Manfred Haferburg / 07.05.2018 / 14:00 / Foto: movie studio / 12 / Seite ausdrucken

Steuer-Fracking: Nix sprudelt, es wird gepresst

Ich weiß nicht, wer den unsäglichen Spruch von den sprudelnden Steuerquellen erfunden hat, aber Schande über ihn. Sprudelnde Steuerquellen – das klingt so „oh biomio“, nach frischer Natur, nach grünem Wald und kristallklarem Wasser. In Wirklichkeit beschreibt es eher Straßenraub mit vorgehaltener Waffe am wehrlosen Steuerbürger. Im deutschen Steuerstaat gelten Bürgerrechte nur noch begrenzt, für die Steuer-Eintreiber gibt es praktisch keine Privatsphäre mehr. Steuerdelikte werden härter bestraft als fahrlässige Tötung bei illegalen Autorennen.

Der deutsche Staat drangsaliert sein Volk mit 33.000 Steuerparagrafen. Ganz normale Arbeitnehmer können ihre Steuererklärungen oft nur noch mit Hilfe von Steuerexperten ausfüllen. Der Satz des Pythagoras hat 24 Worte, die Zehn Gebote werden mit 179 Worten ausgedrückt, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung kommt mit 300 Worten aus. Aber allein der Paragraph 3 des deutschen Einkommenssteuergesetzes (über steuerfreie Einnahmen) umfasst 6.493 Worte. 

Deutschland ist das globale Hochsteuerland Nr. 2, nur die bedauernswerten Belgier müssen noch höhere Steuern löhnen als die Deutschen. Und wenn der deutsche Steuermichel von seinem schon höchstversteuerten Einkommen irgendetwas kaufen will, zahlt er erneut Steuern, oft auch äußerst kurioser Art: Mehrwertsteuer, Tabaksteuer, Kraftstoffsteuer, Sektsteuer, Biersteuer, Branntweinsteuer, Kinosteuer, Sexsteuer, Glücksspielsteuer, Tanzsteuer, Kaffeesteuer, Wett- und Lotteriesteuer… Die Liste ist schier endlos. 

Irgendwann merkte die Politik, dass sie die Steuerschraube hoffnungslos überdreht hat. Da aber der gierige Staatsschlund nicht sattzukriegen ist, wurden die „Abgaben“, „Zuschläge“ und „Umlagen“ erfunden. Na klar – diese umbenannten Steuern sind keine richtigen Steuern, und sie dienen meist einem guten Zweck: Solidaritätsabgabe, auch Solidaritätszuschlag benannt – wer könnte sich der Solidarität widersetzen. Oder die „Demokratieabgabe“, wie die GEZ-Gebühr euphemistisch umbenannt wurde, dient ja der Rettung der Demokratie. Zur Klimarettung trägt die Erneuerbare Energieumlage bei. Nur bezahlt werden müssen die Abgaben, Umlagen und Zuschläge zwangsweise, wie ganz normale Steuern.

Haushaltsaufbesserung durch Sparer-Enteignung

Die Betriebsrenten sind in großer Gefahr" lese ich nun. Die tiefen Zinsen brächten betriebliche Pensionskassen dermaßen in Bedrängnis, dass unter Umständen die Leistungen für Pensionäre verringert werden müssten. 

Seit Jahren betreibt die Europäische Zentralbank mit Unterstützung der Politik eine Nullzinspolitik. Warum unterstützt auch die Deutsche Regierung eine Zinspolitik, die Millionen ihrer sparenden Bürger um die Einkünfte ihres erarbeiteten Geldes bringt? Weil die deutsche Regierung damit ihren Haushalt aufbessert. Jährlich spart der Deutsche Staat sage und schreibe 47 Milliarden Euro Zinsen für die offiziell 2 Billionen Staatsschulden und in Wirklichkeit ungeheuerliche Staatsschuldenlast von 8 Billionen Euro.

Seit der Finanzkrise im Jahr 2009 haben Bund und Länder 240 Milliarden Euro gespart – ein Doping der öffentlichen Haushalte durch Niedrigzins-Politik, leichteres Schuldenmachen inklusive. 

