Matthias Heitmann, Gastautor / 08.12.2017 / 18:34 / 2 / Seite ausdrucken

Der WochenWahnsinn: Friedhofsruhe ist nicht friedlich!

„Ich bezweifle, dass Donald Trump Lösungen für die Konflikte in der Welt und auch im Nahen Osten liefert. Ich weiß aber, dass er nicht deren Ursache ist“, sagt Zeitgeisterjäger Matthias Heitmann in der aktuellen Ausgabe der Audiokolumne „Der WochenWahnsinn“ im Gespräch mit dem Antenne-Frankfurt-Moderator Tim Lauth. „Man kann Trump auch nicht vorwerfen, vom richtigen Pfad der internationalen Friedenspolitik abzuweichen. Es gibt keinen Pfad: Der „Friedensprozess“ im Nahen Osten stagniert seit Jahren, und dazu hat federführend Barack Obama beigetragen mit seiner ängstlichen und zugleich gewalttätigen Außenpolitik. Seit Jahren läuft westliche Außenpolitik nach demselben Muster ab: Die Weltgemeinschaft bläht Konflikte auf und eskaliert sie, und anschließend tritt sie sich die Füße platt in den Krisenregionen der Welt und ruiniert dabei nicht nur die dortigen Gesellschaften und deren Zukunft, sondern auch unseren Glauben an die Demokratie.“ Zum Podcast geht es hier entlang.

Tim Lauth: Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe des WochenWahnsinns! Ich gehe wieder auf Zeitgeisterjagd mit dem Mann, der das gleichnamige Hardcoverbuch und E-Book geschrieben hat: Matthias Heitmann. Matthias, Donald Trump hat Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und angekündigt, die US-Botschaft dorthin zu verlegen. Das riecht nach Ärger, schon jetzt. Was hältst Du von dieser Entscheidung?

Matthias Heitmann: Es ist wie bei allem, was Donald Trump tut: Die Reaktion ist hysterisch, und keine Metapher ist stark genug, um ihn zu verteufeln. Dabei ist die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem den Israelis schon vor langer Zeit versprochen worden, und immer wieder wurde sie vertagt, aus mehr oder minder fadenscheinigen Gründen, oder, um es klar zu sagen: aus Angst davor, der tiefgefrorene Friedensprozess im Nahen Osten könnte aufgetaut werden.

Lauth: Ja, aber ist die Gefahr eines Flächenbrands nicht real?

Heitmann: Die Gefahr ist ohnehin vorhanden, das sieht man daran, dass jeder Anlass ausreicht, um die Palästinenser zum Toben zu bringen. Vor ein paar Monaten waren es die Metalldetektoren am Tempelberg, jetzt ist es die US-Botschaft in Jerusalem. Man kann über die Motive von Donald Trump diskutieren, auch darüber, ob es ein mutiger oder eher ein ahnungsloser Schritt ist. Andererseits stagniert dieser sogenannte „Friedensprozess“ seit Jahren, und dazu hat federführend Barack Obama beigetragen mit seiner ängstlichen und zugleich gewalttätigen Außenpolitik. Jetzt löst Trump ein gebrochenes Versprechen von Obama ein, nämlich die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, und man hat den Eindruck, als ob die westliche liberale Intelligenzija gemeinsam mit den Palästinensern auf die Barrikaden geht. Das ist wirklich absurd! Zur Erinnerung: Israel ist die einzige echte Demokratie im gesamten Nahen Osten.

Lauth: Matthias, Du hast in einer der letzten Ausgaben des „WochenWahnsinns“ gesagt: „Alles, was anders ist, ist gut“. Gilt das auch für den Nahen Osten?

Heitmann: Nun, ein Weiter-so ist jedenfalls keine Lösung. Seit Jahren läuft westliche Außenpolitik nach demselben Muster ab: Konflikte werden durch Einmischung und Internationalisierung angeheizt und aufgebläht, dann wird mehr oder minder gezielt draufgehauen, um dann das Ganze erst ausbrennen zu lassen und dann einzufrieren. Man spielt sich als neutraler Vermittler auf, dabei ist eigentlich nicht Vermittlung, sondern Kontrolle das Ziel. Schau Dir die Lage auf dem Balkan an: Wie viele Jahrzehnte will der Westen dort eigentlich noch ohne jede Perspektive Protektorate unterhalten und ganze Gesellschaften bevormunden? Auch dort geht man nach diesem Prinzip vor: Deckel drauf, Polizeistaaten aufbauen, damit Ruhe herrscht, und das Ganze einfrieren, weil Friedhofsruhe fast so klingt wie Frieden. Dass man die eigenen westlichen Werte über Bord wirft, um Stabilität zu sichern, macht die Sache nicht besser. Man kann nicht in einer Sackgasse stehenbleiben und dann darauf hoffen, dass einem die Menschen auf Dauer glauben, man wisse, wo es langgeht.

