Manfred Haferburg / 21.01.2024 / 14:00 / Foto: Fabian Nicolay / 8 / Seite ausdrucken

„Ein grünes Requiem“

Die Lektion der unerwünschten Folgen gut gemeinter Projekte ist an den Grünen komplett vorbeigegangen. Das holen sie jetzt nach, auf unsere Kosten.

Was Menschen auch immer tun – wenn es Wirkung hat, gibt es auch Nebenwirkungen. Als Lausbuben haben wir im Winter gern Schneekugeln einen Hang hinunterrollen lassen und uns gefreut, wenn sie als kleine Lawinen auf die unten liegende Straße krachten und die Leute erschreckten. Das war der gewünschte Effekt. Zur Strafe gab es dann schon mal ein gründliches Hosenstrammziehen, das war dann zwar eine unerwünschte Folge, aber es war auch eine nützliche Lehre für das Leben.

Mir selbst ist das auch schon widerfahren, als ich mit meiner C-Schicht in einem 72-stündigen Dauereinsatz des Kernkraftwerks Greifswald den Blackout in der damaligen DDR durch einen gigantischen Schneesturm verhindert habe. Die unerwünschte Nebenwirkung war, dass dieser Strom zur Beleuchtung der Berliner Mauer benutzt wurde. Nicht auszudenken, wenn die tausenden Genossen Grenzschützer im Dunkeln gestanden hätten – dann hätte der Letzte nicht mal mehr das Licht ausschalten müssen.

Ganz offenbar haben die grünen Alleswender in ihrer rundum behüteten Fahrrad-Anhänger-Kindheit weder die eine noch die andere Erfahrung gemacht, und so ist die Lektion der unerwünschten Folgen – the Law of Unintended Consequences – an ihnen komplett vorbeigegangen. Das holen sie jetzt nach, auf unsere Kosten.

Über gutgemeinte Projekte und ihre unerwünschten Nebenwirkungen in der deutschen politischen Landschaft hat der Physiker Hans Hofmann-Reinecke ein brillantes Buch geschrieben. Eigentlich hat er ja damit den Grünen ein Requiem, eine Totenmesse in Buchform, gewidmet. Ich finde zwar, dass die grüne Ideologie noch ziemlich untot ist, aber es ist in diesem Falle recht vergnüglich, der Zeit mal ein bisschen vorzugreifen, die da unabwendbar kommen wird.

„Was gibt es da denn dauernd zu kichern?“

Das Buch soll das Vertrauen des Lesers in die eigene Wahrnehmung und in sein eigenes, intelligentes Urteilsvermögen stärken. Das tut es durchweg auf eine heitere Weise und es ist sehr lesefreundlich geschrieben. Man kann dank Inhaltsverzeichnis zwischen den fünf Abschnitten, den 40 Artikeln und den 255 Seiten nach Lust und Laune blättern. Das Buch ist also auch für Leser geeignet, die sich ungern durch dicke Wälzer quälen. Ich habe es im Weihnachtsurlaub in drei Tagen runter gelesen, und meine Frau hat mich mehrmals gefragt, was es da denn dauernd zu kichern gäbe?

Der Autor analysiert technisch-wissenschaftliche, aber auch andere Themen politischer Relevanz auf eine geistvolle und wortgewaltige Weise. Er analysiert, wie die unerwünschten Folgen unsinniger Verbote, zwecks Machterhaltung gesäter Zwietracht und des Privilegien-Missbrauchs, zu einer unkontrollierbaren Lawine werden könnten, die sich dank Denk- und Rechenschwäche der neulinken Junkernschaft in rasender Geschwindigkeit zusammenballt.

Im ersten Kapitel setzt sich das Buch mit der Logik der Demokratie auseinander, wie der Staat durch Bevormundung unter der Begleitmusik staatstreuer Medienbücklinge immer totalitärere, ja nachgerade groteske Züge annimmt. Im zweiten Teil nimmt er sich der Logik des Misslingens der Energiewende an, die gerade dabei ist, das Land und seine Bürger zu ruinieren. In Teil drei erfährt der Leser viel darüber, warum die böse Atomenergie in Wirklichkeit ein Freund der Menschen ist. Der vierte Teil befasst sich mit Ignoranz und Dekadenz der Macht in Deutschland. Im fünften Teil lässt Hofmann-Reinecke den Leser an seiner Außensicht auf Deutschland teilhaben – er lebt heute als Expat in Südafrika. Wie sieht eigentlich die internationale Weltgemeinschaft das großspurige Vorreitertum der Deutschen?

