Jennifer Nathalie Pyka / 15.03.2015 / 10:00 / 8 / Seite ausdrucken

Quote kann nicht gerecht sein

Das Thema wird von einem Nebel der Romantik umgeben – Gleichberechtigung für Frauen sieht anders aus

Wann immer im politischen Berlin »historische« Erfolge zelebriert werden, ist die SPD nicht weit. Schon beim Mindestlohn handelte es sich laut SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi um eine »historische Leistung«. Nun folgte mit der Frauenquote gemäß Familienministerin Manuela Schwesig ein nicht minder »historischer Schritt«. Mehr noch: Der sozialdemokratische Justizminister Heiko Maas beförderte das Gesetz gar zum »größten Beitrag zur Gleichberechtigung seit Einführung des Frauenwahlrechts«.

Fraglich bleibt, inwiefern zu 30 Prozent weiblich besetzte Aufsichtsräte in 108 börsennotierten Unternehmen eine vergleichbar zivilisatorische Errungenschaft wie das Frauenwahlrecht darstellen. Unstrittig dagegen ist Folgendes: Das Wahlrecht ist zunächst einmal ein Grundrecht. Das Recht auf Eigentum und dessen Schutz ebenfalls – das gilt auch für Anteile an DAX-Unternehmen, die wiederum mit einem Stimmrecht für die Wahl des Aufsichtsrats einhergehen. Ein Grundrecht auf einen Posten existiert indes nicht.

Doch derlei Hauptsächlichkeiten verschwinden rasch hinter dem Nebel der Romantik, der dieses Thema umgibt. Da wird starre Ergebnisgleichheit – denn nichts anderes erzeugt die Quote – mal eben in gut klingende »Gleichberechtigung« umetikettiert. Vater Staat weiß ohnehin am besten, was Unternehmen und Frauen guttut. Personalfragen jedoch sollten stets individuell beantwortet und als Summe verschiedener Faktoren betrachtet werden. Wer das bessere Paket bietet, kommt weiter – unabhängig vom Geschlecht. Denn wo Unternehmen frei nach Erfolg streben, rentiert sich Diskriminierung nicht.

Die Macher der Quote reduzieren derlei Prozesse indes nicht nur auf das Geschlecht, das ihnen zufolge eigentlich keine Rolle spielen sollte. Sie sind auch dem Glauben anheimgefallen, von Berlin aus individuelle Entscheidungen in verschiedenen Unternehmen pauschal besser treffen zu können als die unmittelbar Beteiligten.

Ob Ministerin Schwesig es damit in die Geschichtsbücher schafft, bleibt abzuwarten. Das quotierte Frauenbild, wonach Aufsichtsratsposten bei Nicht-Erfüllung der Quote unbesetzt bleiben und eine Frau demnach so viel wie ein leerer Stuhl zählt, dürfte dagegen schon jetzt als historisch gelten.

Jennifer Nathalie Pyka ist freie Journalistin in München. Zuerst erschienen in der Jüdischen Allgemeinen.

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Leserpost

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Ronald M. Hahn / 17.03.2015

In Sachen leerer Stuhl möchte ich für den Fall, dass irgendwann nur noch 52% der Deutschen wählen gehen, den Vorschlag machen, 48% der Stühle im Bundestag unbesetzt zu lassen. Es könnte unseren Politikern vielleicht etwas sagen.

Rainer Brandl / 16.03.2015

Interessant ist auch, daß die Betriebsergebnisse schon jetzt bekannt sind, weil das in Norwegen seit Jahren praktiziert wird. Nach der Ankündigung einer Zwangsquote stürzten die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen ab. der Wert der Unternehmen verringert sich durch die Quote wurden mehr unrentable Investitionsentscheidungen getroffen, die Schulden der Unternehmen sind gewachsen, und das verfügbare Umlaufkapital wurde reduziert. Neugierig bin ich auch wer die Posten ergattern wird. Genannt wurden im Internet Frauen aus den hohen Gewerkschaftspositionen. Bei den Männern hatte das ja bisher immer gut geklappt. Jedenfalls habe ich bisher noch nie gelesen, daß alleinstehende Mütter aus prekären Verhältnissen Lehrgänge besuchen können, wo sie zu Führungskräften von DAX-Unternehmen herangebildet werden. Grüße Rainer Brandl

Roland Schmiermund / 16.03.2015

Dieses Geschlechterselektionsgesetz ist definitiv grundgesetzswidrig, auch wenn uns die Damen und Herren der politischen Klasse eine andere Geschichte dazu erfunden haben. Die DAX-Unternehmen müssen darauf überhaupt nicht reagieren. Das Geschlechterselektionsgesetz sieht keinerlei Sanktionierung vor. Das könnte wiederum eine Strategie sein, womit sie die Richter in Rot besänftigen könnten. Es immer wieder interessant mit was wie Unsinnigkeiten der Bundestag und Bundesrat beschäftigt und dringliche Fragestellung nicht angegangen werden.

