Oliver Zimski / 11.06.2016 / 06:05 / Foto: Diego Delso / 1 / Seite ausdrucken

Wo der Weltgeist wohnt: Die Erleuchteten

Zum zweiten Mal hintereinander hat das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ Angela Merkel zur einflussreichsten Frau der Welt gewählt. „Einflussreich“ ist dabei wortwörtlich zu nehmen, denn niemand hat in das von ihm regierte Land Migranten in so reichhaltiger Anzahl einfließen lassen wie unsere Bundeskanzlerin. Insofern trägt sie diesen Titel zu Recht.

Wäre allerdings Mario Draghi eine Frau, hätte er ihr ihn streitig gemacht, denn der Präsident der Europäischen Zentralbank hat nicht nur ein paar läppische Millionen, sondern Abermilliarden zum Hineinfließen (in den Euro-Kreislauf) gebracht. Sind Banken verschuldet oder haben Liquiditätsprobleme – kein Problem, dann drucken wir einfach neues Geld. Droht die Gesellschaft eines Staates zu überaltern, öffnen wir einfach unsere Grenzen und lassen die kinderreichen muslimischen Unterschichten der Dritten Welt herein, die in ihren Herkunftsländern nicht einmal davon träumen können, durch härteste Arbeit so viel Geld in einem Jahr zu verdienen, wie sie in Deutschland pro Monat an Sozialleistungen erhalten.

Je nach Weltanschauung und Parteipräferenz kann man eine solche Politik „humanitär“ nennen und sie von dem Wunsch nach „sozialer Gerechtigkeit“ oder der „Wiedergutmachung“ für Kolonialismus, Rassismus, Faschismus, Islamophobie und „Weißsein“ motiviert sehen. Man kann sie aber auch als „unverantwortlichen Irrsinn“ bezeichnen, der nur bestimmten Lobbygruppen nützt (Sozialverbände, Kirchen, Großindustrie), während die Gesellschaft insgesamt überfordert und gespalten wird.

In den Elfenbeintürmen mit globaler Perspektive sieht man weiter

Doch über diesen Meinungsstreit im niederen Wahlvolk, in den muffigen Stallungen des gemeinen Stimmviehs, können die „Erleuchteten“ in ihren gut abgeschirmten Elfenbeintürmen, Konferenzsälen und Hotelsuiten nur lächeln. Denn dort oben in den lichten Höhen mit globalen Perspektiven und ultimativen Erkenntnissen sehen sie weiter, wissen mehr und handeln deshalb vorausschauender, als es uns Normalbürgern je möglich sein wird.

Selten genug lässt uns einer der Ihren an seiner Weisheit teilhaben. Ein solch kostbarer Moment war die Rede des Vizepräsidenten der EU-Kommission, Frans Timmermans, vor dem Grundwertegremium der EU. „Vielfalt“, verkündete er dort im Oktober vergangenen Jahres, „ist das Schicksal der Menschheit. Es wird nicht einmal in den abgelegensten Winkeln dieser Welt einen Ort geben, der Vielfalt nicht als Zukunft erleben wird. Das ist einfach die Richtung, in die sich die Menschheit bewegt. Und die Politiker, die ihren Wählern eine Gesellschaft verkaufen wollen, die exklusiv aus den Menschen nur eines Kulturkreises besteht, verkaufen ihnen eine Vergangenheit, die so nie existiert hat. Deshalb wird es so eine Zukunft auch nie geben.“

Ewiggültige Wahrheiten, wie in Stein gemeißelt, die uns Mahnung, Trost und Ansporn sein sollten. Denn Timmermans weiß, wohin die Reise geht, genau wie Merkel, Junker, Schulz und all die anderen „Erleuchteten“, die uns führen, leiten und steuern. Gerade warnte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble davor, dass eine weitere Abschottung „Europa in Inzucht degenerieren lassen würde“.

Wir haben den totalen Durchblick und denken für euch mit

Aber auch wenn wir – die verblödete alteingesessene deutsche und europäische Bevölkerung – aufgrund unseres in jahrhundertelanger Inzucht abgesenkten IQ´s oder irrationaler Ängste – nicht imstande sind, die überwiegend muslimische Massenzuwanderung als „Auffrischung“ und „Bereicherung“ unseres Genpools wahrzunehmen, wenn zudem perfide Rechtspopulisten uns einflüstern wollen, dies alles habe mit „Vielfalt“ und „Multikulti“ längst nichts mehr zu tun, sondern führe in eine schwarz-braun verhüllte, höchst intolerante und aggressive Monokultur – wir können sicher sein, dass überall da, wo wir beunruhigt, ratlos und verwirrt sind, Timmermans, Schäuble, Merkel und Co. den totalen Durchblick haben und für uns mitdenken.

