welt geschickt hatte, der aber in den Medien ebenfalls nur wenig Beachtung gefunden hatte: „Wir verurteilen diese ungeheuerliche Zurschaustellung von Hass, Bigotterie und Gewalt auf das Schärfste. Das hat in Amerika keinen Platz.“ Es folgte ein Hin und Her, in dem Trump unter anderem abermals darauf verwies, dass die Fakten zu kennen für eine präsidiale Reaktion essenziell sei. Dann kam er auf den Fahrer zu sprechen, der die Todesfahrt in Charlottesville zu verantworten hatte.

Reporter: „War das Terrorismus (…)?“

Trump: „Nun, ich denke, der Fahrer des Autos ist eine Schande für sich selbst, für seine Familie und für dieses Land, und das ist, man kann es Terrorismus nennen, man kann es Mord nennen, man kann es nennen, wie immer man will (...) Denn es stellt sich die Frage: Ist es Mord, ist es Terrorismus? Und dann gerät man in die juristische Bedeutungslehre. Der Fahrer des Wagens ist ein Mörder. Und was er getan hat, war eine schreckliche, schreckliche, unentschuldbare Sache.“

Trump war an diesem Punkt aber noch nicht fertig. Auch die Reporter der Presse waren in ihrer Erregung kaum zu zähmen und wechselten von einem zum nächsten Thema. Mal ging es um Steve Bannon, dann um den Nationalen Sicherheitsberater H. R. McMaster, dann wieder um den republikanischen, aber Trump kritisch gesinnten Senatoren McCain. Reporter: „Senator McCain sagte, dass die Alt-Right hinter diesen Anschlägen stecke, und er brachte dieselbe Gruppe mit denen in Verbindung, die den Anschlag in Charlottesville verübten.“ Es folgten einige Sätze, in denen Trump die Reporterin zu einer Definition des Begriffs "alt-right" aufforderte, worauf diese allerdings nicht einging. Trump:

„Was ist mit der Alt-Left, die sich auf die, wie Sie sagen, Alt-Right stürzte. Haben sie irgendeinen Hauch von Schuld? (...) Was ist mit der Tatsache, dass sie mit Knüppeln in der Hand und mit schwingenden Keulen angriffen, haben sie irgendein Problem? Ich denke schon. Also wissen Sie, für mich war das ein schrecklicher, schrecklicher Tag. (...) Ich werde Ihnen etwas sagen. Ich habe das sehr genau beobachtet. Viel aufmerksamer, als Ihr Leute es getan habt. Und es gab eine Gruppe auf der einen Seite, die böse war, und eine Gruppe auf der anderen Seite, die auch sehr gewalttätig war, und niemand will das sagen. Aber ich werde es jetzt sagen. Auf der anderen Seite gab es eine Gruppe, die ohne Genehmigung eingedrungen ist und die sehr, sehr gewalttätig war.“

Trump wird explizit überhört

Trump stellte eine Gegenfrage, die in den Medien bisher keine Rolle gespielt hatte. Er sprach von Gewalt, die von einer Gruppe linksextremer Akteure ausgegangen sei. Aber hatte es die Gewalt von Links überhaupt gegeben? Ja, in Charlottesville hatten sich auch gewalttätige Linksextremisten der sogenannten Antifa versammelt, die, ebenfalls zum Kampf mit Helmen, Schilden und Schlagstöcken ausgestattet, den Konflikt aktiv gesucht hatten. Wer dabei wen zuerst angriff, ist im Nachhinein allerdings schwer zu eruieren.

