Hannes Stein (Archiv) / 02.08.2011 / 00:28 / 0 / Seite ausdrucken

Reden wir mal nicht über den Islam

Reden wir mal kurz von der Vendée. Ich bin überzeugt: Wenn es das wunderherrliche 20. Jahrhundert nicht gegeben hätte, würden wir heute noch mit Schaudern von diesem Genozid sprechen. So ist der Massenmord, den die Jakobiner im Namen von Liberté Egalité Pfefferminztee verübt haben, nach gut 300 Jahren weitgehend im Vergessen versunken. Dabei scheint mir, dass in der Vendée eine böse Saat gesät wurde, die im vorigen Jahrhundert aufgegangen ist. Zur Einstimmung ein berühmtes Zitat:

 

« Il n’y a plus de Vendée. Elle est morte sous notre sabre libre, avec ses femmes et ses enfants. Je viens de l’enterrer dans les marais et dans les bois de Savenay. Je n’ai pas un prisonnier à me reprocher. J’ai tout exterminé. »
„Es gibt keine Vendée mehr. Sie ist mit unserem Säbel der Freiheit niedergemacht worden, mitsamt Frauen und Kindern. Ich habe sie in den Sümpfen und Wäldern von Savenay begraben. Man kann mir keine Gefangenen vorwerfen. Ich habe alles ausgelöscht.“


Jetzt die erste Frage: Haben General Westermann et al. in der Vendée nur aus kranker Lust gemordet? War ihnen Ideologie dabei eigentlich wurscht, so lange sie nur Frauen und Kinder abschlachten konnten? Oder lag dem Massaker nicht doch ein Befehl des Wohlfahrtsausschusses, zugrunde? Kämpfte hier die französische Revolution etwa nicht gegen jene, die sie als ihre Hauptfeinde empfand (katholische Bauern, die des Lesens und Schreibens nicht kundig waren)?

Zweite Frage: Welche Verantwortung tragen die französischen Aufklärer für den Genozid in der Vendée? Gar keine? Muss uns in diesem Zusammenhang interessieren, dass Voltaire ein Antisemit und Rassist war? (Einer der längsten Artikel in der „Encyclopédie“ trägt den Titel „Juif“, es handelt sich um eine Ansammlung von widerlichen judenfeindlichen Klischees.) Muss uns interessieren, dass Jean Jaques Rousseau, übrigens ein erklärter Fan des Islam, die „volonté générale“, also den kollektiven Willen des Volkes, für unfehlbar hielt, während die „volonté de tout“ nichts weiter sei als die Ansammlung der individuellen Einzelinteressen, ergo irgendwie pfui?

Dritte Frage: Ist die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ gut und recht und heilig, obwohl an ihr das Blut der Einwohner der Vendée klebt?

Vierte Frage: Ist es erlaubt, über den Genozid in der Vendée zu reden, obwohl das faschistische Vichy-Frankreich nach 1940 sich ausdrücklich als Erbin des Aufstandes in der Vendée empfand?

Fünfte Frage: Gibt es irgendeine Idee, ich meine keine Platitüde, sondern eine echte Idee, in deren Namen kein Blut vergossen wurde? Und was sagt uns das über Ideen?

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