Katharina Szabo / 28.05.2016 / 17:40 / 6 / Seite ausdrucken

Mit dem Boot bis vor den Kölner Dom

Seit die deutsche Willkommenseuphorie abzuebben beginnt und sich vermehrt Ernüchterung und Vernunft breit machen, hat die Bundesregierung ein Problem. Wie soll man dem inzwischen sachlich gewordenem Volk die knapp 100 Milliarden verklickern, die für Integration der im islamischen Kulturkreis sozialisierten Flüchtlinge  fürs erste notwendig werden?  Nach den Sex-Mob Attacken von Köln?  Der im Sommer in Gang gesetzte moralische Imperativ, wonach wir Deutschen immer noch besser als der Rest der Welt zu sein haben, wurde überstrapaziert. Niemand fällt bei diesem Gedanken mehr in orgiastische Verzückung. Was also tun, um die Gefühle zu reanimieren? In der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen. Nun müssen es die Katholiken richten.

Ein deutscher Katholikentag ist traditionell eine Veranstaltung, die den jeweils Regierenden den Rücken stärkt und die Gläubigen dazu aufruft, die Trennung von Kirche und Staat nicht allzu enwörtlich zu nehmen. „Da spricht er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ (Matthäus 22:21). Folgerichtig stand der Katholikentag also dieses Jahr unter dem Motto der Exkommunikation von AfD Wählern, des Verbotes jeglicher Kritik an Islam und Sharia und der vermehrten Hilfe für Flüchtlinge. Aber reicht das? Nein, entschied der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki und ließ sich ein Spektakel einfallen, welches die Deutschen erneut aufrütteln sollte. 

Kurzerhand besorgte er ein von Schleppern benutztes Boot und ließ dieses für den Fronleichnamsgottesdienst vor dem Kölner Dom zu einem Altar umbauen. Fortan, so Woelki, habe der alte Altar ausgedient, neue Zeichen, neue Symbole auf der Domplatte braucht das Land: „"Wir wissen nicht, wie viele Menschen in Booten wie diesem zugrunde gegangen sind. Die Menschen, die genau in diesem hier den Weg über das Meer gesucht haben, wurden – ein Zufall, ein Segen – gefunden und gerettet. Dieses Boot ist uns zum Altar geworden."

Den Skeptikern unter den Katholiken, die vielleicht nun einwenden könnten, dass es in solch ein Boot nicht die Letzten, die Alten, die Kranken, die Schwachen und die Verfolgten schaffen, sondern eher die Fittesten, also kräftige junge Männer, die unter Umständen auch mal einen Christen über Bord werfen und zudem mehrere tausend Euro Schleppergebühren bezahlt haben, schmetterte Woelki  in seiner Fronleichnamspredigt den ebenso zornigen wie verwirrenden Satz entgegen: "Wer Menschen in Lagern zu Tode quält, quält Gott zu Tode – tausend- und abertausendfach."

Welche Lager meint der Kölner Kardinal? 

Deutsche Lager können es nicht sein. Zwar wird der eine oder andere Christ oder Jeside in einem deutschen Flüchtlingslager schikaniert, gemobbed und bedroht, zu Tode gefoltert wird heutzutage aber nicht mehr. Und auch aus der Türkei sind keine Vorkommnisse systematischer Lagerfolter bekannt. Syrien? In Syrien martern die Anhänger des Islamischen Staates unbestritten Frauen, Christen, Homosexuelle und Abtrünnige zu Tode. Allerdings tun sie dies überall und nicht nur in Lagern.

Ein katholischer Würdenträger wie Woelki, der christlichen Nächstenliebe verpflichtet, wird sich durch solche Details nicht zur Todsünde des Zornes hinreißen lassen. Schließlich, so der Hirte, seien die „Mitglieder des Islamischen Staates“ nur „junge Leute, die sich irgendwie zu kurz gekommen fühlen und in die Hände von Rattenfängern fielen“.  

Was für ein Glück, dass sie niemand zu Tode gequält haben. Gott ist noch einmal davongekommen.