Lauth: Ok, Matthias, ich verstehe, was Du meinst. Interessant ist ja auch, dass den Russen immer vorgeworfen wird, Konflikte erst zu eskalieren und dann einzufrieren und sich dort gut einzurichten. Warum ist die westliche Außenpolitik eigentlich letztlich keinen Deut besser?

Heitmann: Das ist die Politik der Alternativlosigkeit, die wir ja so gut kennen, nur diesmal eben nicht daheim oder in Europa, sondern übertragen auf die Weltpolitik. Ich bezweifle, dass Donald Trump Lösungen für diese Konflikte liefert. Ich weiß aber, dass er nicht deren Ursache ist. Man kann ihm auch nicht vorwerfen, vom richtigen Pfad abzuweichen. Es gibt keinen Pfad: Die Weltgemeinschaft tritt sich die Füße platt in den Krisenregionen der Welt und ruiniert dabei nicht nur die dortigen Gesellschaften und deren Zukunft, sondern auch unseren Glauben an die Demokratie.

Lauth: Hmm, das klingt leider wirklich nicht besonders gut. Für die Menschen in diesen Regionen gibt es derzeit wirklich wenig Grund für Optimismus. Aber vielleicht liegt das eben daran, dass alles so festgefahren ist. Vielleicht müssen die Dinge wirklich ins Rutschen kommen, auch in den Beziehungen zwischen den Israelis und den Palästinensern. Wir werden das Thema weiterverfolgen wie auch unsere Suche nach guten Gründen für Optimismus im WochenWahnsinn mit Matthias Heitmann. Bis dahin, machen Sie es gut und besser!

Nach den ausverkauften Vorstellungen im Oktober und November stehen die nächsten Termine für das Bühnenprojekt „Zeitgeisterstunde“ von Matthias Heitmann und Tim Lauth bereits fest. Am 21. Januar und am 11. März 2018 laden die beiden in das Frankfurter Kabarett „Die Schmiere“ und liefern, was man heute kaum noch gewohnt ist: gute Gründe für Optimismus. Karten für diese Vorstellungen gibt es bereits jetzt – und die sind ein tolles Weihnachtsgeschenk! Mehr Infos unter: zeitgeisterstunde.de.

Alte Ausgaben des WochenWahnsinns im Online-Archiv hier.

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Leserpost (2)
Kurt Fels / 08.12.2017

Der eingefrorene “Friedensprozess” hat eine Chance wenn sich durch diese Entscheidung Fatah und Hamas selber zerstören. Auf jeden Fall gerät einiges in Bewegung.

Gabriele Klein / 08.12.2017

„Ich bezweifle, dass Donald Trump Lösungen für die Konflikte in der Welt und auch im Nahen Osten liefert.” Also bis jetzt grenzt das was dieser Mann bzw. diese “Familie und ihr Team…” geleistet haben an ein Wunder ..... Innerhalb von ein paar Monaten lag IS in den letzten Zügen…... und hier frägt man sich schon, warum nicht viel viel früher?  Dann wären da ein paar satte Wirtschaftserfolge die er mittlerweile für sich verbuchen kann…. Und jetzt kommt das Wunder: das alles wurde erreicht vor dem Hintergrund eines gnadenlosen Mobbings auf höchster medialer Ebene wie es die Geschichte eigentlich seit der Juden und Polenhatz in der deutschen Presse vor den ersten beiden Weltkriegen nicht mehr erlebt hat. Das ist einzigartig und wird sicherlich noch für ziemlich Stoff sorgen auch für die Sozialwissenschaftler die sich mit dem Thema Mobbing befassen.  Es würde mich nicht wundern wenn dieser Präsident für die Gemobbten der Zukunft zu einer Art Vorbild wird wie man sich gegen Mobbing wehrt…...  Bis jetzt eine grandiose Leistung Was das Verlegen der Botschaft nach Jerusalem anlangt, so hat Herr Trump damit doch nur eine grnzenlose Lüge entlarft die darin bestand den Israelis zuliebe etwas zu versprechen was man den Bombenlegern zuliebe nicht hielt…..  Hier war es höchste Zeit sich endlich zwischen Hüh oder Hott zu entscheiden…..  und damit auch die anderen quasi zu zwingen ihre Karten nunmehr auf den Tisch zu legen und sich zwischen Trump, der mit gutem Beispiel voranging und den Bombenlegern zu entscheiden,,,, Wasas nun den Umzug an sich anlangt so ist interessant dass, als die Schwächsten in Sachen Nahost mal hier mal da gemeuchelt wurden,  der Mediale Aufschrei und Sorge um den Frieden in Nahost, nicht annähernd solche Dimensionen annahm wie die Wahrnehmung dieses selbstverständlichen Rechts souveräner Staaten, die Lokalisation seiner Botschaft im Einvernehmen mit dem Gastlande selbst zu wählen…..

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