Fest steht aber, auch hiermit hatte Trump recht, dass die Neonazis ihre hasserfüllte Kundgebung ordnungsgemäß angemeldet hatten und Gebrauch von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung machten. Wie zuwider einem die Ideologie der Rechtsradikalen auch sein mag, wie sehr man sie auch mit legalen Mitteln bekämpfen sollte, in dieser Hinsicht ist die Einschätzung zutreffend, dass es die Vertreter der Antifa waren, die sich über das Gesetz stellten, als sie die abstoßende Menschengruppe nicht mit Worten attackierten, sondern mit körperlicher Gewalt. (…) Obwohl es zu diesem Zeitpunkt höchst unpassend war, so war es dennoch nicht ungerechtfertigt, dass Trump die Linksextremisten im selben Atemzug verurteilte.

Reporter: „Glauben Sie, dass das, was Sie Alt-Left nennen, mit Neonazis gleichzusetzen ist?“

Trump: „Diese Leute, alle diese Leute, entschuldigen Sie, ich habe die Neonazis verurteilt. Ich habe viele verschiedene Gruppen verurteilt. Aber nicht alle diese Leute waren Neonazis, glauben Sie mir. Bei weitem nicht alle diese Leute waren weiße Rassisten. Diese Leute waren auch dort, weil sie gegen die Entfernung einer Statue protestieren wollten, Robert E. Lee. (...) Also, diese Woche ist es Robert E. Lee, ich habe bemerkt, dass Stonewall Jackson abgerissen wird, ich frage mich, ob es nächste Woche George Washington und die Woche darauf Thomas Jefferson sein werden? (…)“

Abermals verteidigte Trump seine bereits an Neonazis geäußerte Kritik vom Vortag, die die Medien explizit zu überhören schienen.

Gewaltbereite Demonstranten auf beiden Seiten

Er verwies außerdem darauf, dass es auch Menschen gegeben hatte, die sich gegen die Entfernung der Statue eingesetzt hatten und verbat sich eine Gleichsetzung aller Kritiker der Abriss-Idee mit weißen Rassisten. Daraufhin hakte ein Reporter nach, der wissen wollte, ob Trump selbst es bevorzugen würde, wenn die Statuen des Südstaaten-Generals nicht entfernt werden würden. Trump: „Ich würde sagen, das ist Sache der Stadt, der Gemeinde oder der Bundesregierung, je nachdem, wo sie sich befindet.“ Wieder folgte eine andere Debatte. Dieses Mal ging es um Jobs und um die Lage der als „Rassen-Beziehung" bezeichneten Verhältnisse zwischen Bürgern unterschiedlicher ethnischer Herkunft, die Trump laut eigenen Angaben durch mehr gut bezahlte Jobs zu verbessern suchte.

Reporter: „Stellen Sie die ,Alt-Left' und die weißen Rassisten auf dieselbe moralische Stufe?“

Trump: „Ich stelle niemanden auf eine moralische Stufe. Was ich damit sagen will, ist Folgendes: Es gab eine Gruppe auf der einen und eine Gruppe auf der anderen Seite, und sie gingen mit Knüppeln aufeinander los, und es war bösartig und schrecklich, und es war furchtbar, das mit anzusehen. Aber es gibt noch eine andere Seite. Es gab eine Gruppe auf dieser Seite, man kann sie die Linke nennen, Sie haben sie gerade die Linke genannt, die die andere Gruppe gewaltsam angriff. Man kann darüber sagen, was man will, aber so ist es nun einmal.“

Auch diese Aussage war zutreffend. Auf beiden Seiten hatte es gewaltbereite Demonstranten gegeben, wobei die Anzahl der scheinbar gewaltbereiten Neonazis deutlich überwog. Allerdings hatten die Mitglieder der linksextremen Antifa das Demonstrationsrecht der Rechtsextremisten, das in einem Rechtsstaat nun einmal besteht, missachtet.

Wirbel um „sehr gute Leute“ 

In einem mehrere Sekunden andauernden Wortwirrwarr sprach Trump dann die Worte aus, die weltweit für Schlagzeilen sorgten und auf die man Trumps Gesinnung fälschlich herunterzubrechen versuchte.

