Eran Yardeni, Gastautor / 05.04.2014 / 13:29 / 2 / Seite ausdrucken

Wem gehört das Auto?

Wenn der Frieden ein Mensch wäre, dann wäre er garantiert eine großbrüstige kakaohäutige exotische Nymphe im Kokosnuss-Bikini und hawaiisch kunterbuntem Hula Rock. Eine solche auf alle Sinne wirkende Kombination von Unschuld mit grenzenloser sexuellen Vitalität könnte dann sehr gut erklären, warum sonst ernst zu nehmende Staatsmänner ihren Verstand abschalten, wenn sie meinen, den liebevollen Atem des Friedens auf ihren Wangen zu spüren.

Galt schon der ehemalige britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain als ein tragisches Beispiel für die gewaltige Anziehungskraft der Nymphe, zeigt uns jetzt John Kerry, dass man denselben Weg auch auf eine komisch-komödiantische Art und Weise schaffen kann.

Denn während der arme Chamberlain einfach völlig falsch kalkulierte, konnte man zu seiner Verteidigung sagen, dass er wenigstens wusste, mit wem er verhandelte. Der man hieß Adolf Hitler, war der Führer des deutschen Volkes und des tausendjährigen Reiches und hatte mit dem Frieden so viel   am Hut wie eine sechzigjährige Klosternonne mit der LOVEPARDE in Tel Aviv.

Mit wem aber, oder besser gesagt, zwischen wem vermittelt Kerry?

Angeblich ist die Antwort auf diese Frage ziemlich einfach, wenn nicht zu sagen banal: Israel und die Palästinensern kriegen gar nichts auf die Reihe, es brennt und kracht, wie sonst nur in der schwarz-gelben Fankurve von Dynamo Dresden, was die Einmischung eines unabhängigen und nüchternen Mediators nötig macht.

Aber während es ziemlich klar ist, was unter dem politischen Begriff „Israel“ zu verstehen ist, ist es völlig unklar, was man mit dem verschwommenen Begriff „Palästina“ anfangen soll.

Wer verhandelt hier mit wem? Meint man damit die Regierung im Westjordanland oder die Hamas-Regierung im Gaza-Streifen? Angenommen, dass Israel sich bereit erklärt, die Bedingungen der Palästinenser zu akzeptieren. Mit wem genau schließt es dann den Vertrag ab? Mit Mahmud Abbas oder mit Ismail Haniyya? Oder soll Israel davon ausgehen, dass die Hamas jede Entscheidung der Abbas-Regierung bezüglich der Beziehungen zu Israel ad hoc akzeptiert?

Wollte Kerry für seine Tochter ein gebrauchtes Auto kaufen, würde er mit jemandem verhandeln, bevor es klar wäre, dass der Kerl tatsächlich der Besitzer des Autos ist? Höchstwahrscheinlich nicht. In der politischen Sphäre ist es sogar komplizierter. Denn die Legitimität de jure ist ein leeres Wort ohne eine Legitimität de facto.

Unter diesen Bedingungen ist die jetzige Verhandlungsrunde bestenfalls eine gut ausgedachte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Außenministeriums der amerikanischen Regierung. Schlimmstenfalls, und das passiert immer, wenn eine Farce ernst genommen wird, kann sie sich zu einer akuten Gefahr für die Zukunft Israels entwickeln. 

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Leserpost

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Fritz Trischberger / 07.04.2014

Sehr geehrter Herr Yardeni, zum Thema Chamberlain: Es ödet allmählich nur noch an, wenn die Klippschüler der Geschichtswissenschaft dem alten Chamberlain ewig und drei Tage ins Grab nachrufen, wie falsch er doch gehandelt habe. Ich halte den Versuch, durch die Beseitigung eines an den Deutschen begangenen Unrechts den Frieden sicherer zu machen, für durchaus ehrenwert. Daß Hitler zu dämlich war, um diese Großzügigkeit zu würdigen, ist nicht Chamberlains Schuld. Churchill war keineswegs besonders hell in der Birne, er hatte nur mehr Glück mit seiner Ansicht. Und die Geschichtsschreibung ist eben eine Hure, die sich lieber zu den Gewinnern ins Bett legt. Mit freundlichen Grüßen Fritz Trischberger

Caroline Neufert / 06.04.2014

1. Haben Sie wohl nie ein gebrauchtes Auto gekauft, um zu wissen, dass man sich erst nach der Verhandlung authentifiziert. 2. Würden man Ihrer völkerrechtlichtlichen Argumentation glauben schenken, wäre nicht nur die jetzige Verhandlungsrunde eine Farce, sondern alle seit 1917 ;-).

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