Bestraft werden durch die Niedrigzinspolitik die Sparer, die keinerlei Geld mehr für ihre Einlagen erhalten und vielleicht bald sogar Kürzungen ihrer Betriebsrenten hinnehmen müssen. Belohnt wird der Schuldenmacher Staat, weil ihn das Schuldenmachen kaum noch etwas kostet. So betrachtet, verbirgt sich hinter der Nullzinspolitik eine verkappte Steuer. Eine Steuer, die nicht bezahlt werden muss, weil der Steuerzahler das Geld gar nicht erst sieht. Weg ist es aber trotzdem.

Fragen Sie mich bitte nicht, was der Staat mit dem vielen Geld aus den sprudelnden Steuerquellen macht. Zu viele fette Läuse haben sich am Wohlstandssack festgesaugt. Der unersättliche Staat hat daher angeblich nicht einmal genug Geld, um ureigenste hoheitlichen Aufgaben zu finanzieren und seine Infrastruktur zu erhalten

Das liegt wohl an bestimmten Politikern, die die Steuern verwalten, und ihren Ansichten darüber. Unser Außenminister glaubte publikumswirksam, dass das Geld für die Versorgung von Millionen Zuwanderern auf den Bäumen wächst, und ein Umweltminister meinte, die Energiewende kostet nur eine Eiskugel. Eine stets von sich überzeugte Dame, die sich früher immer darauf gefreut hat, wenn sie etwas geschenkt bekam, besinnt sich heute darauf, dass man die Steuerzahler nicht länger zum Besten halten sollte, sondern sie lieber auf die Zukunft vertröstet. Und selbst die Willkommenskanzlerin hat ja den Steuerbürgern mehrfach versichert: „Wir schaffen das“. (Anmerkung des Autors: Bitte schließen Sie aus den genannten Einzelfällen nicht auf den Geisteszustand aller Politiker).

Die Frage ist nunmehr: Sind die Renten sicher? Wird der Staat, der von der Nullzinspolitik profitiert hat, einspringen, wenn die Betriebsrenten von Millionen Steuerzahlern wegen der Nullzinspolitik gekürzt werden müssen? Man darf gespannt sein, denn dieser Staat will ja nur unser Bestes.

Foto: ModernTimes Press Foto via Wikimedia

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost (12)
Martin Schau / 07.05.2018

Die niedrige Verzinsung trifft alle Bürger des Euroraums mit Ersparnissen und Versicherungs-Ansprüchen, nicht nur die deutschen. Weil aber alle Eurostaaten hoch verschuldet sind, interessieren die Sorgen der Menschen keine Regierung. Die Niedrigzinsphase ist für die handelnden Politiker sogar eine Art Win-Win-Situation: Neben der billigen Refinanzierung können sie den Bürgern süffisant erzählen - wir Politiker würden die Zinsen ja sofort erhöhen, aber das können wir leider nicht. Weil niemand der autonomen EZB reinreden darf. Pech für euch!

Peter Zentner / 07.05.2018

@Gabriele Kremmel / 07.05.2018 Liebe gnädige Frau, zumindest lässt sich die 1%-Regelung für Geschäftsfahrzeuge, alt oder neu, durch die Führung eines Fahrtenbuchs (im Volksmund auch als “Lügenbuch” bezeichnet) aushebeln. Kostet zwar ein wenig Zeit, muss nach jeder Fahrt ausgefüllt werden ... lohnt sich aber. Den Rest Ihres Leidensweges gehe ich sowieso mit Ihnen, rate aber zu einem kundigen Steuerberater — der stets viel weniger kostet, aler er einspart.

manfred caesar / 07.05.2018

@Gertraude Wenz Nein die Grünen glauben -genauso wenig wie andere Politiker -daß Geld auf den Bäumen wächst ,sondern nur an die grenzenlose Dummheit der Wähler.

