Paul Nellen / 08.05.2016 / 11:10 / 2 / Seite ausdrucken

Wir diffamieren die Angst der Bürger

Der international hoch angesehene niederländische Migrationsforscher Ruud Koopmans, Direktor der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin (WZB), hat sich neulich als langjähriger ehemaliger NL-Grünenwähler geoutet. Da wirkt die aktuelle Breitseite des Wissenschaftlers gegen die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin umso nachhaltiger – erst recht, weil diese auch bei vielen Grünen als "alternativlos" gilt, was bei Winfried Kretschmann bekanntlich schon zu heftigen Gebetsstößen zugunsten Merkels geführt hat. Es wäre. Koopmans folgend, jetzt Zeit zur Buße.

"Merkels Flüchtlingspolitik ist eine absolute Fehlleistung": Migrationsforscher Ruud Koopmans attackiert die Kanzlerin

Schon vor über 2 Jahren war Koopmans mit alarmierenden Wahrheiten über europaweit ermittelten muslimische Einstellungen an die Öffentlichkeit getreten, wie die nachstehende Pressemitteilung des WZB vom Dezember 2013 zeigt:

Islamischer religiöser Fundamentalismus ist weit verbreitet

Pressemitteilung

WZB-Studie zeigt auffallend hohe Werte unter Europas Muslimen

Religiöser Fundamentalismus unter Muslimen ist in Westeuropa kein Randphänomen. Zu diesem Ergebnis kommt Migrationsforscher Ruud Koopmans vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in seiner Auswertung einer repräsentativen Befragung von Einwanderern und Einheimischen in sechs europäischen Ländern. Zwei Drittel der befragten Muslime halten demnach religiöse Gesetze für wichtiger als die Gesetze des Landes, in dem sie leben. Drei Viertel von ihnen finden, es gebe nur eine mögliche Auslegung des Korans. (...)

Die starke Tendenz zu religiösem Fundamentalismus unter Europas Muslimen ist für Ruud Koopmans alarmierend. „Fundamentalismus ist keine unschuldige Form strenger Religiosität“, erklärt der Soziologe. „Unsere Untersuchung zeigt vielmehr, dass Menschen mit fundamentalistischer Haltung gleichzeitig Gruppen, die von ihrem Standard abweichen – wie Homosexuellen oder Juden –, feindselig gegenüberstehen.“ Fast 60 Prozent der befragten Muslime lehnten Homosexuelle als Freunde ab, 45 Prozent denken, dass man Juden nicht trauen kann, und ebenso viele glauben, dass der Westen den Islam zerstören will. Die entsprechenden Werte unter christlichen Befragten im Vergleich: Immerhin 9 Prozent sind offen antisemitisch, 13 Prozent wollen keine homosexuellen Freunde, und 23 Prozent glauben, dass die Muslime die westliche Kultur zerstören wollen...

Ihren Niederschlag haben Koopmans' Untersuchungen im öffentlichen Diskurs bislang kaum gefunden. Und wo die AfD sich grobkörnig der Ergebnisse des untadeligen Soziologen Koopmans annimmt, fallen sie automatisch für das politische Rest-Berlin unter das erstickungstödliche "Rassismus"-Verdikt. Vor solcher Wirklichkeitsblindheit warnte schon die Reporterlegende der ARD, Dagobert Lindlau, vor fast 30 Jahren zutreffend – es könnte gerade gestern geschrieben worden sein:

"Die Mehrheit unserer Politiker nimmt kaum Realität zur Kenntnis...  Wir diffamieren die Angst unserer Bürger, statt sie als eine Gabe zu verstehen, die uns vor Schaden bewahren könnte. Angst vor einer realen Entwicklung wird als Paranoia, als Geisteskrankheit, beschimpft".

(In Dagobert Lindlau: Der Mob - Recherchen zum organisierten Verbrechen, Hamburg 1987 (1998), S. 9 u. S. 11; Heyne-Sachbuch)

Leserpost (2)
Jürgen Fleischer / 09.05.2016

Ich bin kein Migrationsforscher und auch kein ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet, habe aber die Erfahrung gemacht, dass Menschen in einem anderen Lebensbereich, ihr Verhalten ändern. Vor mehr als 20 Jahren teilte ein türkischer Reiseleiter in Istanbul, der in Deutschland studiert hatte, uns mit, dass er als eingesessener Istanbuler unter den einströmenden Zuwanderern aus Anatolien leide, weil sie einen für ihn ungewohnten radikalen Islam praktizieren. Viele Istanbuler würden deshalb nach Deutschland ausweichen. Mein Eindruck, dass der Fremde in der Fremde rigoroser wird als er in der Heimat war. Das nehme ich bei den Deutschen in Südamerika, aber auch in Nordamerika wahr. Dort pflegen sie ein Deutschtum, das sie in der Heimat nicht praktiziert haben. Kann es sein, dass die besseren Deutschen sich im Ausland niedergelassen haben? Das nehme ich aber auch in Deutschland wahr. Ausländer, nimm Alles in Allem, denn nicht alle machen das, betonen ihre Heimatverbundenheit besonders. Das gilt auch für die Muslime. Einige werden erst hier in Deutschland zu Fundamentalisten. Dadurch kommt es, dass der islamische Fundamentalismus uns hier besonders auffällt und wir geneigt sind, ihn einer Mehrheit zuzuschreiben. Zumal die Fundamentalisten in der Öffentlichkeit mehr auffallen, als die anderen, die unauffälligen Normalen. Kann das unsere Wahrnehmung negativ beeinflussen? Kann man diese Wahrnehmung einfach wegreden oder diffamieren? Herzlich, Paul

Hjalmar Kreutzer / 08.05.2016

Sehr geehrter Herr Nellen, Das von D. Lindlau leider auch benutzte “wir” hat doch schon ein arges Geschmäckle: “Wir” schaffen “das”, “wir” diffamieren ... , “wir” tun zuwenig für Flüchtlinge, Umwelt, Klimarettung, “wir” sind an allem möglichen Schuld, erinnert mich an Monty Pythons “Leben des Brian”: “Wir sind doch alle Indviduen!” Und da sage ich aus vollem Herzen: “Ich nicht!”

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