Trump: „(…) - und es gab einige sehr schlechte Leute in dieser Gruppe, aber auch sehr gute Leute, auf beiden Seiten. Sie hatten Leute in dieser Gruppe, Verzeihung, entschuldigen Sie bitte. Ich habe die gleichen Bilder gesehen wie Sie. In dieser Gruppe waren Leute, die gegen die Entfernung einer für sie sehr, sehr wichtigen Statue und die Umbenennung eines Parks von Robert E. Lee in einen anderen Namen protestierten.“

Die Aussage, auf beiden Seiten habe es auch „sehr gute Leute“ gegeben, wurde zur Schlagzeile. Sie wurde genutzt, um Trump nachzusagen, er habe unter den Mitgliedern des Ku Klux Clan und den Neonazis auch gute Leute gesehen. Und das, obwohl Trump am Vortag die Rechtsextremen öffentlich und explizit verurteilt hatte. Da half es auch nicht, dass Trump nur wenige Sätze später noch einmal klarstellte, dass er nicht von Rechtsextremen, sondern von friedlichen Demonstranten gesprochen hatte, die sich für den Erhalt der Statue eingesetzt hatten. (…)

Die Worte Trumps, ebenso wie das mediale Echo auf diese, lässt zwei grundlegend zutreffende, dennoch voneinander unabhängige und beidseitig kritische Schlüsse zu. Schlimm ist, dass Trumps Worte gedeutet wurden, als habe er sich auch auf die Rechtsradikalen bezogen, als er von „sehr guten Leuten“ auf beiden Seiten gesprochen hatte. Dass das unlogisch ist, wusste jeder Journalist, der seine Arbeit getan und sich Trumps klare Verurteilung des KKK, der Neonazis und der verschiedenen White Supremacists angehört hatte.

Trump nahm Rechtsradikale nicht in Schutz. Die Schlussfolgerung ist aber aus einem weiteren Grund unlogisch. Denn Trump sprach von guten Leuten auf beiden Seiten, was dann, laut dieser Definition, auch die Mitglieder der Antifa hätte miteinschließen müssen, die Trump ebenfalls zutiefst verachtet. Der damalige Präsident bezog sich in seinem Kommentar, „sehr gute Leute“ hätte es auf beiden Seiten gegeben, auf die friedlichen Nicht-Extremisten – also auf Konservative, die die Statue Robert E. Lees nicht entfernt sehen wollten, ebenso wie auf Liberale, die das Ende der Statue herbeisehnten. Unter diesen friedlichen Demonstranten sprach Trump von guten Leuten auf beiden Seiten der Debatte.

Größter Schandfleck der Präsidentschaft

Mit aller Macht aber lenkten viele Medien den Fokus alleinig auf den Einzelsatz, der dem Publikum die Schlussfolgerung nahelegte, Trump habe die Rechtsradikalen nie verurteilt, stattdessen aber „sehr gute Leute“ unter ihnen ausgemacht. (…) Denn die von Trump geäußerte Verurteilung war jedem, der nach ihr suchte, öffentlich zugänglich und jeder Journalist hätte sie mit Leichtigkeit in seine Berichterstattung einfließen lassen können. An einer Wahrheit aus Grautönen aber zeigten viele Medienvertreter keinerlei Interesse, stattdessen malten sie in Schwarz-Weiß. Trump wurde so zum Nazi-Relativierer stilisiert.

Bei aller Kritik an den Medien und der journalistisch unsauberen Arbeit dieser Tage aber kommt man um Monumentalkritik an Trump selbst an dieser Stelle ebenso nicht herum. Mit der Äußerung, auf beiden Seiten hätte es „sehr gute Leute“ gegeben, bewies Trump sein unermesslich großes Talent dafür, die falschen Dinge zum falschen Zeitpunkt auf eine völlig falsche und mehrdeutig interpretierbare Weise zu äußern, die auf allen Seiten Schaden anrichtete. Die Geschmacklosigkeit, nach einer offen rechtsradikalen Demo, getragen von den schlimmsten Rassisten des Landes, bei der eine junge Frau zu Tode gekommen war, die außerdem Bilder erzeugt hatte, die bis heute erschrecken und schlimmste Erinnerungen wachrufen, auf „sehr gute Leute“ auf beiden Seiten zu verweisen, ist schlicht obszön.