Aufgrund ihrer Vorhersehungen können wir sicher sein, dass es irgendwann in der Zukunft ein Paradies der „Vielfalt“ geben wird, selbst wenn wir, unsere Kinder und Enkel dies nicht mehr erleben werden. Außerdem ist es – macht der EU-Kommissar klar – völlig aussichtslos, sich gegen die „natürliche Entwicklung der Menschheit“ stemmen zu wollen. Reaktionäre Länder wie Polen, Ungarn, Tschechien, die Slowakei, Kroatien, Dänemark, Österreich, Frankreich, Großbritannien oder die Niederlande haben keine Zukunft (zumindest ihre jeweiligen Bevölkerungsanteile, die rückwärtsgewandte Parteien wählen) und müssen absterben. Wer sich gegen die Vielfalt wehrt, so Timmermans weiter, der riskiert Krieg in Europa. Besser also, sich gleich auf die Seite der Zukunft zu stellen.

Ob das auch alles mit demokratischen Dingen zugeht? Du lieber Himmel! In Zeiten globaler Herausforderungen (Klimawandel, Bankenkrise, TTIP et cetera) können die Probleme der Menschheit nicht mehr durch veraltete Institutionen und Mechanismen wie Demokratie, uneingeschränkte Meinungsfreiheit oder bewachte Staatsgrenzen gelöst werden. Die Weltlage ist so komplex geworden, dass nur eine kleine Elite mit einem höheren Wissens- und Bewusstseinsstand den richtigen Weg weisen kann. „Clear-minded“ nennt das die Scientology-Kirche. „Klassenbewusstsein“ sagten die Bolschewiki, die als kleine, aber entschlossene Kadertruppe die Große Oktoberrevolution im russischen Zarenreich managten. Der Erfolg gibt beiden Gruppierungen Recht. Und hätte die „Enterprise“ alle ihre gefährlichen Abenteuer bestehen können, wenn Captain Kirk und Mr. Spock noch die letzte Raum(schiff)pflegerin nach ihrer Meinung gefragt hätten, anstatt die eigene Führungsverantwortung wahrzunehmen?

Feudalherren und Monarchen tragen schwer an ihrer Bürde

Wo da der Unterschied zu den Feudalherren und Monarchen vergangener Epochen liegt? Nun, erstens sind – wie man an Angela Merkel unschwer erkennen kann – unter den Herrschern von heute auch Frauen, was im Sinne der Gleichstellung unbedingt zu begrüßen ist. Zweitens war ein reaktionärer Hinterwäldler wie der Preußenkönig Friedrich II. („Ich bin der erste Diener meines Staates“) nur für ein einziges Land zuständig, während die heutigen „Erleuchteten“ Verantwortung für die gesamte Menschheit tragen. Das ist eine Riesenbürde, die wir ihnen als niederes Wahlvolk mit stark beschränkten Erkenntnisfähigkeiten nicht noch schwerer machen dürfen, durch spießige Ängste und kleingeistige Krittelei.

Wenn kleine Kinder quäken, dass sie sich nur noch von Süßigkeiten ernähren oder bis Mitternacht fernsehen wollen, dann hören moderne Eltern sich die kindlichen Wünsche geduldig an, ohne ihre Entscheidungen davon abhängig zu machen. Denn sie wissen natürlich besser als ihre Kinder, was gut für diese ist. Später einmal werden diese es ihnen danken. Genauso machen es die „Erleuchteten“ mit uns. Sie allein wissen, was „hilfreich“ ist und was nicht, um eine Entwicklung zu befördern, die sowieso eintreten wird. Vielleicht werden wir deshalb erst in einigen Jahrzehnten verstehen, was sie angetrieben hat, möglicherweise auch erst in tausend Jahren. Ein deutscher Kanzler, der ebenfalls große Pläne und Visionen für Europa hatte, formulierte auf dem Tiefstand seiner Meinungsumfragen, eingebunkert vor einer Welt von Feinden und kurz vor seinem Freitod, ein Urteil über ihn könne dereinst nur die „Weltgeschichte“ fällen.

Halten wir uns deshalb mit unseren vorschnellen und unreifen Bewertungen, Sorgen und Ängsten zurück. Die „Erleuchteten“ werden es schon richten.

Oliver Zimski ist Übersetzer, Sozialarbeiter und Autor. 2015 erschien sein Kriminalroman „Wiosna – tödlicher Frühling“.

Leserpost (1)
Waldemar Undig / 12.06.2016

Aber die Leute wollen doch diese Merkel - und wählen sie immer und immer wieder! Und die Alternativen, die sich mittlerweile da so auftun, klingen auch nicht gerde vielversprechend. Die Demokratie scheint wohl nur ein Glücksfall in der Menschheitsgeschichte zu sein, instabil und unbeliebt. Das ist schade und wenn ich es recht betrachte, die Grundlage aller Menschheitskatastrophen.

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