Matthias Heitmann, Gastautor / 07.04.2017 / 15:15 / 3 / Seite ausdrucken

Der WochenWahnsinn: Fakten-Checker finden keine Wahrheit

In ihrer Radio-Kolumne „Der WochenWahnsinn“ gehen Achse-Autor Matthias Heitmann und Antenne Frankfurt-Moderator Tim Lauth jede Woche auf Zeitgeisterjagd. Seit Kurzem ist der WochenWahnsinn nun auch auf der Achse zu hören und zu lesen. Diese Woche geht es um die Diskussion um Faker-News und das zweifelhafte Instrument des „Fakten-Checks“. Zum Anhören geht es hier entlang.

Tim Lauth: Matthias, seit Monaten wird der alltägliche Wahnsinn durch sogenannten „Fake News“ bestimmt. Jetzt gibt es ja sogar die ersten Anti-Fake News Einheiten, die uns vor der Flut von Falschmeldungen, Manipulationen und sogenannten „postfaktischen“ Behauptungen in den Medien bewahren sollen. Was hältst Du davon? Ist das ein Schritt in Richtung mehr Ehrlichkeit?

Matthias Heitmann: Also, ich halte es für eine „Fake News“, wenn behauptet wird, dass in der Politik und in den Medien früher weniger gelogen wurde als heute. Wenn man sich mit dem Thema befasst, stellt man fest, dass es solche Diskussionen schon früher gab. Schon im 19. Jahrhundert hat man darüber diskutiert, wie die gesellschaftlichen Autoritäten die Kontrolle über die öffentliche Meinung behalten können. Auch heute fragt man: Wer kontrolliert die Meinungsbildung? Und vor allem fragen sich manche, warum sie selbst die Kontrolle über diesen Prozess verloren haben.

Lauth: Aber wie kann dieser Prozess denn wieder in geregelte Bahnen gebracht werden?

Heitmann: Ich bin mir gar nicht sicher, ob das wirklich wünschenswert wäre. Heute haben große Teile der etablierten Medien, aber auch Wissenschaftler und Experten den Eindruck, dass man ihnen nicht mehr traut und stattdessen lieber Leuten folgt, die den anerkannten Autoritäten widersprechen. Doch anstatt auch mal kritisch über die eigene Rolle nachzudenken, beschränkt man sich darauf, etwa den Anhängern von Donald Trump vorzuwerfen, sie würden sich absichtlich und gerne belügen lassen.

Lauth: Aber es ist doch „Fakt“, dass Trump mit falschen Informationen arbeitet, um Stimmung zu machen! Macht es da nicht Sinn, öfter mal den Fakten-Check zu bemühen?

Heitmann: Jetzt sind wir beim entscheidenden Punkt: Ein Haufen Fakten schafft noch keine Wahrheit. Es kann auf Basis derselben Faktenlage ganz unterschiedliche Wahrheiten geben. Wahrheit hat auch mit Werten und Überzeugungen zu tun. Fakten sind auch etwas anderes als die Interpretation von Fakten. Auch das wird oft durcheinander geworfen. Unterschiedliche Standpunkte einfach darauf zu reduzieren, dass einer von beiden auf einer Lüge beruhen muss, ist nicht nur kindisch, sondern letztlich auch undemokratisch.

Lauth: Verstehe ich dich richtig, Matthias: Du bist also kein Anhänger des Fakten-Checks?

Heitmann: Für mich sind notorische Fakten-Checker letztlich nur Feiglinge, die sich nicht trauen, Überzeugungen zu verteidigen und sich lieber darauf konzentrieren, beim politischen Gegner nach Lügen zu suchen. Es ist viel einfacher, die Anzahl von Trumps Fehltritten aufzulisten, also sich mit den Überzeugungen seiner Anhänger auseinanderzusetzen. Dabei wäre das viel wichtiger. Doch davor scheut man zurück und versteckt sich lieber hinter einem pseudo-objektiven Fakten-Check. Das Problem dabei ist: Fragen nach Werten und Moralvorstellungen lassen sich nicht mit einem Fakten-Check beantworten.

Lauth: Kannst Du mir dieses komplizierte Thema noch einmal am Beispiel unserer Eintracht erklären?

Heitmann: Klar. Die Eintracht hat weiterhin Chancen, im nächsten Jahr europäisch zu spielen. Und obwohl dahin zurzeit nur wenige Punkte fehlen, geht die Angst um, weil wir seit gefühlten Ewigkeiten kaum noch das Tor treffen und die Mannschaften hinter uns Schritt für Schritt aufholen. Auf Basis der objektiven Faktenlage kann man die Situation also sehr unterschiedlich einschätzen. Diese Einschätzung hängt nicht davon ab, ob man sich die Fakten zurechtbiegt, sondern davon, wie man sie bewertet und gewichtet. Ich kann hier Optimismus und Angst nachvollziehen. Zu welcher Richtung ich tendiere, hängt aber davon meiner Denkweise ab. Noch bin ich optimistisch, was den Saisonausgang angeht.

Leserpost (3)
Oliver Lepinat / 07.04.2017

Ganz so abwegig finde ich den sog. Faktencheck grundsätzlich nicht - wenn mir irgendjemand z.B. erzählt, die Erde sei eine Scheibe, frage ich mich zuerst mal: Stimmt denn das? Oder ist das jetzt feige, sollte ich mich stattdessen mit seinen Überzeugungen auseinandersetzen? Eine “Wahrheits-Behörde” wäre allerdings unsinnig - deren “Fakten” müsste ich ja auch wieder überprüfen…

Rolf Menzen / 07.04.2017

Wie unrealistisch Trump ist hat man ja heute Nachmittag in Stockholm gesehen.

Wilfried Cremer / 07.04.2017

Fakt ist, dass die Eintracht theoretisch noch absteigen kann!

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Matthias Heitmann, Gastautor / 10.11.2017 / 17:21 / 0

Mehr akzeptierte Geschlechter als akzeptierte Meinungen

Die leid- und opferfixierte Kultur ist demokratiefeindlich, argumentieren Zeitgeisterjäger Matthias Heitmann und Tim Lauth in der aktuellen Folge ihrer Radiokolumne „Der Wochenwahnsinn“: Sie stigmatisiert abweichende…/ mehr

Matthias Heitmann, Gastautor / 27.10.2017 / 16:47 / 2

Neuer Bundestag: zu wenig Brüste oder zu wenig Eier?

Dass es im neuen Bundestag kontroverser und lebendiger zugehen dürfte, ist eine gute Nachricht. Darüber sind sich Zeitgeisterjäger Matthias Heitmann und TV- und Radio-Moderator Tim…/ mehr

Matthias Heitmann, Gastautor / 20.10.2017 / 16:00 / 6

Die konsensorientierte Hosenscheißer-Demokratie

„Diese Pseudo-Logik, in der Not müsse man Parteiinteressen hinter dem Interesse der Nation zurückstellen und gemeinsam regieren, die teile ich nicht“, sagt Zeitgeisterjäger Matthias Heitmann im…/ mehr

Matthias Heitmann, Gastautor / 13.10.2017 / 16:57 / 1

Der Wochen-Wahnsinn: Kataloniens Selbstentmündigungsbewegung

„Ich kann gut verstehen, dass die Menschen in Katalonien keine Lust mehr auf die Regierung in Madrid haben, nachdem sie gesehen haben, was man dort…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com