Die Maßeinheit „Wombat“

Das wesentlichste Alleinstellungsmerkmal ist die außergewöhnliche Fähigkeit des Autors, komplizierte Zusammenhänge für Nichtfachleute mit Hilfe von Gleichnissen verständlich und erinnerbar zu erklären. Ein Beispiel? Wie vergleicht man die Entfernung der International Space Station von der Erde mit der des Mondes? Ganz einfach: man besteigt den Eiffelturm. Wenn man in Kniehöhe über dem Pariser Boden ist, dann hat man ISS Höhe erreicht, bis zum Mond muss man dann noch zur Spitze steigen. Und der Autor ist jemand, der logisch denken und rechnen kann – Fähigkeiten, die offenbar in Deutschland gerade ziemlich unpopulär sind.

Für Politiker und ihre „Experten“, die mit dem Auseinanderhalten von Watt, Kilowatt, Megawatt und Terawatt ihre Probleme haben, hat der Autor extra die Maßeinheit „Wombat“ erfunden. So wäre das Buch auch den 3.600 Beamten im Wirtschafts- und Energieministerium anzuraten. Wenn die wüssten, wie viele Wombats (Wb) ein Hausanschluss mit Wärmepumpe und Autoladepunkt haben muss, dann würden sie sich fragen, wie diese Wombats sich durch Millionen Kilometer Stromnetz drängeln sollen, wo doch so ein Wombat von Natur aus hübsch rundlich ist. „Ein grünes Requiem“ ist in Druck und elektronischer Form bei Amazon erhältlich. Dort wird auch ein „Blick ins Buch“ angeboten.

Viele Jahre im Ausland lehrten ihn

Hans Hofmann-Reinecke hat an der TU München Physik studiert und in Kernphysik promoviert. Anschließend war er einige Jahre als Professor an der Universität in Santiago de Chile tätig. Er verließ die akademische Laufbahn und ging als „Nuclear Safeguards Inspector“ zur Internationalen Atombehörde in Wien.

Er war dann mehrere Jahre als F&E Leiter in der Industrie tätig. Auf Basis dieser Erfahrung entwickelte er ein System zum Management von Projekten, gekennzeichnet durch Logik und klare Sprache. Damit half er dann, als selbstständiger Berater, den Branchen Pharma, Nuklear und Telekom bei der Beschleunigung ihrer Projekte.

Viele Jahre im Ausland lehrten ihn, den Wert und die Eigenheiten der Heimat zu schätzen. Und so wie viele andere „Expats“ schmerzt es ihn sehr, beobachten zu müssen, wie genau diese Werte systematisch zerstört werden. Das ist wesentlicher Antrieb beim Schreiben seiner Bücher. Ansonsten liebt er die Fliegerei und die italienische Oper.

„EIN GRÜNES REQUIEM: die Politik der unerwünschten Folgen“ von Hans Hofmann-Reinecke, 2023, hier bestellbar.

Foto: Fabian Nicolay

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Gerd Kistner / 21.01.2024

Als ehemaligen DDR – Bürger muß ich Sie nicht über die Parallelen zwischen drittem, viertem und fünftem Reich, also zwischen Nationalsozialismus, Internationalsozialismus und medikokratisch – ökologistischem Sozialismus belehren. Soeben hat das ZDF gemeldet, dass die Mitte der Gesellschaft, die Ziwühlgesellschaft zu Hunderttausenden auf der Straße war und unseren demokratischen Rechtsstaat gegen rechts verteidigt. Hier zieht ein Sumpf über das Land hin , unterwühlt und verpestet alles einst Errungene. Mittelmäßig intelligente Ideologen haben dieses Land gekapert und werden die Macht nicht mehr aus den Händen geben. Wer es sich leisten kann und glaubt, daß er es sich schuldig ist, nicht mitzumachen und dem Bekenntnisdruck nicht nachzugeben, dem bleibt nur das „ etiam si omnes, ego non“. Übrigens, eine Weltgemeinschaft gibt es nicht mehr, das Capitol hat als Berg Sinai ausgedient.

Ralf Pöhling / 21.01.2024

Wenn ich so auf das obige Bild zum Artikel schaue: Die Geister finden wir nicht nur bei den Grünen. Leider auch bei den Muslimbrüdern. Beide sind infolge des damaligen gezielten Einspannens für den Kalten Krieg politisch überaus potente Überbleibsel aus einer anderen Zeit, die heute nicht mehr existiert. Das sind Nachläufer, die man ausbremsen muss, weil sie auf den großen Rest der weiten Welt viel zu viel Einfluss haben und Konflikte wieder in Wallung bringen, die wir mit dem Ende des Sowjetkommunismus eigentlich für beendet hielten.

