Katharina Szabo / 31.12.2015 / 17:07 / 2 / Seite ausdrucken

Merkel: Mit den Waffen einer Frau

Die Kernaussagen der mit wenig Spannung erwarteten Neujahrsansprache von Angela Merkel wurden vorab veröffentlicht, um uns die Gelegenheit zu geben, die Richtungsvorgaben der Kanzlerin für das Jahr 2016 häppchenweise zu verdauen. Wie zu erwarten, bekamen wir es mit einer Aneinanderreihung von Sätzen zu tun, die die Arbeit der Regierungskoalition und somit die der Kanzlerin in ein strahlendes Licht tauchen und jede Selbstkritik tunlichst vermeiden. Wenig überraschend also.

„Ich habe alles prima gemacht, besser geht es nicht“, ruft uns die Kanzlerin zu. Eine gelungene Migration habe sie auf den Weg gebracht und dem Land somit die Chancen für Morgen geschenkt.

Jetzt muss das Steuerzahlervolk nur noch die Ärmel hochkrempeln und die Integration bezahlen, dann wird 2016 ebenso strahlend wie 2015! Viel Zeit, Kraft und Geld wird das kosten, aber was soll’s? Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Um dem erschöpften Bürger am Ende eines ereignisreichen Jahres nicht auch noch abzuverlangen, seinen Verstand zu bemühen und es ihm leicht zu machen, ihr ebenso begeistert zu applaudieren wie die CDU Parteitagsdelegierten, greift die sonst Eisenharte dann doch noch zu den Waffen einer Frau.

Das kennen wir schon von der Neujahrsansprache des Jahres 2014. Wohlig dürfen wir uns nun ausstrecken und unser limbisches System ein letztes Mal in diesem Jahr durchkneten lassen. 

Herz, Mitmenschlichkeit, Weltoffenheit! Hüben die guten Deutschen, drüben die Anderen, die Miesmacher und Kritiker, voller „Kälte oder gar Hass im Herzen“. Alles Fremdenfeinde, denen die Front der Guten mit geschlossen entgegentreten müsse. Wir wollen uns schließlich nicht spalten lassen!

Der eine oder andere kanzlerisch Eingelullte mag vielleicht bei dem nun folgenden Satz ein wenig hochschrecken. Was ihn ideologisch wahrscheinlich aber auf die andere Seite befördern würde. Im Sinne einer Nichtspaltung des Landes ist ein Zurücksinken in bedingungsloses Vertrauen somit Staatsbürgerpflicht. “Es kommt darauf an, denen nicht zu folgen, die mit Kälte oder gar Hass in ihren Herzen ein Deutschsein allein für sich reklamieren und andere ausgrenzen wollen”, sagt die Kanzlerin.

Knapp 60% der Deutschen sind mit Merkels Migrationspolitik, die auf einsamen Bauchentscheidungen der Kanzlerin und fortwährenden Gesetzesbruch basiert, wenig oder gar nicht zufrieden. Man kann annehmen, dass diese Mehrheit ein ‚Deutschsein‘ in einer deutschen Staatsbürgerschaft verortet. Falsch gedacht, verkündet die Kanzlerin, das wäre nämlich ‚Ausgrenzung‘. Wer solchen staatsrechtlichen Definitionen im Jahr eins nach Wegfall der Grenzen noch folgt, ist ein Hasser. Und hat kein Herz. Solchen Zeitgenossen muss man, formuliert man den nun logisch folgenden unausgesprochenen Gedanken aus, entschlossen entgegentreten.

Die Tatsache, dass dieser Marschbefehl für 2016 mit arabischen Untertiteln ausgestrahlt wird und sich somit auch direkt an die Migranten richtet, mag den einen oder anderen deutschen Angsthasen mit Sorge erfüllen. Aber das wäre nicht nur völlig lächerlich, sondern auch ein bisschen rechts.

Siehe:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article150488993/Es-kommt-darauf-an-dass-wir-uns-nicht-spalten-lassen.html#disqus_thread
http://www.onvista.de/news/umfrage-zustimmung-zu-merkels-fluechtlingspolitik-steigt-leicht-20636975

Leserpost (2)
Stefan Zorn / 01.01.2016

Das Interessante an der merkelschen Vorgehensweise ist, daß sie funktioniert! - Böse Zungen könnten das dahingehend deuten,daß der Deutsche auch “70 Jahre danach” noch nicht gelernt hat die politische Kost die ihm serviert wird kritisch zu hinterfragen…

Jörg Paul Jonas / 31.12.2015

Ich habe wie gebannt auf den Bildschirm gestarrt und auf das altmodische Testbild gewartet, welches sich dann wie zu Zeiten des Zusammenbruch der Sowjetunion in eine Dauerschleife Schwanensee verwandelt.  Nichts ist passiert. Sie ist immer noch da.

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