Martin Lahnstein / 15.03.2015

Wenn wieder einmal im Supermarkt zu wenig Kassen besetzt sind - gibt es am Ende schon eine Männerquote für den durchaus auch für Männer interessanten Beruf Kassierer?

Hans-Peter Hammer / 15.03.2015

“Sie sind auch dem Glauben anheimgefallen, von Berlin aus individuelle Entscheidungen in verschiedenen Unternehmen pauschal besser treffen zu können als die unmittelbar Beteiligten.” Das alte sozialistische planwirtschaftliche Denken! Das gab’s schon mal; und die Zentrale befand sich auch in Berlin (Hauptstadt der DDR/Ost-Berlin); oder in Moskau, in Warschau, in Prag, in…..! Wie man es dreht und wendet: Hinter Gender* steckt letztlich Marx, bzw. Murx, bzw. der alte totalitäre Geist! * Vulgär-Sozialismus, wie Michael Klein so treffend formulierte. Kurt Schumacher hatte es richtig erkannt: “Kommunisten sind nur rotlackierte Faschisten!” Ich erweitere: “Ob Rot, Grün, Lila oder Braun, unter dem Lack herrscht derselbe Geist!” Noch nie hatten wir so viele Frauen in Politik und Verwaltung! Und noch nie waren Politik und Verwaltung so schlecht! Ist das nun eine Korrelation oder eine Kausalität?

Marc Jenal / 15.03.2015

Wirtschaftsfördernd: Die Quote eröffnet neue Geschäftsfelder. Nebst dem Einfrieren der Eizellen werden zahlungskräftige Unternehmen gleich die Geschlechtsumwandlung nach jeweiligem Bedarf anbieten oder verlangen. Idealerweise fördert ein Unternehmen ansonsten Hermaphroditen um die Quote in jedem Fall zu erfüllen. Weitere Aufgabenbereiche: Ausserdem, warum bei Aufsichtsräten halt machen? Auch die Müllabfuhr, Kindertagesstätten, Öl-Plattformen, nahezu jedes Wirtschaftsfeld verdient doch eine Quote! Weitere förderungswürdige Gruppen: Warum nur Quoten für Frauen? Ein modernes Land fördert weitere förderungswürdige Gruppen. Fähigkeiten, Kontakte, Einfluss, Seilschaften und jetzt neu das Geschlecht war gestern. Im zukünftigen Anforderungskatalog werden zahlreiche weitere Bedingungen stehen. Jede Gruppe, die keine eigene Quote durchbringt, zeigt doch nur, dass sie keine starke Lobby hat!   So könnten bald auch Quoten für Personen unterschiedlichen Alters, Hautfarbe, Religion, Ethnie, Ausbildung, Sprache, sexueller Orientierung, mit/ohne Kind, Nicht-/Raucher, Veganer/Fleischesser, usw. geschaffen werden. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Eine Glanzleistung an Planung und Kombination ist dann nötig, damit Aufsichtsräte nicht ins Ausland ausgelagert werden müssen. Eine historische Leistung mit Vorbildfunktion, die einem nur noch staunen lässt.

Kerstin Weber / 15.03.2015

Die Einführung dieses Gesetzes ist so überflüssig wie ein Kropf am Hals. Jede selbstbewusste, intelligente Frau möchte aufgrund ihres Könnens und ihrer Leistungen eine bestimmte Position besetzen und nicht aufgrund einer Quote. Dies ist ja schon fast wieder diskriminierend!

Stefan Fischer / 15.03.2015

Und, wo ist der energische Protest der Dax-Unternehmen? Ohne das gegenseitig fruchtbare und profitable Händchenhalten von Staat und Großunternehmen, wäre eine Frauenquote gar nicht durchzusetzen. Die besten unserer Kombinate glänzen sicher wieder bald mit tollen Selbstverpflichtungen.

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