Eran Yardeni, Gastautor / 25.09.2015 / 23:26 / 5 / Seite ausdrucken

Huch! Nackter Mann in Frauen-WG!

Wenn der Name Eva B. Ihnen nichts sagt, ist es überhaupt nicht schlimm. Sie leben nicht alleine in Ihrer Ignoranz, denn auch ich habe nicht die leiseste Ahnung, wer diese Frau ist, wo sie wohnt und wie ihr Hund heißt. Ich weiß nur, dass sie ein Kind hat, einen elfjährigen Jungen, und dass sie sich Sorgen macht. Viele Sorgen. Zum Beispiel, dass ihr Sohn eines Tages Bordellbesucher oder Pornogucker wird.

Um solche akuten Gefahren schon im Keim zu ersticken, ehe sie sich zu fünfdimensionalen Mutationen entwickeln und von Berlin in Richtung Moskau durch Marzahn marschieren, will Eva B. ihren Sohn „kindgerecht und überzeugend“ in das feministische Gedankengut einweihen. Deswegen hat sie sich an Alice Schwarzer gewendet.

Richtig gemacht, denn in dem Lager der Hohepriesterin wartet auf jede Frage eine Antwort. Und in diesem Fall heißt das Zauberwort „gegenhalten“. Falls Sie davon noch nichts gehört haben, hier ist eine kurze Schilderung: „Gegenhalten“ bedeutet, dass man die Idee des Feminismus nicht nur verbal vermitteln, sondern vor allem vorleben muss. „Gegenhalten“ ist mit anderen Worten der Immunstoff gegen den diskriminierenden Unsinn des Alltags.

Und so beliefert die Hohepriesterin Schwarzer die Leserin Eva B. mit einem konkreten Beispiel aus dem deutschen Alltag – versandkostenfrei:

„Eine Freundin von mir, die als alleinerziehende Mutter sehr eng mit ihrem Sohn verbunden war, hat mal Folgendes gemacht. Als der etwa Zehnjährige aus der Schule kam und verkündete: Jungs können viel schneller laufen als Mädchen! ist sie mit ihm auf den Hof gegangen. Da hat sie ein Wettrennen mit ihrem Sohn gemacht – und klar gewonnen. Das war’s“.

Das ist kein Beispiel, sondern eher ein Symptom. Und was genau die Leserin Eva B. mit dieser Einladung zu organisierter Verdummung von ahnungslosen Kindern gemacht hat, überlasse ich Ihrer Vorstellungskraft. Ob man mit solchen krummen Patenten der Menschheit den Porno abgewöhnen kann, daran habe ich meine Zweifel.

Vergessen Sie Eva B. Sie ist schließlich nicht so interessant wie Lisa. Die Letztere ist 25 Jahre alt, hat keine Kinder, dafür aber ein Problem. Die junge Studentin ist irritiert: in ihrer 8er Frauen-WG, sollte ein Mann nackt putzen, weil er eine Wette verloren hatte, und so seine Schulden einlösen musste. Die ganze Aktion empfand sie als demütigend und respektlos, natürlich dem Mann gegenüber. Hingegen konnten ihre Mitbewohnerinnen nicht nachvollziehen, warum eine solche, ohne Zweifel freiwillige, Aktion die arme Lisa verunsichert. „Was meinst du dazu“, wendet sie sich an Schwarzer „ist das ein Fall von Sexismus - oder bin ich einfach nur verklemmt?“

Alice Schwarzers Antwort finden Sie hier. Genau wie ihre Antwort auf die Frage von Sofia, die sich noch nicht im Klaren darüber ist, ob sie mit bloßem Busen sonnen kann (hier), oder ihre Antwort auf die Frage von Martina, ob sie Reizwäsche tragen kann (hier).

Wenn wir solche Probleme haben, dann haben wir keine. 