Gabriele Klein / 07.05.2018

.... und was bekommt man für die Steuern?  Eine marode Infrastruktur   und die Hausmeister Arbeiten auf städtischem Gelände wie Schneeräumen etc machen Schwangere und Herzkranke die man dazu nötigt..“damit nichts passiert”.....  Man kann in diesem Lande eigentlich nur eines machen, die Leistung verweigern. Zum Zwangsgeld: das ist deshalb keine Steuer, damit es vor es erhoben wird zusätzlich noch versteuert werden kann…. So einfach ist das.  Und, dennoch, Deutschland ist das einzige Land wie mir scheint, das den Mißbrauch durch Regierende auf eine demokratische Grundlage gestellt hat.  Das Volk darf immerhin frei und geheim wählen wer es in der nächsten Legislaturperiode mißbrauchen darf….... Also, wer sich von den Steuern und Abgaben erhohlen will stelle sich zur Wahl um wieder Kasse zu machen.

Joe Haeusler / 07.05.2018

Nur zur Erinnerung an die “bleiernen” 50er und 60erJahre. Da wurden Kriegsschäden beseitigt, Wohnraum in Dimensionen gefördert, die heute undenkbar sind,  ohne nennenswerte Staatsverschuldung,  und die Infrastruktur aufgebaut, die heute verlottert.  Warum kommt mir legalisierter Steuerbetrug, institutionalisierte Korruption und Schmarodeurismus in den Sinn, wenn ich an die Protagonisten des politisch-bürokratischen Komplexes und seine gepamperte Klientel denke?

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Manfred Haferburg / 13.06.2018 / 16:00 / 21

Es brennt

Ich bin schon vor vielen Jahren aus Deutschland fortgegangen. Damals, als sich Deutschland noch nicht abschaffte. Nun schaue ich auf mein Heimatland und fremdele, als wäre…/ mehr

Manfred Haferburg / 30.05.2018 / 10:00 / 23

Überholen ohne einzuholen: Smartphone „Made in Germany“

Fast alle Deutschen benutzen gedankenlos ihr Smartphone, ohne sich der Schande bewusst zu sein, dass Deutschland keine Smartphones herstellen kann, genauso wenig wie Kernkraftwerke, Bahnhöfe…/ mehr

Manfred Haferburg / 12.05.2018 / 17:00 / 11

Yussif O. abgeschoben, Yussif U. kommt wieder

Als nach der Euphorie der Willkommenskultur die ersten Rufe nach Grenzschließung laut wurden, kam Kanzlerin Merkel ein wenig die Logik abhanden, als sie meinte, dass…/ mehr

Manfred Haferburg / 27.04.2018 / 12:00 / 6

Die Zukunft der GroKo (3)

Das politische Koordinatensystem in Deutschland ist fundamental aus den Fugen geraten. Migrationsdruck trifft auf ein historisch entstandenes Tabu. Lechts und rinks gelten wenig in einer unversöhnlichen…/ mehr

Manfred Haferburg / 26.04.2018 / 15:30 / 6

Was wird aus der GroKo? (2)

Szenario 1: „Es bleibt alles ganz anders“Angela Merkel wird als Kanzlerin durchhalten und ihre Politik weitertreiben, auch wenn sie gelegentlich das Gegenteil davon behauptet.   Der SPD…/ mehr

Manfred Haferburg / 25.04.2018 / 15:00 / 4

Was wird aus der GroKo? (1)

Ach, wenn man doch in die nähere Zukunft blicken könnte, wenigstens ein bisschen. Aber: „Prognosen sind schwierig, zumal, wenn sie die Zukunft betreffen. Ich habe mich…/ mehr

Manfred Haferburg / 04.04.2018 / 12:20 / 19

Die Besten laufen davon

„Wanderungsverlust von Deutschen ist kein Grund zur Sorge“, sagt Professor Marcel Erlinhagen aus Duisburg, der auch mit dem DIW zusammenarbeitet, einem Institut, das immerhin die…/ mehr

Manfred Haferburg / 29.03.2018 / 10:02 / 10

Eine Verurteilung ist immerhin eine Verurteilung

Im Juni 2017 wird in München eine Polizistin durch einen Kopfschuss schwer verletzt. Ein Potsdamer Bundestagskandidat der Piratenpartei Namens Thomas Goede twittert jubelnd: „So ein…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com