Dass Trump seine Worte, von denen klar war, dass man sie herumdrehen und anders interpretieren würde, so frei heraus in die Welt posaunte, erstaunt selbst dann, wenn man sich vor Augen führt, wie frei heraus der Mann seine Worte generell wählt. Entweder beweist die Wortwahl Trumps, dass dieser einfach keinerlei Taktgefühl besitzt. Oder aber die Wortwahl ist Zeuge dafür, dass der 45. US-Präsident sich der Ernsthaftigkeit der Lage nicht bewusst war. Die Worte des damaligen Präsidenten, selbst dann, wenn sie sich nur auf friedliche Demonstranten bezogen, die nichts mit den radikalen Hetzern zu tun hatten, waren an dieser Stelle so offensichtlich unangebracht und verletzend, dass sie wohl zu Recht als größter Schandfleck der Präsidentschaft in die Geschichtsbücher eingehen werden. Hoffentlich aber dennoch im richtigen Kontext.

Einschätzung

Die Frage, ob Trump nun ein Rassist ist oder nicht, ist eigentlich offensichtlich. Ein Mann, der in den Menschen aller Hautfarben und Ethnien Wesen mit gleichen unveräußerlichen Rechten sieht, der sich explizit für alle seine Bürger einsetzt, der keine Rassengesetze anstrebt oder erlässt, der ist definitionsgemäß kein Rassist. Auch dann nicht, wenn er feurige Reden schwingt, wenn er in Ausnahmezuständen keinerlei Anstand zeigt, wenn er populistische Ansätze verfolgt, wenn er kein ausgeprägtes Geschichtsbewusstsein mitbringt und immer wieder zum falschen Zeitpunkt die falschen Worte wählt.

Dafür, dass Trump kein waschechter Rassist ist, sprechen auch zwei weitere Faktoren, die in der Debatte gerne unter den Teppich gekehrt werden. Zum einen ist da die Wahrnehmung Trumps unter Rechtsradikalen selbst. (…) Mitglieder des Ku-Klux-Klan und Neonazis sind keine großen Trump-Fans, wie sich das manch ein Journalist in seiner Antipathie gerne vorstellen mag. Im Gegenteil. Viele verachten Trump sogar, weil er dem Mythos von der „jüdischen Weltverschwörung“ nicht aufgesessen ist, die ein so einfaches Mittel ist, um keine eigene Verantwortung im Leben übernehmen zu müssen.

Einige der schlimmsten Rechtsradikalen sehen Trump gar der „Rassenschande“ schuldig. Der Begriff, der aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt, beschreibt die seit 1935 im Deutschen Reich als Straftat geahndete sexuelle Beziehung zwischen Juden und sogenannten „Reichsangehörigen deutschen Blutes“, was moderne Nazis in aller Welt frei auf ihr eigenes Sein ausweiten und umdeuten. Da Trump der Heirat seiner Tochter mit Jared Kushner nicht nur nichts entgegensetzte, sondern Kushner sogar zu einem seiner engsten Vertrauten machte, außerdem stolz ist auf seine mittlerweile drei jüdischen Enkelkinder, ist der ehemalige Präsident unter echten Rechtsradikalen nicht nur unbeliebt, sondern ihm widerfährt tiefe Verachtung.