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Leserpost

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Max Wedell / 27.09.2015

Ich frage mich, ob jemand den Zustand des Emanzipiertseins überhaupt jemals erreichen kann, wenn er oder sie dieses Minimum an gesundem Menschenverstand nicht aufbringen kann, das von Alice Schwarzer beim Verfassen eigentlich aller ihrer Antworten nahezu ausschließlich angewendet wird. Ich hoffe wirklich, daß die Frauen in alltäglichen Angelegenheiten nicht so hilflos sind, wie ihre Fragen nahelegen, sondern daß diese Fragen nur Versuche sind, herauszufinden, ob Alice Schwarzer zu normalem, vernünftigem Denken fähig ist… oder so etwas ähnliches. Die Fragen klingen allerdings doch auch oft so, als würden die Fragestellerinnen Frauenemanzipation als Geheimwissenschaft begreifen, über die nur die höchste Priesterin Erleuchtendes kundtun kann… Warum gerade von vielen jungen Frauen, die sich als emanzipiert bezeichnen, Kritik an Alice Schwarzer aufgekommen ist, hat wohl auch damit zu tun, daß Alice Schwarzer dieses Rollenspiel nicht ungern mitspielt. Und obendrein ziemlich ungehalten werden kann, wenn Renegaten auf der Bildfläche erscheinen.

Otto Meierhaus / 26.09.2015

Danke! Danke! Tausend Dank für diesen Artikel! Ich werde ein Lesezeichen setzen und ihn immer genau dann hervorkramen, wenn mir jemand weis machen will, dass wir eine aufgeklärte Gesellschaft sind, die das Mittelalter hinter sich gelassen hat. Wer einen Rückfall in solche jede Individualität erdrückenden Leitkulturen bei uns nicht für möglich hält ist bestenfalls naiv und denkt fahrlässig. Schlimmstenfalls sind es Leserfragebriefschreiber an Frau Dr. Steuersparer*in in der Bravo-Frau. Mir wird immer klarer, dass man freiheitliche Werte mindestens alle paar Generationen wieder neu erkämpfen oder verteidigen muss. Die Intervalle für Rückfälle in die Vorzivilisation verlaufen dabei offenbar alle vier Generationen. Die erste erkämpfts, die zweite weis es zu schätzen, die dritte kennts nicht anders und die vierte versaut am Ende alles. Das letzte Mal waren es die beiden Weltkriege, davor war es die frz. Revolution, dann gabs die Türkenkriege etc.. und diesmal sind wir (und unsere Kinder) an der Reihe, die Aufklärung vor dem massiv um sich greifenden Moralismus zu verteidigen.

peter luetgendorf / 26.09.2015

Sehr geehrter Herr Dr. Yardeni, das klingt doch für mich wie eine Idee aus der RTL 2 Redaktion?  Wer hat denn gegen wen eine Wette verloren? Waren Männer oder Frauen beteiligt? Kennen MitgliederInnen der WG Männer, die solche Wetten abschließen? Sind die LeserInnen BriefInnen SchreiberInnen wirklich existent? Gruß Peter Lütgendorf

Stefan O. W. Weiß / 26.09.2015

Ach Gott, das erinnert mich an meine jugendliche Bravo-Lektüre. Da gab es so eine Kolumne, “Dr. Sommer antwortet”, wo man als Teenager vertrauensvolle Frage stellen und ebensolche Antworten erhalten konnte. Ich erinnere mich noch, daß ein Leser schrub (ich stärke Verben): “Wie entfernt man Samenflecken aus Bettwäsche? Bitte schnell antworten. Eltern kommen übermorgen zurück”. Leider ist mir die Antwort entfallen. Ich muß wohl an Frau Schwarzer schreiben.

Heiner Bargel / 26.09.2015

Also ich hab da ja auch mal Fragen an Alice Schwarzer: Ist Steuerhinterziehung durch Frauen moralisch gerechtfertigter als durch Männer? Immerhin betrügt man ja “Vater Staat”, also einen Macho, der einem das Geld aus der Tasche zieht. Wirkt sich das Tragen von Reizwäsche beim Akt der Steuerhinterziehung strafmildernd oder strafverschärfend aus, weil man z. B. im Domina-Kostüm “Vater Staat” gegenüber eine Machtposition einnimmt?

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