Leserpost (6)
Thomas Bode / 30.05.2016

Woelki, Marx, Bedford-Strohm, Käßmann, ja selbst der Papst, - das Verhalten des Klerus mal ausführlich zu analysieren wäre wichtig. - Welche Vorstellungen pflegen sie zu dem Thema Islam, wann und wie kamen die zustande? - Welche konkreten Auswirkung hat die muslimische Massenzuwanderung, die ja schon länger erfolgt, und 2014 schon richtig Fahrt aufnahm auf die Kirchen? - Wie profitieren sie über ihre Hilfsorganisationen von den Abermilliarden die der Staat jetzt ausschüttet? Welche strategischen Überlegungen stellen sie an? Man könnte beispielsweise unterstellen dass sie besorgt sind über weitere Säkularisierung, und den Islam als Chance sehen das zu stoppen. Denn den Muslimen die gleichen Privilegien zu gewähren ist für Politiker einfacher als sie beiden zu entziehen/ nicht zu gewähren. Außerdem dass sie eine stille Hoffnung auf ein generelles Religions-Revival haben. Welches Spiel spielt Merkel die den Bürgern allen Ernstes den Kirchenbesuch empfahl? Soweit ich weiß weht in Osteuropa übrigens im Klerus ein anderer Wind.

Charlotte Fritsch / 29.05.2016

Ich habe es nicht glauben wollen, was in dem Artikel steht. Folglich habe ich recherchiert und festgestellt, dass das Unfassbare tatsächlich geschehen ist. Wo bleibt (außer auf dieser Plattform) die kritische Betrachtung der Presse?

Dr. Maria T. Groepper / 29.05.2016

“Wer Menschen im Mittelmeer ertrinken läßt, läßt Gott ertrinken. Jeder Tod ein Tod Gottes!” So Woelki in seiner Predigt. Wenn Woelki das so sieht, warum hat er die Menschen nicht selbst gerettet? Warum war er nicht da und hat Schwimmwesten verteilt oder die Menschen vor der gefährlichen Überfahrt gewarnt? Also auch er persönlich - hat Gott sterben lassen. Ist das jetzt das neue Christentum? Einen toten Gott anbeten? So macht sich die Kirche selbst überflüssig. Und kein Mensch braucht Kirchenfürsten, die vom Tod Gottes labern, um damit Propaganda für die Regierungspolitik zu machen.

Magdalena Schubert / 29.05.2016

Ich bin letzte Woche aus der Kirche ausgetreten. Das Fass zum Überlaufen brachte obig beschriebenes Verhalten der Kirchenoberen. Ich wollte mich jedoch nicht still und heimlich davonstehlen sondern den Bischöfen meine Beweggründe darlegen. Sie sollten doch wissen, warum eine im Grunde überzeugte Christin dieser Institution den Rücken kehrt. Also googelte ich sämtliche Bistümer in Bayern und schrieb den Bischöfen eine Mail. Meine zweiseitige detaillierte Begründung für meine Entscheidung hängte ich dieser Mail an. Ich habe bisher noch keine Rückmeldung erhalten. Ich rechne auch nicht mit einer einsichtigen Reaktion, das wäre ja zu schön um wahr zu sein. Mir würde es schon genügen, wenn die erlauchten Herren meine Argumente zur Kenntnis nehmen. Aber selbst daran zweifle ich, denn die eigenen Schäfchen scheinen für sie nicht mehr relevant zu sein.

Herman Renz / 28.05.2016

Der gute Bischof hat die verlorenen Schafe der AfD einfach ausgegrenzt, obwohl das überhaupt nicht im Sinne des Religionsgründers ist: Jesus Gleichnis vom verlorenen Schaf Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins von ihnen sich verirrte, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen und geht hin und sucht das irrende? Und wenn es geschieht, dass er es findet, wahrlich, ich sage euch, er freut sich mehr über dieses als über die neunundneunzig, die nicht verirrt sind. (Die Bibel Matthäus 18, 12-13) Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verloren hat, lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es mit Freuden auf seine Schultern; und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und die Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir! Denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. (Die Bibel Lukas 15, 4-6)

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