Nun könnte man schlussfolgern, dass viele von Trumps Ideen auch bei der extremen Rechten Anklang finden. Das ist korrekt. Eine sichere Grenze zu Mexiko, beispielsweise, kommt auch bei Neonazis gut an. Allerdings ist das keine faire Grundlage, um jemandes politische Identität zu bestimmen. Denn weite Teile der rechtsextremen Szene sind auch begeistert von der aktuellen Hautfarbendebatte der Demokraten, nach denen Pigmente in der Haut wichtig in der Bewertung einer Person sind. Fordern etwa progressive Linke Studentenwohnheime, die nach Hautfarben aufgeteilt werden, dann ist den selbst ernannten Antirassisten Applaus von David Duke und anderen Ku-Klux-Klan Mitgliedern und Neonazis sicher.

Neo-Rassismus als linkes und rechtes Problem

Macht dieser Applaus der Nazis jeden der vielen progressiven Linken automatisch selbst rechtsextrem? Worauf es ankommt, ist nicht, dass sich auch Rechtsextreme einigen der vielen Ideen von Donald Trump gegenüber aufgeschlossen zeigen. Ausschlaggebend ist, worin sich Donald Trump von den Rechtsextremen unterscheidet. (…) Trumps Welt dreht sich nicht um eine bestimmte Rasse oder um ein bestimmtes Geschlecht oder um eine bestimmte Ethnie. Zumindest fehlen dafür die Belege. Trumps Welt dreht sich um nur einen Mann – um Donald Trump selbst. Trump Narzissmus vorzuwerfen, Populismus und verbale Einfältigkeit, all das kann man tun.

Wenn man sich aber einmal rechtsextreme Rassisten wie den Neonazi David Duke, den Verschwörungstheoretiker Richard Spencer oder den als „Heulender Nazi“ bekannt gewordenen Christopher Cantwell anschaut – oder linksextreme Rassisten wie den Terroristen Wilfried Böse, die BBC-Reporterin Tala Halawa oder die Demokratin Rashida Tlaib, dann spätestens merkt man, dass Trump zwar vieles falsch gemacht hat, aber dennoch, dass er nicht in der Liga der Rassisten spielt, die mit menschenverachtenden Ideologien mehr oder minder offen Hand in Hand gehen, die oftmals sogar von der Vernichtung ganzer Ethnien fantasieren.

Ein Mann, der stattdessen davon spricht, dass alle Amerikaner derselben Fahne salutieren und vom selben allmächtigen Gott gemacht wurden, ist nicht der Rassist, den viele gerne in ihm sehen wollen. Selbst „Neo-Rassismus" ist Trump nur bedingt vorzuwerfen. Man könnte, gerade wegen Trumps Fahrlässigkeit im Umgang mit der extremen Rechten, zu dem Schluss kommen, Trump sei wenigstens „ein bisschen" rassistisch. Im Sinne eines stillen Hinnehmens von Rassismus in einigen Teilen seiner Anhängerschaft. Die These ist leider zutreffend. Allerdings, und das ist kein Whataboutism, sondern das Ansprechen eines mittlerweile offensichtlichen Doppelstandards, wären laut dieser Definition große Teile der demokratischen Partei, wären außerdem etliche progressive Journalisten und Autoren heute ebenfalls „neo-rassistisch" – was diese sich natürlich niemals selbst attestieren würden.

Aber auch sie nehmen hin, dass große Teile ihrer politischen Basis und Leserschaft heute fast alles an äußerlichen körperlichen Merkmalen festmachen. Hautfarbe ist für sie nicht etwa ein unbeeinflussbarer und in der Bewertung unwichtiger Faktor, sondern ein richtungsweisendes Kriterium geworden. Dabei nehmen sie offenen Auges in Kauf, dass ihre häufig gut gemeinten Thesen echten Rassisten, die sie ebenfalls nicht sind, dennoch in die Karten spielen, alte Wunden wieder aufreißen und langfristig großen Schaden anrichten. Auch der fest verankerte Antizionismus, der am Ende meist nichts anderes als Rassismus ist, findet sich in vielen linken Medien und politischen Gemütern. Neo-Rassismus scheint im Amerika des 21. Jahrhunderts also auf der rechten wie der linken Seite des politischen Spektrums ein ernst zu nehmendes Problem darzustellen.

