Jennifer Nathalie Pyka (Archiv) / 09.04.2012 / 02:21 / 0 / Seite ausdrucken

Was Sie über Kondome auf Kuba wissen müssen

Es gibt ja Leute, die nicht nur wegen Karibik-Flair und Salsa gern auf Kuba urlauben, sondern auch aufgrund der „sozialistischen Errungenschaften“, die man auf der Insel hautnah erleben kann. Denn wo sonst findet man denn heute noch Supermärkte ohne kapitalistischen Überfluss, idyllische Abgeschiedenheit durch rudimentären Internetzugang und vollständige Harmonie dank nicht-existenter (da im Knast verfaulender) Opposition? Gut, ein paar Orte gäbe es da schon noch. Zum Beispiel Nordkorea, aber da soll das Wetter ja eher mies sein. Auf Kuba hingegen lacht nicht nur das Sozialistenherz, sondern auch die Sonne!

Einer, der all das schon seit Wochen in vollen Zügen genießt, ist der Verschwörungspraktiker und Occupy-Jünger Oliver Desoi (Sohn von Linken-Politiker und Liedermacher Dr. Jörg-Diether Dehm-Desoi alias IM Willy alias IM Dieter). Wenn er nicht gerade durch Havanna tourt, legt er gern einen kurzen Zwischenstopp im Internetcafé ein, um auf Facebook von seinen großartigen Erlebnissen zu berichten. Doch nun ziehen plötzlich dunkle Wolken am sozialistisch-idyllischen Horizont auf. Oliver hat da nämlich einen nicht ganz unerheblichen Systemfehler entdeckt, und der sieht so aus:

“Die fuenfte Woche infolge frage ich in Dollarapotheken nach westlichen Qualitaetskondomen. Die sind derzeit in ganz Havanna schlichtweg nicht verfuegbar. Wohlwissend ob der sozialistischen Errungenschaften nimmt man(n) natuerlich so etwas Substanzielles mit aus Deutschland, aber jede Reserve geht irgendwann zuende. Stattdessen gibt es seit fuenf Wochen chinesische Kondome. Political Correctness Freunde moegen sich das nicht vorstellen koennen, aber die chinesische und europaeische Physiognomie ist nicht dieselbe. Es gibt Unterschiede.

Ich stehe dreissig Minuten fuer Klopapier an einem Kiosk an, dem einzigen Kiosk im Umkreis, der Klopapier verkauft. Vor mir stehen fuenf Frauen, jede braucht etwa zehn Minuten, um String Tangas, die dort verkauft werden, auszuprobieren, vor sich zu halten und ihrer Freundin vorzufuehren. Diese String Tangas kann man nicht etwa an Wuehltischen anbieten, wo alle Frauen auf einmal abefertigt werden koennten, nein. Man legt sie jeder Frau einzeln auf den Tisch. Und das an dem neuralgischen Punkt, an dem man(n) auch einfach nur sein Klopapier bekommt bzw. bekommen koennte. Nach dreissig Minuten gebe ich auf.

Das einzige, was hier reibungslos, beziehungsweise mit einer akzeptablen Reibung funktioniert, ist die Prostitution, moechte man an solchen Tagen denken. Mein Herz versinkt in bitterem Zynismus. Warum kriegt ihr Idioten das nicht hin, in einem Land, in dem gepoppt wird wie die Karnickel, ordentliche Kondome verfuegbar zu machen? In welchem Sozialismus muss man eine halbe Stunde auf Klopapier warten?“

Ach herrje, was für ein Jammer aber auch! Da reist man extra stundenlang über den großen Teich, und dann scheitert der sozialistische Traum mitsamt seiner großartigen Errungenschaften ausgerechnet an freier Liebe und existentiellen Notwendigkeiten. Ob Che das gewollt hätte? Man weiß es nicht. Wir wünschen dem tapferen Amigo bei seiner Suche jedenfalls viel Erfolg!

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