Uwe Schäfer / 21.01.2024

Knappe 30 Euro für so ein Büchlein, ein äußerst stolzer Preis! Auch wenn ich es als “überzeugter Freund” der sogenannten Grünen sehr gern lesen würde, ich werde es mir versagen. Sollte es dem Autor noch um etwas anderes als Geld gehen, sollte er mal in sich gehen.

Bernd Oberegger / 21.01.2024

Aus Klima Kapital zu schlagen, das ist genial. In früheren Zeiten trieben viele Wetterhexer*innen ihr Unwesen. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Sie wurden dem hitzigen Fieber der reinigenden Flammen ausgesetzt. Ihr Eigentum wurde nicht verbrannt, sondern damals noch von der Kirche konfisziert. So manche Bischöfe, wie man ihren Verlautbarungen entnimmt, sind noch der Tradition verhaftet und warnen vor der Beelzebub-Partei und dem sonst folgenden schlechten Wetter.

finn waidjuk / 21.01.2024

Leute, jetzt hört doch endlich damit auf, auf einen Blackout in Deutschland zu warten (oder zu hoffen) Deutschland ist Teil des europäischen Strommarktes und umgeben von Ländern die davon genug haben und ihn gerne für teures Geld verkaufen. So kam es, dass Deutschland im 2. Quartal 2023 7,1 Milliarden Kilowattstunden (sorry, wieviel das in Wombat macht, weiß ich nicht) mehr ein- statt ausführte. Wenn in Deutschland also irgendwann die Lichter ausgehen werden, so gibt es dafür viele Gründe. Strommangel wird es aber nicht sein.

b.stein / 21.01.2024

Hat sich Herr Hoffmann- Reinicke die Maßeinheit “Wombat” vielleicht aus der Methodenkiste der “Agile Verwaltung - Von Verwaltungshandeln und Silodenken zur Gesellschaftsgestaltung und Serviceorientierung zum Nutzen der Mitbürger” ausgeborgt? Dort wurde das Wort schon vor 6 Jahren verwendet und bedeutet “Waste of money, buget and time”. Passt prima zum grünen Murks

Jochen Grünhagen / 21.01.2024

Es schmerzt nicht nur Herrn Hofmann-Reinecke und andere Expats was hier in Deutschland geschieht. Doch je größer der Widerstand in der Bevölkerung gegen diesen ganzen Wahnsinn wird, umso schneller wird der Irrsinn durch die sogenannte Ampel Regierung vorangetrieben und die Bessermenschen aus Politik, Medien und NGOs helfen kräftig mit. Es ist daher hilfreich, immer mal wieder von vernünftigen, bodenständigen Menschen zu hören und zu lesen, so dass man nicht völlig irre wird. Danke.

Uta Buhr / 21.01.2024

Angesichts unserer vom Autor zwar höchst amüsant beschriebenen düsteren Zukunft ist mir das Kichern in der Kehle stecken geblieben. Dennoch, vielen Dank für die Leseempfehlung dieses Buches des geschätzten Hans Hoffmann-Reinicke, das ich mir besorgen werde. Der Titel “Ein grünes Requiem” nimmt bereits vieles vom Inhalt vorweg. Allerdings sollte jedem auch nur einigermaßen vernunftbegabten Menschen klar sein, dass die grünlackierte Ideologie eines Robääääärt Habückling und seiner willfährigen Totalversager nichts anderes als künftige Blackouts und Chaos bedeuten. Doch gemach, noch ist es nicht soweit, und diese Wirtschaftsvernichtungsgruselpartei generiert immer noch 12 % der Wählerstimmen. Aus meiner Sicht 12 % zu viel. Aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben. Es kann ja sein, dass selbst total unbelehrbare Grünenwähler beim ersten flächendeckenden Stromausfall - neudeutsch Blackout - endlich merken, dass sie jahrelang auf das falsche Pferd gesetzt haben, vulgo, schamlos beschissen wurden. Mich würde interessieren, aus welchen Elementen sich das Hoffmann-Reineckische Sprachkonstrukt “Wombat” zusammensetzt. Lieber, Herr Haferburg,  übernehmen Sie. Danke.

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