Auszug aus Das Donald Trump Buch: Die Hauptvorwürfe im Faktencheck, Independently published (27. Juli 2023), 447 Seiten von Tom David Frey. Hier bestellbar.

Teil 1 finden Sie hier.

Lesen Sie morgen in Teil 3: Sexismus und Frauenfeindlichkeit.

 

Tom David Frey, geboren 1992, ist Doppelstaatsbürger, Unternehmer und Kreativschaffender. Dokumentarfilme, Blogposts und Podcasts erscheinen auf hier.

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Leserpost

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Christian Feider / 07.09.2023

Trump dürfte der weltweit am Meisten diffamierte und übel beleumundete Politiker sein. Erstaunlich,wie sich die “linken/progressiven/intellektuellen” bis hin zu “liberal-konservativen” haben allesamt mittels einer “Ein-Meinungs-Medienmaschine haben wie die Lemminge beeinflussen lassen zum unbändigen HASS Welcher US-Präsident der letzten 50 Jahre hat während seiner Amtszeit !Keinen! neuen Krieg begonnen?

Ralf Pöhling / 07.09.2023

Und weiter: Hier in Europa/Deutschland geschieht genau das selbe, nur sind es hier weniger (aber auch) die Schwarzen (Strichwort: Kolonialismus), die propagandistisch ausgenutzt werden, sondern weit mehr die Araber bzw. DIE Palästinenser, die von den “bösen” Israelis und den “bösen” Amerikanern angeblich unterdrückt werden, wobei wir angeblich “Schuld” an der Existenz Israels wären. Genau damit wird ja auch die Massenzuwanderung gefordert, als wären Araber alle nur Opfer und der Westen nur die Täter. Wobei hier dann wieder die gleichen Schemata von “Was nicht passt, wird passend gemacht” und “Wer Jude bzw. Rassist ist, bestimmte ich” zum Einsatz kommen. Das ist natürlich alles offensichtlicherer und plakativer Blödsinn. Jeder denkende und einigermaßen informierte Mensch weiß sofort, dass derartig grobe Vereinfachungen nicht stimmen können, sondern einer gezielten Propaganda entspringen. In der breiten Masse insbesondere junger Menschen ohne Lebenserfahrung und umfangreicher geschichtlicher Bildung verfängt das aber. Im Prinzip werkelt hier immer noch der Geist der kulturmarxistischen ‘68er nebst RAF/PLO und weit weniger der Geist der ehemaligen (stalinistischen) Sowjetunion, was sich auch in der heutigen politischen Praxis zeigt: Es sind eher die Grünen, die das alles anschieben als die (Tief)roten. Was auch daran liegt, dass das grüne Wählerpotential viel jünger ist und damit einfacher zu steuern. Unterm Strich ändert sich aber nichts daran, dass das alles verfassungswidrig ist. Wer verschiedene Volksgruppen gegeneinander aufhetzt, steht nicht etwa rechts, sondern kulturmarxistisch links. Die Rechten reagieren nur darauf, indem sie gegenhalten, wenn der Aufstand der Proletarier die Nation in den Abgrund zu stürzen droht. Ich wiederhole noch mal: Was hier läuft ist aktiv betriebene Volskverhetzung und damit in Deutschland in jedem Fall illegal. Wie sich das in den USA rechtlich verhält, weiß ich nicht, sollte aber endlich geklärt werden.

Ralf Pöhling / 07.09.2023

Das mit der Diffamierung von Menschen als “Rassisten” läuft im Westen genauso ab, wie bei kleinen Kindern, die ihre Eltern vor anderen Leuten mit absichtlichen Lügen diffamieren, um sie zum einlenken in einem ganz anderen Sachverhalt zu bewegen. Menschen haben die Tendenz, eher den (angeblich) Schwächeren zu glauben und ihnen beizuspringen. Was dann deren Schlagkraft rasant erhöht. Ich erinnere in dem Zusammenhang auch an die Sätze “Was nicht passt, wird passend gemacht.” und “Wer Jude ist, bestimme ich”. Im jetzigen politischen Umfeld ist die Strategie, die hier gefahren wird, exakt die selbe, nur der zweite Satz wird umgeändert in “Wer Rassist ist, bestimme ich”. Die Übersensibilisierung auf das Thema Rassismus wird sofort ausgenutzt, um jeden, der im Weg steht, als Rassisten zu diffamieren, damit alle Übersensibilisierten sofort zur Hilfe eilen und den angeblichen Rassisten in die Schranken weisen. Im Endeffekt ist das Volksverhetzung in Reinkultur, wird aber bisher nicht als solche erkannt, geschweige denn geahndet. Da steht wieder das bekannte “Proletarier aller Länder, vereinigt euch” dahinter.  Irgendwie muss man die Proletarier ja ins Boot bekommen und da muss man sie eben aufhetzen gegen die Führung. Wie macht man das? In dem man in der Geschichte gräbt und irgendwo etwas ausgräbt und auf die aktuelle Situation überträgt. Was man dann bei Black Lives Matter sieht. Die Sklaverei ist in den USA schon lange abgeschafft. Von links ist sie aber wieder ausgegraben worden und die Schwarzen sind damit propagandistisch überfüttert worden, damit sie gegen die bestehenden Strukturen aufbegehren. Da wird ein systemischer Rassismus wieder herbeigeredet, der längst beendet ist. Im Volk springt diese Strategie aber an, weil sie für die angeblich immer noch Unterdrückten mit einem leistungslosen Gewinn einhergeht. Man muss nur irgendwie Opfer sein und wird dann bevorzugt behandelt. Auf Basis einer Lüge. Ich wiederhole: Das ist Volksverhetzung.

P. F. Hilker / 07.09.2023

Ihr Aufsatz fängt schon mal fatal an. Nämlich mit “Googelt man…”. Seit wann bestimmt Google, was Trump’scher Rassismus ist? Und “shitholes” gibt es auf dieser Welt tatsächlich zur Genüge. Man könnte auch korrupte, nicht weit entwickelte Staaten sagen. Aber, es ist das selbe. - Ich bete jeden Tag drei mal, dass Donald Trump wieder Präsident wird. MAGA.

Gudrun Meyer / 07.09.2023

Viele Worte um das kurze Faktum, dass Trump zwar schlechte Manieren hat, aber kein Rassist ist, genau so, wie auch kein Antisemit ist. In Deutschland ist der einzige gesellschaftlich relevante Rassismus sowieso der gegen indigene Weiße. Groteskerweise hat die deutsche Wokeria das amerikanische Kürzel “BIPOC” übernommen und glaubt, “indigen” und weiß zu sein, wäre in Deutschland und Europa ein Widerspruch.

Jörg Haerter / 07.09.2023

Wenn man jemanden nur genug mit shit bewirft, bleibt garantiert was hängen, in der Öffentlichkeit. Und jemand, der noch die Öffis konsumiert, ist unter Garantie beeinflusst. Ein Gespräch heute mit einem nicht ganz dummen gipfelte in der Frage, ob nicht jemand eine Kugel für ihn(Trump) übrig hätte. Was soll man zu solchen Personen sagen? Solch festzementierte Meinung kann man nicht aufbrechen, da ist jede Gegenmeinung vertane Liebesmüh. Das ist genauso, als wolle man den Mob vom Progrom abhalten, zwecklos. Im Übrigen ist diese Person auch ein glühender Verfechter der “Impfung” gewesen. Nicht das wir uns falsch vertstehen, ich komme in den meisten Fragen mit ihm klar, nur manche Positionen sind eindeutig medienmässig festzementiert, ein wunderbares Beispiel, was der Mainstream schafft.

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